Lexikon-Eintrag

Kleines Wiesenvögelchen Coenonympha pamphilus

Kleines Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie
Nymphalidae
Gattung
Coenonympha

Überblick

Einleitung

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) ist ein Tagfalter aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae), der auch als Kleiner Heufalter bezeichnet wird. Die Art ist in fast ganz Europa, Nordafrika, der Türkei und dem Mittleren Osten bis in die Mongolei weit verbreitet. Sie besiedelt als eurythermer Offenlandbewohner verschiedene grasartige Lebensräume wie Wiesen, Weiden und Magerrasen.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Raupen erreichen eine Körperlänge von etwa 18 Millimetern und besitzen eine hellgrüne Kopfkapsel sowie zwei kleine Zipfel am Hinterleibsende.
  • Auf dem Rücken der hellgrünen Raupen verläuft eine dunkle, hell gesäumte Längslinie, flankiert von einer gut erkennbaren, gelb-weißen Linie an jeder Seite.
  • Die hellgrüne Stürzpuppe ist stark untersetzt und weist auf den Flügelscheiden ein bis zwei dunkle, breit hell gesäumte Streifen auf.
  • Die Raupen können in jedem ihrer Entwicklungsstadien überwintern und schalten zuvor gegebenenfalls eine Sommerpause ein.
  • Als Raupennahrung dienen neben Echtem Schaf-Schwingel und Wiesenrispengras auch zahlreiche weitere Süßgräser wie Straußgräser, Schmielen, Ruchgräser, Borstgräser, Zwenken, Silbergräser, Kammgräser und Traubenhafer.
  • Die Verpuppung der Tiere findet nahe am Boden an Pflanzen statt.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) ist ein kleiner Tagfalter aus der Familie der Edelfalter. Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 23 bis 33 Millimetern. Ihre Flügeloberseiten zeigen eine bräunliche, ockerfarbene oder leicht ins Orange gehende Grundfärbung mit einem unauffälligen, grauen Rand sowie einem verwaschenen, dunklen Punkt nahe der Vorderflügelspitze. Die Hinterflügelunterseiten variieren zwischen weißgelben, grauen und gräulichen Tönen und tragen eine angedeutete helle Querbinde. Auf den kräftiger orange gefärbten Unterseiten der Vorderflügel befindet sich ein schwarz gefärbter Augenfleck mit weißem Kern und hellem Rand, der allerdings reduziert sein kann oder gänzlich fehlt. Ähnliche Arten wie das Große Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia) sowie Coenonympha rhodopensis, Coenonympha thyrsis und Coenonympha lyllus erfordern eine genaue Betrachtung der Flügelzeichnung zur Abgrenzung. Die Eier des Kleinen Wiesenvögelchens sind zunächst grün gefärbt und weisen im weiteren Verlauf eine braune Gesprenkelung auf. Die hellgrünen Raupen erreichen eine Länge von etwa 18 Millimetern und besitzen eine ebenfalls hellgrüne Kopfkapsel. Auf dem Rücken tragen sie eine dunkle, hell gesäumte Längslinie, während an den Flanken jeweils eine weitere, auffällige gelb-weiße Linie verläuft. Am Hinterleibsende der Raupen ragen zwei kleine Zipfel hervor. Die hellgrüne Stürzpuppe ist stark untersetzt und weist auf den Flügelscheiden ein bis zwei dunkle Streifen auf, die breit hell gesäumt sind.1

