Lexikon-Eintrag

Haselnussbohrer Curculio nucum

Haselnussbohrer (Curculio nucum), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Käfer (Coleoptera)
Familie
Curculionidae
Gattung
Curculio

Überblick

Einleitung

Der Haselnussbohrer (Curculio nucum) ist ein Käfer aus der Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) und gilt in bewirtschafteten Plantagen als bedeutender Schädling an Haselnüssen und Obstbäumen. Die Art ist von Europa über den Kaukasus bis nach Vorderasien und Syrien sowie in Nordafrika verbreitet. Die Art kann vor allem mit dem Eichelbohrer (Curculio glandium) verwechselt werden, dessen Flügeldeckennaht jedoch keinen Kamm besitzt.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Fühler und Beine des Haselnussbohrers sind rotbraun gefärbt, wobei die Beine eine dichte, weißliche Behaarung aufweisen.
  • Der Fühleransatz der Käfer befindet sich exakt in der Mitte des Rüssels.
  • Die Geißelglieder der Fühler sind durch länger abstehende Haare gekennzeichnet.
  • An den Schenkeln (Femora) der Vorderbeine befindet sich ein gut erkennbarer Zahn.
  • Bezüglich der sexuellen Dimorphie ist der Rüssel bei den Männchen kürzer, bei den Weibchen hingegen länger als der gesamte Körper.
  • Die ähnlichen Arten Curculio venosus und Curculio pellitus lassen sich durch ein langgestrecktes Schildchen vom Haselnussbohrer unterscheiden.
  • Gelegentlich werden von einem Weibchen auch mehrere Eier in eine einzige Nuss abgelegt.
  • Die Verpuppung der Larven im Boden erfolgt erst im darauffolgenden Frühjahr nach der Überwinterung.
  • In einigen Fällen verbringen die Tiere bis zu drei Jahre im Puppenstadium, bevor die Imagines der neuen Generation im Sommer schlüpfen und später überwintern.
  • In Deutschland wird die Art in der Roten Liste als ungefährdet eingestuft.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der Haselnussbohrer (Curculio nucum) ist ein charakteristischer Rüsselkäfer mit einer Körperlänge von 6 bis 8,5 Millimetern. Sein Körpergrund ist schwarz gefärbt und weist eine dichte, weiß- sowie graubraune Beschuppung auf. Dabei bilden die im Vergleich zu den übrigen Schuppen größeren, weißlichen Schuppen auffällige Flecken auf der Oberfläche. Entlang der Flügeldeckennaht verläuft ein Kamm aus längeren, abstehenden Haaren. Das quadratische Schildchen (Scutellum) ist gleich breit wie lang, weiß beschuppt und besitzt seitlich einen kahlen Saum. Die Beine und Fühler zeigen eine rotbraune Färbung. Die Schenkel der Vorderbeine sind durch einen gut erkennbaren Zahn ausgezeichnet. Die Beine tragen zudem eine dichte, weißliche Behaarung. Der Fühleransatz befindet sich exakt in der Mitte des Rüssels, und die Geißelglieder sind länger abstehend behaart. Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zeigt sich in der Länge des Rüssels, welcher bei Männchen kürzer und bei Weibchen länger als der Körper ausgebildet ist. Eine Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit dem Eichelbohrer (Curculio glandium), dessen Flügeldeckennaht jedoch im Gegensatz zu Curculio nucum keinen Haarkamm besitzt und dessen Fühlergeißelglieder langgestreckter sowie nur locker, fein anliegend behaart sind. Die ebenfalls ähnlichen Arten Curculio venosus und Curculio pellitus lassen sich durch ihr langgestrecktes Schildchen vom Haselnussbohrer abgrenzen.1

