- Wissenschaftlicher Name: Scolopendra cingulata Latreille, 1829 (GBIF: akzeptiert)3
- Klasse und Ordnung: Hundertfüßer (Chilopoda), Skolopender (Scolopendromorpha), Familie Scolopendridae3
- Körperlänge: etwa 10 bis 18 cm nach unterschiedlichen Angaben12
- Färbung: gebänderter Körper, dunkler Kopf, orange Beine12
- Verbreitung: Mittelmeerraum bis Schwarzmeerregion und Westasien12
- Lebensweise: nachtaktiver Räuber, tagsüber unter Steinen und in Bodenspalten1
- Beute: Insekten, gelegentlich kleine Wirbeltiere12
- Biss: sehr schmerzhaft; Angaben zur Giftwirkung widersprüchlich, Bisse vermeiden12
- OpenInsect-Community: 2 Scans, letzter am 30.09.2026
Mittelmeer-Skolopender Scolopendra cingulata
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Hundertfüßer (Chilopoda)
- Ordnung
- Scolopendromorpha
- Familie
- Scolopendridae
- Gattung
- Scolopendra
Überblick
Einleitung
Der Mittelmeer-Skolopender (Scolopendra cingulata) ist ein räuberischer Hundertfüßer (Klasse Chilopoda) aus der Ordnung der Skolopender (Scolopendromorpha). Er gilt als die im Mittelmeerraum am weitesten verbreitete Art seiner Gruppe.12 Die Tiere sind überwiegend nachtaktiv, verbergen sich tagsüber unter Steinen oder in Bodenspalten und jagen vor allem Insekten.12
Für Menschen ist die Art vor allem wegen ihres Bisses bekannt: Er ist nach den vorliegenden Beschreibungen sehr schmerzhaft, das Gift gilt zwar als für Menschen nicht besonders gefährlich, die Literaturangaben dazu widersprechen sich jedoch.12 Nördlich der Alpen gehört der Mittelmeer-Skolopender nicht zur heimischen Tierwelt. Zu den häufigeren einheimischen Hundertfüßern in Mitteleuropa zählen dagegen etwa der Gemeine Steinläufer und der Gemeine Erdläufer.
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Mittelmeer-Skolopender Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Die Körperlänge wird in der deutschsprachigen Literatur im Mittel mit etwa 10 cm angegeben, einzelne Tiere erreichen über 15 cm; englischsprachige Quellen nennen etwa 15 bis 18 cm und ordnen die Art damit innerhalb der Familie eher zu den kleineren Vertretern ein.12 Die Angaben unterscheiden sich also, sodass hier nur eine Spanne von rund 10 bis 18 cm sinnvoll ist.
Der Körper ist in zahlreiche Segmente gegliedert, die jeweils ein Beinpaar tragen. Die Färbung variiert je nach Region. Häufig sind die Hinterränder der Rückenplatten (Tergite) deutlich dunkler, wodurch die Tiere gestreift wirken; der Kopf ist dunkelbraun und die Beine sind orange.1 Englischsprachige Beschreibungen sprechen von abwechselnden schwarzen und gelbgoldenen Bändern.2
Die Färbung allein reicht zur Artbestimmung nicht aus; eine sichere Bestimmung nach einem Foto ist daher nur eingeschränkt möglich. Im Vergleich zu Steinläufern und Erdläufern sind Skolopender groß, kräftig und deutlich gebändert.
Systematik
Namen & Einordnung (kurz)
Der wissenschaftliche Name lautet Scolopendra cingulata Latreille, 1829; die GBIF-Taxonomie führt ihn als akzeptierten Namen innerhalb der Familie Scolopendridae.3 Im Deutschen wird die Art Mittelmeer-Skolopender, Mittelmeerskolopender oder, so der Titel des deutschsprachigen Wikipedia-Artikels, Europäischer Riesenläufer genannt.1 Im Englischen sind „Megarian banded centipede“ und „Mediterranean banded centipede“ gebräuchlich.2 Das Epitheton cingulata bedeutet „gegürtelt“ und bezieht sich auf die Bänderung des Körpers.
Die Gattung Scolopendra umfasst nach der deutschsprachigen Darstellung weltweit die größten Hundertfüßer.1 Die Art gehört damit zu einer anderen Ordnung als die bei uns häufigen, deutlich kleineren Steinläufer (Lithobiomorpha).
