Lexikon-Eintrag

Tagpfauenauge Aglais io

Tagpfauenauge (Aglais io), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie
Nymphalidae
Gattung
Aglais

Überblick

Einleitung

Das Tagpfauenauge (Aglais io, Syn.: Inachis io, Nymphalis io) ist ein Schmetterling aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) und zeichnet sich durch markante Augenflecken auf den Flügeln aus. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Mitteleuropa über Teile Asiens bis nach Japan. Die Art besiedelt diverse Offenland- und Waldhabitate und kommt in Höhenlagen bis zu 2500 m vor.

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Raupen erreichen eine maximale Länge von circa 42 Millimeter und sind durch eine schwarze Körperfärbung mit zahlreichen feinen weißen Punkten und schwarzen Dornen gekennzeichnet.
  • Zum Überwintern nutzen die Falter geschützte und leicht feuchte Quartiere wie Höhlen, Keller, Ziegenställe oder Fuchsbaue, während sie auf Dachböden aufgrund von Feuchtigkeitsmangel vertrocknen.
  • Populationen auf der griechischen Insel Samos, wo keine Brennnesseln wachsen, ernähren sich stattdessen von Aufrechtem Glaskraut (Parietaria officinalis).
  • Elektrophysiologische Untersuchungen der Fühler belegen, dass die Falter über Rezeptoren für die meisten Geruchskomponenten von Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii) und Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) verfügen.
  • Die Flügelunterseiten der Falter sind durch eine feine dunkelgraue und schwarze Marmorierung getarnt.3

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Das Tagpfauenauge (Aglais io) ist ein charakteristischer Edelfalter mit einer Flügelspannweite von 50 bis 55 mm und einer rostrot gefärbten Flügelgrundseite. An jeder Vorder- und Hinterflügelspitze befindet sich als unverkennbares Bestimmungsmerkmal ein auffälliger Augenfleck in den Farben Schwarz, Blau und Gelb. Die Vorderflügel zeigen zudem am vorderen Rand größere schwarze und weiße Flecken sowie eine eng weiß-schwarz gemusterte Basis. Der Körper sowie der Bereich um den Flügelansatz sind breit graubraun gefärbt. Im ruhenden Zustand mit zusammengeklappten Flügeln tarnt die Art sich durch eine feine dunkelgraue und schwarze Marmorierung der Flügelunterseiten als dürres Blatt. Die Eier des Tagpfauenauges sind etwa 1 mm groß, grün gefärbt und weisen acht feine Längsrippen auf.1 Aus ihnen schlüpfen ca. 3 mm lange Raupen mit weiß-grünlicher Färbung und einer glänzenden schwarzen Kopfkapsel. Ausgewachsene Raupen erreichen eine Länge von etwa 42 mm und zeichnen sich durch einen tiefschwarzen Körper mit zahlreichen feinen weißen Punkten und schwarzen Dornen aus. Die Stürzpuppen haben anfangs eine hellgrüne Färbung, die später in ein Graugrün oder Braun umschlägt. Zusätzlich tragen die Puppen zwei Reihen glänzender Dornen sowie mehrere metallfarbene Flecken.1