Porträt

Beschreibung

Der Haselnussbohrer (Curculio nucum) ist ein spezialisierter Rüsselkäfer aus der Familie der Curculionidae, der in Europa, Kleinasien und Nordafrika verbreitet ist.12 Im natürlichen Lebensraum von Wäldern und Gebüschen besiedelt die Art vor allem Habitate mit Vorkommen von Haselnuss (Corylus avellana). Die Imagines treten überwiegend in den Monaten von Mai bis August auf. Neben Haseln werden gelegentlich auch Eichen (Quercus spp.) als Wirtspflanzen genutzt.2 In der Kulturlandschaft kann die Art bei starkem Fruchtbefall an Obstbäumen als Schädling auftreten. Die geografische Verbreitung reicht von Europa über den Kaukasus bis nach Vorderasien und Syrien, wobei die Art im Norden von Fennoskandinavien fehlt. In Mitteleuropa ist Curculio nucum häufig und kommt vom Flachland bis in Gebirgslagen vor. Im frühen Frühjahr ernähren sich die adulten Käfer zunächst von jungen Früchten verschiedener Laubgehölze wie Kirschen oder Birnen, bevor sie zu Haseln wechseln. Dort fressen sie an Blättern und bohren junge Nüsse an. Für die Eiablage beißen die Weibchen die Nüsse auf und platzieren meist ein einzelnes Ei im Inneren. Die Larvenentwicklung findet über etwa vier Wochen im Inneren der Nuss statt, welche infolge des Befalls zu Boden fällt. Nach Abschluss der Fraßperiode verlassen die ausgewachsenen Larven die Nuss, um im Boden zu überwintern. Die Verpuppung erfolgt im darauffolgenden Frühjahr im Erdreich. Mitunter verbringen sie bis zu drei Jahre im Puppenstadium, bevor die Imagines der neuen Generation im Sommer schlüpfen und später überwintern. Hinsichtlich des Gefährdungsstatus gilt der Haselnussbohrer in Deutschland als ungefährdet.1

Systematik

Name & Einordnung

Der Haselnussbohrer (Curculio nucum) ist ein Käfer aus der Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae). Die Art gehört zur artenreichen Gattung Curculio.1 Als deutscher Trivialname hat sich Haselnussbohrer etabliert, während im englischen Sprachraum Bezeichnungen wie nut weevil üblich sind. Belastbare historische Details zur genauen Erstbeschreibung durch einen spezifischen Autor und das Jahr fehlen im Rahmen der vorliegenden Primärquellen, jedoch ist die Art zoologisch fest im Genus Curculio verankert.1 Frühere oder abweichende Familienzuordnungen über die Curculionidae hinaus werden in den aktuellen Daten nicht belegt. Belastbare Angaben zur genauen etymologischen Herleitung des Artnamens nucum liegen in den vorliegenden Quellen ebenfalls nicht vor.

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Der Lebenszyklus des Haselnussbohrers (Curculio nucum) ist eng an die Fruchtentwicklung seiner Wirtspflanzen angepasst und umfasst mehrere Entwicklungsstadien vom Ei über die Larve und Puppe bis zum adulten Käfer. Die adulten Imagines treten im Frühjahr von Mai bis August in Erscheinung und ernähren sich zunächst von jungen Früchten verschiedener Laubbäume wie Kirschen oder Birnen, bevor sie auf Haseln (Corylus) wechseln. Dort fressen sie an Blättern und bohren junge Haselnüsse an, um Reifungsfrass zu betreiben. Für die Fortpflanzung beißen die Weibchen die jungen Nüsse auf und legen meist ein einzelnes Ei pro Frucht ab. Aus dem Ei schlüpft die Larve, die sich etwa vier Wochen lang vom Kern der Nuss ernährt. Durch diesen Frass wird die Nuss geschädigt und fällt vorzeitig von der Pflanze ab. Nach Abschluss der Feeding-Phase verlassen die ausgewachsenen Larven die Nuss, um sich in den Boden einzubraben. Im Boden verbringen die Larven die Überwinterung, wobei die Verpuppung erst im darauffolgenden Frühjahr stattfindet. Mitunter kann sich das Puppenstadium verlängern, sodass die Tiere bis zu drei Jahre im Puppenstadium verbringen, bevor die Imagines der neuen Generation im Sommer schlüpfen und später überwintern. Als natürliche Mortalitätsfaktoren und Gegenspieler im Boden wirken unter anderem parasitäre Nematoden sowie Prädatoren wie Hühner und parasitierende Insekten wie Samuraiwespen. Die Art gilt bezüglich ihres Nahrungsspektrums als weitgehend monophag mit Schwerpunkt auf Corylus-Arten, wobei gelegentlich auch Vertreter der Fagaceae wie Quercus als Wirt genutzt werden.

