- Die Rumpfsegmente von Blaniulus guttulatus sind ausschließlich unterhalb der Wehrdrüsen gefurcht.
- Im Gegensatz zum ähnlichen Archiboreoiulus pallidus sind die Metazoniten nur mit relativ kurzen Borsten gesäumt, die etwa die Hälfte der Länge der Metazoniten erreichen.
- Bei Boreoiulus tenius sind die Borsten der Segmente im Vergleich zu Blaniulus guttulatus noch kürzer und die Wehrdrüsen orange gefärbt.
- In Großbritannien fehlt die Art im Norden von Schottland.3
- Zu den Regionen, in die der Tüpfeltausendfuß eingeschleppt wurde, gehören unter anderem Madeira, die Azoren, die Kanarischen Inseln, St. Helena, Tristan da Cunha, Tasmanien, Australien, die Norfolkinsel sowie Teile Südamerikas.
- Innerhalb Deutschlands zeigt die Art eine Präferenz für wärmere Gebiete und zählt zu den häufiger auffindbaren Doppelfüßerarten in Mitteleuropa.3
Tüpfeltausendfuß Blaniulus guttulatus
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Doppelfüßer (Diplopoda)
- Ordnung
- Julida
- Familie
- Blaniulidae
- Gattung
- Blaniulus
Überblick
Einleitung
Der Tüpfeltausendfuß (Blaniulus guttulatus), auch Gefleckter Doppelfüßer genannt, ist eine Art aus der Familie der Blaniulidae innerhalb der Schnurfüßer (Julida) und weltweit kosmopolitisch verbreitet. Ursprünglich in Europa beheimatet, lebt die Art stark synanthrop in Gärten, Feldern und Kulturlandschaften, wo sie sich überwiegend von faulenden Pflanzenteilen ernährt, bei Trockenheit jedoch auch als Kulturfolger an lebenden Nutzpflanzen schädlich werden kann. Im Vergleich zu ähnlichen Arten wie Archiboreoiulus pallidus und Boreoiulus tenius unterscheidet sich die Art durch spezifische Borstenlängen an den Metazoniten sowie die Färbung der roten Wehrdrüsen.1
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Tüpfeltausendfuß Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Der Blaniulus guttulatus zeichnet sich durch einen extrem schlanken, zylindrischen Körper aus, der in 33 bis 54 Segmente gegliedert ist. Die Körperlänge variiert geschlechtsspezifisch und beträgt bei Männchen 7–14 mm sowie bei Weibchen 9–16 mm. Entsprechend unterscheidet sich die Körperbreite, die bei Männchen 0,4–0,6 mm und bei Weibchen 0,5–0,7 mm erreicht. Die Grundfärbung des Rumpfes ist weiß bis cremefarben. Ein auffälliges Bestimmungsmerkmal sind die roten Wehrdrüsen, die als Fleckenreihen an den Körperseiten nahe der Naht der Diplosegmente sitzen. Augen beziehungsweise Ocellen fehlen bei dieser Art vollständig. Die Rumpfsegmente zeigen ausschließlich unterhalb der Wehrdrüsen eine deutliche Furchung. Zur Unterscheidung von ähnlichen Arten wie Archiboreoiulus pallidus dienen die Metazoniten, die nur mit relativ kurzen Borsten von etwa halber Länge des Metazonits besetzt sind. Zudem sind die Fleckenreihen bei Archiboreoiulus pallidus gelblich bis rotbraun gefärbt. Bei der ebenfalls verwechselbaren Art Boreoiulus tenius sind die Borsten noch kürzer und die Wehrdrüsen weisen eine orange Färbung auf.1 Belastbare morphologische Daten zu Eiern, Larvenstadien oder dem Sexualdimorphismus außerhalb der Maße liegen in der zugrundeliegenden Literatur nicht vor.