Porträt

Beschreibung

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) ist ein weit verbreiteter Tagfalter aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae), der sich durch eine starke Anpassung an offene, warme Habitate auszeichnet. Die Art besiedelt bevorzugt Magerrasen, Weiden und trockenere Wiesenbiotope von den Niederungen bis in Höhenlagen von 2000 Metern, in Nordafrika sogar bis 2700 Metern. Im natürlichen Lebensraum fällt die Art durch ihren bodennahen, wendigen Flug in grasigen Offenlandstrukturen auf. Bezüglich der Territorialität zeigt sich ein interessanter Verhaltensdimorphismus, bei dem größere Männchen besonders bei niedrigen Temperaturen aktiv Territorien besetzen, während kleinere Individuen außerhalb dieser Zonen agieren. Die Eiablage erfolgt einzeln an trockenen Stängeln nahe am Boden in niederwüchsigen Grasbeständen. Die Raupen ernähren sich polyphag von verschiedenen Süßgrasarten wie dem Echten Schaf-Schwingel (Festuca ovina) oder dem Wiesenrispengras (Poa pratensis). Während der Entwicklung zeigen die Larven eine hohe Flexibilität, da sie in jedem der Raupenstadien überwintern und zuvor eine Sommerpause einlegen können. Die Verpuppung erfolgt schließlich nah am Boden an Pflanzen. Die Falter fliegen in Mitteleuropa meist in zwei bis drei Generationen von Februar bis November, wobei die Voltinität stark vom lokalen Klima abhängt und in ungünstigen Regionen wie Nordskandinavien auf eine Generation reduziert ist. Morphologisch unterscheidet sich Coenonympha pamphilus von nahen Verwandten wie Coenonympha tullia oder dem Artkomplex um Coenonympha lyllus, wobei letztere auf der Iberischen Halbinsel unter anderem durch eine abweichende schwarze Kopfkapsel der Raupe abgetrennt ist.1 Erstbeschrieben wurde die Art im Jahr 1758 von Carl von Linné in der 10. Auflage der Systema Naturae mit dem Typenfundort Schweden.1

Systematik

Name & Einordnung

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) gehört zur Familie der Edelfalter (Nymphalidae) innerhalb der Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera).1 Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1758 durch Carl von Linné in der 10. Auflage des Werkes Systema Naturae unter der ursprünglichen Kombination Papilio pamphilus. Als Typenfundort für die Art ist Schweden angegeben. Neben der gültigen Kombination existieren in der taxonomischen Literatur verschiedene historische Synonyme wie Papilio menalcas Poda, 1761, Papilio procris Geoffroy, 1764, Papilio nephele Hufnagel, 1766 und Coenonympha pamphiloides Reakirt, 1866. Im Laufe der Forschungsgeschichte wurden zahlreiche Unterarten beschrieben, deren taxonomischer Status jedoch zum Teil unklar ist. Zu diesen infraspezifischen Taxa gehören unter anderem Coenonympha pamphilus marginata Heyne, [1894], Coenonympha pamphilus orantia Fruhstorfer, 1908 sowie zahlreiche weitere von Verity im Jahr 1926 publizierte Formen wie Coenonympha pamphilus centralis und Coenonympha pamphilus barcionis. Im deutschsprachigen Raum ist die Art neben dem Hauptnamen Kleines Wiesenvögelchen auch unter der Bezeichnung Kleiner Heufalter bekannt.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) zeigt eine komplexe Fortpflanzungsbiologie, bei der besonders bei niedrigen Temperaturen größere Männchen ausgeprägtes Territorialverhalten zeigen. Diese Territorien werden aktiv von unverpaarten Weibchen zur Balz aufgesucht, während verpaarte Weibchen sie meiden. Kleinere Männchen agieren dagegen außerhalb dieser Reviere. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an trockenen Stängeln nahe am Boden in niederwüchsigen Grasbeständen ab. Aus den grün gefärbten und später braun gesprenkelten Eiern schlüpfen Raupen, die sich über mehrere Stadien entwickeln und eine Länge von etwa 18 mm erreichen. Die hellgrünen Raupen besitzen eine dunkle, hell gesäumte Rückenlinie sowie gut erkennbare gelb-weiße Seitenlinien und zwei kleine Zipfel am Hinterleibsende. Als Nahrungspflanzen der polyphagen Raupen dienen diverse Süßgrasarten wie Echter Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Wiesenrispengras (Poa pratensis) sowie Vertreter der Gattungen Agrostis, Deschampsia, Anthoxanthum, Nardus, Brachypodium, Corynephorus, Cynosurus und Danthonia. Die Raupen zeigen eine hohe Plastizität in ihrer Entwicklung und können in jedem der Raupenstadien überwintern, wobei zuvor oft eine Sommerpause eingelegt wird. Nach der Raupenphase verpuppen sich die Tiere nahe dem Boden an Pflanzen, wobei die entstehende Stürzpuppe hellgrün, stark untersetzt ist und auffällige, dunkel gefärbte und breit hell gesäumte Streifen auf den Flügelscheiden trägt. Die Art ist multivoltin und fliegt in Mitteleuropa meist in zwei bis drei Generationen von Februar bis November, während in klimatisch ungünstigen Regionen wie dem nördlichen Skandinavien, Schottland oder alpinen Hochlagen nur eine Generation im Sommer ausgebildet wird. Belastbare quantitative Daten zur genauen Dauer einzelner Entwicklungsstadien in Abhängigkeit von spezifischen Temperaturen sowie zu Mortalitätsfaktoren und natürlichen Feinden fehlen in der aktuellen Literatur weitgehend.1

