- Die Beinformel des weiblichen Tieres in absteigender Reihenfolge lautet 4-1-3-2.
- Das begattete Weibchen betreibt Brutpflege, indem es mehrere Eikokons in seinem Wohngespinst deponiert und diese dort bewacht.
- Der Clypeus des Männchens ist flacher als der des Weibchens, und seine Höhe entspricht etwa dem halben Durchmesser eines einzelnen anterior medianen Auges.
- Das Sternum des Weibchens weist eine dunkelbraune Grundfärbung auf und ist zusätzlich mit weißlichen Haaren bedeckt.1
Rinden-Springspinne Marpissa muscosa
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Spinnentiere (Arachnida)
- Ordnung
- Webspinnen (Araneae)
- Familie
- Salticidae
- Gattung
- Marpissa
Überblick
Einleitung
Die Rindenspringspinne (Marpissa muscosa), auch als Große Rindenspringspinne oder Rindenstreckspringer bezeichnet, ist eine Spinne aus der Familie der Springspinnen (Salticidae) und zählt zu den größeren Vertretern ihrer Gruppe in Mitteleuropa. Sie ist paläarktisch verbreitet und besiedelt bevorzugt sonnige Baumstämme sowie strukturreiches Totholz. Ähnlichkeiten bestehen zu Arten der Familie der Sackspinnen (Clubionidae), die jedoch im Gegensatz zur tagaktiven Rindenspringspinne nachtaktiv sind.1
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Rinden-Springspinne Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Die Rindenspringspinne (Marpissa muscosa) ist ein mittelgroßer Vertreter der Echten Webspinnen und zählt zu den größeren Arten der Familie der Springspinnen. Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von 8 bis 10,5 Millimetern bei einem Durchschnitt von 9,4 ± 0,7 Millimetern. Das Männchen bleibt mit einer Länge von 6,7 bis 7,8 Millimetern und einem Mittelwert von 7,2 ± 0,4 Millimetern etwas kleiner. Der grundsätzliche Körperbau entspricht dem anderer Echter Streckspringer. Die Art weist einen ausgeprägten Sexualdimorphismus hinsichtlich Größe und Farbgebung auf. Der Carapax des Weibchens zeigt eine dunkelbräunliche Grundfärbung mit gelblich-weißen, rotbraunen und schwarzen Setae, während er am Rand am dunkelsten erscheint. Die Cheliceren des Weibchens sind dunkelbraun, das Sternum ist ebenfalls dunkelbraun und mit weißlichen Haaren bedeckt. Dagegen besitzt das Männchen einen schwarzen Carapax, der vor allem seitlich, an den hinteren Augen und medial ausgeprägt ist. Der flachere Clypeus des Männchens ist dicht mit weißen sowie einigen schwarzen Haaren besetzt und entspricht in seiner Höhe etwa dem halben Durchmesser eines einzelnen anterior medianen Auges. Seine dunkelrotbraunen Cheliceren fallen kräftiger aus und tragen retromarginal je einen sowie promarginal je zwei Zähne. Das weitaus länglichere Opisthosoma des Weibchens ist graubraun gefärbt, trägt gelblich-weiße sowie schwarze Setae und zeigt median ein unregelmäßig gezacktes helles Längsband. Das Männchen besitzt auf der Dorsalfläche des Opisthosomas eine grau-gelbliche Grundfläche mit bräunlichem Schimmer, undeutlichem Medianband und schräg bis quer verlaufenden dunklen Streifen. Die Beine des Weibchens zeigen eine gelblich-braune Grundfarbe mit rotbraunen Streifen, Flecken sowie Ringeln und einer Beinformel von 4-1-3-2. Beim Männchen sind die Beine weißlich-grau bis gelblich-braun gefleckt, weisen braune Setae auf und folgen der Beinformel 1-4-2-3.
