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KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Überblick
Der Spinnenläufer (Scutigera coleoptrata) ist ein Hundertfüßer, der in Mitteleuropa vor allem in Gebäuden auffällt. Wegen seiner extrem langen, dünnen Beine und seiner raschen Bewegungen wird er häufig mit einer großen Spinne verwechselt, gehört aber zu den Hundertfüßern (Chilopoda) mit giftbewehrten Kieferfüßen. 12
Das Tier jagt nachts andere Gliederfüßer und wird deshalb häufig als Mitbewohner betrachtet, der kleine Insekten und Spinnen im Haus vertilgt. Ursprünglich stammt die Art aus dem Mittelmeerraum, durch den Menschen ist sie heute weltweit verbreitet. In Deutschland ist sie in wärmebegünstigten Regionen etabliert und breitet sich nach Norden aus. 12
Auf einen Blick
Erkennen
Der Körper misst nach deutschsprachigen Angaben etwa 25–30 mm, englischsprachige Quellen nennen 25–35 mm; einschließlich Antennen und Beinen wirken die Tiere deutlich größer, bis zu mehreren Zentimetern Gesamtspanne. 12 Die Grundfärbung ist gelblich bis olivgrün mit drei dunklen Längsstreifen auf dem Rücken, die Beine sind dunkel geringelt. 12
Typische Bestimmungsmerkmale sind:
Diese Kombination unterscheidet den Spinnenläufer von Spinnen, die acht Beine und keine Antennen besitzen.
Systematik
Der wissenschaftliche Name lautet Scutigera coleoptrata (Linnaeus, 1758); die Art wurde ursprünglich als Scolopendra coleoptrata beschrieben und später von Lamarck in die Gattung Scutigera gestellt. 23 Das GBIF führt den Namen als akzeptiert in der Familie Scutigeridae, Ordnung Scutigeromorpha, Klasse Chilopoda. 3
Im Deutschen ist neben „Spinnenläufer“ auch die Bezeichnung Spinnenassel gebräuchlich. 1 Die englische Bezeichnung lautet house centipede. Die Art ist nicht mit den Steinläufern (z. B. dem Gemeinen Steinläufer) oder den Skolopendern (z. B. dem Mittelmeer-Skolopender) identisch, die zu anderen Ordnungen der Hundertfüßer zählen.
Lebensweise
Spinnenläufer sind nachtaktive Jäger, die ihre Beute vor allem mit Antennen über Geruch und Tastsinn aufspüren. Zur Nahrung zählen Spinnen und weitere Gliederfüßer wie Fliegen, Ohrwürmer, Schaben, Silberfischchen oder Ameisen. 12 Die Beute wird mit den langen Beinen festgehalten und mit Gift aus den Kieferfüßen überwältigt. 12
Die Tiere zählen zu den schnellsten Läufern unter den Gliederfüßern; für Höchstwerte werden etwa 0,4 m/s angegeben. 12 Ein stark verzweigtes Tracheensystem und Hämocyanin als Blutfarbstoff unterstützen diese Leistung. 12 Beine besitzen Sollbruchstellen und können abgeworfen und bei den folgenden Häutungen ersetzt werden. 12
Die Eiablage erfolgt im Frühjahr. In einer Laborstudie lag die mittlere Gelegegröße bei 63 Eiern (Maximum 151). 2 Die Jungtiere schlüpfen mit vier Beinpaaren und erreichen über mehrere Häutungen die 15 Beinpaare der erwachsenen Tiere; auch danach häuten sie sich weiter. 2 Zur Lebensdauer finden sich Spannen von etwa 3–7 Jahren, in Gefangenschaft wurden über sieben Jahre beobachtet. 12
Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet liegt im Mittelmeerraum. Der Mensch hat die Art weltweit verschleppt, sodass sie heute in Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika vorkommt und in Australien eingeführt wurde. 12
In Deutschland wurde sie zunächst in Weinbaugebieten und felsigen Lagen im Südwesten (Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen) nachgewiesen. Die nördlichen Funde reichten nach den Angaben der Wikipedia bis 2022 bis Bremen und Berlin; infolge der Klimaerwärmung wird eine fortschreitende Ausbreitung beschrieben, auch in Städten. 1 In der Schweiz lagen die Funde ursprünglich unterhalb von etwa 300 m, bis 2025 sind Sichtungen bis 450 m dokumentiert. 1
Natürliche Lebensräume sind trocken-warme, steinige Standorte wie Weinbergsmauern, Felsen und Brachen, wo die Tiere unter Steinen leben. Außerhalb davon leben sie überwiegend synanthrop, vor allem in Kellern und Erdgeschossen, seltener auch in oberen Stockwerken und auf Dachböden. 1 Englischsprachige Quellen nennen als Außenhabitate kühle, feuchte Orte wie Holzstapel, Laub und Kompost. 2 In der OpenInsect-Community wurden bisher 98 Scans erfasst, der letzte am 28.10.2026 in Gutach (Schwarzwaldbahn).
Verbreitung
Sichtungen
Jahresverlauf
Im Freiland und in Gebäuden sind die Tiere vor allem nachts unterwegs und halten sich tagsüber in Spalten und Verstecken auf. 12 Nach englischsprachigen Angaben werden sie besonders im Frühjahr und Herbst gesehen. 2 Bei kalter Witterung ziehen sie sich in Gebäude zurück, wo sie in den kühleren Monaten häufiger auffallen können. 1
Die OpenInsect-Daten der Community zeigen für den Auswertungszeitraum seit Dezember 2025 nur einzelne Meldungen je Monat bei insgesamt 98 Scans; daraus lässt sich keine belastbare Saisonaussage ableiten.
Jahresverlauf
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Praxiswissen
Die Tiere sind nicht aggressiv und flüchten in der Regel. Die Kieferfüße durchdringen die menschliche Haut nach der deutschsprachigen Quelle in der Regel nicht; kommt es doch zu einem Biss, wird er als schmerzhaft beschrieben und kann Schwellungen, Infektionen oder allergische Reaktionen auslösen. 12 Bei starken Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Schäden an Vorräten, Textilien oder Bausubstanz sind nicht bekannt. Da der Spinnenläufer andere Gliederfüßer frisst, wird er in Weinbau und Haushalt häufig als nützlich angesehen. 12 Er zeigt zugleich ein ausreichendes Beuteangebot an, also oft weitere Insekten oder Spinnen im Gebäude.
Das Auftreten im Haus lässt sich beeinflussen, indem Zugänge und Verstecke verringert werden: Spalten an Fenstern, Türen und Kellerschächten abdichten, Kellerräume trocken und aufgeräumt halten und Laub oder Holzstapel nicht direkt an der Hauswand lagern. Einzelne Tiere können mit Glas und Karton gefangen und im Freien freigesetzt werden. Die Art wird auch im Zusammenhang mit der Beute (z. B. der Zitterspinne) wahrgenommen.
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Nachweise