Lexikon-Eintrag

Violetter Ölkäfer Meloe violaceus

Violetter Ölkäfer (Meloe violaceus), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Käfer (Coleoptera)
Familie
Meloidae
Gattung
Meloe

Überblick

Einleitung

Der Violette Ölkäfer (Meloe violaceus) gehört zur Familie der Ölkäfer (Meloidae) und fällt durch seinen plumpen, blauviolett glänzenden Körper und die stark verkürzten Flügeldecken auf.12 Die Art lebt in sonnigen, trockenen und blütenreichen Lebensräumen und ist für ihre ungewöhnliche Entwicklung bekannt: Die Larven entwickeln sich als Parasiten in den Nestern solitärer Wildbienen.12 Als flugunfähiger Käfer wird er meist beim Laufen am Boden entdeckt. Als Vorrats- oder Hausschädling wird er nirgends als solcher genannt.

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Wissenschaftlicher Name: Meloe violaceus Marsham, 1802 (Familie Meloidae)3
  • Körperlänge: etwa 10 bis 32 mm12
  • Färbung: blau bis violettblau, Flügeldecken verkürzt, flugunfähig1
  • Lebensraum: sonnige, trockene, blütenreiche Flächen12
  • Eizahl pro Weibchen: etwa 2.000 bis 10.00012
  • Larven (Triungulinen): rund 3 mm, parasitieren Nester solitärer Wildbienen1
  • Aktivität: tagaktiv, im Frühjahr1
  • Körpersekret enthält Cantharidin, Hautkontakt vermeiden14

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Körperlänge liegt nach den Quellen bei etwa 10 bis 32 Millimetern, wobei Weibchen etwas größer werden als Männchen.12 Der Körper ist gedrungen und blau bis violettblau, selten schwarzblau.1 Der große Kopf ist deutlich abgeschnürt. Kopf und Halsschild sind sehr fein punktiert mit matten Zwischenräumen und glänzen daher etwas stärker als der übrige Körper.1

Typisch für Ölkäfer sind kurze Flügeldecken: Sie bedecken den Hinterleib nicht vollständig, klaffen an den Spitzen stark auseinander und überlappen sich an der Basis.12 Die Hinterflügel fehlen vollständig, die Art ist flugunfähig.12 Vom Schwarzblauen Ölkäfer unterscheidet sie unter anderem der Halsschild: Seine Basis ist beim Violetten Ölkäfer eingebuchtet, beim Schwarzblauen gerade.1 Bei Männchen sind die Fühler in der Mitte deutlich geknickt.1 Für eine sichere Bestimmung sollten mehrere Merkmale gemeinsam betrachtet werden.

Systematik

Namen & Einordnung (kurz)

Der wissenschaftliche Name lautet Meloe violaceus Marsham, 1802; die Erstbeschreibung stammt von Thomas Marsham.13 Die Art ist in der GBIF-Taxonomie als akzeptiert geführt und gehört zur Gattung Meloe in der Familie Meloidae (Ordnung Käfer, Coleoptera).3 Die deutsche Wikipedia führt außerdem die Namen Violetter oder Blauer Maiwurm; „Maiwurm“ bezieht sich auf das Erscheinen der Käfer im Frühjahr.1 Eine nahe verwandte, ähnliche Art ist der Schwarzblaue Ölkäfer.

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Entwicklung verläuft als Hypermetamorphose: Die einzelnen Larvenstadien unterscheiden sich stark in Gestalt und Lebensweise.12 Nach der Paarung legt das Weibchen nach Literaturangaben etwa 2.000 bis 10.000 Eier in eine selbst gegrabene Erdhöhle; diese ist nach der englischen Wikipedia zylindrisch und etwa 20 bis 30 Millimeter tief.12

