- Die Kiefertaster des Roten Zipfelkäfers sind dreigliedrig, wobei das spitz endende Endglied eine spindelförmige Form aufweist.
- Das zweite und dritte Glied der Lippentaster weisen eine identische Länge auf.
- Der Halsschild besitzt einen breiten schwarzen Mittelstreifen, der fließend in die roten Seitenbereiche übergeht.
- Bei weiblichen Exemplaren bedecken die Flügeldecken den Hinterleib lediglich unvollständig.
- Die Flügeldecken der Männchen verlaufen annähernd parallel, während sie sich bei den Weibchen nach hinten leicht erweitern.
- Männliche Käfer besitzen an der Spitze der Flügeldecken eine komplexe Chitinleiste, den sogenannten Excitator, die an einen Notenschlüssel erinnert.
- Der Excitator läuft in einem weißlichen Haarschopf aus, in dem ein aus der Chitinleiste austretendes Sekret kapillar aufgesaugt wird.
- Zur Paarung führt die Art eine spezifische gustatorische Balz (Geschmacksbalz) durch, die so nur bei den Zipfelkäfern vorkommt.2
Gemeiner Buntgrabkäfer Anthocomus rufus
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Insekten (Insecta)
- Ordnung
- Käfer (Coleoptera)
- Familie
- Melyridae
- Gattung
- Anthocomus
Überblick
Einleitung
Der Gemeine Buntgrabkäfer (Anthocomus rufus), auch als Roter Zipfelkäfer bekannt, ist ein ca. 5 mm großer Vertreter der Familie der Zipfelkäfer (Melyridae). Die Art besiedelt bevorzugt sumpfige Habitate in Teilen Europas und wird im Herbst vor allem auf blühendem Schilfrohr angetroffen, wo sie sich von Pollen und toten Insekten ernährt.1
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Gemeiner Buntgrabkäfer Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Anthocomus rufus besitzt einen länglichen Körper mit einem schwach sklerotisierten Außenskelett, das eine durchschnittliche Länge von knapp fünf Millimeter erreicht. Der gestreckte, schwarze Kopf ist leicht nach unten geneigt und trägt elfgliedrige, fadenförmige Fühler, die vor den Augen entspringen. Die Mundwerkzeuge zeigen nach vorn, wobei die Oberkiefer eine zweizähnige Spitze aufweisen. Der Halsschild ist breiter als lang, an der Basis fein gerandet und verjüngt sich nach hinten abgerundet. Farblich ist der Halsschild schwarz mit roten Seiten, wobei die Farben fließend ineinander übergehen. Die Flügeldecken sind von gleicher roter Färbung und tragen gewöhnlich einen verschwommenen schwarzen Fleck um das Schildchen. Eine doppelte Behaarung fehlt, stattdessen sind die Flügeldecken nur flaumartig anliegend behaart. Beim Weibchen bedecken die Flügeldecken den Hinterleib nur unvollständig und sind nach hinten leicht erweitert, während sie beim Männchen fast parallel verlaufen. Am Ende der Flügeldecken besitzen Männchen eine auffällige Chitinleiste als Excitator, die in einen weißlichen Haarschopf ausläuft. Der Hinterleib umfasst sechs Segmente, wobei das letzte Segment (Pygidium) leicht ausgebuchtet ist. Die Beine sind lang und schlank mit fünfgliedrigen Tarsen und Krallen, die einen sicheren Halt auf schwankenden Pflanzen ermöglichen. Larven, Puppen sowie Art und Ort der Eiablage sind bisher wissenschaftlich nicht hinreichend beschrieben, weshalb hierzu keine belastbaren Daten vorliegen.1
Porträt
Beschreibung
Anthocomus rufus, im deutschen Sprachraum als Roter Zipfelkäfer oder Herbst-Zipfelkäfer bekannt, ist ein etwa fünf Millimeter großer Vertreter der Familie der Melyridae. Die Erstbeschreibung erfolgte 1786 durch Herbst unter dem Namen Malachius rufus, während Schaller die Art bereits 1783 als Cantharis coccineus benannte. Beide Artzusätze beziehen sich auf die rote Färbung des Halsschildrandes und der Flügeldecken. Die Gattung Anthocomus umfasst in Europa zehn und weltweit etwa vierzehn Arten. Der wissenschaftliche Gattungsname leitet sich vom altgriechischen anthonokómos (Blumen hegend) ab. Die Tiere zeichnen sich durch ein längliches, nur schwach sklerotisiertes Außenskelett aus. Der