- In der Schweiz existieren nur drei kleine Vorkommen mit wenigen Hundert Individuen in der Region Lugano sowie im Chablais südlich des Genfer Sees, weshalb die Art dort als gefährdet (vulnerable) eingestuft wird.
- Für Österreich existieren historische Fundangaben aus dem Leithagebirge im Burgenland, jedoch gilt die Art dort mittlerweile als ausgestorben.
- Am nördlichen Rand ihrer Verbreitung im östlichen Mitteleuropa erreichte die Art mit einem Fundpunkt in den Pieninen sogar den Süden von Polen, gestützt auf wenige historische Funde aus den 1950er Jahren.
- Frisch geschlüpfte erwachsene Tiere weisen zunächst eine weiche und grünliche Körperfärbung auf.1
Gemeine Singzikade Lyristes plebejus
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Insekten (Insecta)
- Ordnung
- Schnabelkerfe (Hemiptera)
- Familie
- Cicadidae
- Gattung
- Lyristes
Überblick
Einleitung
Die Gemeine Singzikade (Lyristes plebejus, syn. Tibicen plebejus), im deutschsprachigen Raum auch als Große Zikade bezeichnet, gehört zur Familie der Singzikaden (Cicadidae) innerhalb der Ordnung der Rundkopfzikaden (Cicadomorpha). Mit einer Körperlänge von 30 bis 37 Millimetern stellt sie die größte mitteleuropäische Art ihrer Familie dar. Die Art ist im Mittelmeerraum weit verbreitet und besiedelt dort vor allem wärmebegünstigte Standorte mit Gehölzstrukturen.
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Gemeine Singzikade Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Die Gemeine Singzikade (Lyristes plebejus) ist mit einer Körperlänge von 30 bis 37 mm die größte mitteleuropäische Singzikaden-Art. Der Körper ist überwiegend schwarz gefärbt und weist häufig teilweise weiße Wachsausscheidungen auf. Der Hinterrand des Pronotums sowie Teile des Scheitels sind ockergelb gezeichnet. Der Kopf mitsamt den Augen baut sich breiter auf als der anschließende Rumpfabschnitt. Die hinten über den Rumpf hinausragenden Vorderflügel erreichen eine Länge von 45 bis 55 mm und sind glasklar hyalin. Im Vorderflügelgeäder ist die Basalzelle fünfeckig geformt, wobei an den drei Außenecken die Adern Media, Cubitus und Radius entspringen. Zur Unterscheidung von anderen großen Singzikaden-Arten dient vor allem das Schalldeckelorgan (Operculum) des Tymbalorgans an der Hinterleibsbasis, welches das Tymbalorgan vollständig bedeckt. Frisch geschlüpfte Imagines zeigen zunächst eine weiche und grünliche Färbung. Sie benötigen vier bis fünf Tage, bis sie vollständig ausgefärbt und vollkommen erhärtet sind. Die unterirdisch lebenden Larven besitzen zu Grabbeinen umgewandelte Vorderbeine, um sich unter der Erde fortzubewegen. Belastbare morphologische Details zu Eiern, Puppen oder einem ausgeprägten Sexualdimorphismus liegen in der Standardliteratur nicht detailliert vor. Im östlichen Mittelmeerraum und in der Türkei kann die Art mit extrem ähnlichen Schwesterarten wie Tibicen gemellus und Tibicen isodol verwechselt werden.1
Porträt
Beschreibung
Die Gemeine Singzikade (Lyristes plebejus) ist die größte mitteleuropäische Singzikaden-Art und gehört zur Familie der Cicadidae innerhalb der Rundkopfzikaden. Im natürlichen Lebensraum fällt die Art durch ihre Größe und das überwiegend schwarze Erscheinungsbild auf, welches oft teilweise mit weißen Wachsausscheidungen überzogen ist. Der Hinterrand des Pronotum und Teile des Scheitels sind ockergelb gezeichnet, zudem ist der Kopf mit den Augen breiter als der anschließende Rumpfabschnitt. Für die Bestimmung im Feld ist vor allem der komplexe Gesang entscheidend, bei dem eine gleichförmige Abfolge kurzer Motive viele Minuten lang wiederholt wird. Am Anfang jeder Phrase sind kurze Einzeltöne (Echeme) unterscheidbar, die in einen konstanten Schwirrton übergehen. Unter dem