Porträt
Beschreibung
Blaniulus guttulatus ist eine durch ihre schlanke Statur und auffällige Färbung charakterisierte Art der Schnurfüßer. Der Körper zeigt eine weiße bis cremefarbene Grundfärbung, die durch deutlich sichtbare rote Wehrdrüsen an den Rumpfsegmenten unterbrochen wird. Diese Wehrdrüsen sitzen typisch für Doppelfüßer seitlich nahe der Naht der Diplosegmente. Männliche Exemplare erreichen eine Körperlänge von 7–14 mm bei einer Breite von 0,4–0,6 mm. Weibliche Tiere werden mit 9–16 mm Länge und 0,5–0,7 mm Breite etwas größer. Insgesamt untergliedert sich der Körper in 33–54 Segmente. Augen oder Ocellen fehlen der Art vollständig. Die Rumpfsegmente weisen lediglich unterhalb der Wehrdrüsen eine Furchung auf. Im Freiland ist Blaniulus guttulatus vor allem durch die Kombination aus der sehr schlanken, hellen Gestalt und den reihenartig angeordneten roten Flecken erkennbar. Unter dem Mikroskop zeigen sich weitere artspezifische Details wie die Metazoniten, die mit relativ kurzen Borsten gesäumt sind. Diese Borsten erreichen etwa die halbe Länge der Metazoniten selbst. Ähnliche Arten wie Archiboreoiulus pallidus lassen sich durch gelblich bis rotbraune Fleckenreihen und andere Borstenlängen abgrenzen. Bei Boreoiulus tenius sind die Borsten noch kürzer und die Wehrdrüsen orange gefärbt. Bezüglich der Lebensweise zeigt die Art einen mehrjährigen Zyklus, wobei in überwinternden Populationen vor allem Jungtiere überwiegen; so machten in einer Untersuchung in Wales adulte Tiere nur 3 bis 9 Prozent aus. Die Erstbeschreibung der Art erfolgte im Jahr 1792 durch Louis Augustin Guillaume Bosc unter dem Namen Julus guttulatus. In der historischen und taxonomischen Literatur tauchen diverse Synonyme wie Typhloblaniulus guttulatus oder Blaniulus fragarium auf. Belastbare morphologische oder ökologische Daten zu einzelnen Larvenstadien jenseits des allgemeinen mehrjährigen Entwicklungszyklus bis zur Geschlechtsreife liegen aus den Quellen nicht detailliert vor.1
Systematik
Name & Einordnung
Der Blaniulus guttulatus wird im deutschen Sprachraum als Gefleckter Doppelfüßer, Getüpfelter Tausendfuß oder Tüpfeltausendfuß bezeichnet. Im englischen Sprachraum ist die Art als spotted snake millipede bekannt. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1792 durch Louis Augustin Guillaume Bosc unter dem basionymen Namen Julus guttulatus. Teilweise wird der Artname in der Literatur abweichend Fabricius aus dem Jahr 1798 zugeschrieben. Zu den heterotypischen Synonymen und historischen Kombinationen zählen Iulus guttulatus Bosc, 1792, Typhloblaniulus guttulatus (Bosc, 1792), Blanjulus guttulatus (Bosc, 1792), Julus fragarium Lamarck, 1818 sowie Blaniulus fragarium (Lamarck, 1818). Die gattungssystematische Einordnung wurde mehrfach angepasst, wobei die Art historisch verschiedenen Gattungen wie Julus und Typhloblaniulus zugeordnet war.1
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Blaniulus guttulatus ernährt sich überwiegend von faulenden Pflanzenteilen, Obst, Gemüse und Aas. In längeren Trockenzeiten werden aufgrund von Wassermangel zudem gesunde Pflanzenteile wie Erdbeeren, Kartoffeln, Gurken, Rüben, Spargel, Pilze und Kulturpflanzen verzehrt.1 Die Art ist stark synanthrop und besiedelt bevorzugt schwere, lehmige Böden sowie Kalkböden mit der Humusform Mull.12 Für das Erreichen der Geschlechtsreife benötigt die Art vier Jahre, wobei Männchen sich bereits in einem früheren Stadium vermehren können als die Weibchen. Zur Paarung klemmen die Männchen die Mundspalte der Weibchen mit Hakenbeinen fest und fixieren zusätzlich deren Antennen mit zangenartigen Doppelbacken an den Kopfseiten. In Nordeuropa und Kanada kommen zudem parthenogenetische Populationen vor, die