- Die Gattung Lamprias ist in Europa mit insgesamt sechs Arten vertreten.
- In Sachsen-Anhalt wird die Art im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern als nicht gefährdet eingestuft.
- Die Unterseite des Käfers ist stark glänzend und weist einen rotbraunen Brustabschnitt sowie einen dunkel blaugrünen Hinterleib auf.
- Der Gattungsname Lamprias leitet sich vom altgriechischen Wort für „glänzend“ ab und bezieht sich auf die leuchtenden Farben des Tieres.
- Die Erstbeschreibung als Carabus chlorocephalus erfolgte im Jahr 1803 in den Entomologischen Heften.1
Grüner Schnellläufer Lebia chlorocephala
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Insekten (Insecta)
- Ordnung
- Käfer (Coleoptera)
- Familie
- Carabidae
- Gattung
- Lebia
Überblick
Einleitung
Der Grünblaue Prunkkäfer (Lebia chlorocephala) ist ein Laufkäfer aus der Familie der Carabidae, dessen Larven sich ektoparasitisch von Puppen von Blattkäfern der Gattung Chrysolina ernähren. Die Art ist in Europa weitverbreitet, wird jedoch aufgrund rückläufiger Bestände in der Roten Liste Deutschlands in der Kategorie V geführt. Taxonomisch wird sie teilweise auch der Gattung Lamprias zugeordnet. Ähnliche Arten in Mitteleuropa sind Lamprias cyanocephalus sowie Lamprias rufipes.
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Der breite und flache Käfer Lebia chlorocephala erreicht eine Körperlänge zwischen knapp fünf und gut acht Millimetern. Die Flügeldecken zeigen eine leuchtende grün-blaue Färbung, während der Kopf sehr dunkel blaugrün erscheint. Halsschild und der Großteil der Beine sind rotbraun gefärbt, wobei diese rotbraune Farbe bei totem Material vergilbt. Der metallisch glänzende Kopf ist längs eiförmig, hinter den stark gewölbten Augen nur wenig abgeschnürt und auf der Stirnmitte fein und zerstreut punktiert. Die elfgliedrigen, schnurförmigen Fühler entsprechen in ihrer Länge etwa den Flügeldecken, wobei die ersten drei Glieder fast kahl sind. Der kahle Halsschild ist kurz, deutlich breiter als lang und besitzt etwas ausgestellte, rechtwinklige Hinterecken. Die glänzenden, viereckigen Flügeldecken sind gemeinsam viel breiter als der Halsschild, nach hinten erweitert und tragen feine Punktstreifen. Bei den Beinen sind überwiegend die Schienenenden und Tarsen geschwärzt, zudem besitzen die Vorderschienen eine deutliche Putzscharte. Männchen weisen an den Innenseiten der Mittelschienen vor dem Ende einen flachen Ausschnitt auf, der etwa ein Sechstel der Schienenbreite einnimmt. Die Art unterscheidet sich von den ähnlichen Arten Lamprias rufipes und Lamprias cyanocephalus nur in Feinheiten, zeigt aber gegenüber Lamprias cyanocephala eine feinere Punktierung der Stirnmitte und einen längeren, weniger stark verengten Halsschild. Das erste Larvenstadium ist sehr aktiv, misst einschließlich der zwei Cerci 2,7 Millimeter und besitzt sechs gut ausgebildete Beine. Nach dem Aufsuchen der Wirtspuppe schwillt die Larve ohne Häutung durch Dehnung der Häute bis auf elf Millimeter Länge an. Das zweite und letzte Larvenstadium stellt eine degenerierte Form dar, bei der Tergite, Sternite, Mundwerkzeuge und Beine stark reduziert sind und die Cerci rudimentär verbleiben.1
Porträt
Beschreibung
