Lexikon-Eintrag

Gefleckte Keulenschrecke Myrmeleotettix maculatus

Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Heuschrecken (Orthoptera)
Familie
Acrididae
Gattung
Myrmeleotettix

Überblick

Einleitung

Die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) ist eine Kurzfühlerschrecke aus der Familie der Feldheuschrecken (Acrididae) und zählt zu den kleinsten Vertretern dieser Gruppe in Mitteleuropa. Sie besiedelt bevorzugt trockene, schwach bewachsene Habitate wie Heiden, Sanddünen und Trockenrasen. Charakteristisch für die Art sind die bei Männchen keulenförmig verdickten Fühler, wodurch sie sich von ähnlichen Arten wie dem Rotleibigen Grashüpfer (Omocestus haemorrhoidalis) abgrenzt.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Keulen der Männchen sind einfärbig dunkel gefärbt und häufig nach außen gekrümmt, während Weibchen nur schwach ausgeprägte Keulen besitzen.
  • Die Halsschildlänge entspricht etwa der Kopflänge und unterscheidet die Art damit von dem ähnlichen Rotleibigen Grashüpfer (Omocestus haemorrhoidalis), bei dem der Halsschild deutlich größer ist als der Kopf.
  • Das Männchen wirbt mit etwa 10 Sekunden langen Strophen, die aus mehreren etwa 0,5 Sekunden langen, schwirrenden „rrr“-Lauten bestehen und am Ende in etwas größere Abstände übergehen.1
  • Ein Nachweis in 3050 m Höhe im Varaita-Tal (Punta Losetta, Pontechianale) am 27. August 2020 markiert einen neuen Höhenrekord für die Art in Italien.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) gehört zu den kleinsten mitteleuropäischen Feldheuschrecken. Männliche Tiere erreichen eine Körperlänge von 11 bis 13 mm, während Weibchen 12 bis 17 mm lang werden. Der Körper zeigt eine variable Grundfärbung, die von schwarzbraun über gelbbraun bis hin zu grün reichen und bunt gemustert sein kann. Durch diese Tarnfärbung sind die Tiere perfekt an ihre Umgebung angepasst. Das Hinterleibsende der Männchen weist meist eine rötliche Färbung auf. Der Vorderrand der Flügel ist nicht ausgebuchtet, und das dunkel gefleckte Medialfeld zeigt sich leicht erweitert. Ein auffälliges Merkmal der Männchen sind die an den Enden keulenförmig verdickten Fühler, die oft einfärbig dunkel und nach außen gekrümmt sind. Weibchen besitzen dagegen nur schwach ausgeprägte Fühlerkeulen. Die Halsschildlänge entspricht in etwa der Kopflänge. Aufgrund der schwach ausgebildeten Keulen bei den Weibchen besteht eine Verwechslungsgefahr mit dem Rotleibigen Grashüpfer (Omocestus haemorrhoidalis). Von diesem unterscheidet sich die Art jedoch dadurch, dass beim Rotleibigen Grashüpfer die Halsschildlänge deutlich größer als die Kopflänge ist.1

Porträt

Beschreibung

Die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) ist eine zierliche Kurzfühlerschrecke aus der Familie der Feldheuschrecken (Acrididae). Mit einer Körperlänge von 11 bis 13 mm bei Männchen und 12 bis 17 mm bei Weibchen gehört die Art zu den kleinsten heimischen Vertretern ihrer Familie. Ihr Integument weist eine erhebliche farbliche Variabilität auf, die von schwarzbraun über gelbbraun bis hin zu grünen Tönen oder bunten Mustern reicht. Dank dieser Tarnfärbung sind die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung optisch hervorragend angepasst und im Feld nur schwer zu entdecken. Ein auffälliges morphologisches Merkmal der Männchen sind die am Ende keulenförmig verdickten Fühler, die oft einfärbig dunkel und nach außen gekrümmt sind. Weibchen zeigen hingegen nur sehr schwach ausgeprägte Keulungen, wodurch Verwechslungen mit dem ähnlichen Rotleibigen Grashüpfer (Omocestus haemorrhoidalis) möglich sind. Von diesem unterscheidet sich Myrmeleotettix maculatus diagnostisch durch die Halsschildlänge, die in etwa der Kopflänge entspricht, während sie beim Rotleibigen Grashüpfer deutlich größer ist. Anatomisch zeigt die Art zudem einen Vorderrand der Flügel, der nicht ausgebuchtet ist, sowie ein leicht erweitertes, dunkel geflecktes Medialfeld. Das Habitat der Art umfasst primär trockene, schwach bewachsene Lebensräume wie Heiden, Sanddünen, Trockenrasen und lichte Bereiche von Mooren. Dabei werden kalkarme, wenig feuchte Böden und unbewachsene Bodenstellen strikt bevorzugt. Die Verbreitung erstreckt sich über die Westpaläarktis von Nordafrika über Europa bis nach Sibirien12, wobei vertikale Vorkommen bis in Meereshöhen von etwa 2.500 m (in den Alpen und auf dem Balkan) bzw. lokal bis über 3.050 m nachgewiesen sind. Adulte Tiere treten saisonal von Ende Mai bis Mitte Oktober auf. Ernährungsbiologisch agiert die Art als herbivorer beziehungsweise fakultativ tauschgrüner Chortobiont, der sich von einer Vielzahl unterschiedlicher Pflanzen ernährt. Die Fortpflanzung erfolgt durch die Ablage von Eigelegen, die zwei bis acht Eier umfassen und oberflächlich in trockenen, kalkarmen Böden platziert werden. Akustisch machen die Männchen während der Sonnenscheindauer durch komplexe, mehrphasige Gesänge und Balzverhalten auf sich aufmerksam, bei denen Antennenbewegungen und spezifische Sprungbein-Bewegungen eine zentrale Rolle spielen.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) wird innerhalb der Kurzfühlerschrecken zur Familie der Feldheuschrecken (Acrididae) gezählt. Der deutsche Trivialname leitet sich von den bei den Männchen auffällig keulenförmig verdickten Fühlerspitzen ab.1 Historisch wurde die Art von manchen Autoren zudem unter dem Synonym Gomphocerus biguttatus (Charpentier, 1825) geführt.3 Belastbare historische Erstbeschreibungsdaten oder vollständige taxonomische Authority-Daten fehlen in den vorliegenden Primärquellen weitgehend. Die Art ist in der entomologischen Literatur primär unter ihrer etablierten Kombination Myrmeleotettix maculatus bekannt. Weitere detaillierte etymologische Herleitungen der Gattung oder spezifische historische Synonymien sind in den aktuellen Belegen nicht systematisch dokumentiert.13