Lebensweise

Verhalten

Das Kleine Wiesenvögelchen zeigt eine ausgeprägte Anpassung an offene Habitate und hohe Temperaturen. Besonders bei niedrigen Temperaturen zeigen größere Männchen ein ausgeprägtes Territorialverhalten. Diese Territorien werden von unverpaarten Weibchen aktiv zur Balz aufgesucht, während verpaarte Weibchen diese Bereiche meiden. Im Gegensatz dazu halten sich kleinere Männchen mit geringerer Paarungswahrscheinlichkeit außerhalb dieser Revierstrukturen auf. Die Eiablage erfolgt durch die Weibchen einzeln an trockenen Stängeln nahe am Boden in niederwüchsigen Grasbeständen. Die Raupen entwickeln sich unterschiedlich schnell und zeigen die Fähigkeit, in jedem der Raupenstadien zu überwintern, wobei zuvor noch eine Sommerpause eingelegt werden kann. Die Verpuppung findet nahe dem Boden an Pflanzen statt.1

Lebensweise

Ökologie

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) ist als eurytherme Art optimal an die hohen Temperaturen des Offenlandes angepasst und besiedelt ein breites Spektrum an offenen Lebensräumen wie Wiesen, Weiden, Magerrasen mit Lücken, Böschungen sowie Ruderalflächen und Sand- und Kiesgruben. Die vertikale Verbreitung reicht im alpinen Raum bis in Höhen von 2000 Metern, in Nordafrika sogar bis 2700 Meter. Besondere mikroklimatische Ansprüche zeigen sich im Territorialverhalten der größeren Männchen, die bei niedrigen Temperaturen aktiv Wiesenabschnitte als Revier verteidigen, während kleinere Männchen außerhalb dieser Zonen verweilen. Die Eiablage erfolgt einzeln an trockenen Stängeln nahe am Boden in niederwüchsigen Grasbeständen. Als polyphage Raupen ernähren sich die Tiere von zahlreichen Süßgrasarten, darunter Echter Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Wiesenrispengras (Poa pratensis) sowie Vertreter der Gattungen Straußgräser (Agrostis), Schmielen (Deschampsia) und Ruchgräser (Anthoxanthum). Die Raupen können in jedem beliebigen Larvalstadium überwintern, nachdem sie zuvor gegebenenfalls eine Sommerpause eingelegt haben. Die Verpuppung findet als hellgrüne Stürzpuppe nahe dem Boden an Pflanzen statt. In Abhängigkeit vom regionalen Klima fliegen die Falter in zwei bis drei Generationen von Februar bis November, während in klimatisch ungünstigen Regionen wie Nordskandinavien, Schottland oder alpinen Hochlagen nur eine Generation im Sommer ausbildet.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) besitzt ein ausgedehntes, zentralasiatisch-europäisches Verbreitungsgebiet, das sich von Nordafrika über fast ganz Europa und die Türkei bis in den Mittleren Osten und die westliche Mongolei erstreckt.12 In Europa ist die Art weit verbreitet und häufig, fehlt jedoch auf einigen Inseln wie Kreta oder den Shetlandinseln, wo sie teilweise durch verwandte Arten ersetzt wird. Die vertikale Verbreitung reicht vom Flachland bis in alpine Höhenstufen von 2000 m in den Alpen und bis zu 2700 m in Nordafrika.1 Als eurytherme und eurychore Art ist Coenonympha pamphilus gut an die hohen Temperaturen des Offenlandes angepasst.13 Typische natürliche Habitate umfassen Wiesen, Weiden, lückenhafte Magerrasen sowie grasige Bereiche an Böschungen und Wegrändern.1 Darüber hinaus besiedelt die Art Agrarlandschaften, Heidegebiete, Sand- und Kiesgruben sowie Ruderalflächen.13 Aggregierten Beobachtungsdaten zufolge ist die Art zudem in ariden, blütenreichen Wiesen, Bergweiden und gelegentlich in Feuchtwiesen zu finden.2 Als Raupennahrungspflanzen dienen verschiedene Süßgrasarten wie Echter Schaf-Schwingel (Festuca ovina) und Wiesenrispengras (Poa pratensis). Die Eiablage erfolgt einzeln an trockenen Stängeln nahe am Boden in niederwüchsigen Grasbeständen.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Schwülper, Lower Saxony, Deutschland

