Lexikon-Eintrag

Blauschwarze Holzbiene Xylocopa violacea

Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Akzeptierter Name
Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Hautflügler (Hymenoptera)
Familie
Apidae
Gattung
Xylocopa
Art
Xylocopa violacea

Wissenschaftlicher Name Xylocopa violacea (Linnaeus, 1758)

Überblick

Einleitung

Die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea), auch Große Blaue oder Violettflügelige Holzbiene genannt, ist eine der größten Bienenarten Mitteleuropas.12 Sie gehört zur Familie der Echten Bienen (Apidae) und fällt durch den tiefschwarzen, hummelähnlichen Körper und die dunklen, bläulich schillernden Flügel auf.1 Als Einsiedlerbiene legt jedes Weibchen seine Nistgänge selbst an, indem es Hohlräume in mürbes Totholz nagt.12 Die wärmeliebende Art hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland nach Norden ausgebreitet und wird heute auch in Siedlungen und Gärten häufig beobachtet.12 Sie wurde zur Wildbiene des Jahres 2024 gewählt.1 Der Eintrag fasst Merkmale, Verbreitung, Lebensweise und die Bedeutung der Art für Menschen zusammen.

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Wissenschaftlicher Name: Xylocopa violacea (Linnaeus, 1758), GBIF-Status ACCEPTED.3
  • Familie: Echte Bienen (Apidae), Gattung Holzbienen.3
  • Größe: 20 bis 28 mm.1
  • Merkmale: tiefschwarz, hummelähnlich, Flügel mit blauem Schiller.1
  • Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa bis Zentralchina.12
  • Nistplatz: selbst genagte Gänge in mürbem Totholz.1
  • Flugzeit in Mitteleuropa: ab August sowie März bis Juli nach der Überwinterung.1
  • Entwicklung Ei bis fertiges Tier: etwa 10 Wochen.1
  • Überwinterung: als erwachsene Biene.12
  • Auszeichnung: Wildbiene des Jahres 2024.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Mit 20 bis 28 Millimetern Körperlänge gehört die Art zu den größten Bienen Mitteleuropas.1 Der Körper ist tiefschwarz und wirkt durch die kurze Behaarung hummelähnlich; der Brustabschnitt (Thorax) ist blauschwarz und auf dem Rücken grau gefärbt.1 Die Flügel sind sehr dunkel und zeigen einen auffälligen blauen bis violetten Schiller.1

Zur Unterscheidung von der ähnlichen Xylocopa valga eignen sich Fühlermerkmale: Beim Weibchen von X. violacea ist das dritte Fühlerglied deutlich länger als die Glieder vier und fünf zusammen, bei X. valga ist es ungefähr so lang.1 Die Männchen tragen vor der leicht abgeknickten Fühlerspitze einen braunroten Ring und lassen sich damit gut bestimmen.1 In Südeuropa ist die Verwechslung mit weiteren Arten der Gattung möglich.1 Weibchen besitzen wie andere Bienen einen Giftstachel, den sie zur Verteidigung einsetzen.1 Die Art gilt als nicht besonders aggressiv und greift nach den Angaben der Literatur nur an, wenn sie bedrängt wird.2 Bei Beschwerden nach einem Stich kann ärztlicher Rat sinnvoll sein, insbesondere bei bekannter Allergie oder starken Reaktionen.

Systematik

Namen & Einordnung (kurz)

Der wissenschaftliche Name lautet Xylocopa violacea (Linnaeus, 1758); die GBIF-Backbone-Taxonomie führt ihn als akzeptierte Art der Gattung Holzbienen (Xylocopa) in der Familie Apidae, Ordnung Hautflügler (Hymenoptera).3 Im Deutschen sind neben Blauschwarze Holzbiene auch Große Holzbiene, Große Blaue Holzbiene und Violettflügelige Holzbiene gebräuchlich; im Englischen heißt die Art violet carpenter bee.12 Der Name Holzbiene bezieht sich auf das Nagen der Nistgänge in Holz, englisch carpenter bee („Zimmermannsbiene“).2 Zur selben Gattung gehören in Mitteleuropa außerdem Xylocopa valga, mit der die Art leicht verwechselt wird; in Südeuropa kommen mehrere ähnliche Arten der Gattung vor.1 Allgemeine Informationen zur Gattung bietet der Eintrag Holzbienen, zur Familie der Eintrag Bienen.