Lebensweise

Verhalten

Der Haselnussbohrer zeigt im Frühjahr ein spezifisches Nahrungs- und Fortpflanzungsverhalten, bei dem die Imagines zunächst an jungen Früchten von Obstbäumen und später an Haseln fühlend und fressend angetroffen werden. Die Nahrungsaufnahme erfolgt an Blättern sowie durch das Anbohren junger Nüsse. Für die Eiablage bei Curculio nucum beißen die Weibchen die Nüsse auf und platzieren meist ein einzelnes Ei pro Frucht. Nach etwa vier Wochen Entwicklungszeit verlassen die geschlüpften Larven die Nuss, um sich für die Überwinterung in den Boden einzugraben. Dort verpuppen sie sich erst im Frühjahr, wobei sie mitunter bis zu drei Jahre im Puppenstadium verbringen, bevor die Imagines der neuen Generation im Sommer schlüpfen und später überwintern.1

Lebensweise

Ökologie

Der Haselnussbohrer nimmt als phytophager Insektenorganismus eine spezialisierte ökologische Nische in Wäldern und Gebüschen ein. Die Imagines besiedeln primär Habitate mit Vorkommen von Corylus-Arten, wobei sie im Frühjahr temporär auch an anderen Rosengewächsen wie Kirschen oder Birnen Nahrung aufnehmen. Als natürliche Feinde und Antagonisten im Ökosystem fungieren parasitäre Nematoden, die im Boden befindliche Larven parasitieren, sowie bodenlebende Prädatoren und Hühnervögel. Darüber hinaus wird die Art von entomophagen Parasitoiden wie Samuraiwespen reguliert. Durch die Eiablage in Haselnüsse und die anschließende Larvenentwicklung, die zum vorzeitigen Abfallen der Früchte führt, beeinflusst der Käfer die Reproduktion seiner Wirtspflanzen unmittelbar. Bei Massenauftreten in Plantagen bewirkt der Befall signifikante Ernteverluste, weshalb die Art wirtschaftlich als Schadorganismus eingestuft wird. Die Überwinterung erfolgt als Larve im Boden, wobei das Puppenstadium unter Umständen bis zu drei Jahre andauern kann.

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Der Haselnussbohrer (Curculio nucum) ist in seiner natürlichen Verbreitung über weite Teile Europas, den Kaukasus bis nach Vorderasien und Syrien sowie in Nordafrika beheimatet.1 Nach aktuellem Verbreitungsbild erstreckt sich das Vorkommen der Art von Europa bis nach Kleinasien.2 Im nördlichen Europa zeigt sich eine deutliche Verbreitungsgrenze, da die Art im Norden von Fennoskandinavien fehlt. In England und Schottland tritt der Rüsselkäfer hingegen nur lokal auf. Innerhalb von Mitteleuropa ist Curculio nucum flächendeckend häufig anzutreffen. Die vertikale Verbreitung erstreckt sich dabei vom Flachland kontinuierlich bis in gebirgige Höhenstufen. In Deutschland gilt die Art in ihrem Bestand als ungefährdet.1 Als natürliche Habitate bevorzugt der Haselnussbohrer Wälder und Buschländer. Dort besiedelt er primär Standorte mit Vorkommen seiner Hauptwirtspflanzen aus der Gattung der Haseln (Corylus spp.), insbesondere die Gemeine Hasel (Corylus avellana). Gelegentlich weicht die Art auch auf Eichen (Quercus spp.) als alternative Wirte aus. In den Frühlingsmonaten von Mai bis August halten sich die adulten Käfer in diesen Habitaten auf der Vegetation auf.2

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Gruft, 01609 Röderaue, Deutschland

