- Im biologischen Landbau kommen neben Käfersammelmaschinen auch entomopathogene Pilze, Fangpflanzen wie Rübsen sowie die Förderung von Parasitoiden zum Einsatz.
- Pyrethroide werden nach ihrem chemischen Aufbau in Klasse 1 mit Vertretern wie Bifenthrin und Klasse 2 mit Wirkstoffen wie Deltamethrin unterteilt.
- Pyrethroide zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht in die Pflanze eindringen und bei starker Sonneneinstrahlung abgebaut oder durch Regenfall abgewaschen werden können.
- Für den Einsatz von Pyrethroiden wird ein Temperaturfenster zwischen 5 und 15 °C als gut geeignet beschrieben.
- Die in den letzten 10 Jahren europaweit nachgelassene Wirksamkeit von Pyrethroiden beruht bei Klasse-2-Wirkstoffen vor allem auf einem enzymatischen Abbau des Insektizids im Körper des Insekts.
- Mit Stand Mai 2019 waren in der Schweiz Pflanzenschutzmittel mit den Wirkstoffen Acetamiprid, Bifenthrin, Chlorpyrifos, Chlorpyrifos-methyl, Etofenprox, Indoxacarb, Kaolin, Pymetrozin, Spinosad und Thiacloprid zur Bekämpfung zugelassen.
- Die ökologische Landwirtschaft und IP-Suisse beschränken sich bei den zugelassenen Regulierungsmaßnahmen auf den Einsatz von Kaolin.
- Als Endoparasitoide der Larven treten in Europa neun Hymenopteren-Arten auf, wobei Phradis interstitialis, Phradis morionellus und Tersilochus heterocerus in Deutschland am häufigsten vorkommen.
- Die drei häufigsten Schlupfwespen-Arten der Unterfamilie Tersilochinae bilden jeweils nur eine Generation pro Jahr aus und gelten somit als univoltin.1
Rapsglanzkäfer Brassicogethes aeneus
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Insekten (Insecta)
- Ordnung
- Käfer (Coleoptera)
- Familie
- Nitidulidae
- Gattung
- Brassicogethes
- Art
- Brassicogethes aeneus
Wissenschaftlicher Name Brassicogethes aeneus (Fabricius, 1775)
Überblick
Einleitung
Der Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus) ist ein Käfer aus der Familie der Glanzkäfer (Nitidulidae). Die Art ist in Europa, Nordafrika, Asien und Nordamerika weit verbreitet. Bei einem Massenauftreten können die Käfer durch den Fraß an Blütenpollen, Stempeln und Fruchtknoten zu erheblichen Schäden in der Landwirtschaft führen.1
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Rapsglanzkäfer Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Der Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus) ist ein Vertreter der Familie der Glanzkäfer und weist eine Körperlänge von etwa zwei Millimetern auf. Der Chitin-Panzer des oval geformten Körpers glänzt metallisch. Die Grundfärbung variiert zwischen Individuen und kann grün, blau, violett oder schwarz sein. Die Flügeldecken sind mit kleinen Härchen übersät. Am Kopf befinden sich kurze Fühler, die sich am Ende zu einer Keule verdicken. Sowohl die Beine als auch die Fühler sind braun gefärbt. Larven und Eier sowie spezifische Sexualdimorphismen und Details zum Puppenstadium werden in den vorliegenden Daten nicht näher beschrieben. Belastbare morphologische Daten zur Abgrenzung zu verwechselbaren Arten fehlen in der aktuellen Datenlage.1
Porträt
Beschreibung
Der Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus) ist ein weit verbreiteter Vertreter aus der Familie der Glanzkäfer und besiedelt offenes sowie buschreiches Gelände in Europa, Nordafrika, Asien und Nordamerika. Im natürlichen Lebensraum zeichnen sich die adulten Tiere durch eine ovale Körperorm und eine Länge von etwa zwei Millimetern aus. Ihr Chitin-Panzer weist einen metallischen Glanz auf, dessen Farbgebung individuell variieren und von Grün, Blau, Violett bis hin zu Schwarz reichen kann. Die Flügeldecken sind mit kleinen Härchen übersät, während die braunen Beine und Fühler das äußere Erscheinungsbild ergänzen. Eine anatomische Besonderheit stellen die kurzen Fühler dar, die sich an ihrem Ende zu einer charakteristischen Keule verdicken. Neben diesen visuellen Merkmalen besitzen die Käfer die Fähigkeit, Töne zu erzeugen. Tagsüber halten sich die Tiere bevorzugt auf Blüten auf, wo sie sich vor allem von Pollen, Stempeln und Fruchtknoten verschiedener Kreuzblütler ernähren. Bei einem massenhaften Auftreten kann diese Ernährungsweise zu erheblichen Schäden in der Landwirtschaft führen. Nach der Paarung und Eiablage schlüpfen die Larven, welche sich ebenfalls in den Blüten aufhalten, im Gegensatz zu den Adulten jedoch ausschließlich von Pollen ernähren und daher keine wirtschaftliche Gefahr darstellen. Nach mehreren Häutungen lassen sich die Larven zur Verpuppung in den Boden fallen. Ungefähr zur Zeit der Rapsblüte und ab einer Lufttemperatur von 9 °C schlüpft schließlich der fertige Käfer noch im selben Jahr.1 Belastbare Daten zu weiteren anatomischen Feinstrukturen unter dem Mikroskop oder geschlechtsspezifischen Unterschieden im Laufe des Lebenszyklus fehlen in den vorliegenden Quellen weitgehend.