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) ist eine univoltine Kurzfühlerschrecke, deren Lebenszyklus an trockene, schwach bewachsender Habitate angepasst ist. Die Überwinterung erfolgt ausschließlich im Eistadium im Boden. Die Weibchen legen ihre Eier in Gelegen zu zwei bis acht Stück oberflächlich in kalkarme und wenig feuchte Böden ab.1 Nach der Embryonalentwicklung schlüpfen die Larven, deren genaue Anzahl an Stadien in der Literatur nicht spezifiziert wird. Adulte Tiere treten je nach Region und Witterung zwischen Ende Mai und Mitte Oktober auf. Die Aktivität der Imagines ist stark an die Witterung gebunden, wobei die Balz fast ausschließlich bei Sonnenschein stattfindet. Bei der Partnerwahl wirbt das Männchen mit artspezifischen Gesängen, die aus komplexen Strophen und Phasen mit einer Dauer von mehreren Sekunden bis über zwanzig Sekunden bestehen. Der Gesang umfasst unter anderem Strophen aus schwirrenden Rauten sowie Phasen mit plötzlichen Bewegungen der Hinterbeine und Antennen. Rivalen wird ebenfalls mit modifizierten Lauten begegnet. Ernährungsbiologisch verhält sich die Art als fakultativer graminivorer Hortobiont und ernährt sich herbivor von einer Vielzahl verschiedener Pflanzenarten, ohne streng auf Gräser spezialisiert zu sein. Belastbare quantitative Daten zu genauen Mortalitätsfaktoren, spezifischen Parasitoiden oder physiologischen Kältetoleranzgrenzen jenseits der Eidiapause fehlen in den vorliegenden Quellen.1

Lebensweise

Verhalten

Das Verhaltensrepertoire von Myrmeleotettix maculatus ist stark an die Habitatstruktur und sonnige Witterungsbedingungen angepasst. Die Balz findet fast ausschließlich bei Sonnenschein statt. Dabei wirbt das Männchen mit artspezifischen Gesängen und läuft mehrmals um seine Partnerin herum. Der Revier- oder Werbungsgesang zeigt eine komplexe Struktur aus mehreren Phasen, wobei unter anderem ruckartige Impulse und spezifische Bewegungen der Fühler und Hinterbeine eingesetzt werden. Rivalen wird mit einem modifizierten Gesang begegnet. Die Eiablage erfolgt durch die Weibchen oberflächlich im Boden, wobei kalkarme und wenig feuchte Substrate bevorzugt werden.1

Lebensweise

Ökologie

Die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) besiedelt als fakultativer Gräser-Hortobiont terrestrische, offene und nährstoffarme Habitate wie Trockenrasen, Heiden, Sanddünen sowie verheidete Bereiche von Mooren.12 Sie ist auf unbewachsene Bodenstellen angewiesen und meidet konsequent kalkige Böden.1 Bezüglich ihrer geographischen und altitudinalen Verbreitung kommt die Art von Meereshöhe bis in etwa 2500 Metern Seehöhe vor, wobei sie in alpinen Regionen trockene und steinig-grasige Lebensräume bevorzugt.12 Die ernährungsbezogene Nische der Art ist herbivor, wobei sich die Tiere von einer Vielzahl verschiedener Pflanzenarten ernähren und nicht streng auf Gräser spezialisiert sind. Für die Eiablage nutzen die Weibchen oberflächliche Bodenstellen, wobei kalkarme und wenig feuchte Substrate bevorzugt werden.1 Die Entwicklung verläuft univoltin, und die adulten Tiere treten saisonal zwischen Ende Mai und Mitte Oktober auf.12 Belastbare Daten zu spezifischen Parasitoiden oder natürlichen Feinden im Detail fehlen in der aktuellen Datenlage. Ebenso liegen keine systematischen Untersuchungen zu interspezifischen Konkurrenzbeziehungen mit anderen Heuschreckenarten vor.

