- Die relativ kleinen Augen der Echten Dornfinger sind in zwei dicht hintereinanderliegenden Doppelreihen angeordnet, wobei die hintere Augenreihe im Gegensatz zu den Eigentlichen Sackspinnen (Clubiona) nicht deutlich breiter als die vordere ist.
- Die Cheliceren der Spinnen sind auffallend kräftig und bei den Männchen zusätzlich stark verlängert.
- In Nordamerika werden einige dort beheimatete Arten der Gattung zusammenfassend als Gelbe Sackspinnen (yellow sac spiders) bezeichnet.
- Der deutschsprachige Name „Dornfinger“ leitet sich nicht von einer Giftwirkung oder Gefährlichkeit her, sondern stammt aus der Genital-Morphologie und bezieht sich auf einen dornartigen Fortsatz am Cymbium der männlichen Pedipalpen.
- Historisch kam es zu taxonomischen Verwirrungen, da die deutsche Bezeichnung „Dornfingerspinnen“ zeitweise auch für Vertreter der Familie Miturgidae verwendet wurde, ehe diese nach der Ausgliederung von Cheiracanthium vermehrt als Wanderspinnen bezeichnet wurden.1
Dornfingerspinnen Cheiracanthium
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Spinnentiere (Arachnida)
- Ordnung
- Webspinnen (Araneae)
- Familie
- Cheiracanthiidae
- Gattung
- Cheiracanthium
Überblick
Einleitung
Die Echten Dornfinger (Cheiracanthium) bilden eine weltweit verbreitete Gattung aus der Familie der Dornfingerspinnen (Cheiracanthiidae). Mit zurzeit 195 beschriebenen Arten stellt sie die größte Gattung innerhalb der Familie dar. Im Gegensatz zu den äußerlich ähnlichen Eigentlichen Sackspinnen (Clubiona) ist bei Cheiracanthium das erste Beinpaar deutlich länger als das zweite und es fehlt eine klare foveale Absatzmarke am Prosoma.
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Dornfingerspinnen Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Die Arten der Gattung Cheiracanthium stellen für mitteleuropäische Verhältnisse mittelgroße bis große Spinnen dar, wobei die größte europäische Art, der Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium), eine Körperlänge von bis zu 15 mm erreicht. Der Körperbau ist kräftig, unterteilt in ein länglich ovales, meist einfarbig beige-bräunliches Prosoma (Vorderkörper) und ein ebenfalls länglich ovales Opisthosoma (Hinterkörper). Das Opisthosoma zeigt sich bei vielen Arten in einer fast einfarbigen, grünlichen oder bräunlichen Färbung, während eine Reihe von Arten ein breites Mittelband aufweist. Die Cheliceren (Kieferklauen) sind auffallend kräftig ausgebildet und bei den Männchen zusätzlich stark verlängert. Die relativ kleinen Augen verteilen sich auf zwei dicht hintereinanderliegende Doppelreihen. Im Gegensatz zur ähnlichen Gattung Clubiona ist die hintere Augenreihe bei Cheiracanthium nicht deutlich breiter als die vordere. Zudem fehlt am Prosoma eine klare foveale Absatzmarke, die bei Clubiona vorkommt. Die Beine sind recht lang, wobei das erste Beinpaar im Gegensatz zu Clubiona deutlich länger als das zweite Beinpaar ausfällt. Ein weiteres charakteristisches Bestimmungsmerkmal liegt in der Genital-Morphologie der Männchen, bei der ein dornartiger Fortsatz am Cymbium der Pedipalpen vorhanden ist.1
Porträt
Beschreibung
Die Gattung Cheiracanthium umfasst weltweit verbreitete, mittelgroße bis große Spinnen, die in Mitteleuropa durch den Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) mit Körperlängen von bis zu 15 mm repräsentiert werden. Im natürlichen Lebensraum zeigen die Tiere ein kräftiges, länglich ovales Prosoma von meist einfarbig beige-bräunlicher Färbung sowie ein ebenfalls länglich ovales Opisthosoma, das oft fast einfarbig grünlich oder bräunlich erscheint, bei einigen Arten jedoch ein breites Mittelband aufweist. Im Feld lassen sich die Vertreter durch ihre auffallend kräftigen Cheliceren erkennen, die bei Männchen zusätzlich stark verlängert sind. Unter dem Mikroskop offenbaren sich spezifische anatomische Merkmale wie die in zwei dicht hintereinanderliegenden Doppelreihen angeordneten, relativ kleinen Augen, bei denen die hintere Reihe im Gegensatz zur ähnlichen Gattung Clubiona nicht deutlich breiter ist als die vordere. Zudem ist das erste Beinpaar deutlich länger als das zweite, und am Prosoma fehlt eine klare foveale Absatzmarke. Ein namensgebendes anatomisches Detail befindet sich an den männlichen Pedipalpen, wo der umgestaltete Tarsus (Cymbium) einen dornartigen Fortsatz aufweist. Zur Lebensweise der nachtaktiven Jäger gehört das Aufsuchen von Ruhegespinsten in der Vegetation oder unter Steinen am Tag sowie der Bau von Brutgespinsten durch die Weibchen, die den Eikokon und die Jungspinnen bewachen. Die wissenschaftliche und taxonomische Einordnung der Gattung war historischen Wandlungen unterworfen, wobei sie lange Zeit zu den Sackspinnen gestellt und später über Zwischenstationen den Eutichuridae beziehungsweise Cheiracanthiidae zugeordnet wurde.1 Belastbare Daten zur genauen Entwicklung der Larvenstadien in der Natur fehlen weitgehend, da viele Arten primär über adulte Exemplare oder unvollständige Serien bekannt sind.2 Vergleiche mit nah verwandten Taxa verdeutlichen die Abgrenzung insbesondere zu Clubiona, wobei die artspezifische Bestimmung oft an unvollständigen Originalbeschreibungen und taxonomischen Unwägbarkeiten scheitert.12
Systematik
Name & Einordnung
Die Gattung Cheiracanthium wurde im Jahr 1839 von dem Arachnologen Carl Ludwig Koch wissenschaftlich beschrieben. Als Typusart der Gattung gilt Aranea punctoria Villers, 1789. Der wissenschaftliche Name leitet sich aus den griechischen Wörtern cheir für „Hand“ oder „Arm“ und akantha für „Dorn“ ab. Dieser Name bezieht sich auf einen dornartigen Fortsatz am Cymbium der männlichen Pedipalpen, den C. L. Koch als diagnostisches Unterscheidungsmerkmal nutzte. Die häufig verwendete Schreibweise Chiracanthium stellt eine unberechtigte Korrektur dar. Als Synonyme der Gattung sind unter anderem Chiracanthops Mello-Leitão, 1942 sowie Helebiona Benoit, 1977 bekannt. Im deutschen Sprachraum haben sich die Trivialnamen „Echte Dornfinger“ oder kurz „Dornfinger“ etabliert. Im englischen Sprachraum werden einige Arten zusammenfassend als „yellow sac spiders“ bezeichnet. Bis vor Kurzem wurde die Gattung aufgrund praktischer Erwägungen in die Familie der Sackspinnen (Clubionidae) gestellt. Nach späteren Revisionen und Zuordnungen zu den Miturgidae wird die Gattung heute in der eigenen Familie der Cheiracanthiidae geführt.
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Die Gattung Cheiracanthium umfasst weltweit verbreitete, nachtaktive Jäger, die den Tag in charakteristischen Ruhegespinsten in der krautigen Vegetation, unter Steinen oder im Gestrüpp verbringen. Zur Fortpflanzung legen die Weibchen spezielle Brutgespinste an, in denen der Eikokon an der Innenseite befestigt wird. Sowohl der Eikokon als auch die schlüpfenden Jungspinnen werden vom Weibchen im Brutgespinst bewacht. Belastbare quantitative Daten zu spezifischen Paarungsritualen, Fertilitätsraten oder genauen Entwicklungsstadien und deren temperaturabhängiger Dauer fehlen in der zugrundeliegenden Literatur weitgehend. Auch zur genauen Larvenanzahl, zu physiologischen Besonderheiten wie Diapause oder spezifischen Mortalitätsfaktoren liegen keine systematischen Belege vor. Die Ernährung basiert auf einer raubgierischen Lebensweise als nachtaktive Jäger, wobei detaillierte Angaben zu speziellen Nährwertanforderungen oder Wirtsspezifitäten der Larven und Adulten nicht dokumentiert sind. Das Spektrum möglicher natürlicher Feinde oder Parasitoide ist in den Quellen nicht spezifiziert. Eine Besonderheit im anthropogenen Umfeld zeigt die Art Cheiracanthium inclusum, die in Nordamerika wiederholt durch das Anlegen von Gespinsten in den Entlüftungsleitungen von Kraftstofftanks bestimmter Automobilmodelle auffällig wurde. Die genauen physiologischen oder verhaltensbiologischen Ursachen für dieses spezifische Substratverhalten sind bislang ungeklärt. Aufgrund der unzureichenden Datenlage zu vielen lebensgeschichtlichen Parametern sind weiterführende, großangelegte Revisionen der Gattung erforderlich.1
