Lexikon-Eintrag

Rote Weichwanze Deraeocoris ruber

Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Schnabelkerfe (Hemiptera)
Familie
Miridae
Gattung
Deraeocoris

Überblick

Einleitung

Die Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber), auch als Rote Halsringweichwanze bekannt, ist eine Insektenart aus der Familie der Weichwanzen (Miridae). Aufgrund ihrer räuberischen Lebensweise, bei der sie sich primär von Blattläusen und anderen kleinen Gliederfüßern ernährt, wird sie in der Landwirtschaft als Nützling eingestuft. Die Art ist in weiten Teilen der Paläarktis verbreitet und wurde zudem in Nord- sowie Südamerika eingeschleppt.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Art besiedelt neben Laubbäumen und Obstgehölzen seltener auch Nadelhölzer wie Kiefern (Pinus), Lärchen (Larix), Lebensbäume (Thuja) und Wacholder (Juniperus).
  • An Nadelhölzern ernährt sich die Wanzenart spezifisch von dort vorkommenden Baumläusen (Lachnidae).
  • Zu den bevorzugten Pflanzen gehören neben der Großen Brennnessel (Urtica dioica) auch Rubus-Arten, Geißklee (Cytisus) und Disteln.
  • Im Mittelmeerraum und möglicherweise an temperaturbegünstigten Standorten im Norden bildet die Art zwei Generationen pro Jahr aus (bivoltin).3

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber) ist eine charakteristische Art der Weichwanzen mit einer Körperlänge von 6,6 bis 7,7 Millimetern. Ihre Grundfarbe variiert stark und reicht von rot-orange bis hin zu nahezu vollständig schwarz. Ein kennzeichnendes Merkmal der Hemielytren ist der in der Regel mehr oder weniger stark rot gefärbte Cuneus. Bezüglich des Sexualdimorphismus zeigt sich, dass die Männchen grundsätzlich dunkler gefärbt sind als die Weibchen. Die juvenilen Stadien, die Nymphen, sind durch eine rotbraune Färbung sowie eine stachelige Bewehrung am Hinterleib gekennzeichnet. Da spezifische morphologische Details zu Kopf, Thoraxstrukturen, Beinen, Eiern und Puppen in den vorliegenden Daten nicht detailliert belegt sind, fehlen hierzu belastbare Angaben. Auch eine systematische Abgrenzung zu verwechselbaren Arten lässt sich auf Basis der aktuellen Datenlage nicht durchführen.1