Porträt

Beschreibung

Das Aglais io ist ein auffälliger Edelfalter, der durch seine markante Flügelzeichnung und eine bemerkenswerte Langlebigkeit von bis zu elf Monaten charakterisiert ist. Im natürlichen Lebensraum fällt die Art durch ihre rostrote Grundfärbung und die charakteristischen Augenflecken an den Flügelspitzen auf. Diese Augenflecken dienen als wirksame Abwehrstrategie gegen Vögel, während ein bei Bedrohung erzeugtes zischendes Geräusch vor allem gegen Mäuse wirksam ist. Im Ruhezustand mit zusammengeklappten Flügeln tarnen sich die Falter als dürre Blätter. Männchen verteidigen im Frühjahr und Sommer nachmittags Territorien in der Nähe von Eiablageplätzen durch manövrierfähige Flugwettkämpfe. Die Falter nutzen ihren Geruch zur gezielten Nahrungssuche und besitzen entsprechende Rezeptoren an den Fühlern für verschiedene Blütenpflanzen. Die Eiablage erfolgt an der Unterseite von Futterpflanzen, wobei Weibchen 50 bis 200 Eier ablegen. Die frisch geschlüpften Raupen sind etwa 3 mm lang, weisen eine weiß-grünliche Färbung mit glänzender schwarzer Kopfkapsel auf und leben gemeinschaftlich in einem Gespinst, das Schutz vor Parasiten bietet. Ausgewachsene Raupen erreichen eine Länge von circa 42 mm und sind tiefschwarz mit feinen weißen Punkten sowie schwarzen Dornen gefärbt. Nach mehreren Häutungen verpuppen sich die Raupen als Stürzpuppen an vertrockneten Stängeln. Die junge Puppe ist hellgrün und entwickelt später eine graugrüne oder braune Färbung mit glänzenden Dornen und metallfarbenen Flecken. Nach etwa zwei Wochen schlüpft der Falter, pumpt seine Flügel mit Hämolymphe und Luft auf und lässt sie erhärten. Die Art bildet je nach Region bis zu zwei Generationen aus und überwintert als adulter Falter in geschützten Quartieren.1

Systematik

Name & Einordnung

Das Tagpfauenauge (Aglais io) gehört zur Familie der Edelfalter (Nymphalidae) innerhalb der Schmetterlinge. Der gültige wissenschaftliche Name der Art wird heute als Aglais io geführt, während in älterer Literatur häufig die Synonyme Inachis io oder Nymphalis io verwendet wurden. Der Artname leitet sich aus der griechischen Mythologie von Io ab, einer Geliebten des Zeus. Im deutschen Sprachraum ist ausschließlich der Trivialname Tagpfauenauge gebräuchlich, welcher sich auf die auffälligen Augenflecken auf den Flügeln bezieht. Die Art wurde im Jahr 2009 in Deutschland zum Schmetterling des Jahres gewählt. Belastbare historische Details zur genauen Erstbeschreibung durch Carl von Linné fehlen im vorliegenden Textkorpus, weshalb hierzu auf standardisierte zoologische Nomenklaturwerke verwiesen wird. Eine vollständige taxonomische Einordnung oberhalb der Familienebene wird an anderer Stelle behandelt.1

Videos

Aus der Community

Beobachtungen und Einreichungen unserer Nature-Community

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Aus der Community

Kurze Videos

Aus der silbarkrift.community, aufgenommen mit OpenInsect

1 Video

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzungsbiologie von Aglais io ist durch territorial aversives Paarungsverhalten der Männchen im Frühjahr und Sommer gekennzeichnet, die nachmittags geeignete Eiablageplätze verteidigen. Weibchen legen 50 bis 200 grüne Eier mit einem Durchmesser von circa 1 mm und acht feinen Längsrippen auf die Unterseite der Blätter von windgeschützten Futterpflanzen ab. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die circa 3 mm langen Larven, die eine weiß-grünliche Färbung und eine glänzende, schwarze Kopfkapsel aufweisen. Die Raupen leben in den ersten Stadien gemeinschaftlich in einem Gespinst, das einen wirksamen Schutz gegen Parasiten bildet. Nach insgesamt vier Häutungen und einer Entwicklungszeit von etwa drei bis vier Wochen sind die Raupen ausgewachsen, erreichen eine Länge von circa 42 mm und färben sich tiefschwarz mit weißen Punkten. Die Verpuppung erfolgt als Stürzpuppe an vertrockneten Stängeln oder Ähnlichem, wobei sich die jungen Puppen zunächst hellgrün präsentieren und später eine graugrüne oder braune Färbung annehmen. Nach circa zwei Wochen schlüpft der adulte Schmetterling aus der Puppenhülle. In Mitteleuropa ernähren sich die Raupen fast ausschließlich von der Großen Brennnessel (Urtica dioica), während auf der Insel Samos das Aufrechte Glaskraut (Parietaria officinalis) als Wirtspflanze dient. Die Falter nutzen als Adulte Blütenpflanzen als Nektarquelle und erkennen geeignete Nahrungspflanzen primär über ihren Geruch. Die Art bildet in der Regel zwei Generationen pro Jahr aus, wobei die Falter der ersten Generation von Juni bis August und die der zweiten von August bis Oktober fliegen. Überwinternde Adulte können nach der Diapause bereits von März bis Mai beobachtet werden. Die Gesamtlebensdauer adulter Falter kann unter Einbeziehung der Überwinterung bis zu 11 Monate betragen. Als natürliche Mortalitätsfaktoren wirken insbesondere parasitische Fliegenarten wie Sturmia bella und Phryxe vulgaris sowie verschiedene Schlupfwespenarten, die Eier, Raupen oder Puppen parasitieren.1