gestreckte, schwarze Kopf ist leicht nach unten geneigt und trägt nach vorn gerichtete Mundwerkzeuge. Die Oberkiefer besitzen eine zweizähnige Spitze, während die dreigliedrigen Kiefertaster in einem spitz endenden, spindelförmigen Endglied auslaufen. Der Halsschild ist breiter als lang, an der Basis fein gerandet und verjüngt sich abgerundet. Seine Färbung ist schwarz mit roten Seiten, wobei ein breiter schwarzer Mittelstreifen verbleiben kann und die Farbgrenzen fließend ineinander übergehen. Die Flügeldecken zeigen eine flaumartige, anliegende Behaarung und tragen um das Schildchen gewöhnlich einen verschwommenen schwarzen Fleck. Anatomisch auffällig ist der Sexualdimorphismus der Flügeldecken, die beim Weibchen den Hinterleib nur unvollständig bedecken und nach hinten leicht erweitert sind, während sie beim Männchen fast parallel verlaufen. Am Ende der männlichen Elytren befindet sich eine komplexe Chitinleiste als Excitator, die einen Haarschopf trägt und bei der Paarung artspezifische Sekrete präsentiert. Die Beine sind lang und schlank mit fünfgliedrigen Tarsen, deren Krallen auch auf schwankenden Pflanzen einen sicheren Halt gewährleisten. Belastbare Daten zu den Larvenstadien fehlen in der Literatur gänzlich. Die tagaktiven Käfer bevorzugen sonnige und warme Habitate in sumpfigen Gegenden. Sie ernähren sich von Schilfpollen und toten Insekten. Die Paarung wird durch eine komplexe gustatorische Balz eingeleitet, bei der das Weibchen das sekretorische Absonderungsprodukt am männlichen Excitator beknabbert. Als Besonderheit kann hierbei ein Rollentausch beobachtet werden. Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf Europa, wo die Art von Schweden im Norden bis nach Südwesteuropa und Osteuropa vorkommt, jedoch nicht flächendeckend verbreitet ist.1
Systematik
Name & Einordnung
Der Gemeine Buntgrabkäfer (Anthocomus rufus) gehört zur Familie der Zipfelkäfer und ist unter verschiedenen Trivialnamen wie Roter Zipfelkäfer oder Herbst-Zipfelkäfer bekannt. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1786 durch Herbst unter dem Namen Malachius rufus. Bereits im Jahr 1783 beschrieb Schaller die Art unter dem Synonym Cantharis coccineus. Sowohl das Artepitheton rufus (lateinisch für rot) als auch das Synonym coccineus (lateinisch für scharlachrot) beziehen sich auf die charakteristische Färbung des Halsschildrandes und der Flügeldecken. Im Jahr 1840 trennte Erichson die Gattung Malachius, die 1785 von Fabricius aufgestellt worden war, in zahlreiche neue Gattungen auf, wodurch die Art in die Gattung Anthocomus gestellt wurde. Der Gattungsname Anthocomus leitet sich vom altgriechischen Wort anthokómos ab, was übersetzt „Blumen hegend“ bedeutet und auf bunte Käfer verweist. Im deutschen Sprachraum sind neben dem Hauptnamen auch Bezeichnungen wie Roter Warzenkäfer gebräuchlich.1
Aus der Community
Kurze Videos
Aus der silbarkrift.community, aufgenommen mit OpenInsect
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Der Rote Zipfelkäfer (Anthocomus rufus) ist eine tagaktive Art, die wärme- und sonnenexponierte Habitate in sumpfigen Gegenden besiedelt. Im Herbst sind die Imagos häufig massenweise auf blühendem Schilfrohr (Phragmites communis) anzutreffen. Die Ernährung der Adulten umfasst primär den Pollen dieser Wirtspflanze sowie tote Insekten, die vorzugsweise von der Schilfradspinne erbeutet wurden. Belastbare Daten zu Larvalstadien, Ernährungsweise der Larven, exakter Entwicklungsdauer und Eiablage fehlen bislang in der wissenschaftlichen Literatur. Die Paarung auf den Halmen der Wirtspflanze wird durch eine für Zipfelkäfer charakteristische gustatorische Balz eingeleitet. Dabei nähren sich die Geschlechter durch suchendes Umherlaufen, wonach es im einfachsten Fall zur Annäherung von hinten oder zu einer frontalen Begegnung kommt. Schließlich wird die sogenannte Knabberstellung eingenommen, bei welcher sich das männliche Hinterende mit den artspezifischen Excitatoren vor den Mundwerkzeugen des Weibchens befindet. Das Weibchen nimmt den Geruch sekretorischer Felder wahr und beknabbert den Haarbüschel des Männchens genüsslich über einen Zeitraum von teilweise mehr als zwei Minuten. Als seltene Besonderheit kann ein Rollentausch beobachtet werden, bei dem das Männchen die Flügeldeckenenden des Weibchens beknabbert. Während der Kopulation reitet das Männchen zunächst unvollständig auf und hält sich mit den Mittelbeinen am Flügeldeckenrand fest, bevor das Paar nach einiger Zeit eine klassische Paarungsstellung einnimmt. Die maximale Kopulationsdauer beträgt etwa zehn Minuten, wonach sich die Tiere durch Abstemmen mit den Hinterbeinen voneinander lösen. Eine Kopulation kann zudem auch ohne vorheriges Beknabbern stattfinden. Art und genauer Ort der Eiablage sind in der Natur bisher noch völlig unbekannt. Zu Entwicklungsstadien wie Ei, Larvenstadien und Puppe sowie zu physiologischen Besonderheiten wie Diapause oder Kältetoleranz liegen keine Belege vor. Auch über Mortalitätsfaktoren, natürliche Feinde oder spezifische Parasitoide existieren keine systematischen Untersuchungen.1
Lebensweise
Verhalten
Der Gemeine Buntgrabkäfer (Anthocomus rufus) ist eine tagaktive Art, die stark an Sonnenschein und Wärme gebunden ist. Auf der Wirtspflanze, vor allem auf blühendem Schilfrohr, bewegen sich sowohl Männchen als auch Weibchen suchend umher, wenn sie nicht mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind. Die langen und schlanken Beine sowie fünfgliedrige Tarsen mit Krallen ermöglichen den Tieren dabei einen sicheren Halt auf schwankenden Pflanzen. Neben der Aufnahme von Schilfpollen verzehren die Käfer auch tote Insekten, die bevorzugt von der Schilfradspinne erbeutet wurden. Auf den Schilfhalmen sind die Tiere häufig massenweise anzutreffen, wo sie sich fortpflanzen. Der Paarung geht eine für Zipfelkäfer charakteristische, aber spezifisch ausgeprägte gustatorische Balz voraus, bei der chemische und taktile Signale eine zentrale Rolle spielen. Erst auf geringe Entfernung wird ein Artgenosse erkannt und das Geschlecht registriert, was zu verschiedenen Annäherungssituationen von hinten, vorne oder durch Einholen führen kann. Bei einem frontalen Aufeinandertreffen sind Fühlerkontakte selten und wirken aggressionsauslösend. Im Rahmen der sogenannten Knabberstellung präsentiert das Männchen seine am Hinterleib befindlichen Excitatorenoberflächen, deren Sekret von den Tasterspitzen des Weibchens wahrgenommen und dessen Haarbüschel im Mundraum beknabbert wird. Das Weibchen beknabbert diesen Bereich genüsslich über Zeitspannen von teilweise mehr als zwei Minuten, während das Männchen den Hinterleib gemächlich auf und ab schwingt und mit den Hinterbeinen gelegentlich den Kopf der Partnerin berührt. Als Besonderheit kann ein Rollentausch beobachtet werden, bei dem das Männchen die Flügeldeckenenden des Weibchens beknabbert, während dieses kreisende Hinterbeinbewegungen ausführt. Die anschließende Kopulation dauert maximal etwa 10 Minuten und wird durch ein gegenseitiges Abstemmen mit den Hinterbeinen beendet.1
Lebensweise
Ökologie
Anthocomus rufus ist eng an sumpfige Habitate gebunden und besiedelt dort im Herbst blühendes Schilfrohr (Phragmites communis). Die tagaktiven Käfer bevorzugen sonnige und warme Standorte auf diesen Wirtspflanzen. In ihrem ökologischen Umfeld ernähren sie sich primär von Schilfpollen. Ergänzend verzehren sie tote Insekten, die vorzugsweise von der Schilfradspinne als Beute hinterlassen wurden. Aufgrund dieser Ernährungsweise und ihres Lebensraumes treten die Tiere auf den Schilfhalmen oft massenweise auf. Belastbare Daten zu weiteren Nahrungsquellen oder spezifischen Konkurrenten fehlen. Auch natürliche Feinde und Parasitoide sind in der bisherigen Literatur nicht systematisch belegt. Die Art und der genaue Ort der Eiablage sind ebenfalls noch unbekannt.1
