Die Pelzmotte (Tinea pellionella) ist ein kleiner Schmetterling aus der Familie der Echten Motten (Tineidae), der sich primär durch die spezialisierte Lebensweise seiner Larven auszeichnet.13 Als Typspezies der Gattung Tinea repräsentiert sie die klassische Motten-Form mit einem schlanken, etwa 6 mm langen Körper und schmalen, fransigen Flügeln, die in Ruhehaltung dachartig über den Hinterleib gefaltet werden.45 Die adulten Falter sind von silbrig grau-brauner bis blassgelber Färbung und weisen auf den Vorderflügeln drei charakteristische, dunkle Punkte auf, die jedoch bei abgeflogenen Exemplaren undeutlich sein können.12 Der Kopf ist mit struppigen, rostbraunen bis gelblichen Schuppen bedeckt, während die Fühler fadenförmig und dunkelgrau gefärbt sind und etwa die halbe Körperlänge erreichen.14 Die Mundwerkzeuge der Imagines sind atrophiert, da diese keine Nahrung aufnehmen und ihre kurze Lebensspanne von wenigen Tagen bis zwei Wochen ausschließlich der Fortpflanzung widmen.32 Das biologisch auffälligste Merkmal dieser Art ist das Larvenstadium, in dem die Tiere eine transportable, spindelförmige Röhre konstruieren.5 Diese beidseitig offene Schutzhülle besteht aus selbst gesponnener Seide, in die Fasern des Nahrungssubstrats (wie Wolle oder Pelz), Sand und Detritus zur Tarnung eingewoben werden.15 Die cremeweiße Larve mit ihrer dunkelbraunen Kopfkapsel verlässt diesen Köcher nie vollständig; sie zieht ihn mithilfe von hakenbewehrten Bauchbeinen fortwährend hinter sich her und kann sich bei Gefahr blitzschnell darin zurückziehen.32 Während des Wachstums erweitert die Larve ihren Köcher permanent, indem sie seitlich dreieckige Segmente einfügt und die Enden verlängert, bis die Röhre eine Länge von etwa 10 mm erreicht.35 Im Gegensatz zur Kleidermotte (Tineola bisselliella), die feste Gespinste auf den Materialien anlegt, hinterlässt Tinea pellionella keine Seidenröhren auf dem Substrat, sondern verursacht Fraßschäden in Form von unregelmäßigen Löchern oder oberflächlichem Schabefraß.15 Die Larven sind auf Keratin als Nahrungsquelle spezialisiert, benötigen jedoch zusätzlich Feuchtigkeit, weshalb sie oft verschmutzte Textilien mit Rückständen von Schweiß oder Urin bevorzugen, um ihren Wasserbedarf zu decken.5 Die Verpuppung erfolgt ebenfalls im Inneren des Larvengehäuses, das dazu oft an geschützten Stellen, wie etwa in Teppichfalten oder an Wänden, fixiert und verschlossen wird.12 Nach dem Schlupf des adulten Falters verbleibt die leere Puppenhülle (Exuvie) typischerweise zur Hälfte aus dem Köcher ragend zurück, was als diagnostisches Merkmal für einen Befall gilt.13 Ein Sexualdimorphismus ist kaum ausgeprägt, wobei Männchen und Weibchen sich äußerlich stark ähneln und sicher oft nur durch mikroskopische Untersuchung der Genitalien (Aedeagus beim Männchen, Ostium bursae beim Weibchen) unterschieden werden können.42 Ursprünglich in der Paläarktis beheimatet, hat sich die Art durch den globalen Handel kosmopolitisch ausgebreitet, wobei sie in natürlichen Habitaten die Rolle eines Destruenten in Vogelnestern oder Tierbauten einnimmt.56 Historisch wurde die Art bereits 1758 von Carl von Linné unter dem Namen Phalaena pellionella beschrieben, wobei sich der Artname vom lateinischen pellio (Kürschner) ableitet und auf die Zerstörung von Pelzwaren verweist.45