    02.05.2026

  • Kiel Botanischer Garten, 24118 Kiel, Deutschland

    29.04.2026

  • Deutschland

    26.04.2026

  • Kogelhof, Göttingen, Niedersachsen, Deutschland

    24.04.2026

  • Germany

    24.04.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
10
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 23.10.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Der Haselnussbohrer (Curculio nucum) zeigt einen jahreszeitlich stark gebundenen Aktivitätsrhythmus, der eng mit der Verfügbarkeit von Wirtspflanzen und klimatischen Bedingungen verknüpft ist. Imagines treten nach Datenlage von Mai bis August in Erscheinung und besiedeln Haselnussbestände sowie Gehölze. Im frühen Frühjahr ernähren sich die adulten Käfer zunächst von jungen Früchten verschiedener Laubgehölze, bevor sie zu Haseln wechseln. Während der Sommermonate, insbesondere im Juli und August, erreichen die Flug- und Aktivitätsphasen ihren Höhepunkt. Die Eiablage erfolgt durch die Weibchen direkt in junge Nüsse, die zu diesem Zweck aufgebissen werden. Die Larvenentwicklung im Inneren der Nuss nimmt etwa vier Wochen in Anspruch, wonach die ausgewachsenen Larven zu Boden fallen. Die ausgewachsenen Larven überwintern im Boden und verpuppen sich dort erst im Frühjahr. Mitunter verbringen sie bis zu drei Jahre im Puppenstadium, bevor die Imagines der neuen Generation im Sommer schlüpfen und später überwintern. Im Jahresverlauf spiegelt sich das Auftreten der Art auch in einem erhöhten öffentlichen Interesse wider, welches in den Monaten August und September messbare Peaks verzeichnet.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Der Haselnussbohrer (Curculio nucum) wird aufgrund seiner Ernährungsweise und des Schadbilds an Früchten als Schädling eingestuft. In bewirtschafteten Plantagen kann die Art bei starkem Befall zu erheblichen Ernteverlusten führen, da sich die Imagines neben Haseln auch an den Früchten und Blättern anderer Obstbäume zu schaffen machen. Das typische Schadbild zeigt sich durch angebissene junge Nüsse im Frühjahr sowie im Mai und Juni sichtbare Bohrlöcher. Die Larven ernähren sich etwa vier Wochen lang vom Inneren der Nuss, was dazu führt, dass die befallene Frucht vorzeitig von der Pflanze abfällt. Als vorbeugende Maßnahme empfiehlt sich bereits bei der Pflanzung die Bevorzugung frühreifender Sorten, da diese weniger anfällig sind. Zudem kann der Haselnussbaum als Einzeltrieb-Hochstamm gezogen werden, um einen Leimring am Stamm anzubringen. Zur Früherkennung sollten die Nüsse im Mai und Juni regelmäßig auf Bohrlöcher kontrolliert und befallene Exemplare umgehend entfernt werden. Ein regelmäßiges Abschütteln und Einsammeln der Käfer von Hand stellt eine weitere wirksame mechanische Maßnahme dar. Im Bereich der biologischen Bekämpfung ist von Juli bis September der Einsatz parasitärer Nematoden möglich, die die im Boden überwinternden Larven abtöten. Auch der Einsatz von Hühnern zur Reduktion von Larven und Käfern sowie das Besprühen mit Knoblauchjauche werden praktiziert. Für den erwerbsmäßigen Anbau existieren spezielle Insektizide, die jedoch im Hausgarten keine Zulassung besitzen. Ältere chemische Methoden wie der früher im Frühling gegen überwinterte Larven eingesetzte Kalkstickstoffdünger auf Calciumcyanamidbasis sind mittlerweile EU-weit als Pflanzenschutzmittel verboten.1

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Curculio nucum gilt in bewirtschafteten Plantagen als bedeutender Schadorganismus, da die Larven sich im Inneren der Haselnüsse entwickeln und diese dadurch vom Baum abfallen. Neben Haselnüssen werden bei starkem Befall auch Früchte und Blätter anderer Gehölze wie Kirschen und Birnen attackiert, wodurch wirtschaftliche Schäden im Obstbau entstehen können. Im erwerbsmäßigen Anbau macht dieser Befall den Einsatz spezieller Insektizide erforderlich. Da Calciumcyanamid-basierte Kalkstickstoffdünger EU-weit nicht mehr als Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, entfällt eine traditionelle Bekämpfungsoption gegen überwinterte Larven. Vorbeugende und regulierende Maßnahmen umfassen den bevorzugten Anbau frühreifender Sorten, die mechanische Bekämpfung durch Leimringe, das Absammeln der Käfer sowie das regelmäßige Entfernen befallener Nüsse. Ergänzend kommen biologische Verfahren wie der Einsatz parasitärer Nematoden, das Ausbringen von Samuraiwespen oder das Halten von Hühnern zur Reduktion von Larven und Käfern in Betracht.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Haselnussbohrer
  2. gbif.org/species/8206632