Lexikon-Eintrag

Hausdornfinger Cheiracanthium mildei

Hausdornfinger (Cheiracanthium mildei), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung
Webspinnen (Araneae)
Familie
Cheiracanthiidae
Gattung
Cheiracanthium

Überblick

Einleitung

Der Hausdornfinger (Cheiracanthium mildei) ist eine Spinne aus der Verwandtschaft der Dornfingerspinnen. Er fällt durch seine einheitlich gelbliche Färbung und die auffallend langen Vorderbeine auf 1. Ursprünglich war die Art im Mittelmeerraum bis zum Kaukasus verbreitet; inzwischen ist sie in Europa nach Norden bis in das Rheintal vorgedrungen 1. Sie legt keine Fangnetze an, sondern jagt nachts frei umherstreifend; tagsüber ruht sie in einem Gespinst 1.

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Wissenschaftlicher Name: Cheiracanthium mildei L. Koch, 1864
  • Familie: Dornfingerspinnen (GBIF: Cheiracanthiidae; de.wikipedia: Eutichuridae)
  • Körperlänge: etwa 7–11 mm
  • Färbung: einheitlich gelblich, ohne grüne Anteile
  • Lebensweise: nachtaktiver Jäger, Ruhegespinst tagsüber
  • Gelegegröße: 30–48 Eier
  • Lebenserwartung: etwa ein Jahr
  • Verbreitung: Mittelmeerraum bis Zentralasien, nach Norden bis ins Rheintal

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Körperlänge beträgt insgesamt etwa 7 bis 11 Millimeter; die Prosomalänge liegt bei Männchen zwischen 3,0 und 3,8 Millimetern, bei Weibchen zwischen 2,9 und 4,5 Millimetern 1. Englischsprachige Quellen nennen 7 bis 10 Millimeter 2. Typisch sind die relativ langen Vorderbeine und die gleichmäßig gelbliche Grundfärbung 1; das erste Beinpaar kann bis zu doppelt so lang wie die übrigen sein 2. Der Körper erscheint blassgrün bis hellbraun, Taster und Cheliceren sind dunkler 2.

Das Abdomen ist hochgewölbt und graubraun mit gelblichen Flecken; ein spitz auslaufender gelber Fleck beginnt an der Basis 1. Gegenüber dem Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) fehlen dem Hausdornfinger grüne Anteile in der Färbung, und der Sporn am Bulbus des Männchens ist deutlich kleiner 1. Jedes Auge sitzt in einem schwarzen Ring 1. Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich in Körperlänge und Bestachelung 1.

Systematik

Namen & Einordnung (kurz)

Der wissenschaftliche Name Cheiracanthium mildei L. Koch, 1864 ist in der GBIF-Taxonomie als akzeptiert geführt 3. Die Familienzuordnung wird unterschiedlich gehandhabt: GBIF führt die Art bei den Cheiracanthiidae 3, die deutschsprachige Wikipedia nennt die Familie Dornfingerspinnen (Eutichuridae) 1. Gelegentlich heißt die Art auch Mildes Dornfinger oder Mildes Dornfingerspinne 1; im Englischen „northern yellow sac spider“ oder „long-legged sac spider“ 2.

Der Artname ehrt den Botaniker Julius Milde, der die Spinne erstmals in Meran entdeckte 1. Eine verwandte, häufig im selben Gebiet lebende Art ist der Ammen-Dornfinger; allgemeine Informationen zur Gruppe bietet das Profil Dornfingerspinnen.

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Heranwachsende Spinnen leben in Ruhegespinsten, die als Tagesversteck dienen und nicht als Falle gedacht sind. Zur Jagd streifen die Tiere in der Dämmerung und nachts umher 1. Die genaue Beuteauswahl ist unbekannt; beobachtet wurden kleine Insekten sowie Eier und Larven, zum Beispiel von Wicklern 1. In Afrika und im Nahen Osten ist die Art nach englischsprachigen Angaben ein wichtiger Räuber der Raupen eines Nachtfalters (Spodoptera littoralis) 2. Die Lebenserwartung beträgt etwa ein Jahr 1.

Nach der Paarung stirbt das Männchen bald. Das Weibchen baut aus Blättern und Seide ein geschütztes Brutgespinst und legt 30 bis 48 Eier. Es bewacht den Kokon bis zum Schlupf und stirbt danach. Die Jungtiere spinnen in Bodennähe Überwinterungsgespinste an welken Blättern 1.

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet reicht von Europa und Nordafrika über den Kaukasus bis nach Zentralasien 2. In Europa ist die Art vom Mittelmeergebiet nach Norden vorgedrungen und hat das Rheintal erreicht 1. In den 1940er-Jahren wurde sie nach Amerika eingeschleppt 1; nach englischsprachigen Angaben wurde sie auch in Teile Südamerikas eingeschleppt und ist im Nordosten der USA und im Osten Kanadas weit verbreitet und wird eher in Gebäuden als im Freien gefunden 2.

Als Aufenthaltsorte nennt die Literatur Bäume, Büsche und Sträucher, auf denen die Tiere jagen 1. In Europa leben sie neben dem Ammen-Dornfinger 1. In der OpenInsect-Community wurden bisher 4 Scans erfasst, der letzte am 08.10.2026.

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Magdeburg, Ambrosiusplatz, 39112 Magdeburg, Deutschland

    09.04.2026

  • Freiburg, Stadtgarten, 79098 Freiburg im Breisgau, Deutschland

    09.04.2026

  • 07.04.2026

  • Dresden, Sachsen, Deutschland

    06.04.2026

  • Reutlingen, Baden-Württemberg, Deutschland

    05.04.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
4
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 08.10.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Tiere sind in der Dämmerung und nachts aktiv 1. Die Jungtiere überwintern in Gespinsten an welken Blättern in Bodennähe 1. Konkrete Monatsangaben zur Aktivität nennen die ausgewerteten Quellen nicht. Da die Lebenserwartung etwa ein Jahr beträgt 1, umfasst der Entwicklungszyklus ein Jahr.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Der Hausdornfinger ist ein Räuber kleiner Gliederfüßer. Schäden an Vorräten oder Bausubstanz sind aus den ausgewerteten Quellen nicht bekannt. Nach englischsprachigen Angaben kann die Spinne Menschen beißen, die Wirkungen scheinen jedoch mild zu sein 2. Bei der Gattung insgesamt wird in der Literatur gelegentlich über schmerzhafte Bisse berichtet; für diese Art ist das nicht belegt. Bei starken Beschwerden oder Allergieneigung nach einem Biss ist ärztlicher Rat einzuholen.

Zur Vorbeugung können Insektenschutzgitter an Fenstern und das Abdichten von Spalten das Eindringen von Spinnen verringern; das ist eine allgemeine Maßnahme ohne artspezifischen Beleg. Einzelne Tiere lassen sich mit Glas und Karte ins Freie setzen.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. Wikipedia: Hausdornfinger. de.wikipedia.org/wiki/Hausdornfinger (abgerufen 30.10.2026)
  2. Wikipedia: Cheiracanthium mildei. en.wikipedia.org/wiki/Cheiracanthium_mildei (abgerufen 30.10.2026)
  3. GBIF Backbone Taxonomy: Cheiracanthium mildei L.Koch, 1864. gbif.org/species/2164198