Porträt

Beschreibung

Die Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber) ist eine weit verbreitete Wanzenart aus der Familie der Weichwanzen und zeichnet sich durch ihre räuberische Lebensweise aus. Die Tiere erreichen eine Körperlänge von 6,6 bis 7,7 Millimeter. Ihre Grundfarbe variiert zwischen rot-orange und nahezu vollständig schwarz, wobei der Cuneus der Hemielytren typischerweise mehr oder weniger stark rot gefärbt ist. Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zeigt sich darin, dass die Männchen eine deutlich dunklere Färbung aufweisen als die Weibchen. Ursprünglich von Carl von Linné als Cimex ruber beschrieben, wird die Art heute in die Gattung Deraeocoris innerhalb der Unterfamilie Deraeocorinae eingeordnet. Im natürlichen Lebensraum besiedelt die Art vor allem sonnige Waldränder, offene Habitate sowie die Kraut-, Strauch- und Baumschicht. Sie ist dabei an keine spezifischen Pflanzenarten gebunden, wird jedoch bevorzugt auf der Großen Brennnessel (Urtica dioica), Rubus-Arten, Geißklee und Disteln angetroffen. Auch an Laubbäumen und Obstgehölzen tritt sie regelmäßig auf, während sie auf Nadelhölzern wie Kiefern, Lärchen, Lebensbäumen und Wacholder seltener zu finden ist. In diesen Gehölzen ist sie häufig mit dem Vorkommen von Baumläusen verknüpft. Die Ernährung erfolgt rein karnivor durch das räuberische Erbeuten kleinerer Gliederfüßler, wobei insbesondere Blattläuse und gelegentlich kleinere Schmetterlingsraupen attackiert werden. Die Beute wird durch einen raschen und für den Menschen schmerzhaften Stich abgetötet und ausgesaugt. Aufgrund dieses Beutespektrums gilt Deraeocoris ruber in der Landwirtschaft als nützlicher Nützling. Der Fortpflanzungszyklus sieht vor, dass die Weibchen ihre Eier im August und September ablegen. Die Überwinterung erfolgt ausschließlich im Eistadium. Daraus schlüpfen im Mai die Nymphen, die als rotbraune, am Hinterleib stachelig bewährte Larven auffallen. Adulte Exemplare treten vor allem im Juli und August in Erscheinung und werden ab Ende September zunehmend seltener. Im Mittelmeerraum und möglicherweise an wärmebegünstigten Standorten weiter nördlich bringt die Art zwei Generationen pro Jahr hervor. Die geografische Verbreitung umfasst den westpaläarktischen Raum und erstreckt sich über ganz Europa mit Ausnahme des hohen Nordens, Nordafrika sowie östlich bis in den Kaukasus. Darüber hinaus wurde die Art nach Nord- und Südamerika verschleppt, wo sie lokal Populationen etabliert hat. Belastbare morphologische Detaildaten zur mikroskopischen Unterscheidung von Nahverwandten innerhalb der Gattung liegen in den verfügbaren Quellen nicht detailliert vor.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Rote Weichwanze trägt den wissenschaftlichen Namen Deraeocoris ruber und gehört innerhalb der Familie der Weichwanzen (Miridae) zur Unterfamilie Deraeocorinae. Die Art wurde ursprünglich von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné in seinem grundlegenden Werk Systema Naturæ unter der protonymischen Kombination Cimex ruber wissenschaftlich beschrieben. Im Laufe der wissenschaftlichen Systematisierung wurde die Art später in die Gattung Deraeocoris überführt. Neben dem Hauptnamen Rote Weichwanze ist im deutschen Sprachraum vereinzelt auch die Bezeichnung Rote Halsringweichwanze gebräuchlich.1 Weitere Synonyme oder historische Kombinationen sind in den ausgewerteten Primärdaten nicht detailliert aufgeführt. Belastbare Belege zur genauen etymologischen Herleitung des Gattungs- und Artnamens fehlen in der aktuellen Datenlage. Die Art ist in der entomologischen Literatur fest etabliert und wird weltweit unter verschiedenen Trivialnamen geführt, wobei englisch- oder französischsprachige Entsprechungen in den vorliegenden Primärquellen nicht explizit spezifiziert werden.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber) zeichnet sich durch eine räuberische Lebensweise aus und ernährt sich sowohl im Larvalstadium als auch als Imago zoophag von kleinen Gliederfüßern. Insbesondere Blattläuse sowie kleinere Schmetterlingsraupen bilden die Hauptnahrung dieser polyphagen Art, welche die Beute durch einen rasch abtötenden und für den Menschen schmerzhaften Stich erfasst und aussaugt. Aufgrund dieses Beutespektrums gilt die Art in der Landwirtschaft als Nützling. Besiedelt werden vor allem die Kraut-, Strauch- und Baumschicht an Pflanzen wie der Großen Brennnessel (Urtica dioica), Rubus-Arten, Geißklee und Disteln sowie verschiedenen Laubbäumen. Die Eiablage findet im Spätsommer in den Monaten August und September statt. Die Überwinterung erfolgt ausschließlich im Stadium des Eies. Aus diesen Eiern schlüpfen im darauffolgenden Mai die rotbraunen, am Hinterleib stachelig bewehrten Nymphen. Die adulten Tiere treten vor allem in den Sommermonaten Juli und August auf. Ab Ende September werden die Imagines in der Natur zunehmend seltener. Im Mittelmeerraum sowie in temperaturbegünstigten Regionen nördlicher Breiten entwickelt die Art obligatorisch oder fakultativ zwei Generationen pro Jahr (bivoltin), während in kühleren Regionen meist eine Generation ausgebildet wird. Belastbare Daten zu genauen Entwicklungswiderständen, spezifischen Mortalitätsfaktoren durch Parasitoide oder exakten physiologischen Parametern der Kältetoleranz fehlen in der Literatur weitgehend.1