Der Grünblaue Prunkkäfer (Lebia chlorocephala) ist ein auffälliger Laufkäfer aus der Unterfamilie Lebiinae, der durch seine leuchtend grün bis blau glänzenden Flügeldecken und den rotbraunen Halsschild charakterisiert ist. Im natürlichen Lebensraum zeigt die Art eine dämmerungsaktive Lebensweise, wobei Tiere tagsüber oft gesellig an sonnigen Standorten unter Steinen oder am Boden zu finden sind. Im Feld lässt sich die Art durch ihre Farbkombination und den breiten, flachen Körperbau ansprechen, während unter dem Mikroskop feinere anatomische Details wie die spärliche Punktierung der Stirn oder die kammartig gezähnten Klauen sichtbar werden. Eine besondere anatomische Anpassung betrifft die Behaarung und Struktur der Tarsen und Schienen, bei Männchen sind etwa die Innenseiten der Mittelschienen vor dem Ende leicht ausgeschnitten. Die Entwicklung der Art verläuft über einen ektoparasitischen Larvalzyklus an Puppen von Blattkäfern der Gattung Chrysolina. Das extrem aktive erste Larvenstadium misst 2,7 mm einschließlich der Cerci, sucht die Puppenwiege des Wirtes auf und schwillt nach Beginn der Nahrungsaufnahme ohne weitere Häutung innerhalb von etwa einer Woche bei Zimmertemperatur auf eine Länge von bis zu 11 mm an. Das darauffolgende zweite und letzte Larvenstadium ist stark degeneriert, nimmt keine Nahrung mehr auf und besitzt weder funktionstüchtige Beine noch Mundwerkzeuge oder Sklerite. Die Fortpflanzung findet im Frühjahr statt, wobei die Eiablage über einen Zeitraum von mehr als einer Woche erfolgt und im beobachteten Fall mindestens 35 Eier umfasst. Als Überwinterungsquartier dient die oberste Bodenschicht, was für adulte Tiere in Brachen nachgewiesen wurde. Im Vergleich zu ähnlichen Arten wie Lamprias cyanocephalus und dem südwesteuropäischen Lamprias rufipes unterscheidet sich Lebia chlorocephala vor allem durch feinere morphologische Merkmale am Kopf, Halsschild und an den Schienen. Die Art wurde 1803 erstmals wissenschaftlich beschrieben, wobei der Artname chlorocephalus auf den dunkel blaugrünen Kopf verweist. Die taxonomische Einordnung als eigenständige Gattung Lamprias oder als Untergattung von Lebia wird in der wissenschaftlichen Literatur teilweise unterschiedlich bewertet. Belastbare populationsdynamische Daten zur langfristigen Entwicklung fehlen weitgehend, allerdings wird die Art in der Roten Liste Deutschlands aufgrund rückläufiger Bestände in der Vorwarnliste geführt.1
Systematik
Name & Einordnung
Der Grünblaue Prunkkäfer (Lebia chlorocephala) ist ein Laufkäfer aus der Unterfamilie Lebiinae innerhalb der Familie Carabidae. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1803 in den Entomologischen Heften als Carabus chlorocephalus durch Autorenkollektive wie Hoffmann et al. Der Artname leitet sich von den altgriechischen Wörtern „χλωρός“ (chloros) für „grün“ und „κεφαλή“ (kephale) für „Kopf“ ab und bezieht sich auf die charakteristische Färbung des Kopfes. Der Gattungsname Lebia stammt vom altgriechischen Wort „λεβίας“ (lebías) für „Leberfisch“ ab, wobei der Bezug zum Organismus unklar bleibt. Als deutscher Trivialname ist neben Grünblauer Prunkkäfer auch Grüner Prunkkäfer gebräuchlich. In der historischen und aktuellen taxonomischen Literatur wird die Art zeitweise auch als Lamprias chlorocephalus in einer eigenen Gattung geführt. Die Gattung Lamprias wurde 1810 von Bonelli auf Basis des Baus der Tarsen abgetrennt. Diese Trennung wird jedoch nicht von allen Systematikern anerkannt, weshalb Lamprias von verschiedenen Autoren als eigenständige Gattung, als Untergattung von Lebia oder als Synonym betrachtet wird. Demzufolge existieren in der Literatur parallel die Kombinationen Lamprias chlorocephalus, Lebia (Lamprias) chlorocephala und Lebia chlorocephala.1