Mikroskop lassen sich morphologische Besonderheiten wie das die Tymbalorgane vollständig bedeckende Operculum sowie die fünfeckige Basalzelle im Vorderflügelgeäder nachweisen. Anatomisch besitzen die erwachsenen Tiere einen speziellen Rüssel als Xylemsauger, mit dem sie die Leitungsbahnen verschiedener Gehölze anstechen. Die unterirdisch lebenden Larven ernähren sich ebenfalls durch das Saugen von Pflanzensaft, allerdings anzapfend an den zuckerreichen Siebröhren von Wurzeln. Um sich unter der Erde fortzubewegen, sind die Vorderbeine der Larven artspezifisch zu Grabbeinen umgewandelt. Als hemimetabole Insekten durchlaufen die Larven fünf durch Häutungen getrennte Stadien, wobei die gesamte unterirdische Entwicklung mehrjährig verläuft. Bei günstiger Witterung verlassen die Larven meist von Mitte Juni bis Mitte August den Boden, um sich an geeigneten Stellen ein letztes Mal zum Vollinsekt zu häuten. Die frisch geschlüpften Imagines sind zunächst weich sowie grünlich gefärbt und benötigen etwa vier bis fünf Tage zur vollständigen Ausfärbung und Verhärtung. Historisch wurde die Art im Jahr 1763 von Giovanni Antonio Scopoli unter dem Namen Cicada plebeja erstbeschrieben. Bezüglich der Gattungszugehörigkeit ist die Art umstritten, da sie sowohl als Typusart für Tibicen als auch für Lyristes gilt. Im Vergleich zu den extrem ähnlichen und im östlichen Mittelmeerraum vorkommenden Schwesterarten Tibicen gemellus und Tibicen isodol unterscheidet sich Lyristes plebejus vor allem in artspezifischen Verbreitungsmustern und feinen Merkmalen. Nennenswerte Schäden durch den Saugakt an Obst- und Olivenbäumen sind in der Praxis nicht dokumentiert.1
Systematik
Name & Einordnung
Die Gemeine Singzikade (Lyristes plebejus, syn. Tibicen plebejus, Cicada plebeja) gehört zur Familie der Singzikaden innerhalb der Ordnung der Schnabelkerfen. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1763 durch den Naturforscher Giovanni Antonio Scopoli unter der ursprünglichen Kombination Cicada plebeja.1 Der artspezifische Name leitet sich vom lateinischen Wort für den gewöhnlichen Bürger ab. Die Art wurde historisch in die weit gefasste Gattung Tibicen gestellt, wird jedoch in der moderneren Taxonomie oft der Gattung Lyristes zugeordnet. Da Cicada plebeja als Typusart für beide Gattungen festgelegt wurde, ist die korrekte Gattungszugehörigkeit Gegenstand taxonomischer Diskussionen geblieben, weshalb beide binominalen Kombinationen in der Literatur gebräuchlich sind. Neben der wissenschaftlichen Bezeichnung ist die Art im deutschen Sprachraum auch unter dem Trivialnamen Große Zikade bekannt. Das Taxon umfasst neben der nominotypischen Form nur wenige sehr alte Synonyme und historische Schreibvarianten.1
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Aus der Community
Beobachtungen und Einreichungen unserer Nature-Community
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Kurze Videos
Aus der silbarkrift.community, aufgenommen mit OpenInsect
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Die Entwicklung der Gemeinen Singzikade (Lyristes plebejus) ist hemimetabol und vollzieht sich über fünf unterirdische Larvenstadien. Die unterirdisch lebenden Larven besitzen zu Grabbeinen umgewandelte Vorderbeine, um sich im Erdreich fortzubewegen. Während Imagines als Xylemsauger den an Nährsalzen und Wasser reichen Pflanzensaft der Leitungsbahnen verschiedener Gehölze anzapfen, saugen die Larven den zuckerreichen Siebröhrensaft an Pflanzenwurzeln. Die Larvenentwicklung ist mehrjährig und dauert vermutlich vier Jahre. Bei günstiger Witterung verlassen die Larven meist von Mitte Juni bis Mitte August den Boden und suchen geeignete Stellen in der Umgebung auf. Dort häuten sie sich ein letztes Mal zum Vollinsekt. Die frisch geschlüpften Imagines sind zunächst weich und grünlich gefärbt. Sie benötigen etwa vier bis fünf Tage, bis sie vollständig ausgefärbt und vollkommen erhärtet sind. Über die genaue Dauer des Eistadiums, das Paarungsverhalten sowie spezifische Mortalitätsfaktoren liegen in der Literatur keine belastbaren quantitativen Daten vor.1