Lebensweise

Verhalten

Deraeocoris ruber ernährt sich als räuberischer Insektenvorator primär carnivor von verschiedenen kleinen Gliederfüßern. Die Beutejagd erfolgt aktiv in der Kraut-, Strauch- und Baumschicht, wobei bevorzugt Blattläuse sowie kleinere Schmetterlingsraupen erbeutet werden. Zur Tötung der Beute versetzt die Art einen Stich mit den Mundwerkzeugen, der rasch wirkt und auch für den Menschen schmerzhaft ist. Nach dem Stich wird die Beute ausgesaugt. Durch diese räuberische Lebensweise tritt die Art als Nützling in der Landwirtschaft auf. Belastbare Daten zu spezifischem Fortbewegungs-, Kommunikations- oder Territorialverhalten über den Nahrungserwerb hinaus fehlen in der aktuellen Datenlage.1

Lebensweise

Ökologie

Deraeocoris ruber besetzt als polyphager Carnivor eine wichtige räuberische Nische in der Kraut-, Strauch- und Baumschicht. Die Art ernährt sich primär räuberisch von verschiedenen kleinen Gliederfüßern wie kleineren Schmetterlingsraupen, spezialisiert sich jedoch insbesondere auf Blattläuse. Aufgrund dieses Beutespektrums gilt die Art in der Landwirtschaft als Nützling. Die Beute wird durch einen rasch abtötenden Stich fixiert und ausgesaugt. Besiedelt werden vor allem sonnige Waldränder und offene Lebensräume. Dabei ist die Art auf keine bestimmten Pflanzen beschränkt, ist jedoch primär auf Großer Brennnessel (Urtica dioica), Rubus-Arten, Geißklee (Cytisus) und Disteln anzutreffen. An Gehölzen werden Laubbäume inklusive Obstgehölze bevorzugt, während Nadelhölzer wie Kiefern (Pinus), Lärchen (Larix), Lebensbäume (Thuja) und Wacholder (Juniperus) seltener besiedelt werden. Das Vorkommen an Nadelhölzern ist dabei eng mit dem dortigen Vorkommen von Baumläusen (Lachnidae) verknüpft. Die Überwinterung erfolgt ausschließlich im Stadium des Eies, welches von den Weibchen im August und September abgelegt wird. Aus diesen schlüpfen im Mai die Nymphen, während die adulten Tiere vor allem im Juli und August auftreten. Im Mittelmeerraum und möglicherweise an temperaturbegünstigten Standorten weiter nördlich werden zwei Generationen pro Jahr ausgebildet.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber) ist ursprunglich in der westlichen Paläarktis beheimatet und besiedelt weite Teile Europas, Nordafrikas sowie den Kaukasus bis nach Iran. Darüber hinaus wurde die Art nach Nordamerika und Brasilien verschleppt, wo sie heute ebenfalls lokal auftritt. In Europa erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von Südeuropa bis nach Skandinavien, wobei die Art im hohen Norden deutlich seltener anzutreffen ist. In Mitteleuropa und im deutschsprachigen Raum ist Deraeocoris ruber weit verbreitet und flächendeckend häufig. Belastbare Daten zeigen jedoch, dass die Populationen in den höheren Lagen der Mittelgebirge spärlicher vertreten sind. Neben natürlichen Habitaten besiedelt die Art auch urbane und anthropogen geprägte Räume. Als typische Lebensräume fungieren sonnige Waldränder, offene Areale sowie die Kraut-, Strauch- und Baumschicht. Bei der Wahl der Wirtspflanzen zeigt sich die Art polyphag und ist nicht an spezifische Arten gebunden. Häufig anzutreffen ist sie auf der Großen Brennnessel (Urtica dioica), verschiedenen Rubus-Arten, Geißklee (Cytisus) und Disteln. An Gehölzen werden vor allem Laubbäume und Obstgehölze besiedelt. Nadelhölzer wie Kiefern, Lärchen, Lebensbäume und Wacholder werden demgegenüber seltener genutzt, dienen jedoch vor allem dann als Aufenthaltort, wenn dort Baumläuse vorkommen. Vertikalnachweise belegen Vorkommen bis in alpine beziehungsweise subalpine Lagen von 900 bis 1250 m Höhe.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Nordrhein-Westfalen, Deutschland

