Lexikon-Eintrag

Blattschneiderbiene Megachile

Blattschneiderbiene (Megachile), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Hautflügler (Hymenoptera)
Familie
Megachilidae
Gattung
Megachile

Überblick

Einleitung

Die Blattschneider- und Mörtelbienen (Megachile) bilden eine weltweit verbreitete Gattung der Bienen innerhalb der Familie Megachilidae und gehören zur Ordnung der Hautflügler.1 Sie zeichnen sich durch eine solitäre Lebensweise aus, bei der die Weibchen ihre Nester in Hohlräumen oder im Boden anlegen und diese artspezifisch mit abgeschnittenen Blattstücken oder Mörtel tapezieren.13 Als wichtige Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen tragen sie maßgeblich zur ökologischen Stabilität ihrer Habitate bei.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Weibliche Bienen transportieren den gesammelten Pollen mithilfe einer oft auffällig gefärbten Bauchbürste auf der Bauchseite des Hinterleibs.
  • Bei den Männchen sind die beiden letzten Hinterleibsringe nach unten eingekrümmt und sie besitzen im Gegensatz zu den Weibchen keine Pollentransporteinrichtung.
  • Auf der Rückseite ist der Hinterleib der Weibchen bedeutend abgeflacht.
  • Mörtelbienen bauen ihre Nester aus Erde und Steinchen als freistehende oder in Hohlräumen befindliche Lehmklumpen und verwenden keine Blattstücke.
  • Die Nester der Mörtelbienen werden in den folgenden Jahren oft gesäubert und wiederbenutzt.
  • Zu den in Deutschland nachgewiesenen Arten zählen unter anderem Megachile alpicola, Megachile ericetorum und die als Neobiont auftretende Art Megachile sculpturalis.3

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Gattung Megachile umfasst robust gebaute Insekten mit einem sehr breiten Kopf, einem kräftigen Thorax und einem auffälligen Hinterleib.1 Die Körpergröße variiert je nach Art erheblich, wobei die größte bekannte Art Megachile pluto eine Länge von bis zu 39 mm erreicht1, während andere Unterarten moderat dimensioniert sind (etwa 7,0–8,0 mm).2 Der Kopf ist durch lange, an der Basis verbreiterte Mandibeln charakterisiert, die länger als breit sind.12 Ein wesentliches diagnostisches Merkmal der Gattung sind die 3-gliedrigen Maxillarpalpen sowie das Fehlen eines Aroliums zwischen den Tarsalkrallen. Das Flügelgeäder zeichnet sich durch zwei Submarginalzellen aus, die in ihrer Länge annähernd gleich sind. Der erste metasomale Tergit (T1) zeigt apikal eine deutliche Depression.2 Sexualdimorphismus ist stark ausgeprägt: Weibchen besitzen eine auffällige Bauchbürste (Scopa) auf den Sterniten zum Pollentransport und einen auf dem Rücken stark abgeflachten Hinterleib. Männchen verfügen über keine Pollentransporteinrichtung, zeigen stattdessen nach unten eingekrümmte Endsegmente und oft eine präapikale Carina am sechsten Tergit (T6).12 Zur Unterscheidung von verwechselbaren Taxa dienen insbesondere feine Skulpturmerkmale des Integuments, die Behaarung sowie spezifische Fortsätze wie Coxaldornen bei Männchen bestimmter Untergattungen.2 Über Eier, Larvenstadien und Puppen liegen in den Standardquellen keine detaillierten morphologischen Messwerte vor, jedoch spinnen die entwickelten Larven einen Kokon in ihren Brutzellen.1