Systematik
Name & Einordnung
Der Rapsglanzkäfer wird wissenschaftlich als Brassicogethes aeneus (Fabricius, 1775) geführt und gehört innerhalb der Ordnung der Käfer (Coleoptera) zur Familie der Glanzkäfer (Nitidulidae).12 In der historischen und älteren taxonomischen Literatur wurde die Art der Gattung Meligethes zugeordnet, weshalb zahlreiche historische Synonyme wie Meligethes brassicae Reitter, 1875 oder Meligethes moerens LeConte, 1857 existieren.1 Zu den weiteren bekannten heterotypischen Synonymen zählen unter anderem Nitidula coeruleus Marsham, 1802, Meligethes bonvouloiri C. Brisout de Barneville, 1872, Meligethes mutatus Harold, 1868, Meligethes rotundangulus Ganglbauer, 1899 sowie Meligethes rufimanus LeConte, 1857. Der deutsche Trivialname leitet sich von der bevorzugten Nutzung von Rapsbeständen und dem charakteristischen metallischen Glanz der Tiere ab.1 Im englischsprachigen Raum ist die Art primär als pollen beetle bekannt. Belastbare, weiterführende Details zur genauen etymologischen Herleitung des Gattungsnamens Brassicogethes sowie zur genauen Publikationsgeschichte der Erstbeschreibung durch Fabricius im Jahr 1775 fehlen in den vorliegenden Primärquellen weitgehend.12
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Brassicogethes aeneus durchläuft einen mehrstufigen Lebenszyklus, der stark von den Witterungsbedingungen und dem Angebot von Kreuzblütlern abhängt. Die Imagines schlüpfen im Sommer ungefähr zur Zeit der Rapsblüte bei Lufttemperaturen ab 9 °C. Tagsüber halten sich die Käfer überwiegend auf Blüten auf, wo sie sich von Pollen sowie von Stempeln und Fruchtknoten ernähren. Bei einem Massenauftreten kann dieser Reifungsfraß an den Blüten zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden in der Landwirtschaft führen. Im Gegensatz dazu ernähren sich die Larven ausschließlich von Pollen in den Blüten und stellen deshalb keine direkte Gefahr für die landwirtschaftliche Produktion dar. Nach mehreren Häutungen verlassen die Larven die Pflanze und verpuppen sich im Boden. Als natürliche Gegenspieler treten verschiedene endoparasitische Hautflügler auf. In Europa wurden bisher neun Arten von Parasitoiden identifiziert, wobei Phradis interstitialis, Phradis morionellus und Tersilochus heterocerus in Deutschland am häufigsten vorkommen. Diese Schlupfwespenarten bilden jeweils eine Generation pro Jahr aus. Die weiblichen Parasitoide suchen die Wirtslarven an den Blüten auf und legen mittels eines Ovipositors ein einzelnes Ei in die Larve ab. Die Wirtslarve entwickelt sich zunächst ungestört weiter und stirbt erst ab, wenn sich die Parasitoidenlarve während der Verpuppung im Erdkokon entwickelt. Unter natürlichen Bedingungen sind Parasitierungsraten von über 50 % möglich, wobei der genaue Grad von Faktoren wie Klima und Rapssorte abhängt. Belastbare quantitative Daten zur genauen Dauer der einzelnen Entwicklungsstadien oder zur exakten Fertilität fehlen in der aktuellen Datenlage.1
Lebensweise
Verhalten
Der Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus) verbringt den Tag sitzend auf Blüten und ernährt sich dort von Pollen, Stempeln sowie Fruchtknoten von Kreuzblütlern. Bei Gefahr oder Störung zeigen die Tiere spezifische Verhaltensreaktionen; zudem sind sie in der Lage, Töne zu erzeugen. Unter Einwirkung von Insektiziden wie Pyrethroiden geraten die Käfer in einen desorientierten Zustand, bewegen sich unrhythmisch und „torkeln“, bevor sie schließlich von den Pflanzen herabfallen.1
Lebensweise
Ökologie
