Lexikon-Eintrag

Holzwurm-Brackwespe Gelis areator

Holzwurm-Brackwespe (Gelis areator), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Akzeptierter Name
Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Hautflügler (Hymenoptera)
Familie
Ichneumonidae
Gattung
Gelis
Art
Gelis areator

Wissenschaftlicher Name Gelis areator (Panzer, 1804)

Überblick

Einleitung

Gelis areator ist eine Schlupfwespe aus der Familie der Ichneumonidae und gehört zur Unterfamilie der Phygadeuontinae. Die Art gilt als eine der am stärksten polyphagen Vertreter ihrer Gruppe in der Westpaläarktis und parasitiert an über 50 verschiedenen Wirtsarten holometaboler Insekten sowie als Hyperparasit. Sie zeichnet sich durch eine paläarktische bis möglicherweise holarktische Verbreitung aus.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Der Legebohrer des Weibchens ragt am Hinterleib gerade nach hinten und ist etwas kürzer als die Schienen der hinteren Beine.
  • Die Tibien sämtlicher Beine weisen an ihrer Basis eine weißliche Färbung auf.
  • Bei hell gefärbten Exemplaren ist der Körper überwiegend rot, wobei lediglich das Ende des Gasters schwarz gefärbt ist.
  • Die Krallen an den Hintertarsen besitzen eine kurze, kräftige und annähernd rechtwinklig gekrümmte Gestalt als spezifisches Artmerkmal.
  • Die äußere Querbinde der Vorderflügel weist charakteristischerweise ein helles Fenster direkt hinter dem Pterostigma auf.
  • Der freie Hinterleib ist auf seinen vorderen Tergiten stets durchgehend rot gefärbt.
  • Nach Fängen mit Gelbschalen zählte die Art in den Baumkronen von Eichen, Kiefern und Linden stellenweise zu den häufigsten Vertretern der Schlupfwespen.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Gelis areator ist eine kleine Schlupfwespe von etwa 5 mm Körperlänge. Sie besitzt einen vage ameisenähnlichen Habitus mit einem großen, abgerundeten Kopf, einem relativ schmalen Rumpfabschnitt und einem gestielten Hinterleib. Kopf und Rumpfabschnitt sind in der Regel in unterschiedlicher Ausdehnung rot und schwarz gezeichnet, seltener fast ganz rot. Die Oberseite des Körpers ist fein gekörnelt und weist keine markante Punktierung auf. Die Art ist in beiden Geschlechtern voll geflügelt und flugfähig. Die überwiegend klaren, hyalinen Vorderflügel tragen zwei dunkle Querbinden, wobei die äußere apikale Querbinde meist ein helles Fenster hinter dem Pterostigma besitzt. Dieses Streifenmuster auf den Flügeln dient vermutlich als Tarntracht, die den Körperumriss auflöst. Der freie Hinterleib (Gaster) ist auf den vorderen Tergiten immer rot, während bei besonders hellen Tieren der Körper überwiegend rot und nur das Gasterende schwarz gefärbt ist. Der Legebohrer des Weibchens steht am Hinterleib nach hinten gerade vor und ist etwas kürzer als die Tibien des dritten Beinpaars. Die Tibien aller Beine sind basal weißlich gefärbt. Ein wichtiges Artmerkmal sind zudem die Krallen an den Hintertarsen, welche kurz, stark und annähernd rechtwinklig gekrümmt sind. Belastbare morphologische Daten zu Eiern, Larven, Puppen sowie spezifische Unterscheidungsmerkmale zu anderen Arten der Gattung fehlen in der aktuellen Literaturlage weitgehend, wenngleich die Art morphologisch der Gelis areator-Artengruppe zugeordnet wird.1