Lebensweise

Verhalten

Das Aglais io orientiert sich bei der Nahrungssuche primär über den Geruch, wobei unerfahrene Falter den Duft der artspezifischen Hauptnahrungspflanzen bevorzugen. Nach Erfolg oder Misserfolg bei der Nektarsuche passen die Tiere ihre Geruchspräferenzen flexibel an. Männliche Falter verteidigen im Frühjahr und Sommer nachmittags Territorien in der Nähe geeigneter Eiablageplätze. Diese Territorialkämpfe werden als Manövrierfähigkeitswettkämpfe ausgetragen, bei denen sich schließlich das manövrierfähigere Männchen im Revier durchsetzt. Im Ruhezustand tarnen sich die Falter mit zusammengeklappten Flügeln als dürre Blätter. Bei drohender Gefahr läuft ein komplexes Abwehrprogramm ab, bei dem die Flügel ruckartig auseinandergeklappt und gleichzeitig zischende Geräusche sowie die auffälligen Augenflecken gezeigt werden. Diese optische Schreckreaktion wirkt besonders effektiv auf Vögel, während das Zischen vor allem gegen Mäuse Schutz bietet. Die Raupen leben in den frühen Stadien gemeinschaftlich in einem Gespinst, das die Futterpflanze überzieht. Dieses aggregative Verhalten bietet einen wirksamen Schutz vor Parasiten wie Schlupfwespen. Vor der Verpuppung zerstreuen sich die Raupen und hängen sich an vertrockneten Stängeln auf.1

Lebensweise

Ökologie

Das Aglais io besetzt als im adulten Stadium nahrungsuchender Bestäuber und als Raupe herbivorer Konsument eine spezifische ökologische Nische in offenen und sonnigen Lebensräumen wie lichten Wäldern, Parkanlagen und Gärten bis in Höhenlagen von 2500 m. Als eurytope Art kommt die Art mit anthropogenen Eingriffen gut zurecht, was unter anderem durch das rasche Wachstum von Brennnesseln auf stickstoffreichen Böden begünstigt wird. In Mitteleuropa ernähren sich die Raupen fast ausschließlich von der Großen Brennnessel (Urtica dioica), während selten an Echtem Hopfen (Humulus lupulus) gefressen wird. Auf der Insel Samos ausgewichene Populationen nutzen stattdessen das Aufrechte Glaskraut (Parietaria officinalis). Weibchen legen Eier gezielt auf ältere, stickstoffärmere Brennnesseln im Halbschatten ab. Die Raupen leben gemeinschaftlich in einem Gespinst, das als wirksamer Schutz gegen Parasiten wie Schlupfwespen dient. Als Hauptfeinde der Raupen gelten die Fliegenarten Sturmia bella und Phryxe vulgaris, die sich parasitär von ihnen ernähren. Im adulten Stadium schützt sich das Tagpfauenauge durch eine wirksame Abwehrstrategie mit Augenflecksignalen und zischenden Geräuschen vor Fressfeinden wie Vögeln und Mäusen. Territorial agierende Männchen verteidigen im Frühjahr und Sommer nachmittags ihre Reviere in der Nähe geeigneter Eiablageplätze durch manövrierfähige Flugwettkämpfe.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Aglais io erstreckt sich von Mitteleuropa über Teile Asiens bis nach Japan.1 In Europa umfasst das Areal weite Teile des Kontinents, wobei der Norden sowie Teile der Iberischen Halbinsel und Griechenlands von der Verbreitung ausgenommen sind. Die Art besiedelt dort Areale von der Ebene bis in Höhenstufen von 2500 m.12 Als eurypoke Art besiedelt das Tagpfauenauge eine Vielzahl offener und sonniger Habitate.2 Dazu zählen offene Wälder, Waldränder, bewaldete Ufer, feuchte Wiesen sowie Brachflächen und gestörte Böden.12 Auch in felsigen, mit Büschen und kleinen Bäumen geschützten Schluchten an der alpinen Waldgrenze ist die Art anzutreffen.2 Durch ihre Anpassungsfähigkeit kommt die Art zudem in vom Menschen geprägten Lebensräumen wie Parks, Gärten und Agrarlandschaften vor. Begünstigt wird dieses Vorkommen im Siedlungsbereich und in Offenlandschaften durch das rasche Wachstum von Brennnesseln auf stickstoffreichen Böden. Als Raupennahrung dienen in Mitteleuropa fast ausschließlich Exemplare der Großen Brennnessel, während auf der Insel Samos das Aufrechte Glaskraut genutzt wird. Zum Überwachen und Überwintern suchen die adulten Falter geschützte, leicht feuchte Quartiere wie Höhlen, Keller, Ziegenställe oder Fuchsbaue auf.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, Deutschland