    23.06.2026

  • Vaterst., H.-Marschner-Str., 85591 Vaterstetten, Deutschland

    23.06.2026

  • Kronhorst-Groß Fredenwalde, Gerswalde, Brandenburg, Deutschland

    23.06.2026

  • Deutschland

    23.06.2026

  • Germany

    23.06.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
5
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 27.07.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) zeigt im Jahresverlauf eine hohe Flexibilität in seiner Aktivität und tritt in Mitteleuropa meist in zwei bis drei Generationen auf. Die Flugzeit der Falter erstreckt sich im Regelfall von Februar bis November. In klimatisch begünstigten Regionen folgen mehrere Generationen aufeinander, während in ungünstigen Arealen wie dem nördlichen Skandinavien, Schottland und den alpinen Hochlagen lediglich eine Generation im Sommer ausgebildet wird. Das Erscheinen der ersten Generation sowie die Individuenzahl hängen dabei stark von den klimatischen Bedingungen des jeweiligen Lebensraums ab. Ergänzende Beobachtungen belegen Generationszyklen mit Hauptphasen im April bis Mai sowie von Juli bis August, zu denen sich mitunter eine partielle dritte Generation im Oktober gesellen kann.1 Das öffentliche Suchinteresse spiegelt diese Dynamik wider und verzeichnet deutliche Höhepunkte in den Monaten Mai und Juni. Als Überwinterungsstadium fungieren die Raupen, welche sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden können. Vor der Überwinterung durchlaufen die Larven häufig eine Sommerpause. Die Entwicklung der Raupen verläuft ungleichmäßig, und die Verpuppung findet bodennah an Pflanzen statt. Als tagaktive Art sind die Falter gut an die hohen Temperaturen des Offenlandes angepasst. Bei niedrigeren Temperaturen zeigen insbesondere die größeren Männchen ausgeprägtes Territorialverhalten zur Verteidigung ihrer Reviere.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Coenonympha pamphilus besitzt keinerlei Bedeutung als Schädling oder Lästling, sondern agiert als herbivorer Pflanzenfresser im Larvalstadium und als Bestäuber im Adultstadium in offenen Offenlandbiotopen. Ein Schadpotenzial an landwirtschaftlichen Kulturen oder Nutzpflanzen ist für die Art nicht dokumentiert, da sich die Raupen ausschließlich von verschiedenen Süßgrasarten wie Echtem Schaf-Schwingel (Festuca ovina) und Wiesenrispengras (Poa pratensis) ernähren. Medizinische oder gesundheitliche Relevanzen wie Allergien oder Vektoreigenschaften sind durch Coenonympha pamphilus nicht gegeben. Spezifische Befallsanzeichen oder wirtschaftliche Schadbilder existieren folglich nicht, weshalb auch keine präventiven oder chemischen Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich sind. Aufgrund der ökologischen Einordnung als ungefährdeter und nützlicher Bestandteil von Magerrasen und Wiesenbiotopen sind keine Bekämpfungsmaßnahmen, Fallen oder Monitoring-Methoden zur Populationsregulierung vorgesehen. Rechtliche Aspekte bezüglich Quarantänevorschriften oder Meldepflichten greifen bei dieser Art ebenfalls nicht. Belastbare Daten zu artspezifischen Schädlingsbekämpfungsstrategien fehlen, da das Kleine Wiesenvögelchen ausschließlich als ökologisch unbedenklicher Insektennachweis in naturnahen Lebensräumen gilt.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Kleines_Wiesenv%C3%B6gelchen
  2. gbif.org/species/1911461