Porträt

Beschreibung

Die Gattung Megachile umfasst solitär lebende Bienen, die weltweit verbreitet sind und durch ihre spezifische Nistweise sowie morphologische Anpassungen charakterisiert werden. Im natürlichen Lebensraum fallen die Tiere durch ihren robusten Körperbau mit sehr breitem Kopf, Bruststück und Hinterleib auf.1 Der Gattungsname leitet sich von den griechischen Begriffen für „große Lippen“ ab, was sich in den langen, an der Basis verbreiterten Mandibeln widerspiegelt.12 Im Feld lassen sich Vertreter der Gattung oft an ihrem typisch schräg nach oben gestreckten Hinterleib erkennen.1 Bei genauerer mikroskopischer Untersuchung zeigen sich spezifische Merkmale wie zwei in der Länge annähernd gleiche Submarginalzellen, das Fehlen eines Aroliums zwischen den Tarsalklauen sowie dreigliedrige Maxillarpalpen.2 Weibliche Tiere besitzen zudem eine auffällig gefärbte Bauchbürste zum Pollentransport, weshalb sie als „Bauchsammlerinnen“ bezeichnet werden. Im Gegensatz dazu sind Männchen durch nach unten eingekrümmte hintere Hinterleibsringe und das Fehlen einer Pollentransporteinrichtung gekennzeichnet. Die Nester werden in Hohlräumen wie Baumlöchern, Mauerspalten oder selbst gegrabenen Gängen angelegt und mit sorgfältig ausgeschnittenen Blattstücken tapeziert. Nach der Ablage des Eis auf einen Pollenvorrat entwickeln sich die Larven in diesen Brutzellen, spinnen dort einen Kokon und überwintern schließlich bis zum Schlupf im nächsten Frühjahr. Belastbare morphologische Details zu den frühen Larvenstadien jenseits der Kokonphase sind in der Standardliteratur kaum systematisch dokumentiert.1 Verwechslungen im Feld treten vor allem mit nahe verwandten Hautflüglern auf, wobei die Bestimmung oft durch Abnutzungen an Flügeln und Mandibeln erschwert wird.2 Im Vergleich zu anderen Hautflüglern zeichnen sich Megachile-Arten durch eine bemerkenswerte Vielfalt in den Untergattungen aus, die morphologische Übergangsformen zwischen solitär nistenden Gruppen einschließt.1 Historisch geht die Erstbeschreibung der Gattung auf Latreille im Jahr 1802 zurück.2 Als Besonderheit innerhalb der Gattung gilt Megachile pluto, deren Weibchen eine Körperlänge von bis zu 39 mm erreichen und damit als größte Bienenart der Welt gelten.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Gattung Megachile wurde im Jahr 1802 durch den französischen Entomologen Pierre André Latreille wissenschaftlich beschrieben. Als Typusart wurde Apis centuncularis Linnaeus, 1758 festgelegt. Der wissenschaftliche Name leitet sich von den griechischen Wörtern mega für „groß“ und chile für „Lippen“ oder „Ränder“ ab, was sich auf die ausgeprägten Mundwerkzeuge bezieht. Obwohl chile grammatikalisch neutrum ist, wird der Gattungsname aufgrund des historischen Usus traditionell als feminin behandelt. Zu den historischen Synonymen und früheren Kombinationen der Gattung zählen unter anderem Anthophora Fabricius, 1804 und Chalicodoma Lepeletier, 1841. Letztere wird von einigen Autoren bis heute als Untergattung oder eigenständige Gattung für die Mörtelbienen geführt, wobei fließende Übergänge eine strikte Trennung erschweren. Im deutschen Sprachraum sind für die Vertreter der Gattung die Trivialnamen Blattschneiderbienen, Tapezierbienen sowie Mörtelbienen gebräuchlich. Im englischen Sprachraum werden sie als „leaf-cutting bees“ bezeichnet.

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Gattung Megachile umfasst solitär lebende Bienen, die ihre Nester in bestehenden Hohlräumen wie Baumlöchern, Totholz, Erdhöhlen oder selbst gegrabenen Gängen anlegen. Für den Nestbau tapezieren die Weibchen die Brutzellen mit exakt zugeschnittenen Blattstücken von Laubbäumen, Sträuchern und Kräutern oder nutzen alternativ Plastikstücke. In jede so vorbereitete Zelle wird ein Pollenvorrat als Nahrungsgrundlage sowie ein einzelnes Ei eingetragen, bevor die Zelle mit weiteren Blattfragmenten verschlossen wird. Die überwiegende Zahl der Arten sammelt Pollen polylektisch von verschiedensten Pflanzenfamilien, während einige wenige spezialisierte Taxa monolektisch oder oligolektisch auf wenige Wirtspflanzen angewiesen sind. Nach dem Schlupf ernährt sich die Larve von dem eingetragenen Pollenvorrat und spinnt im finalen Stadium einen Kokon innerhalb der Brutzelle. Die Überwinterung erfolgt als Larve im Kokon, woraufhin im darauffolgenden Frühjahr die Verpuppung und der Schlupf der imaginalen Bienen stattfindet. Als bedeutendster natürlicher Antagonist gilt der Parasitismus durch Kegelbienen, die Nester der Gattung befallen. Bezüglich anthropogener Wechselwirkungen treten manche Arten synanthrop in Gärten auf und dienen als effektive Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen wie der Luzerne. Das Herausschneiden runder Blattstücke an Rosen durch die Weibchen stellt lediglich einen geringfügigen optischen Schaden dar, der die Vitalität der betroffenen Pflanzen nicht nachhaltig beeinträchtigt. Belastbare physiologische Detaildaten zu exakten Entwicklungsdauern bei bestimmten Temperaturen, genauen Larvalstadien oder spezifischen Mortalitätsfaktoren außerhalb des Parasitismus durch Kegelbienen fehlen in der aktuellen Datenlage für die Gesamtheit der artenreichen Gattung.1