Lebensweise
Verhalten
Die Arten der Gattung Cheiracanthium agieren primär als nachtaktive Jäger. Den Tag verbringen die Tiere in Ruhegespinsten, die je nach Art unterschiedlich exponiert in der krautigen Vegetation, unter Steinen oder in Gestrüpp angelegt werden. Zur Fortpflanzung errichten die Weibchen spezielle Brutgespinste. Der Eikokon wird an der Innenseite des Brutgespinstes befestigt und anschließend ebenso wie die schlüpfenden Jungspinnen vom Weibchen bewacht. Bestimmte Arten wie Cheiracanthium lawrencei werden in Südafrika in menschlichen Behausungen gefunden, wo sie nachts über schlafende Menschen laufen und auf leichte Provokationen hin aggressiv beißen. Zudem zeigen einige Arten ein unerklärliches nistendes Verhalten in technischen Anlagen, wie Funde von Cheiracanthium inclusum in den Entlüftungsleitungen von Kraftfahrzeugen belegen. Belastbare quantitative Daten zu spezifischen Parametern der Fortbewegung, Orientierung oder Kommunikation fehlen in der aktuellen Datenlage weitgehend.1
Lebensweise
Ökologie
Die Arten der Gattung Cheiracanthium agieren als nachtaktive Jäger in verschiedenen terrestrischen Habitaten. Den Tag verbringen die Spinnen in Ruhegespinsten, die je nach Art in der krautigen Vegetation oder versteckt unter Steinen sowie in Gestrüpp angelegt werden. Zur Fortpflanzung errichten die Weibchen spezielle Brutgespinste, in denen der Eikokon befestigt und sowohl dieser als auch die schlüpfenden Jungspinnen bewacht werden. Belastbare Daten zu spezifischen Nahrungsnetzbeziehungen, konkreten Parasitoiden oder detaillierten Mikroklima-Anforderungen fehlen in der aktuellen Datenlage weitestgehend.1 Die weltweite Verbreitung der Gattung umfasst alle tropischen sowie zahlreiche gemäßigte Regionen, wobei Arten sowohl in der Alten Welt als auch in der Neotropis nachgewiesen sind.12
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Die Gattung der Echten Dornfinger (Cheiracanthium) ist weltweit in allen tropischen und gemäßigten Klimazonen verbreitet.12 Mit gegenwärtig über 190 beschriebenen Arten stellt sie die artenreichste Gruppe innerhalb der Familie der Cheiracanthiidae dar. In der Alten Welt ist die Gattung besonders divers vertreten 3, während für den europäischen Raum gegenwärtig 25 Arten nachgewiesen sind. Zu den bekannteren Vertretern in Mitteleuropa zählt der Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium), der zugleich die größte europäische Art der Gattung darstellt. Neben autochthonen Vorkommen kommt es gelegentlich zu Verschleppungen einzelner Arten durch den menschlichen Transport und Handel. Ein Beispiel hierfür ist Cheiracanthium mildei, eine ursprünglich südeuropäische Art, die rezenter auch in Nordamerika sowie in Mitteleuropa (darunter Österreich) nachgewiesen wurde. Typische natürliche Habitate der nachtaktiven Jäger befinden sich primär in der krautigen Vegetation, in Gestrüpp sowie versteckt unter Steinen, wo sie ihre Ruhegespinste anlegen. Darüber hinaus besiedeln einige Arten anthropogen geprägte Bereiche, wobei Funde in Gebäuden und gelegentlich auch in technischen Anlagen von Fahrzeugen dokumentiert sind.1 Belastbare systematische Daten zur vertikalen Höhenverbreitung der einzelnen Arten fehlen weitgehend, weshalb hierzu keine pauschalen Aussagen getroffen werden können. Die Gattung besiedelt somit ein sehr breites Spektrum unterschiedlicher terrestrischer Lebensräume von den Tropen bis in die gemäßigte Zone.12