Lebensweise
Verhalten
Die Gemeine Singzikade (Lyristes plebejus) zeigt ein artspezifisches akustisches Kommunikationsverhalten, bei dem die Männchen komplexe Gesänge zur Partnerfindung erzeugen. Dieselbe Abfolge kurzer Motive wird dabei gleichförmig über viele Minuten wiederholt. Am Beginn jeder Phrase sind kurze Einzeltöne belegbar, die kontinuierlich in einen konstanten Schwirrton übergehen. Zur Schallerzeugung nutzen die Männchen spezialisierte Tymbalorgane an der Basis des Hinterleibs, die vollständig von Schalldeckeln bedeckt werden.1 Die erwachsenen Insekten leben vor allem an Gehölzen und Bäumen wie Olivenbäumen, Kiefern, Eichen und Obstbäumen.12 Unterirdisch lebende Larven besitzen grabbeinartig umgewandelte Vorderbeine, die eine Fortbewegung im Erdreich ermöglichen. Bei günstiger Witterung verlassen die Larven den Boden meist von Mitte Juni bis Mitte August, um sich an geeigneten Stellen in der Umgebung zum Vollinsekt zu häuten. Frisch geschlüpfte Imagines sind zunächst weich und grünlich gefärbt. Sie benötigen vier bis fünf Tage, bis sie vollständig ausgefärbt und erhärtet sind.1 Belastbare quantitative Daten zu weiteren Verhaltensweisen wie Territorialität, spezifischem Abwehrverhalten oder Chemotaxis fehlen in den Quellen weitgehend.
Lebensweise
Ökologie
Die Gemeine Singzikade (Lyristes plebejus) besiedelt bevorzugt geschlossene Hochsträucher und lichte Wälder im Mittelmeerraum. Als Habitat dienen den erwachsenen Tieren verschiedene Gehölze wie Olivenbäume, Kiefern, Eichen und Obstbäume.2 Die Imagines ernähren sich als Xylemsauger, indem sie mit ihrem Rüssel die Leitungsbahnen verschiedener Gehölze anzapfen und den an Nährsalzen und Wasser reichen Pflanzensaft aufnehmen. Im Gegensatz dazu leben die unterirdischen Larven mehrjährig und saugen den zuckerreichen Siebröhrensaft an den Wurzeln von Pflanzen. Um sich im Erdreich fortzubewegen, sind die Vorderbeine der Larven zu speziellen Grabbeinen umgewandelt. Die Larvenentwicklung durchläuft fünf Stadien, an deren Ende die Tiere den Boden meist von Mitte Juni bis Mitte August verlassen, um sich an geeigneten Stellen zum Vollinsekt zu häuten. Ältere Literatur listete die Art gelegentlich als Schädling an Oliven- und Obstbäumen, wobei nennenswerte Schäden an den Wirtspflanzen nicht dokumentiert sind.1
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Lyristes plebejus umfasst vor allem den mediterranen Raum sowie den Südwesten Europas einschließlich Portugal und Spanien.12 Von dort aus erstreckt sich das Areal über den nördlichen und östlichen Mittelmeerraum.2 Im westlichen Mittelmeerraum und im südlichen Mitteleuropa stellt die Art den einzigen Vertreter ihrer Gattung dar. Nach Osten reicht das Vorkommen bis zum griechischen Festland und auf die Peloponnes, während sie auf den meisten ägäischen Inseln sowie auf Kreta fehlt. Ältere Nachweise für die Levante und Kleinasien werden heute oft Schwesterarten zugeordnet. In Mitteleuropa erreicht die Art nur marginal den Süden, weshalb sie dort extrem selten ist. So existieren in der Schweiz lediglich drei kleine Reliktvorkommen mit wenigen Hundert Individuen in der Region Lugano und im Chablais, wodurch die Art dort als gefährdet gilt. In Österreich galt sie im Burgenland als historisch nachgewiesen, gilt dort inzwischen jedoch als ausgestorben. Ein historischer Fundpunkt aus den 1950er Jahren ist zudem aus den Pieninen im äußersten Süden von Polen bekannt.1 Als natürlicher Lebensraum werden vor allem geschlossene, wärmebegünstigte Buschländer und lichte Wälder bevorzugt. Dort besiedeln die Imagines verschiedene Gehölze wie Olivenbäume, Kiefern, Eichen sowie diverse Obstbäume.2 Die unterirdisch lebenden Larven ernähren sich mehrjährig vom Wurzelsaft verschiedener Pflanzen in diesen Habitaten.1