Der Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus) besiedelt bevorzugt offenes oder buschreiches Gelände in Europa, Nordafrika, Asien und Nordamerika. Die ökologische Nische der adulten Käfer ist eng mit Kreuzblütlern verknüpft, wobei sie tagsüber auf Blüten sitzen und sich von Pollen, Stempeln sowie Fruchtknoten ernähren. Im Gegensatz dazu ernähren sich die Larven ausschließlich von Pollen in den Blüten und stellen keine Gefahr für die Wirtschaft dar. Für die Entwicklung der Population spielen natürliche Gegenspieler eine wesentliche Rolle; so wurden in Europa neun Schlupfwespen-Arten als Endoparasitoide der Larven identifiziert. Die in Deutschland am häufigsten auftretenden Parasitoide Phradis interstitialis, Phradis morionellus und Tersilochus heterocerus bilden dabei genau eine Generation pro Jahr aus. Die erwachsenen Parasitoide stechen die Wirtslarven an den Blüten an und legen ein einzelnes Ei ab. Die Wirtslarve entwickelt sich zunächst normal weiter, bis sie sich im Boden verpuppt, woraufhin die Parasitoidenlarve im Inneren schlüpft und den Wirt tötet. Unter Feldbedingungen sind Parasitierungsraten von über 50 % möglich, wobei der genaue Grad von Faktoren wie dem Klima, der Rapssorte und ackerbaulichen Maßnahmen abhängt.1 Als alternative Bekämpfungs- und Regulationsstrategie im Ökosystem bzw. Landbau werden zudem entomopathogene Pilze und Fangpflanzen wie Rübsen eingesetzt.1
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Der Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus) ist in seiner geographischen Verbreitung holarktisch ausgeprägt und besiedelt weite Teile Europas, Asiens, Nordafrikas sowie Nordamerikas.1 Daraus resultiert eine Anpassungsfähigkeit an verschiedene gemäßigte und boreale Klimazonen der Nordhalbkugel. Innerhalb dieses großen Areals tritt die Art flächendeckend auf, wobei sie regional durch massenhafte Vorkommen in Erscheinung treten kann. Ein Beispiel hierfür stellt das massenhafte Auftreten im Sommer 2006 im Osten Schleswig-Holsteins dar. Als bevorzugte Habitate nutzt die Art offenes oder buschreiches Gelände, in dem entsprechende Nahrungsressourcen verfügbar sind. Dort halten sich die Imagines tagsüber vorwiegend direkt auf den Blüten auf. Das Spektrum der genutzten Wirtspflanzen umfasst neben Raps allgemein diverse Vertreter der Kreuzblütler (Brassicaceae). In diesen Habitaten finden sowohl die Ernährung der adulten Käfer als auch die Entwicklung der Larven statt. Belastbare Daten zu einer vertikalen Höhenverbreitung oder spezifischen Waldtypen liegen aus den vorliegenden Quellen nicht vor. Ebenso fehlen systematische Untersuchungen zur Besiedlung geschlossener Siedlungsbereiche oder Gebäude durch Brassicogethes aeneus. Durch die Ausdehnung landwirtschaftlicher Rapsanbauflächen hat sich das Habitatangebot für die Art in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich vergrößert.1
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Der Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus) zeigt eine stark temperaturabhängige Aktivitätsdynamik im Jahresverlauf. Die erwachsenen Käfer sind tagaktiv und halten sich vorwiegend auf Blüten von Kreuzblütlern auf. Der Schlupf der neuen Generation erfolgt im Sommer ungefähr zur Zeit der Rapsblüte bei Lufttemperaturen ab 9 °C. Nach mehreren Häutungen verpuppt sich die Larve im Boden, woraus noch im selben Jahr der fertige Käfer hervorgeht.1 Das öffentliche Suchinteresse verzeichnet jährliche Höhepunkte in den Monaten April und Juni, was mit der Hauptaktivitäts- und Schadphase korreliert. In den Wintermonaten November und Dezember geht das Suchinteresse auf ein Minimum zurück.2 Belastbare Daten zur genauen Überwinterungsbiologie und zur Anzahl der Generationen pro Jahr fehlen in der aktuellen Datenlage für Brassicogethes aeneus.1