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Die Fortpflanzung von Lebia chlorocephala findet im Frühjahr statt, wobei die Eiablage über einen Zeitraum von mehr als einer Woche erfolgt und im beobachteten Fall mindestens 35 Eier umfasst. Die Entwicklung der Art verläuft über eine ungewöhnliche ektoparasitische Phase an Wirtsinsekten. Das erste Larvenstadium schlüpft mit einer aktiven, für Laufkäfer typischen Morphologie, besitzt sechs gut ausgebildete Beine, einen nach vorne gestreckten Kopf sowie zwei Cerci und misst einschließlich der Cerci 2,7 Millimeter. Diese aktive Erstlarve sucht die Puppenwiege des Wirts auf, bei dem es sich um den Blattkäfer Chrysolina varians oder eventuell andere Arten der Gattung Chrysolina handelt. In der Puppenwiege beginnt die Larve, die Wirtspuppe zu fressen, verliert dabei ihre Beweglichkeit und schwillt ohne Häutung bis auf elf Millimeter Länge an, indem sich die Häute zwischen den chitinisierten Skelettplatten dehnen. Für diesen Fressakt und das damit verbundene Wachstum benötigt die Larve bei Zimmertemperatur etwa eine Woche. Die folgende Häutung zum zweiten und letzten Larvenstadium führt zu einer stark degenerierten Form, die keine weitere Nahrung mehr aufnimmt, nicht mehr wächst und weder Tergite noch Sternite besitzt. Bei diesem Endstadium sind Mundwerkzeuge und Beine stark reduziert und die Cerci rudimentär ausgebildet. Als Überwinterungsquartier dient den voll entwickelten Adulten die oberste Bodenschicht, was mehrjährig in einer mit Ginster besetzten Brache nachgewiesen wurde. Adulte Käfer ernähren sich carnivor 2, sind dämmerungsaktiv und tagsüber häufig gesellig an sonnigen Stellen in offenen sowie bewaldeten Flächen am Boden unter Steinen zu finden.1
Lebensweise
Verhalten
Der Grünblaue Prunkkäfer (Lebia chlorocephala) zeigt eine dämmerungsaktive Lebensweise, während er tagsüber häufig gesellig an sonnigen Stellen unter Steinen am Boden verbringt. Bei der Fortbewegung krabbelt das adulte Tier abends aktiv auf Pflanzen an Waldrändern und feuchten Wiesen mit lehmigem Grund umher. Die Larvenentwicklung verläuft ektoparasitisch an Puppen von Blattkäfern der Gattung Chrysolina, wobei das sehr aktive erste Larvenstadium die Puppenwiege des Wirtes aktiv aufsucht. Nach Beginn der Nahrungsaufnahme verliert diese Larve ihre Beweglichkeit und schwillt ohne Häutung bis auf eine Länge von 11 mm an. Die anschließende Häutung zum finalen Larvenstadium bringt eine degenerierte Form hervor, die keine Nahrung mehr aufnimmt und immobil bleibt. Die Fortpflanzung der Art findet im Frühjahr statt, wobei die Eiablage über einen Zeitraum von mehr als einer Woche erfolgt.1
Lebensweise
Ökologie
Der Grünblaue Prunkkäfer nimmt als karnivorer Beutegreifer eine spezifische Position in terrestrischen Ökosystemen ein. Die Habitatpräferenzen der Art umfassen offene und bewaldete Flächen, Waldränder mit feuchten Wiesen auf lehmigem Grund sowie Grasländer. Tagsüber halten sich die Tiere häufig gesellig an sonnigen Stellen am Boden unter Steinen auf. Als dämmerungsaktive Art geht der Käfer abends auf Pflanzen in feuchten Wiesen auf Nahrungssuche. Die Larvenentwicklung verläuft ektoparasitisch an Puppen von Blattkäfern, insbesondere der Gattung Chrysolina, wobei primär Chrysolina varians genutzt wird. Das erste Larvenstadium sucht aktiv die Puppenwiege des Wirtes auf, um sich von der Puppe zu ernähren. Dabei schwillt die Larve bei Zimmertemperatur innerhalb von etwa einer Woche ohne Häutung von anfänglich 2,7 mm auf bis zu 11 mm Länge an. Nach dieser Wachstumsphase folgt eine degenerierte zweite Larvenform, die keine Nahrung mehr aufnimmt. Die Fortpflanzung findet im Frühjahr statt, wobei die Eiablage über mehr als eine Woche erfolgt und im beobachteten Fall mindestens 35 Eier umfasst. Als Überwinterungsquartier für den voll entwickelten Käfer dient die oberste Bodenschicht, was über mehrere Jahre in einer mit Ginster besetzten Brache nachgewiesen wurde.