    01.05.2026

  • Deutschland

    01.05.2026

  • Beuel, Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

    01.05.2026

  • Deutschland

    01.05.2026

  • Windorf, Bayern, Deutschland

    01.05.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
27
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 01.09.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Das Tagpfauenauge (Aglais io) zeigt einen ausgeprägten saisonalen Jahreszyklus mit zwei Generationen pro Jahr. Nach der Überwinterung als im Imaginalstadium können die Falter bereits von März bis Mai beobachtet werden. Die Falter der ersten Generation fliegen von Juni bis August, wobei je nach Wetterlage eine Diapause von Juli bis Oktober eingehalten wird. Daran schließt sich die zweite Generation an, deren Falter von August bis Oktober fliegen. Männchen verteidigen im Frühjahr und Sommer nachmittags Territorien in der Nähe geeigneter Eiablageplätze. Nach der Eiablage schlüpfen die Raupen nach zwei bis drei Wochen. Nach einer Entwicklungszeit von etwa drei bis vier Wochen verpuppen sich die Raupen, und nach circa zwei Wochen schlüpft die neue Generation. Zum Überwintern suchen die Falter geschützte Quartiere wie Höhlen, Keller oder Fuchsbaue auf.1 Das öffentliche Interesse an der Art zeigt in den Sommermonaten Juni und Juli deutliche Peaks. Belastbare quantitative Daten zur genauen Temperaturabhängigkeit der Flugaktivität abseits der beschriebenen Diapause fehlen.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Das Tagpfauenauge (Aglais io) ist als Blütengestäuber ein nützlicher Insekten Vertreter und wird nicht als Schädling eingestuft. Schadpotenziale im Sinne von wirtschaftlichen Ernteverlusten gehen von der Art nicht aus, da die Raupen sich fast ausschließlich von der Großen Brennnessel (Urtica dioica) ernähren. Auch eine gesundheitliche Relevanz durch Allergien oder als Vektor ist für den Menschen nicht gegeben. Befallsanzeichen zeigen sich an den Futterpflanzen durch Raupenkolonien in gemeinschaftlichen Gespinsten sowie durch Fraßspuren an den Blättern. Präventions- oder Bekämpfungsmaßnahmen sind im Regelfall nicht erforderlich, da die Raupenpopulationen durch natürliche Gegenspieler wie Parasitoide reguliert werden. Als Parasiten treten insbesondere die Fliegenarten Sturmia bella und Phryxe vulgaris sowie verschiedene Schlupfwespen auf, die sich von den Raupen oder Puppen ernähren. Spezielle Überwachungs- oder Kontrollmethoden im Rahmen eines Monitorings sind für diese Art nicht etabliert. Rechtliche Schutzstatus oder Quarantänevorschriften existieren für das Tagpfauenauge nicht. Belastbare Daten zu chemischen oder physikalischen Bekämpfungsmaßnahmen fehlen, da eine Regulation aufgrund des Nützlingsstatus und der ökologischen Einbindung nicht indiziert ist.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Tagpfauenauge
  2. gbif.org/species/4535827
  3. Literaturzusammenfassung: Aglais io