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Der Gemeine Buntgrabkäfer (Anthocomus rufus) ist in Europa mit einem geografisch begrenzten Areal verbreitet. Im Norden erstreckt sich die Verbreitung bis nach Schweden, während die Art in Finnland fehlt. Die westliche Verbreitung umfasst England, Frankreich, Spanien und Portugal, wohingegen Vorkommen in den Beneluxstaaten nicht verzeichnet sind. Nach Osten hin verläuft die Arealgrenze durch Polen, die Slowakei, Ungarn, Österreich und Italien. Auch innerhalb dieses natürlichen Verbreitungsgebietes tritt die Art nicht flächendeckend auf. Das Vorkommen ist eng an spezifische landschaftliche Bedingungen geknüpft. Typische Habitate des wärme- und sonnenliebenden Käfers sind sumpfige Gegenden. In diesen Feuchtgebieten ist die Art im Herbst vor allem auf blühendem Schilfrohr (Phragmites communis) anzutreffen. Auf diesen Wirtspflanzen halten sich die tagaktiven Tiere zeitweise massenweise auf. Neben Feuchtgebieten belegen Funde aus Lettland auch Habitate in Küstennähe an der Meeresküste. Ergänzende Nachweise stammen aus urban geprägten Umgebungen wie dem Stadtgebiet von Daugavpils. Belastbare Daten zur vertikalen Verbreitung und Höhenstufen fehlen in der aktuellen Literatur.1
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Adulte Exemplare von Anthocomus rufus treten überwiegend im Spätsommer und Herbst auf, weshalb die Art im deutschen Sprachraum auch als Herbst-Zipfelkäfer bezeichnet wird. Nach entomologischen Belegen erstreckt sich die Aktivitätsperiode der Imago von Juni bis Oktober, wobei Nachweise vor allem für die Monate August, September und Oktober vorliegen. Die Käfer sind tagaktiv und zeigen eine ausgeprägte Präferenz für sonnige und warme Witterungsbedingungen. Während dieser aktiven Phase halten sie sich massenweise auf blühendem Schilfrohr (Phragmites communis) auf, wo sie sich von Pollen und toten Insekten ernähren. Belastbare wissenschaftliche Daten zur Generationenfolge, dem genauen Überwinterungsstadium sowie zu tageszeitlichen Aktivitätsmustern außerhalb der tagsüber beobachteten Sonnenorchestrierung fehlen bislang.1
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Der Gemeine Buntgrabkäfer (Anthocomus rufus) ist weder als Schädling noch als Lästling einzustufen, sondern erfüllt eine ökologische Rolle als Blütengänger und Pollenfresser in feuchten Habitaten. Belastbare Daten zu einem wirtschaftlichen Schadpotenzial an Kulturpflanzen oder Vorräten fehlen vollständig. Die Käfer ernähren sich im Herbst primär von Pollen des Schilfrohrs (Phragmites communis) sowie von totem Material und kleinen Insekten. Eine medizinische oder gesundheitliche Relevanz, wie die Übertragung von Krankheitserregern oder das Auslösen von Allergien, ist für Anthocomus rufus nicht bekannt. Befallsanzeichen an Gebäuden treten nicht auf, da die Art an spezifische Feuchtgebiete und Schilfbestände gebunden ist. Präventions- oder Bekämpfungsmaßnahmen sind aufgrund fehlender Schadwirkungen nicht erforderlich. Spezifische Monitoring-Methoden oder integrierte Bekämpfungsstrategien für den Artenschutz oder die Schadnagerbekämpfung existieren für diesen harmlosen Käfer daher ebenfalls nicht. Rechtliche Aspekte wie Quarantänebestimmungen oder Meldepflichten greifen für Anthocomus rufus nicht.1
Praxiswissen
Wirtschaftliche Bedeutung
Belastbare Daten zur wirtschaftlichen Bedeutung von Anthocomus rufus liegen nicht vor. Schadwirkungen in der Forstwirtschaft, Lagerhaltung oder im Bauwesen sind für die Art bisher nicht dokumentiert. Ebenso fehlen Nachweise über positive wirtschaftliche Aspekte wie eine Nutzung als Bestäuber oder nützlicher Gegenspieler in landwirtschaftlichen Kulturen.1
Nachweise
Quellen & Referenzen
- de.wikipedia.org/wiki/Roter_Zipfelk%C3%A4fer
- Literaturzusammenfassung: Anthocomus rufus