    11.08.2026

  • Saalekreis, DE-ST, Deutschland

    10.08.2026

  • Deutschland

    09.08.2026

  • Jatznick, Deutschland

    08.08.2026

  • Bremen-Walle, Deutschland

    07.08.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

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Zuletzt am 08.09.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die saisonale Aktivität von Deraeocoris ruber ist durch eine ein- bis zweigeschossige Entwicklung im Jahresverlauf geprägt. Die Eiablage findet überwiegend in den Monaten August und September statt.1 Die Überwinterung erfolgt ausnahmslos im Eistadium.12 Aus diesen Eiern schlüpfen im Mai die rotbraunen, am Hinterleib stachelig bewehrten Nymphen. Die Larvenentwicklung erstreckt sich über den Frühsommer, was durch Nachweise von Nymphen im Juni belegt wird. Adulte Exemplare treten vor allem in den Sommermonaten Juli und August in Erscheinung. Ab Ende September werden die adulten Tiere in der Natur zunehmend seltener. Im Mittelmeerraum sowie an besonders wärmebegünstigten Standorten in nördlicheren Regionen bringt die Art in der Regel zwei Generationen pro Jahr hervor.1 Das öffentliche und wissenschaftliche Beobachtungsinteresse konzentriert sich dabei primär auf den Monat Juli, welcher deckungsgleich mit dem Hauptauftreten der adulten Tiere ist.3 Belastbare physiologische Messdaten zur genauen Temperaturabhängigkeit der Aktivität jenseits der beschriebenen klimatischen Effekte auf die Voltinismus-Rate fehlen.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber) agiert als Nützling in der Agrar- und Forstwirtschaft, da sie sich überwiegend räuberisch von kleineren Gliederfüßern und insbesondere von Blattläusen ernährt. Aufgrund ihrer Ernährungsweise trägt sie zur natürlichen Regulation von Schadorganismen in der Kraut-, Strauch- und Baumschicht bei. Das Schadpotenzial an Pflanzen ist folglich nicht gegeben, weshalb gezielte Bekämpfungsmaßnahmen wirtschaftlich oder ökologisch nicht erforderlich sind. Bei direktem Kontakt kann die Art jedoch durch einen Stich Beute abtöten, der auch für den Menschen schmerzhaft sein kann.1 Spezifische gesundheitliche Gefahren wie Allergien oder die Übertragung von Krankheitserregern durch Deraeocoris ruber sind nach Datenlage nicht belegt. Befallsanzeichen im Sinne von Pflanzenschäden treten nicht auf, da die Wanzen als Carnivoren keine pflanzlichen Gewebe schädigen.1 Präventions- oder Überwachungsmaßnahmen sind mangels Schadeigenschaft ebenfalls nicht etabliert. Belastbare Daten zu chemischen oder physikalischen Bekämpfungsstrategien fehlen, da die Art als nützlicher Antagonist geschützt oder toleriert wird. Integrierte Schädlingsbekämpfungsansätze nutzen das Vorkommen von Deraeocoris ruber stattdessen als natürlichen Regulativfaktor. Rechtliche Aspekte bezüglich einer Meldepflicht oder Quarantänebestimmungen existieren für diese weit verbreitete europäische Art nicht.1

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Rote Weichwanze (Deraeocoris ruber) hat keine schädliche wirtschaftliche Bedeutung, da sie sich als räuberischer Nützling ausschließlich von kleineren Gliederfüßern und insbesondere von Blattläusen ernährt. Aufgrund ihrer Ernährungsweise trägt sie zur natürlichen Regulation von Schadorganismen in der Landwirtschaft und in Obstgehölzen bei. Wirtschaftliche Schäden an Kulturpflanzen oder Materialien sind durch diese Art nicht bekannt. Belastbare quantitative Daten zu Bekämpfungskosten oder ökonomischen Effekten fehlen, da ein gezielter Einsatz oder eine Bekämpfung der Art in der Praxis nicht erforderlich ist.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Rote_Weichwanze
  2. gbif.org/species/2009435
  3. Literaturzusammenfassung: Deraeocoris ruber