Lebensweise

Verhalten

Arten der Gattung Megachile zeigen eine solitäre Lebensweise als Nestbauer, wobei sowohl Boden- als auch Hohlraumnester angelegt werden. Für den Nestbau nutzen die Weibchen abgeschnittene Blattstücke verschiedener Laubbäume, Sträucher oder Kräuter, alternativ werden auch zurechtgebissene Plastikstücke verwendet. Zum Schaffen dieser Nester graben einige Arten diese selbst in markhaltige Stängel, Totholz oder den Boden, während andere vorhandene Hohlräume wie Baumlöcher oder Mauerspalten besiedeln. In jede Brutzelle wird neben dem Ei ein Pollenvorrat eingetragen, bevor sie mit weiteren Blattstücken verschlossen wird. Die Larven spinnen in diesen Zellen einen Kokon, in dem sie überwintern, um im darauffolgenden Frühjahr als adulte Bienen zu schlüpfen. Als Parasiten treten vor allem Kegelbienen auf, die die Nester der Blattschneiderbienen aufsuchen.1

Lebensweise

Ökologie

Die Gattung Megachile nimmt als Bestäuber zahlreicher Kultur- und Wildpflanzen eine wichtige Rolle im Ökosystem ein, wobei einige Arten wie Megachile rotundata gezielt zur Bestäubung von Nutzgewächsen wie der Luzerne eingesetzt werden. Hinsichtlich ihrer trophischen Nische ernähren sich die meisten Arten polylektisch von Pollen verschiedener Pflanzen, während wenige Spezialisten monolektisch oder oligolektisch an einzelne Pflanzenarten gebunden sind. Als natürlicher Gegenspieler treten insbesondere Kegelbienen auf, die als Parasitoide beziehungsweise Kuckucksbienen die Nester von Megachile-Arten parasitieren. Die Nester werden in unterschiedlichen Hohlräumen wie Baumlöchern, Mauerspalten, Erdhöhlen oder selbst gegrabenen Gängen in Totholz und im Boden angelegt. Zur Auskleidung der Brutzellen nutzen die Weibchen abgeschnittene Blattstücke von Laubbäumen, Sträuchern und Kräutern oder in manchen Fällen Kunststoffe. Das Herausschneiden dieser typischen kreisrunden Blattstücke führt an Wirtspflanzen wie Rosen zu geringfügigen Beschädigungen, beeinträchtigt die betroffenen Pflanzen jedoch kaum. Aufgrund dieser Lebensweise sind die Bienen häufig synanthrop in Gärten und in der Nähe menschlicher Siedlungen anzutreffen.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Gattung Megachile ist nahezu weltweit verbreitet und besiedelt verschiedene Klimazonen von den gemäßigten Regionen bis in den Mittelmeerraum. Das natürliche Areal umfasst weite Teile der Nordhalbkugel sowie der Tropen und Subtropen, wobei einige Arten auch in Nordeuropa angetroffen werden. In Mitteleuropa und im deutschsprachigen Raum ist eine Vielzahl von Arten heimisch, während spezialisiertere Vertreter wie die Mörtelbienen in Nordeuropa fehlen und dort stark zurückgegangen sind. Neben natürlichen Habitaten sind viele Blattschneiderbienen stark synanthrop und besiedeln regelmäßig Gärten sowie die Umgebung menschlicher Behausungen. Als Nistplätze dienen den solitären Bienen natürliche Hohlräume wie Baumlöcher, Totholz, Erdhöhlen sowie Mauerspalten. Zudem graben einige Arten ihre Nester selbst in den Boden oder nutzen markhaltige Stängel. Für den Nestbau verwenden die Weibchen abgeschnittene Blattstücke von Laubbäumen, Sträuchern oder Kräutern zur Tapezierung der Brutzellen. Das Vorkommen erstreckt sich hierbei häufig bis in landwirtschaftliche Kulturflächen, wo sie als wichtige Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen wie der Luzerne agieren. Neben den heimischen Arten treten vereinzelt auch Neobionten wie Megachile sculpturalis in Erscheinung. Belastbare systematische Daten zur genauen Vertikalverbreitung oder flächendeckenden Höhenstufen der einzelnen Arten fehlen weitgehend. Beobachtungsdaten belegen jedoch eine regelmäßige Präsenz in anthropogen geprägten Landschaften.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Schlossgarten, 76131 Karlsruhe, Deutschland