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Die Arten der Gattung Cheiracanthium zeigen eine ausgeprägte nachtaktive Lebensweise, während sie den Tag in versteckten Ruhegespinsten verbringen. Belastbare, gattungsweite Daten zur genauen Dauer der Entwicklungsstadien oder spezifischen Temperaturabhängigkeiten der Aktivität fehlen in der wissenschaftlichen Literatur weitgehend. Die Tiere sind als nachtaktive Jäger aktiv, wobei Weibchen zur Fortpflanzung spezielle Brutgespinste anlegen und dort den Eikokon sowie die Jungspinnen bewachen.1 Im Jahresverlauf zeigt sich ein deutlich erhöhtes öffentliches und medial wahrnehmbares Interesse in den Sommermonaten mit einem Schwerpunkt im Juli, was mit der saisonalen Aktivitätsphase der Spinnen korreliert. Da systematische und flächendeckende Beobachtungsdaten zur exakten Generationsfolge oder zu spezifischen Überwinterungsstadien für die gesamte Gattung unzureichend dokumentiert sind, lassen sich hierzu ohne spezifische Artstudien keine pauschalen Aussagen treffen.1
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Arten der Gattung Cheiracanthium nehmen eine Sonderstellung zwischen nützlichen Prädatoren und potenziellen medizinischen Lästlingen ein, ohne als klassische Schädlinge im agrarwirtschaftlichen Sinne eingestuft zu werden. Das Schadpotenzial im Wohnbereich beschränkt sich im Wesentlichen auf defensive Bisse bei unbeabsichtigtem Körperkontakt oder Störung der in Seidensäcken ruhenden Tiere. Besondere Bekanntheit erlangte die Art Cheiracanthium inclusum durch technisches Schadpotenzial, da sie nachweislich Entlüftungsleitungen von Kraftstofftanks besiedeln kann und dadurch im Rahmen von Rückrufaktionen für 65.000 beziehungsweise 42.000 Fahrzeuge eines Herstellers relevant wurde. Medizinisch relevante Vergiftungen – in der Literatur als Cheiracanthism bezeichnet – werden vor allem europäischen Arten wie Cheiracanthium punctorium sowie dem südmediterranen Cheiracanthium mildei zugeschrieben. Typische Symptome nach einem Biss umfassen einen sofortigen brennenden Schmerz, der sich innerhalb von Minuten bis Stunden auf die betroffene Gliedmaße ausdehnt und häufig von einer Druckempfindlichkeit der regionalen Lymphknoten begleitet wird. Schwerere systemische Verläufe mit Schüttelfrost, Schwindel, Erbrechen oder leichtem Fieber treten selten auf, klingen jedoch nach 24 bis 30 Stunden vollständig ab. Berichte über dauerhafte gesundheitliche Schäden oder gar Nekrosen sind nach kritischer Datenlage weitgehend haltlos und basieren meist auf Fehlbestimmungen des Verursachers. Präventionsmaßnahmen stützen sich primär auf den Ausschluss der nachtaktiven Jäger durch bauliche Vorkehrungen an Gebäudeöffnungen, da sie tagsüber in Verstecken oder Gespinsten in krautiger Vegetation ruhen. Belastbare Daten zu standardisierten Monitoring-Methoden oder chemischen Bekämpfungsstrategien für den privaten Raum fehlen in der Fachliteratur weitgehend. Bei Bissen von Cheiracanthium-Arten wird eine rein symptomatische Behandlung mittels analgetischer Steroid-Salben, Acetylsalicylsäure oder Muskelrelaxanzien empfohlen.1
Praxiswissen
Wirtschaftliche Bedeutung
Wirtschaftliche Schäden durch Spinnen der Gattung Cheiracanthium sind primär im Automobilbau dokumentiert, wo sie durch das Anlegen von Gespinsten technische Defekte verursachen können. Im März 2011 musste der Automobilhersteller Mazda 65000 Fahrzeuge der Modellreihe 6 aufgrund von Spinnweben in der Entlüftungsleitung der Tankanlage in die Werkstätten zurückrufen. Als Urheber dieser Vorfälle wurde die Art Cheiracanthium inclusum identifiziert. Trotz technischer Gegenmaßnahmen wie dem Einbau einer speziellen Feder in die Tankanlage kam es zu weiteren Vorfällen, weshalb im April 2014 eine zweite Rückholaktion von weiteren 42000 Fahrzeugen desselben Modells erforderlich wurde. Alle betroffenen Fahrzeuge stammten aus dem Automobilwerk in Flat Rock im US-Bundesstaat Michigan. Die zugrundeliegenden Ursachen für dieses spezifische Nistverhalten in exklusiv dieser einen Modellreihe sind bislang ungeklärt.1 Weitere wirtschaftliche Schäden in anderen Industriezweigen, der Forstwirtschaft oder der Landwirtschaft sind durch Cheiracanthium-Arten nach derzeitigem Kenntnisstand nicht belegt.
Nachweise