Aus den Eiern schlüpfen nach etwa einem Monat die winzigen Erstlarven, Triungulinen genannt, mit rund 3 Millimeter Länge.12 Sie klettern auf Gräser oder Blüten und klammern sich an blütenbesuchende Insekten.12 Eine Überlebenschance besteht nur, wenn sie auf eine solitäre Wildbiene gelangen und von ihr ins Nest getragen werden.1 Dort verzehrt die Larve zuerst das Bienenei, danach den Nektar-Pollen-Vorrat. Nach weiteren Häutungen folgt ein madenartiges Stadium mit reduzierten Beinen, danach die Puppe und der erwachsene Käfer.12 Gelangt eine Larve auf eine Honigbiene, stirbt sie nach der deutschen Wikipedia im Stock.1 Die erwachsenen Käfer fressen Pflanzenteile, erkennbar an grünem Kot.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Meloe violaceus ist in Europa weit verbreitet und reicht bis in den hohen Norden sowie ostwärts bis nach Sibirien.1 Die englische Wikipedia beschreibt zudem ein Vorkommen in der östlichen Paläarktis, im Nahen Osten und in Nordafrika.2 Besiedelt werden sonnige, trockene Flächen mit blühenden Pflanzen.12 Entscheidend ist das Vorhandensein geeigneter Wirtsbienen, auf deren Nester die Larven angewiesen sind.1

In der OpenInsect-Community wurden bisher 10 Scans dieser Art erfasst, der letzte am 12.08.2026 in Wien. Auf iNaturalist liegen Beobachtungen aus Deutschland vor, beispielsweise aus dem April 2026.

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Odernheim am Glan

    11.04.2026

  • Deutschland

    11.04.2026

  • Kükelühn Buschkoppel - Wangels, 23758 Wangels, Deutschland

    11.04.2026

  • Honigsteige, Schöntal, Baden-Württemberg, Deutschland

    11.04.2026

  • Deutschland

    09.04.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
10
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 12.08.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die erwachsenen Käfer sind tagaktiv und erscheinen im Frühjahr; die Schlupfzeit liegt nach der deutschen Wikipedia zwischen März und Mai, woher der Name „Maiwurm“ rührt.1 Die englische Wikipedia nennt Mai und Juni als Zeitraum, in dem die Weibchen ihre Nester anlegen und Eier ablegen.2 Beobachtungen in Mitteleuropa fallen daher überwiegend in das Frühjahr. Die bisher letzte Meldung in der OpenInsect-Community stammt allerdings vom August 2026.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Als Schädlinge im Haus oder im Vorrat sind Ölkäfer nicht bekannt. Ihre Bedeutung liegt im Naturschutz und in der ökologischen Verflechtung mit Wildbienen: Das Vorkommen setzt intakte Wildbienenbestände voraus, und die Larven parasitieren deren Nester.12 Eine Gefährdungseinstufung wird in den ausgewerteten Quellen nicht angegeben und hier daher nicht genannt.

Hinweis zur Vorsicht: Bei Bedrohung sondert der Käfer aus den Kniegelenken ein gelbliches Sekret ab, das als Abwehr gegen Fressfeinde wie Ameisen und Laufkäfer dient; es enthält Cantharidin, eine für den Menschen giftige Verbindung.1 Cantharidin wirkt bei Hautkontakt als blasenbildender Stoff und kann starke Hautreizungen bis hin zu Verätzungen verursachen; eine Aufnahme über den Mund ist gefährlich.4 Die Tiere sollten deshalb nicht mit bloßen Händen angefasst oder verletzt werden; Kinder und Haustiere sind fernzuhalten, und nach versehentlichem Kontakt sind die Hände gründlich zu waschen. Bei starken Beschwerden ist ärztlicher Rat einzuholen.

Gezielte Maßnahmen gegen die Art sind nicht üblich. Da ihre Entwicklung an solitäre Wildbienen gebunden ist, sind blütenreiche, sonnige Flächen mit Wildbienenvorkommen für sie von Bedeutung.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. Wikipedia: Violetter Ölkäfer. de.wikipedia.org/wiki/Violetter_%C3%96lk%C3%A4fer (abgerufen 30.10.2026)
  2. Wikipedia: Meloe violaceus. en.wikipedia.org/wiki/Meloe_violaceus (abgerufen 30.10.2026)
  3. GBIF Backbone Taxonomy: Meloe violaceus Marsham, 1802. gbif.org/species/4457477
  4. Wikipedia: Cantharidin. en.wikipedia.org/wiki/Cantharidin (abgerufen 30.10.2026)