komplett ohne Männchen auskommen. Funde der Art gelingen überwiegend im Frühjahr oder Herbst, während sie im Sommer und Winter seltener anzutreffen ist. Aufgrund des mehrjährigen Lebenszyklus überwiegen Jungtiere in den Populationen; so machten Adulte bei einer Untersuchung im Süden von Wales nur 3 bis 9 Prozent der überwinternden Tiere aus.1 Belastbare Daten zu spezifischen Larvenstadien, exakten Temperaturoptima, Mortalitätsfaktoren oder natürlichen Feinden fehlen in der aktuellen Datenlage. Bisher wurden allgemeine populationsökologische und lebensgeschichtliche Aspekte vor allem im Rahmen regionaler Studien in West- und Nordeuropa untersucht.2
Lebensweise
Verhalten
Blaniulus guttulatus ernährt sich überwiegend von faulenden Pflanzenteilen, Obst, Gemüse und Aas. Bei anhaltenden Trockenzeiten verzehrt die Art im Gegensatz dazu auch gesunde Pflanzenteile wie Erdbeeren, Kartoffeln, Gurken, Rüben, Spargel, Dahlien oder Pilze. Zur Fortpflanzung klemmen die Männchen die Mundspalte der Weibchen mit Hakenbeinen fest, um diese in einer Paarungsstellung zu fixieren. Zusätzlich werden dabei die Antennen der Weibchen mit zangenartigen Doppelbacken an den Seiten des Kopfes ergriffen. In Nordeuropa und Kanada existieren zudem parthenogenetische Populationen, die komplett ohne Männchen auskommen.1
Lebensweise
Ökologie
Blaniulus guttulatus besetzt als Destruent eine zentrale Rolle im Ökosystem, indem er sich überwiegend von faulenden Pflanzenteilen, Obst, Gemüse und Aas ernährt.1 Die Art zeigt eine starke Synanthropie und besiedelt bevorzugt Gärten, Felder, Parks, Komposthaufen sowie Kulturland, während geschlossene Wälder weitgehend gemiedenen werden. Hinsichtlich der Bodenverhältnisse besteht eine deutliche Präferenz für schwere, lehmige Böden sowie basenreiche Kalkböden mit der Humusform Mull. Auf sandige oder basenarme Substrate reagiert die Art hingegen mit Abwesenheit.12 Bei anhaltenden Trockenzeiten verändern sich die Ernährungsansprüche, sodass neben faulendem Material zeitweise auch gesunde Pflanzenteile wie Erdbeeren, Kartoffeln, Gurken oder Rüben angefressen werden.1 In diesen Perioden kann die Art lokal als landwirtschaftlicher Schädling an Kulturpflanzen in Erscheinung treten.12
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Der Tüpfeltausendfuß (Blaniulus guttulatus) ist ursprünglich in Europa beheimatet, wobei das primäre Verbreitungsgebiet vermutlich in Westeuropa liegt. Von dort aus hat sich die Art heute in weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas etabliert, während sie im mediterranen Südeuropa weitgehend selten ist oder fehlt. Das natürliche und historische Areal erstreckt sich von Irland und Großbritannien im Nordwesten bis zu den Pyrenäen sowie ostwärts über Frankreich, Deutschland, Polen bis in die Slowakei und nach Ungarn. Auch der Süden von Norwegen und Schweden sowie Litauen, Estland und der Süden Finnlands gehören zum besiedelten Areal. Durch menschliche Aktivität wurde Blaniulus guttulatus in zahlreiche Regionen außerhalb Europas eingeschleppt und gilt heute als kosmopolitisch verbreitet.1 Zu den außereuropäischen beziehungsweise insularen Nachweisen zählen unter anderem Kanada, die Vereinigten Staaten, Teile Südamerikas, Tasmanien, Australien sowie Inseln wie Madeira, die Azoren, die Kanarischen Inseln und St. Helena. In Deutschland ist die Art flächendeckend und weit verbreitet, zeigt dabei jedoch eine deutliche Präferenz für wärmere Regionen. Im Gegensatz zu rein forestalen Arten meidet der Tüpfeltausendfuß geschlossene Wälder weitgehend und tritt stattdessen stark synanthrop auf. Typische Habitate umfassen Gärten, landwirtschaftliche Nutzflächen, Felder, Parks, Obstgärten sowie Brachflächen und Komposthaufen. Bodenbiologisch bevorzugt die Art schwere, lehmige Böden sowie basenreiche Kalkböden mit der Humusform Mull. Auf sandigen oder basenarmen Böden fehlt sie hingegen weitgehend. In naturnahen Laubwäldern ist sie gelegentlich auf geeigneten Kalkstandorten in der Streuschicht und im Oberboden zu finden. Gelegentlich besiedelt die Art auch unterirdische Lebensräume wie Höhlen. Belastbare Daten zur vertikalen Höhenverbreitung liegen in der Literatur kaum systematisch vor.1
