- Wissenschaftlicher Name: Pisaura mirabilis (Clerck, 1757)13
- Familie: Jagdspinnen (Pisauridae)13
- Körperlänge: Männchen etwa 10–13 mm, Weibchen etwa 12–15 mm12
- Besonderheit: Brautgeschenk aus eingesponnener Beute12
- Eikokon: wird vom Weibchen unter dem Vorderkörper getragen1
- Lebensraum: Feuchtwiesen, Waldränder, Hecken, Dünen12
- Überwinterung: als Nymphe12
- Spinne des Jahres 200212
Listspinne Pisaura mirabilis
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Spinnentiere (Arachnida)
- Ordnung
- Webspinnen (Araneae)
- Familie
- Pisauridae
- Gattung
- Pisaura
Überblick
Einleitung
Die Listspinne (Pisaura mirabilis) ist eine mittelgroße Spinne aus der Familie der Jagdspinnen (Pisauridae).13 Sie lebt in der Kraut- und Strauchschicht und baut zum Beutefang ein kleines Netz, das nur aus einem zentralen Oval besteht.1 Bekannt ist die Art vor allem durch ihr Fortpflanzungsverhalten: Männchen überreichen den Weibchen vor der Paarung ein in Seide eingesponnenes Beutetier als Brautgeschenk.12 Die Weibchen tragen später den Eikokon unter dem Vorderkörper mit sich und errichten für die Jungtiere ein zeltartiges Kinderstubennetz.1 Die Arachnologische Gesellschaft wählte die Art zur Spinne des Jahres 2002.12
Die Listspinne ist in Gärten, an Waldrändern und auf Wiesen ein häufiger Anblick. Verwandte oder oft verwechselte Arten sind die Gerandete Jagdspinne und die Wolfspinnen.
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Listspinne Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Weibchen erreichen nach den Angaben der Fachliteratur eine Körperlänge von etwa 12 bis 15 mm, Männchen von etwa 10 bis 13 mm.12 Der Vorderkörper ist je nach Tier hellbraun, meist rotbraun, grau oder fast schwarz gefärbt und trägt in der Mitte einen hellen Längsstrich.12 Der Hinterleib ist lang, schmal und nach hinten verjüngt; auf dem Rücken verläuft eine dunkel gerandete Zackenbinde.1 Die Beine sind lang, wobei das vierte Beinpaar am längsten ist.12
Männchen wirken kontrastreicher gefärbt als Weibchen.1 Bei erwachsenen Weibchen ist die dunkel verhärtete Epigyne an der Hinterleibsunterseite erkennbar, bei Männchen sind die Pedipalpen am Ende zu Bulben verdickt.12 Die Färbung ist innerhalb der Art sehr variabel; für eine Population in der Bretagne wurden fünf verschiedene Zeichnungstypen beschrieben.1 Eine sichere Bestimmung erfolgt bei Spinnen daher meist anhand der Genitalstrukturen unter dem Mikroskop. Auffällig ist im Freiland die Haltung: Auf Pflanzenstängeln sitzt die Spinne häufig kopfunter in Lauerstellung.1
Systematik
Namen & Einordnung (kurz)
Der wissenschaftliche Name lautet Pisaura mirabilis (Clerck, 1757). Carl Clerck führte 1757 das heute gültige Artepitheton mirabilis ein; die Gattung Pisaura wurde 1885 von Eugène Simon aufgestellt.1 Ältere Beschreibungen reichen bis auf Martin Lister im Jahr 1678 zurück.1 Der Name Listspinne ist im Deutschen nicht eindeutig, denn auch die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) wird mitunter so genannt; sie zeigt aber kein Brautgeschenk-Verhalten.1 Englische Namen sind unter anderem „nursery web spider“ für die Familie sowie „bridal gift spider“ für die Art.2 Systematisch gehört die Listspinne zur Ordnung der Webspinnen (Araneae) und zur Familie Pisauridae.13 GBIF führt den Namen als akzeptiert.3
Videos
Aus der Community
Beobachtungen und Einreichungen unserer Nature-Community
Aus der Community
Kurze Videos
Aus der silbarkrift.community, aufgenommen mit OpenInsect
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Das Netz der Listspinne liegt in der Krautschicht. Sein Zentrum bildet ein Oval, das die Spinne selten verlässt; dort wartet sie kopfunter an einem Stängel auf Beute.1 Das Netz wird in der Regel innerhalb von 24 Stunden meist am selben Platz erneuert.1 Gefangen werden vor allem Fliegen und Mücken, daneben Zikaden, Heuschrecken, Weberknechte und andere Spinnen. Die Beute wird gebissen und durch Gift getötet.1