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Der Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus) wird in der Landwirtschaft als bedeutender Schädling eingestuft, da er bei Massenauftreten erhebliche Schäden verursacht. Die erwachsenen Käfer ernähren sich von Pollen, Stempeln und Fruchtknoten verschiedener Kreuzblütler, wobei sie primär an Raps massive Ertragsausfälle hervorrufen können. Im Gegensatz dazu ernähren sich die Larven im Inneren der Blüten ausschließlich von Pollen und stellen daher keine wirtschaftliche Bedrohung dar. Befallsanzeichen zeigen sich durch das gehäufte Auftreten der Käfer in den Blütenständen, wo durch den Fraß an den Fortpflanzungsorganen der Pflanzen Knospen abfallen können. Im biologischen Landbau kommen neben Käfersammelmaschinen auch Fangpflanzen wie Rübsen, der Einsatz entomopathogener Pilze sowie die gezielte Förderung von Parasitoiden zum Einsatz. Zu den wichtigsten natürlichen Gegenspielern zählen Schlupfwespen der Unterfamilie Tersilochinae wie Phradis interstitialis, Phradis morionellus und Tersilochus heterocerus, deren Parasitierungsraten unter günstigen Bedingungen über 50 % erreichen können. Im konventionellen Ackerbau erfolgte die Bekämpfung in den letzten 20 Jahren überwiegend durch den Einsatz von Pyrethroiden der Klassen 1 und 2. Diese Kontaktinsektizide führen zu einer schnellen Desorientierung der Käfer, wodurch sie von den Pflanzen herabfallen. Pyrethroide sind besonders bei gemäßigten Temperaturen zwischen 5 und 15 °C wirksam, können jedoch durch Regen oder starke Sonneneinstrahlung rasch abgebaut werden. In den letzten 10 Jahren hat die Wirksamkeit von Pyrethroiden der Klasse 2 europaweit durch enzymatischen Abbau im Insektenkörper infolge von Resistenzen stark nachgelassen. Als Gegenmaßnahme wurden in verschiedenen Regionen alternative Wirkstoffe wie Acetamiprid, Etofenprox, Indoxacarb, Spinosad oder Kaolin für die Bekämpfung zugelassen. Integrierte Anbausysteme kombinieren dabei chemische Optionen mit agrarökonomischen Maßnahmen und biologischen Regulierungskonzepten.1
Praxiswissen
Wirtschaftliche Bedeutung
Der Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus) verursacht erhebliche Schäden in der Landwirtschaft, insbesondere im Rapsanbau. Bei einem massenhaften Auftreten fressen die adulten Käfer neben Pollen auch Stempel und Fruchtknoten der Blüten von Kreuzblütlern. Daraus resultieren erhebliche wirtschaftliche Schäden in Form von Ertragsausfällen. Historische Schadensberichte verzeichnen beispielsweise für den Sommer 2006 ein massenhaftes Auftreten im Osten Schleswig-Holsteins. Die Bekämpfung erfolgte im konventionellen Landbau in den letzten 20 Jahren fast ausschließlich mit Pyrethroiden. In den letzten 10 Jahren hat die Wirksamkeit dieser Insektizide europaweit nachgelassen. Diese Resistenzbildung beruht in erster Linie auf einem enzymatischen Abbau des Wirkstoffs im Körper des Insekts und betrifft vor allem Pyrethroide der Klasse 2. Als Ursache für die verminderte Wirksamkeit gilt unter anderem die Ausdehnung der Raps-Anbaufläche. Im biologischen Landbau kommen alternativ Käfersammelmaschinen, entomopathogene Pilze, Fangpflanzen wie Rübsen oder die Förderung von Parasitoiden zum Einsatz. Zudem sind in verschiedenen Regionen wie der Schweiz spezifische Pflanzenschutzmittel zugelassen, wobei der ökologische Landbau auf den Einsatz von Kaolin beschränkt ist.1
Nachweise