Porträt

Beschreibung

Gelis areator nimmt als extrem polyphage Schlupfwespe innerhalb der Unterfamilie Phygadeuontinae eine besondere Stellung in der westpaläarktischen Fauna ein. Die Art ist auf der gesamten Nordhemisphäre verbreitet, sofern die Synonymisierung mit der nearktischen Form zutrifft. Georg Wolfgang Franz Panzer beschrieb die Art im Jahr 1804 wissenschaftlich als Ichneumon areator. Innerhalb der artenreichen Gattung bildet sie gemeinsam mit Verwandten wie Gelis canariensis und Gelis caudator die artprägende Gelis areator-Artengruppe. Im natürlichen Lebensraum zeigt die Art ein charakteristisches Erscheinungsbild mit einem vage ameisenähnlichen Habitus. Kopf und Rumpfabschnitt variieren in ihrer Zeichnung zwischen rot und schwarz, während die vorderen Tergite des Abdomens stets rot gefärbt sind. Als spezifische anatomische Anpassung erweisen sich die kurzen und stark rechtwinklig gekrümmten Krallen an den Hintertarsen. Die Vorderflügel weisen zwei dunkle Querbinden auf, wobei die apikale Binde ein helles Fenster hinter dem Pterostigma besitzt. Dieses auffällige Streifenmuster dient als Tarntracht, welche den Körperumriss gegenüber optisch suchenden Räubern auflöst. Im Gegensatz zu vielen weitaus zahlreicheren flügellosen Arten innerhalb der Gattung sind beide Geschlechter vollständig geflügelt und flugfähig. Bei der Suche nach potenziellen Wirten bevorzugt die Schlupfwespe die Strauchschicht, Baumstämme sowie Kronenbereiche von Eichen, Kiefern und Linden. Das Wirtsspektrum umfasst mehr als 50 holometabole Insektenarten, wobei primär Kokons von Florfliegen, Schmetterlingen und Pflanzenwespen parasitiert werden. Zusätzlich tritt die Art als Hyperparasit an den Kokons anderer parasitoiden Schlupf- und Brackwespen auf. Für die Wirtswahl ist demnach primär das Habitat sowie die Beschaffenheit des Kokons ausschlaggebend. Bezirk der Fortpflanzung bildet die paläarktische Population Männchen über arrhenotoke Parthenogenese aus unbefruchteten Eiern. Bei der nearktischen Schwestergruppe Gelis tenellus sind hingegen ausschließlich Weibchen bekannt, was auf eine thelytoke Fortpflanzung schließen lässt. Die ausgewachsenen Insekten fliegen in Deutschland während der Sommermonate von Juli bis Ende Oktober. Die Überwinterung erfolgt entweder als Larve im Wirtskokon oder als überwinternde Imago. Belastbare phylogenetische Analysen zur genauen Abgrenzung zu flügellosen Arten innerhalb der Gattung basieren bisher auf unveröffentlichten molekularen Daten.1

Systematik

Name & Einordnung

Gelis areator wurde im Jahr 1804 von dem deutschen Entomologen Georg Wolfgang Franz Panzer wissenschaftlich erstbeschrieben.1 Die Art gehört zur artenreichen Familie der Ichneumonidae in der Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera).14 Ursprünglich wurde sie unter der Kombination Ichneumon areator in die Gattung Ichneumon gestellt. Im Laufe der Forschungsgeschichte wurde sie verschiedenen Gattungen zugeordnet, weshalb eine Reihe historischer Synonyme existiert. Zu den bekannten Synonymen zählen unter anderem Hemiteles coelebs Ratzeburg, Hemiteles pulchellus Bormanns und Pezomachus aberrans Ratzeburg. Taxonomen diskutieren zudem eine mögliche Konspezifität mit der nearktischen Art Gelis tenellus (Say). Ein deutscher Trivialname für die Art lautet Holzwurm-Brackwespe. Innerhalb der Gattung Gelis bildet die Art gemeinsam mit nahverwandten Taxa wie Gelis canariensis und Gelis caudator die artlich definierte Gelis areator-Artengruppe. Die genaue phylogenetische Einordnung innerhalb der Gattung, insbesondere zu den überwiegend flügellosen Vertretern, ist Gegenstand laufender wissenschaftlicher Untersuchungen.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Gelis areator ist eine extrem polyphage Schlupfwespe, deren Fortpflanzungsbiologie sowohl sexuelle als auch parthenogenetische Mechanismen umfasst. In der paläarktischen Region schlüpfen Männchen über arrhenotoke Parthenogenese aus unbefruchteten Eiern, während bei der nah verwandten oder synonymen nordamerikanischen Form thelytoke Parthenogenese mit ausschließlich weiblichen Nachkommen auftritt. Ein moderater Weibchenüberschuss in europäischen Aufsammlungen lässt vermuten, dass thelytoke Fortpflanzung auch in der Paläarktis vorkommen könnte, was jedoch bislang nicht bewiesen ist. Der Legebohrer des Weibchens steht am Hinterleib gerade nach hinten und ist etwas kürzer als die Schienen des dritten Beinpaars. Als Eablagesubstrat und Wirtsquelle dienen mehr als 50 verschiedene holometabole Insektenarten. Die Wirtswahl wird dabei weniger von der taxonomischen Zugehörigkeit als vielmehr durch das Habitat sowie Größe und Beschaffenheit des Kokons bestimmt. Belegt als Wirte sind Verpuppungskokons von Florfliegen, Schmetterlingen und Pflanzenwespen. Darüber hinaus agiert die Art als Hyperparasit an Kokons von Schlupfwespen und Brackwespen, die selbst als Parasitoide anderer Insekten fungieren. Die Larven entwickeln sich ektoparasitisch oder endoparasitisch im Kokon des jeweiligen Wirts. Bezüglich der Ernährungssubstrate und Nährwertanforderungen sind keine spezifischen Laborwerte oder quantitativen Daten publiziert. Die ausgewachsenen Imagines fliegen in Mitteleuropa den gesamten Sommer über von Juli bis Ende Oktober. Die Überwinterung erfolgt entweder als Larve innerhalb des Wirtskokons oder als adulter Imago. Belastbare Daten zu exakten Entwicklungsstadien, genauen Dauerangaben der Metamorphose, temperaturabhängigen Raten oder spezifischen Mortalitätsfaktoren fehlen in der aktuellen Literatur. Ebenso sind keine konkreten Symbiosen oder physiologischen Spezialisierungen wie detaillierte Kältetoleranzgrenzen systematisch untersucht.1