Aus der Community

Kurze Videos

Aus der silbarkrift.community, aufgenommen mit OpenInsect

1 Video

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Paarung erfolgt im Frühjahr, nachdem beide Geschlechter überwintert haben.1 Als Einsiedlerbiene beginnt jedes Weibchen im April oder Mai mit dem Anlegen seiner Niststätte in selbst genagten Hohlräumen im Totholz; alte Nistgänge können auch erneut genutzt werden.12 Die Trennwände zwischen den Brutzellen bestehen aus einer Mischung von Speichel und Holzspänen.1 In jede Zelle wird ein Pollenvorrat für die Larve eingetragen, auf dem das Ei abgelegt wird.2 Die Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt dauert nach Literaturangaben ungefähr zehn Wochen.1 Die neuen Tiere schlüpfen im Spätsommer und überwintern als Erwachsene in Holz, häufig in verlassenen Nistgängen, bis zum folgenden Frühjahr.12

Die Weibchen versorgen sich und die Brut mit Nektar und Pollen verschiedener Blüten, etwa von Lippenblütlern, Korbblütlern, Raublattgewächsen und Schmetterlingsblütlern.1 Im Frühjahr besucht die auffällige Biene regelmäßig die Blütentrauben des Blauregens (Wisteria); dort gilt sie als „legitime“ Besucherin, weil sie dank Gewicht, Kraft und langem Rüssel den Nektar von vorn erreicht und die Blüte bestäubt, statt den Kelch seitlich durchzubeißen.1 Auch den Muskatellersalbei (Salvia sclarea) bestäubt sie, da ihre Größe den Klappmechanismus der Blüte bedienen kann.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Art kommt in Süd- und Mitteleuropa vor und reicht ostwärts über Asien bis nach Zentralchina; im Mittelmeerraum gehört sie zu den häufigsten Bienenarten.12 In Mitteleuropa war ihr Auftreten früher auf wärmebegünstigte Lebensräume beschränkt. Inzwischen ist sie in Deutschland in tieferen Lagen weit verbreitet; höhere Mittelgebirgslagen werden dagegen gemieden.1 Der Erstnachweis in Niedersachsen wird auf etwa 2005 datiert; inzwischen liegen Funde aus nahezu allen Landesteilen vor.1 In England wurde sie 2007 erstmals brütend festgestellt.2

Als Lebensraum dienen Standorte mit geeignetem Totholz als Nistmöglichkeit.12 Die Datenlage aus der Beobachtungsplattform iNaturalist unterstreicht die heutige Häufigkeit: In den vergangenen zwölf Monaten wurden für Deutschland 985 Sichtungen erfasst, davon 629 von der Community bestätigt (verifiziert), für Österreich 173 Sichtungen, davon 103 verifiziert.4 In der OpenInsect-Community wurden bisher 87 Scans erfasst, der letzte am 29.10.2026.4

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    14.03.2026

  • Deutschland

    14.03.2026

  • Deutschland

    14.03.2026

  • Deutschland

    14.03.2026

  • Magdeburg, Am Cracauer Tor, 39114 Magdeburg, Deutschland

    13.03.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
87
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 29.10.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

In Mitteleuropa fliegt die Art nach den Literaturangaben ab August und nach der Überwinterung von März bis Juli.1 Im Frühjahr sind die Paarung und die Suche nach Nistplätzen zu beobachten; ab April oder Mai legen die Weibchen die Nester an.12 Im Spätsommer erscheint die neue Generation, die anschließend zur Überwinterung in Holzhohlräume zieht.12 Der Muskatellersalbei blüht von Juni bis August und wird nach deutschsprachiger Darstellung von der Art besucht.1

Wegen der Überwinterung als erwachsene Biene sind einzelne Tiere an warmen Tagen auch außerhalb der Hauptflugzeit zu sehen.12

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Blauschwarze Holzbiene ist als Bestäuberin nützlich; sie bestäubt unter anderem Blauregen und Muskatellersalbei.1 Sie gilt als nicht aggressiv; Stiche kommen nur bei Bedrängnis vor.12 Wirtschaftliche Bedeutung hat vor allem die Nistweise: Die Art kann Schäden an Holzkonstruktionen verursachen, weil die Weibchen ihre Nistgänge in Holz nagen.1 Als Nistmöglichkeit wird in der Literatur überwiegend mürbes Totholz genannt.12 Verbindliche Aussagen zu vorbeugenden Schutzmaßnahmen an Gebäuden enthalten die ausgewerteten Quellen nicht; bei Zweifeln an der Standsicherheit betroffener Hölzer ist eine Fachberatung sinnvoll.

Zur Gefährdungssituation: Wegen ihres Wärmeanspruchs galt die Art früher in einigen Regionen als gefährdet, in Baden-Württemberg zeitweise als stark gefährdet; diese Einstufung erwies sich nach Erhebungen des Stuttgarter Wildbienen-Katasters als unbegründet.1 Die aktuelle Einstufung in Roten Listen wird hier nicht angegeben, da die ausgewerteten Quellen kein Erscheinungsjahr der Liste nennen und weitere Quellen uneinheitliche Kategorien führen.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. Wikipedia: Blauschwarze Holzbiene. de.wikipedia.org/wiki/Xylocopa_violacea (abgerufen 30.10.2026)
  2. Wikipedia: Xylocopa violacea. en.wikipedia.org/wiki/Xylocopa_violacea (abgerufen 30.10.2026)
  3. GBIF Backbone Taxonomy: Xylocopa violacea (Linnaeus, 1758). gbif.org/species/1342108
  4. OpenInsect-Community-Daten und iNaturalist-Sichtungen zu Xylocopa violacea (Stand der Profildaten 30.10.2026)