Die Balz ist gut untersucht. Männchen verpacken ein Beutetier in Seide und bieten es dem Weibchen an; notfalls werden auch Ersatzobjekte verwendet.1 Nimmt das Weibchen das Geschenk an, beginnt die Paarung, bei der das Männchen ruckartige Bewegungen ausführt.1 Einige Männchen stellen sich während der Balz tot, wodurch sich der Paarungserfolg in einer Untersuchung deutlich erhöhte.2 Das Weibchen baut später einen Eikokon und trägt ihn unter dem Vorderkörper, anders als Wolfsspinnen.1 Vor dem Schlüpfen öffnet es den Kokon und spinnt ein zeltartiges Kinderstubennetz, das die Jungspinnen innerhalb weniger Stunden besiedeln.1
Die Entwicklung umfasst höchstens zwölf Nymphenstadien. Männchen werden im 9. bis 11., Weibchen im 10. bis 12. Stadium geschlechtsreif.12 Die Überwinterung erfolgt als Nymphe, je nach Gebiet einmal oder zweimal; der Jahreszyklus ist im Süden einjährig, im Norden zweijährig.12 Zu den Fressfeinden zählen Wegwespen, Laubfrösche, Eidechsen, Singvögel, Kröten, Spitzmäuse und Fledermäuse.12
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Die Listspinne ist in ganz Europa verbreitet.12 Für weitere Gebiete, darunter Nordafrika, die Kanaren, Madeira, den asiatischen Teil Russlands und China, werden Vorkommen genannt, deren Zuordnung laut deutschsprachiger Literatur teilweise umstritten ist.1 Die Art bevorzugt feuchte Lebensräume wie Feuchtwiesen, Niedermoore, Salzwiesen, Dünen, Waldränder und feuchte Hecken.12 Sie nutzt alle Vegetationsschichten vom Boden bis in die Baumkronen, fehlt aber unter Steinen und in Höhlen.12 Als Höhengrenze werden je nach Quelle etwa 1100 bis 1500 m genannt.12
In der OpenInsect-Community wurden bisher 29 Scans der Art erfasst, der letzte am 30.10.2026 in Oberursel. Auf der Beobachtungsplattform iNaturalist liegen laut den im Profil hinterlegten Daten für Deutschland innerhalb der letzten zwölf Monate über 2.000 Sichtungen vor.
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Die Geschlechtsreife tritt regional unterschiedlich ein: im April in Südeuropa, im Mai in West- und Mitteleuropa und im Juni in Nord- und Osteuropa.12 Die Fortpflanzungszeit der Männchen dauert etwa zwei Monate, die der Weibchen etwa dreieinhalb Monate.12 Eiablage und Kokonbau fallen in Frühjahr und Sommer.1 Die Spinne jagt tagsüber wie nachts und kann an milden Wintertagen aktiv sein.12 Erwachsene Tiere sind deshalb vor allem im späten Frühjahr und Sommer zu erwarten, Jungtiere sind dagegen das ganze Jahr über möglich, weil die Art als Nymphe überwintert.12
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Die Listspinne ernährt sich von Insekten, unter anderem von Fliegen und Mücken, und ist damit ein natürlicher Bestandteil der Lebensgemeinschaft in Gärten und Grünland.1 In den ausgewerteten Quellen sind keine Schäden an Vorräten, Textilien oder Gebäuden beschrieben. Ein Eingreifen ist in der Regel nicht erforderlich; Tiere im Haus lassen sich mit Glas und Karton ins Freie setzen.
Zum Gift ist in den ausgewerteten Quellen nur die Funktion beim Beutefang beschrieben; Angaben zu Bissen beim Menschen enthalten sie nicht.12 Als Vorsicht gilt wie bei allen Spinnen: Tiere nicht bedrängen oder in der Hand festhalten. Bei starken Beschwerden nach einem Biss ist ärztlicher Rat einzuholen. Ein Gefährdungsstatus wird in den herangezogenen Quellen nicht genannt.
Nachweise
Quellen & Referenzen
- Wikipedia (deutsch): Listspinne. de.wikipedia.org/wiki/Pisaura_mirabilis (abgerufen 30.10.2026)
- Wikipedia (englisch): Pisaura mirabilis. en.wikipedia.org/wiki/Pisaura_mirabilis (abgerufen 30.10.2026)
- GBIF Backbone Taxonomy: Pisaura mirabilis (Clerck, 1757). gbif.org/species/2150764 (abgerufen 30.10.2026)