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Der Grünblaue Prunkkäfer (Lebia chlorocephala) ist von den Britischen Inseln und dem südlichen Fennoskandinavien über weite Teile Europas bis in den Kaukasus und nach Westsibirien verbreitet. Nach Norden hin dehnt die Art ihr Areal offenbar aus, worauf neuere Funde in Ländern wie Litauen und Norwegen hindeuten. Im Süden reicht das Verbreitungsgebiet bis nach Spanien und Italien, während Nachweise in Griechenland und einigen südosteuropäischen Staaten fehlen. In Deutschland wird der Laufkäfer in der Roten Liste in der Kategorie V (Vorwarnliste) geführt, da die Bestände stark rückläufig sind. Eine ähnliche Gefährdungssituation zeigt sich in den Bundesländern Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen, wohingegen die Art in Sachsen-Anhalt als nicht gefährdet gilt. In der Schweiz wird die Art nur durch wenige, punktuelle Funde in jüngerer Zeit belegt1, wie beispielsweise ein Nachweis aus dem Kanton Bern auf 820 m Höhe. Typische Habitate des Käfers umfassen offene und bewaldete Flächen auf lehmigem Grund, wobei er häufig an Waldrändern in der Nähe feuchter Wiesen angetroffen wird. Aggregierte Beobachtungsdaten bestätigen zudem das Vorkommen in Offenlandbiotopen und Grünlandstrukturen. Tagsüber halten sich die Tiere oft gesellig an sonnigen Stellen am Boden unter Steinen auf. Als Überwinterungsquartier für den voll entwickelten Käfer dient die oberste Bodenschicht, was mehrjährig in mit Ginster bewachsenen Brachen nachgewiesen wurde. Die räumliche Verbreitung ist eng mit dem Vorkommen der Wirtsarten verknüpft, deren Puppen als Nahrungsgrundlage für die ektoparasitischen Larven dienen.1
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Die Aktivität von Lebia chlorocephala ist durch eine Fortpflanzungsphase im Frühjahr geprägt. Die Fortpflanzung findet im Frühjahr statt, wobei die Eiablage über einen Zeitraum von mehr als einer Woche erfolgt. Adulte Tiere überwintern in der obersten Bodenschicht, wie durch mehrjährige Nachweise in einer mit Ginster besetzten Brache belegt ist. Ergänzende Funddaten aus dem Frühjahr und Frühsommer, wie Exemplare aus den Monaten März bis Juni, bestätigen das Auftreten der Imagines nach der Winterruhe. Das Suchinteresse der Öffentlichkeit zeigt in den Sommermonaten, insbesondere im August, erhöhte Werte. Hinsichtlich der Tagesaktivität verhalten sich die Käfer dämmerungsaktiv und lassen sich abends auf Pflanzen an Waldrändern und feuchten Wiesen antreffen. Tagsüber halten sich die Tiere häufig gesellig an sonnigen Stellen unter Steinen am Boden auf. Die Larvalentwicklung verläuft ektoparasitisch an Puppen von Blattkäfern der Gattung Chrysolina. Nach dem Aufsuchen der Puppenwiege frisst die aktive Erstlarve die Wirtspuppe auf und schwillt dabei innerhalb von etwa einer Woche bei Zimmertemperatur stark an. Anschließend erfolgt die Häutung zu einem degenerierten, nicht mehr wachsenden zweiten Larvenstadium.
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Der Grünblaue Prunkkäfer (Lebia chlorocephala) ist als Laufkäfer ein natürlicher Nützgliedfüßler ohne schädigende Bedeutung für den Menschen oder die Landwirtschaft. Ein Schadpotenzial oder spezifische Schadbilder existieren nicht, da sowohl die im Boden lebenden Imagines als auch die ektoparasitischen Larven karnivor sind und sich auf andere Insekten spezialisieren. Medizinische oder gesundheitliche Relevanzen wie Allergien oder Vektoreigenschaften sind für die Art nicht dokumentiert. Da von der Art keine Schäden ausgehen, sind weder Befallsanzeichen noch präventive bauliche oder hygienische Schutzmaßnahmen erforderlich. Auch gezielte Monitoring-Methoden, biologische, physikalische oder chemische Bekämpfungsmaßnahmen existieren für diesen Bodenbewohner folglich nicht. Integrierte Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen (IPM) sind mangels Schadeigenschaft ebenfalls nicht anwendbar. Rechtliche Aspekte, wie Quarantänebestimmungen oder Meldepflichten, bestehen für den Prunkkäfer nicht. Dennoch ist die Art in vielen Regionen Europas aufgrund stark rückläufiger Bestände gefährdet und wird in der Roten Liste Deutschlands in der Kategorie V als Vorwarnliste geführt. Belastbare Daten zu spezifischen Schutzprogrammen auf Ebene einzelner Bundesländer fehlen, wobei der Status regional variiert und die Art in Sachsen-Anhalt als nicht gefährdet gilt.1
Nachweise