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Blaniulus guttulatus zeigt im Jahresverlauf charakteristische Aktivitätsphasen, wobei Funde überwiegend im Frühjahr oder Herbst gelingen. Im Sommer und vor allem im Winter wird die Art deutlich seltener angetroffen. Aufgrund des mehrjährigen Lebenszyklus überwiegen bei den Populationen während der Überwinterung die Jungtiere. So zeigten Untersuchungen im Süden von Wales, dass unter den überwinternden Exemplaren lediglich 3 bis 9 Prozent auf Adulti entfielen. Für das Erreichen der Geschlechtsreife benötigt die Art insgesamt 4 Jahre, wobei Männchen sich bereits in einem früheren Stadium als die Weibchen fortpflanzen können. In Nordeuropa und Kanada kommen zudem parthenogenetische Populationen vor, die komplett ohne Männchen auskommen.1 Öffentliche Suchanfragen zu Blaniulus guttulatus verzeichnen in Deutschland in den Sommermonaten Juni erhöhte Peaks, während in den Wintermonaten Januar und Februar kein nennenswertes Interesse registriert wird.
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Der Gefleckte Doppelfüßer (Blaniulus guttulatus) wird in Gärten und in der Landwirtschaft primär als Schädling wahrgenommen, obwohl er sich überwiegend von faulenden Pflanzenteilen und Aas ernährt. Bei anhaltenden Trockenzeiten oder hohen Populationsdichten geht das Tier jedoch auch zum Frass an gesunden Kulturpflanzen über. Zu den typischen Schadbildern zählen Nageschäden an unterirdischen oder bodennahen Pflanzenteilen wie Kartoffeln, Erdbeeren, Gurken, Rüben, Spargel und Dahlien. Befallsanzeichen zeigen sich meist erst durch Welkeerscheinungen der Pflanzen oder direkte Frassspuren an reifendem Obst und Gemüse. Eine präventive Vermeidung von feuchtem organischem Material direkt an Kulturpflanzen entzieht der Art synanthrope Lebensräume. Bauliche oder chemische Bekämpfungsmassnahmen sind in der Fachliteratur für diesen spezifischen Schädling kaum standardisiert, weshalb vor allem agrotechnische Massnahmen zur Reduktion von Humusansammlungen im Wurzelbereich empfohlen werden. Belastbare Daten zu spezifischen Monitoring-Fallen oder integrierten Schadschwellen für Blaniulus guttulatus liegen in der wissenschaftlichen Literatur kaum vor. Medizinische oder gesundheitliche Relevanzen im Sinne von Allergieauslösungen oder Vektoreigenschaften sind für den Menschen nicht bekannt. Die Wehrdrüsen des Tiers sondern bei Bedrohung sekrete ab, haben jedoch keine klinische Relevanz für den Menschen. Rechtliche Aspekte oder Meldepflichten existieren für diesen kosmopolitisch verbreiteten Organismus nicht.1
Praxiswissen
Wirtschaftliche Bedeutung
Blaniulus guttulatus gilt in der Praxis vor allem im Gartenbau und in der Landwirtschaft als bekannter Schädling, obwohl er sich primär von faulenden Pflanzenteilen ernährt. Bei anhaltenden Trockenzeiten wechselt die Art jedoch zum Fraß an gesunden Pflanzenteilen über. Betroffen sind dabei insbesondere Erdbeeren, Kartoffeln, Gurken, Rüben, Spargel, weiteres Gemüse, Obst sowie Dahlien und Pilze. Unter besonderen Bedingungen tritt der Tausendfuß zudem an Forstkulturen auf.1
Nachweise
Quellen & Referenzen
- de.wikipedia.org/wiki/Gefleckter_Doppelf%C3%BC%C3%9Fer
- gbif.org/species/1014383
- Literaturzusammenfassung: Blaniulus guttulatus