Lebensweise

Verhalten

Gelis areator zeigt ein spezifisches Such- und Fortbewegungsverhalten, bei dem die ausgewachsenen Tiere bevorzugt in der Strauchschicht, an Baumstämmen innerhalb von Wäldern sowie gelegentlich in der oberen Krautschicht nach potentiellen Wirten suchen. Die Art ist in beiden Geschlechtern voll geflügelt und flugfähig, wobei die ausgewachsenen Schlupfwespen in Deutschland den ganzen Sommer über von Juli bis Ende Oktober fliegen. Bei der Suche auf der Rinde von Alteichen bewegen sich die Tiere aktiv suchend fort. Das charakteristische Streifenmuster auf den Vorderflügeln wird dabei als Tarntracht gedeutet, die den Körperumriss des Tiers gegenüber optisch suchenden Räubern auflöst. Als polyphag agierende Schlupfwespe parasitiert Gelis areator an mehr als 50 Wirtsarten holometaboler Insekten, wobei Habitat, Größe und Stärke des Kokons für die Wirtswahl wesentlicher sind als die taxonomische Zugehörigkeit. Die Art tritt neben primären Parasitoiden auch als Hyperparasit an Kokons von Schlupfwespen und Brackwespen auf. Hinsichtlich der Fortpflanzung bildet die paläarktische Population Männchen mittels arrhenotoker Parthenogenese aus unbefruchteten Eiern, während ein moderater Weibchen-Überschuss in Aufsammlungen auf ein mögliches Vorkommen thelytoke Parthenogenese hindeutet. Die Überwinterung erfolgt entweder als Larve im Kokon des Wirts oder als Imago.1