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) weist eine weite, wenn auch oft lückenhafte Verbreitung in der Westpaläarktis auf. Das natürliche Areal erstreckt sich über große Teile Europas, Nordafrikas und Asiens bis nach Sibirien.2 Im Norden reicht das Vorkommen von den Britischen Inseln über Skandinavien und Russland bis zum Polarkreis, während es im Süden von Marokko über die Iberische Halbinsel, Italien und Griechenland bis in die Türkei reicht.1 In Mitteleuropa und Deutschland ist die Art weit verbreitet, tritt jedoch meist in regional isolierten Populationen auf. Die vertikale Verbreitung reicht von der Meereshöhe bis in alpine Regionen von etwa 2500 m Seehöhe.1 In seltenen Ausnahmefällen wurden belegte Nachweise sogar bis in Höhen von 3050 m erbracht, wie ein Fund im italienischen Varaita-Tal zeigt.2 Als typische Habitate besiedelt die Art trocken-marge und schwach bewachsene Bereiche wie Heiden, Sanddünen sowie Trockenrasen. Darüber hinaus kommt sie in verheideten und lückig bewachsenen Moorbereichen vor. Sie ist auf unbewachsene Bodenstellen angewiesen und meidet konsequent kalkhaltige Böden.1 In osteuropäischen und asiatischen Regionen wird sie zudem auf sandigen und suprasepischen Standorten sowie trockenen Südhängen angetroffen. Auch in alpinen Ökosystemen bevorzugt sie trockene und felsige Grasländer.2 Die Habitatwahl ist folglich stark durch oligotrophe und saure Bodenverhältnisse geprägt. Da die Art terrestrisch lebt und auf offene Strukturen angewiesen ist, reagiert sie empfindlich auf Sukzessionsprozesse in ihren Lebensräumen.

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    11.04.2026

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    11.04.2026

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    11.04.2026

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    11.04.2026

  • Forstbetriebsgemeinschaft Barnimer Heide, Eberswalde, Brandenburg, Deutschland

    03.11.2025

Daten: iNaturalist

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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) zeigt einen univoltinen Entwicklungszyklus mit einer Generation pro Jahr. Adulte Tiere lassen sich im Jahresverlauf zwischen Ende Mai und Mitte Oktober beobachten. Die Überwinterung erfolgt ausschließlich im Stadium des Eies, welches von den Weibchen in Gelegen zu zwei bis acht Stück oberflächlich in kalkarmen und wenig feuchten Böden abgelegt wird. Die Aktivität der Art ist stark an die Witterung gekoppelt, weshalb insbesondere die Balz fast ausschließlich bei Sonnenschein stattfindet. Während dieser Aktivitätsphase läuft das Männchen mehrmals um seine Partnerin herum und trägt dabei artspezifische Gesänge vor. Das öffentliche Suchinteresse im Jahresverlauf weist im Juli und September ausgeprägte Peaks auf, was mit der Hauptaktivitätsphase der adulten Tiere korreliert. Belastbare quantitative Daten zu tageszeitlichen Aktivitätsmustern oder spezifischen Schwellentemperaturen über die Sonnenabhängigkeit hinaus liegen bisher nicht vor.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) ist weder als Schädling noch als Lästling von wirtschaftlicher oder medizinischer Relevanz. Belastbare Daten zu wirtschaftlichen Schäden in der Land- oder Forstwirtschaft durch die Art fehlen, da sie in ihren natürlichen Habitaten stets mit relativ geringer individueller Dichtekomponente auftritt. Als herbivorer Nahrungsgeneralist ernährt sich das Insekt von einer Vielzahl verschiedener Pflanzenarten, zeigt jedoch keine Spezialisierung auf landwirtschaftliche Kulturpflanzen oder dominante Gräser. Spezifische Schadbilder an Nutzpflanzen sind demzufolge nicht dokumentiert. Da die Tiere trocken-magere Biotope wie Heiden, Dünen und Zwergstrauchmoore bevorzugen, überschneiden sich ihre Lebensräume kaum mit intensiv genutzten Agrarflächen. Auch eine Funktion als Vektor für Krankheitserreger oder das Auslösen von Allergien ist für Myrmeleotettix maculatus nicht bekannt. Präventions- oder Bekämpfungsmaßnahmen sind daher weder im pflanzenbaulichen noch im urbanen Raum erforderlich. Ein Monitoring oder der Einsatz von spezifischen Fallen existiert für diese Art in der Praxis nicht. Rechtliche Aspekte wie Quarantänebestimmungen oder Meldepflichten greifen bei dieser heimischen Feldheuschreckenart ebenfalls nicht.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Gefleckte_Keulenschrecke
  2. gbif.org/species/1701365
  3. Krauss 1879 / Faunistic record for Croatia