Porträt
Beschreibung
Die Rindenspringspinne (Marpissa muscosa) ist ein paläarktisch verbreiteter Vertreter der Familie der Springspinnen und zeichnet sich durch ihre für diese Gruppe stattliche Größe aus. Im natürlichen Lebensraum fällt die Art vor allem durch ihre kryptische Färbung auf, wodurch sie auf Baumrinde und Holzstapeln hervorragend getarnt ist. Im Feld lässt sich Marpissa muscosa durch ihre Größe und die Bevorzugung vertikaler Holzstrukturen ansprechen, während für eine exakte Bestimmung mikroskopische Merkmale wie die Genitalmorphologie herangezogen werden müssen. Nach dem Schlupf durchlaufen die Jungtiere mehrere Fresshäute und benötigen insgesamt zwei Jahre bis zum Erreichen des Adultstadiums. Während die tagaktiven Tiere den Tag auf der Rinde verbringen, legen sie für die Nacht flache Wohngespinste unter der Rinde an. Der Sexualdimorphismus äußert sich deutlich in den Maßen, wobei Weibchen eine Länge von 8 bis 10,5 mm und Männchen eine Länge von 6,7 bis 7,8 mm erreichen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern ist die abweichende Beinformel, die beim Weibchen 4-1-3-2 und beim Männchen 1-4-2-3 lautet. Artspezifisch ist zudem die ausgeprägte innerartliche Hierarchie bei Zusammentreffen in hoher Individuendichte, bei der rangniedrigere Exemplare durch das Abspreizen der vorderen Extremitäten ihre Unterlegenheit signalisieren. Im Vergleich zu den oft in ähnlichen Habitaten zu findenden, aber nachtaktiven Sackspinnen bauen Echte Streckspringer deutlich elastischere Gespinste, die sich ohne zu zerreißen in die Länge ziehen lassen. Carl Ludwig Koch ordnete die Art 1846 der von ihm erstbeschriebenen Gattung Marpissa zu, nachdem sie bei ihrer Erstbeschreibung durch Carl Alexander Clerck im Jahr 1757 noch in die Gattung Araneus gestellt worden war.1
Systematik
Name & Einordnung
Die Rindenspringspinne (Marpissa muscosa) ist eine charakteristische Art aus der Familie der Springspinnen (Salticidae) und fungiert zugleich als Typusart der Gattung der Echten Streckspringer (Marpissa). Der Artname leitet sich von dem lateinischen Adjektiv muscosus ab, was „moosig“ bedeutet. Im deutschen Sprachraum ist die Art neben dem Hauptnamen Rindenspringspinne beziehungsweise Große Rindenspringspinne auch als Rindenstreckspringer bekannt. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1757 durch den schwedischen Entomologen Carl Alexander Clerck. Dabei wurde die Art ursprünglich in die Gattung Araneus gestellt und unter der Kombination Araneus muscosus geführt. Die Gattung Araneus umfasst heute demgegenüber ausschließlich die Echten Kreuzspinnen. Im weiteren Verlauf der taxonomischen Geschichte wurde die Art von verschiedenen Autoren unter unterschiedlichen wissenschaftlichen Bezeichnungen geführt. Eine wichtige Zäsur stellte das Jahr 1846 dar, als Carl Ludwig Koch die Art der von ihm neu aufgestellten Gattung Marpissa zuordnete und die bis heute gültige Kombination Marpissa muscosa etablierte. Durch die erneute Verwendung dieser Bezeichnung durch George Hazelwood Locket und Alfred Frank Millidge im Jahr 1951 setzte sich der Name schließlich endgültig durch.