Lebensweise

Ökologie

Gelis areator nimmt als extrem polyphage Schlupfwespe eine spezielle ökologische Nische als Generalist unter den Parasitoiden ein, wobei mehr als 50 Wirtsarten nachgewiesen sind. Die Art parasitiert an einer Vielzahl holometaboler Insekten, deren gemeinsame Eigenschaft in frei liegenden, mittelgroßen Hüllen oder Kokons liegt, wobei Verpuppungskokons von Florfliegen, Schmetterlingen und Pflanzenwespen genutzt werden. Neben diesen primären Wirten tritt Gelis areator zudem als Hyperparasit an Kokons von Schlupfwespen und Brackwespen auf. Für die Wirtswahl sind primär das Habitat sowie die Größe und Stärke des Kokons von Bedeutung, während die taxonomische Zugehörigkeit des Wirts eine untergeordnete Rolle spielt. Trotz des breiten Wirtsspektrums fungiert die Art bei keinem ihrer Wirte als Haupt-Parasitoid. Bei der Wirtssuche bevorzugt Gelis areator die Strauchschicht, Baumstämme innerhalb von Wäldern sowie gelegentlich die obere Krautschicht. In den Kronen von Eichen, Kiefern und Linden gehört sie nach Gelbschalenfängen teilweise zu den häufigsten Schlupfwespenarten. Zudem wurden Individuen direkt bei der Rindensuche an Alteichen beobachtet. Das auffällige Streifenmuster auf den Flügeln wird als Tarntracht gedeutet, welche den Körperumriss gegenüber optisch suchenden Räubern auflöst. Die Flugzeit in Deutschland erstreckt sich über den gesamten Sommer von Juli bis Ende Oktober. Die Überwinterung erfolgt entweder als Larve im Kokon des Wirts oder als Imago.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Gelis areator besitzt ein natürliches Verbreitungsgebiet, das sich über die gesamte paläarktische Region von Europa bis nach Ostasien erstreckt. Innerhalb Europas reicht das Areal von Skandinavien im Norden bis in den Mittelmeerraum. Bei Anerkennung der Synonymisierung mit der nearktischen Form Gelis tenella ergibt sich eine holarktische Verbreitung auf der gesamten Nordhemisphäre.1 Die Art ist flächendeckend in Mitteleuropa und somit auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz nachgewiesen. Belastbare Daten zur genauen vertikalen Verbreitung und zu Höhenstufen fehlen. Die Tiere besiedeln als bevorzugte natürliche Habitate vor allem geschlossene Wälder. Innerhalb dieser waldartigen Lebensräume suchen die ausgewachsenen Schlupfwespen vorzugsweise in der Strauchschicht sowie an Baumstämmen nach Wirten. Gelegentlich dehnen sie ihren Aktionsraum auch auf die obere Krautschicht aus. Besondere Bedeutung kommt dabei alten Baumbeständen zu. So konnten Individuen regelmäßig auf der Rinde von Alteichen bei der Suche nach Wirtskokons beobachtet werden. Nach Gelbschalenfängen gehören sie zudem in den Kronenräumen von Eichen, Kiefern und Linden teilweise zu den häufigsten Schlupfwespenarten. Das Habitat sowie die Beschaffenheit der Wirtskokons sind für das Vorkommen ausschlaggebender als die konkrete Baumart. Vorkommen in geschlossenen Siedlungsbereichen oder Gebäuden werden in der Fachliteratur nicht als typisch beschrieben. Die Flugaktivität der Imagogeneration erstreckt sich in Mitteleuropa über die warmen Monate von Juli bis Ende Oktober.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    02.11.2024

  • Deutschland

    16.10.2024

  • Nentershausen, Deutschland

    23.10.2022

  • Deutschland

    09.05.2022

  • Nordrhein-Westfalen, Deutschland

    24.12.2021

Daten: iNaturalist

Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivität von Gelis areator erstreckt sich in Deutschland über den gesamten Sommer und den frühen Herbst, wobei die ausgewachsenen Schlupfwespen von Juli bis Ende Oktober fliegen. Während dieser aktiven Periode suchen die Tiere bevorzugt in der Strauchschicht, an Baumstämmen sowie in Baumkronen nach geeigneten Wirten. Bezüglich der Überwinterung zeigt die Art eine bipolare Strategie, da sie teilweise als Larve im Kokon ihres Wirts und teilweise als Imago überwintert. Das öffentliche Suchinteresse an der Art verzeichnet in den Monaten Oktober und Februar erhöhte Werte. Belastbare quantitative Daten zu tageszeitlichen Aktivitätsmustern, genauen Generationenfolgen oder spezifischen Temperaturabhängigkeiten fehlen bisher.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Als parasitische Schlupfwespe ist Gelis areator ökologisch als Nützlich einzustufen, da sie als Parasitoid und Hyperparasit an einer Vielzahl von Insektenarten auftritt. Ein Schadpotenzial an Holz, Vorräten oder Materialien geht von der Art nicht aus, weshalb sie weder als Holzschädling noch als Materialschädling relevant ist. Die Bezeichnung "Holzwurm-Brackwespe" ist irreführend, da die Art zoologisch zu den Schlupfwespen (Ichneumonidae) gehört und keine holzbohrenden Insekten parasitiert, sondern Kokons von frei oder in der Strauchschicht lebenden Insekten besiedelt. Medizinische oder gesundheitliche Relevanzen wie Vektoreigenschaften oder Allergieauslösungen sind für Gelis areator nicht bekannt. Da keine Schäden an Gebäuden oder Vorräten verursacht werden, existieren keine spezifischen Befallsanzeichen, Früherkennungs- oder Monitoring-Methoden für den häuslichen oder gewerblichen Bereich. Auch präventive oder bekämpfende Maßnahmen sind mangels Schadwirkung nicht erforderlich. Belastbare Daten zu chemischen, physikalischen oder biologischen Bekämpfungsstrategien im Rahmen einer Schädlingsbekämpfung fehlen, da die Art nicht als Schadorganismus eingestuft wird. Entsprechend existieren keine rechtlichen Regelungen, Quarantänebestimmungen oder Meldepflichten bezüglich dieser Art.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Gelis_areator
  2. gbif.org/species/1290330