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Die Aktivität der Gemeinen Singzikade (Lyristes plebejus) ist stark an die warme Jahreszeit gebunden, in der die adulten Tiere auftreten. Die Imagines verlassen bei günstiger Witterung meist zwischen Mitte Juni und Mitte August den Boden, um sich ein letztes Mal zu häuten und als Vollinsekten aktiv zu werden. Nach dem Schlupf benötigen die frisch geschlüpften Tiere etwa 4 bis 5 Tage, bis sie vollständig ausgefärbt und erhärtet sind. Die unterirdisch lebenden Larven durchlaufen fünf durch Häutungen getrennte Stadien und ernähren sich vom Pflanzensaft an Wurzeln. Diese Larvenentwicklung ist mehrjährig und dauert vermutlich vier Jahre.1 Nach Datenlage erstreckt sich die Hauptaktivitätsphase im Jahresverlauf vor allem über die Sommermonate, was sich in entsprechenden saisonalen Suchinteresse-Peaks im Juni widerspiegelt.3 Belastbare quantitative Daten zur genauen täglichen Aktivitätsdauer oder spezifischen Temperaturabhängigkeiten des Schwarmflugs fehlen in der wissenschaftlichen Literatur weitgehend. Die Art ist hemimetabol und bildet pro Jahr eine Generation aus, wobei die Imagines vor allem an Bäumen anzutreffen sind. Überwintert wird im Boden als Larve, bevor im Folgejahr oder nach Abschluss der mehrjährigen Entwicklung der Schlupf erfolgt.1
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Die Gemeine Singzikade (Lyristes plebejus) wird in der modernen Fachliteratur als harmloser Waldbewohner und nicht als landwirtschaftlicher Schädling eingestuft. Zwar wurden erwachsene Tiere in älterer Literatur gelegentlich auf Oliven- und Obstbäumen gelistet, nennenswerte Schäden sind jedoch nicht dokumentiert. Als Xylemsauger stechen die Imagines die Leitungsbahnen verschiedener Gehölze an, während die unterirdisch lebenden Larven den Siebröhrensaft von Pflanzenwurzeln saugen. Trotz dieser Ernährungsweise bleibt das Schadpotenzial der Art minimal. Medizinische oder gesundheitliche Risiken wie Allergien oder die Übertragung von Krankheitserregern sind durch Lyristes plebejus nicht bekannt. Aufgrund der unbedeutenden wirtschaftlichen Relevanz existieren weder spezielle Früherkennungs- oder Überwachungsmethoden noch spezifische Bekämpfungsmaßnahmen. In Regionen wie der Schweiz gilt die Art ohnehin als gefährdet und steht unter lokalem Schutz. Präventive oder integrierte Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen sind für diese Zikadenart daher nicht erforderlich. Rechtliche Aspekte beschränken sich auf den allgemeinen Artenschutz in den jeweiligen Verbreitungsgebieten an der Nordgrenze des Areals. Belastbare Daten zu wirtschaftlichen Bekämpfungsstrategien fehlen, da solche Eingriffe aufgrund der harmlosen Lebensweise obsolet sind.
Praxiswissen
Wirtschaftliche Bedeutung
Belastbare Daten zur wirtschaftlichen Relevanz von Lyristes plebejus fehlen weitgehend. Aufgrund ihres Vorkommens auf Olivenbäumen und Obstbäumen wurde die Art in älterer Literatur mitunter als Schädling geführt. Nennenswerte Schäden sind in diesem Zusammenhang jedoch nicht dokumentiert. Wirtschaftliche Schäden durch die Art treten folglich nicht auf.
Nachweise
Quellen & Referenzen
- de.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Singzikade
- gbif.org/species/7485500
- Literaturzusammenfassung: Lyristes plebejus