    19.09.2025

  • Schlossgarten, 76131 Karlsruhe, Deutschland

    19.09.2025

  • Baden-Württemberg, Deutschland

    03.09.2025

  • Schlossgarten, 76131 Karlsruhe, Deutschland

    24.08.2025

  • Germany

    16.08.2025

Daten: iNaturalist

Sichtungen

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Zuletzt am 14.07.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Entwicklung der Blattschneiderbienen (Megachile) ist an einen einjährigen Zyklus gekoppelt, bei dem die ausgewachsenen Larven in ihren Nestern überwintern. Nach der Überwinterung im Kokon erfolgt die Verpuppung im Frühjahr, woraufhin die adulten Bienen schlüpfen.1 Das öffentliche Interesse und die Aktivitätsphase konzentrieren sich vor allem auf die Sommermonate Juni und Juli, in denen die adulten Tiere vermehrt angetroffen werden.3 Belastbare quantitative Daten zur genauen Temperaturabhängigkeit der Flugaktivität oder zu tageszeitlichen Mustern fehlen in der wissenschaftlichen Literatur jedoch. Bisherige Untersuchungen zur Generationsfolge belegen für die mitteleuropäischen Arten überwiegend eine univoltin angelegte Lebensweise pro Jahr.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Gattung Megachile ist primär als ökologisch wertvoller Nützling und wichtiger Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen einzustufen. Einige Arten wie Megachile rotundata werden gezielt zur Bestäubung von Luzerne landwirtschaftlich eingesetzt. Schadpotenziale treten vor allem im gärtnerischen Bereich auf, wo Rosenzüchter die Bienen gelegentlich als Schädlinge betrachten. Typische Schadbilder zeigen sich durch exakt kreisrund herausgeschnittene Löcher mit einem Durchmesser von bis zu 1 cm am Rand von Rosenblättern. Diese Beschädigungen beeinträchtigen die betroffene Pflanze jedoch kaum, weshalb eine Bekämpfung ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll ist. Zudem stehen Blattschneiderbienen in Deutschland unter besonderem gesetzlichem Schutz, weshalb chemische oder mechanische Bekämpfungsmaßnahmen unzulässig sind.

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Blattschneiderbienen der Gattung Megachile entfalten ihre wesentliche wirtschaftliche Bedeutung als Bestäuber in der Landwirtschaft, wobei insbesondere Megachile rotundata gezielt zur Bestäubung von Luzerne in Nordamerika und Europa eingesetzt wird. Aufgrund dieser Bestäubungsleistung werden Vorkommen in landwirtschaftlichen Kulturen von Gärtnern und Landwirten überwiegend positiv bewertet. Negative ökonomische Aspekte beschränken sich auf vereinzelte optische Beeinträchtigungen im Zierpflanzenbau, wenn Rosenzüchter Blattschneiderbienen als Schädlinge wahrnehmen. Die Bienen schneiden hierbei exakt kreisrunde Löcher mit bis zu 1 cm Durchmesser vom Rand her in die Rosenblätter, um ihre Nester zu tapezieren. Da diese Aktivität jedoch nur geringfügige Schäden am Laubblatt verursacht und die betroffene Pflanze kaum beeinträchtigt, entstehen keine wirtschaftlich relevanten Totalverluste. Eine Bekämpfung ist folglich weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll und wird in Deutschland zudem durch den gesetzlichen Schutz der Bienen untersagt.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6rtel-_und_Blattschneiderbienen
  2. gbif.org/species/1335011
  3. Literaturzusammenfassung: Megachile