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Der Mittelmeer-Skolopender ist ein opportunistischer Fleischfresser. Er greift nach den Angaben nahezu jedes Tier an, das nicht größer ist als er selbst, darunter Insekten und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie junge Eidechsen.12 Die Jagd erfolgt überwiegend nachts.1
Wie andere Skolopender gehört die Art zu den wenigen Wirbellosen, die sich bei Bedrohung aktiv zur Wehr setzen und angreifen.1 Das Gift wird bei Hundertfüßern über ein zu Giftklauen umgewandeltes erstes Beinpaar am Kopf abgegeben. Nach den vorliegenden Quellen ist es für Menschen im Vergleich zu anderen Skolopendern nicht sonderlich gefährlich, der Biss gilt dennoch als sehr schmerzhaft.12 Die Angaben zur Giftwirkung widersprechen sich in der Literatur allerdings stark und reichen bis zu möglichen Gefahren für Kinder; Bisse sind daher zu vermeiden.1
Zu Fortpflanzung, Entwicklungsdauer und Lebensdauer enthalten die für dieses Profil herangezogenen Quellen keine belastbaren Zahlen; sie werden hier bewusst nicht genannt. Als Grundlagenwerk zur Biologie der Hundertfüßer verweist der deutschsprachige Wikipedia-Artikel auf die Monografie „The biology of centipedes“ (J. G. E. Lewis, Cambridge University Press, 1981).1
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet umfasst den gesamten Mittelmeerraum von Portugal bis zu den Gebieten am Schwarzen Meer; die Art kommt zudem in Westasien vor.1 Englischsprachige Quellen nennen Länder wie Spanien, Frankreich, Italien, Albanien, Serbien, Kroatien, Griechenland und Israel, außerdem Südrumänien, Bulgarien und die Ukraine sowie Teile Nordafrikas.2 Dort werden auch kleine Reliktvorkommen in Österreich und Ungarn erwähnt, während die deutschsprachige Darstellung die Art nördlich der Alpen als nicht anzutreffend einstuft.12
Als Lebensraum dienen zahlreiche Biotoptypen. Am Tag halten sich die Tiere meist unter großen Steinen und in Bodenspalten auf, wo sie vor Hitze und Trockenheit geschützt sind; in offenem Gelände mit ausreichend vielen Steinen sind sie deshalb leichter zu finden.1 Englischsprachige Quellen betonen die Vorliebe für dunkle, feuchte Orte wie Bereiche unter Totholz und in der Laubstreu und beschreiben die Art als grabend.2 Ohne Hilfsmittel sind die Tiere nach der deutschsprachigen Darstellung gelegentlich kaum nachzuweisen.1
Auf der Bürgerwissenschafts-Plattform iNaturalist liegen auch Beobachtungen aus Deutschland vor, darunter eine Meldung aus Bernau bei Berlin vom 28.05.2026. Solche Funde liegen weit außerhalb des natürlichen Areals; ob es sich um verschleppte oder gehaltene Tiere handelt, geht aus den Angaben nicht hervor. In der OpenInsect-Community wurden bisher 2 Scans erfasst, der letzte am 30.09.2026.
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Die Art ist überwiegend nachtaktiv: Tagsüber sind die Tiere meist versteckt, nachts gehen sie auf Beutesuche.12 Konkrete Angaben zu Aktivitätszeiträumen im Jahresverlauf enthalten die herangezogenen Quellen nicht. Da die Art im warmen Mittelmeerraum lebt und Hitze und Trockenheit durch Verstecke meidet, sind Begegnungen am ehesten abends und nachts sowie beim Umdrehen von Steinen oder Holz zu erwarten.1
Für Mitteleuropa sind iNaturalist-Meldungen aus dem späten Frühjahr und Frühsommer dokumentiert, etwa vom 28.05.2026 aus Deutschland und vom 06.06.2025 aus dem Burgenland in Österreich. Aus einzelnen Meldungen lässt sich jedoch keine Saisonalität ableiten.
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Der Mittelmeer-Skolopender ist kein Vorrats- oder Hausschädling. Er frisst Insekten und andere kleine Tiere und spielt damit eine Rolle als Räuber im Lebensraum.12 Eine wirtschaftliche Schadwirkung wird in den herangezogenen Quellen nicht beschrieben.
Zur Begegnung mit dem Menschen empfiehlt die deutschsprachige Darstellung, den Tieren bei Begegnungen immer ausreichend Platz zur Flucht zu lassen, weil sie bei Bedrohung angreifen und ihr Biss sehr schmerzhaft ist.1 Für die Praxis bedeutet das: Tiere nicht mit bloßen Händen anfassen und beim Umdrehen von Steinen und Holz im Mittelmeerraum vorsichtig sein. Bei einem Biss ist mit starkem lokalem Schmerz zu rechnen. Bei starken Beschwerden, ausgeprägter Schwellung, Atemproblemen oder allergischen Reaktionen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Wer in Mitteleuropa einen großen, gebänderten Hundertfüßer findet, kann ihn zur Bestimmung fotografieren und die Fundumstände notieren. Das hilft bei der Einordnung, ob es sich um einen einheimischen Hundertfüßer oder um ein verschlepptes Tier handelt.
Nachweise
Quellen & Referenzen
- Wikipedia: Europäischer Riesenläufer (Scolopendra cingulata). de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Riesenl%C3%A4ufer (abgerufen 30.10.2026)
- Wikipedia: Scolopendra cingulata. en.wikipedia.org/wiki/Scolopendra_cingulata (abgerufen 30.10.2026)
- GBIF Backbone Taxonomy: Scolopendra cingulata Latreille, 1829. gbif.org/species/5742390