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Kurze Videos
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Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Der Lebenszyklus der Rindenspringspinne (Marpissa muscosa) gliedert sich in die Phasen der Fortpflanzung, der Eiablage und das über zwei Jahre hinweg stattfindende Heranwachsen der Jungtiere. Die Phänologie ausgewachsener Individuen erstreckt sich von April bis September. Das Fortpflanzungsverhalten findet vor allem im Mai statt. Dem Paarungsakt geht eine ausgeprägte Balz voraus, bei der das Männchen sein Opisthosoma um 45 Grad und die Vorderbeine um 60 Grad anhebt, während es sich von Seite zu Seite springend dem Weibchen nähert. Die Partner erkennen sich vermutlich an der frontalen Färbung des Carapax. Nach gegenseitigem Berühren der Vorderbeine folgt das Männchen dem Weibchen in dessen Wohngespinst, wo die etwa 20 Minuten dauernde Begattung stattfindet. Ein begattetes Weibchen baut sein Wohngespinst zu einem etwa 4 Zentimeter großen Brutgespinst um und legt darin maximal fünf Eikokons an. Das Weibchen betreibt intensive Brutpflege, indem es die Kokons und die frisch geschlüpften Jungtiere bis kurz nach dem Schlupf bewacht. Die Jungtiere werden kurz nach diesem Stadium selbstständig und legen zur Überwinterung eigene kleine Gespinstsäcke an. Im Folgejahr wachsen sie über mehrere Häutungsstadien heran und erreichen im Spätsommer des darauf folgenden Jahres das Adultstadium. Im Anschluss an eine weitere Überwinterung als ausgewachsene Spinne erfolgt im nächsten Jahr die Fortpflanzung. Als räuberisch lebende Art ernährt sich Marpissa muscosa sowohl als Larve als auch als Imago karnivor und polyphag von beliebigen Insekten, die oft größer als die Spinne selbst sind und im Sprung erbeutet werden. Als potenzielle Konkurrentin wird jedoch die vielerorts eingeschleppte Edle Kugelspinne (Steatoda nobilis) diskutiert, die ähnliche Habitate besetzt.1
Lebensweise
Verhalten
Die Rindenspringspinne (Marpissa muscosa) zeigt eine tagaktive Lebensweise und verbringt die Nacht in einem flachen, etwa 2 cm großen Wohngespinst, das bevorzugt unter Baumrinde oder in engen Hohlräumen angelegt wird. Aufgrund hoher Populationsdichten können zahlreiche dieser elastischen, reißfesten Gespinste in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander auftreten. Als Räuber erbeutet sie verschiedene Insekten im gezielten Sprung. Bei Zusammentreffen mehrerer Individuen prägt eine innerartliche Hierarchie das Verhalten, bei der rangniedrigere Tiere ihre Unterlegenheit durch das geringfügige Abspreizen der vorderen Extremitäten und vorsichtiges Zurückweichen ausdrücken. Vor der Paarung im Mai führt das Männchen einen ausgeprägten Balztanz auf, bei dem es sein Opisthosoma um 45 Grad und die Vorderbeine um 60 Grad anhebt und sich dem Weibchen in seitlichen Sprüngen nähert. Die Geschlechtspartner erkennen sich dabei an der frontalen Carapax-Färbung und berühren sich vor der etwa 20-minütigen Begattung im Wohngespinst des Weibchens noch mit den Vorderbeinen. Nach der Paarung wandelt das Weibchen das Wohngespinst in ein etwa 4 cm großes Brutgespinst um, legt maximal fünf Eikokons darin ab und betreibt intensive Brutpflege durch Bewachung der Kokons bis zum Nachwuchsschlupf.1
Lebensweise
Ökologie
Die Rindenspringspinne (Marpissa muscosa) besiedelt als an Holz gebundene Art bevorzugt sonnige Baumstämme von Kiefern, Fichten und alten Laubbäumen sowie Holzstapel und Weidezäune. Aufgrund synanthroper Tendenzen kommt sie gelegentlich auch an hölzernen Bauwerken oder dem Mauerwerk steinerner Gebäude vor. Als räuberisch lebende Art umfasst ihr Beutespektrum diverse Insekten, wobei sie diese nach Art der Springspinnen im Sprung erbeutet und hierbei auch größere Tiere als sie selbst bewältigt. Infolge teilweise hoher Populationsdichten kann es zu direkten Begegnungen kommen, bei denen rangniedrigere Individuen durch das Abspreizen der vorderen Extremitäten und vorsichtiges Zurückweichen ihre Unterlegenheit ausdrücken, um Konfrontationen zu vermeiden. Mögliche Konkurrenzbeziehungen bestehen insbesondere mit der vielerorts in Europa eingeschleppten Edlen Kugelspinne (Steatoda nobilis), die ähnliche Lebensräume besetzt. Zu den potenziellen Gefährdungsfaktoren zählen der Rückgang alter Holzzäune und Bäume mit geeigneter Rinde sowie die unterlassene Sanierung von Gebäuden, durch die sich Feuchtigkeit ansetzen kann.1
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Die Rindenspringspinne (Marpissa muscosa) ist paläarktisch verbreitet und besiedelt große Teile Europas, die Türkei, Kaukasien sowie Russland bis zum Zentrum Sibiriens. Innerhalb Kontinentaleuropas fehlen Nachweise der Art lediglich in Finnland, Estland, der Oblast Kaliningrad, auf Nowaja Semlja, Franz-Josef-Land, Spitzbergen sowie den Inseln Irland, Korsika, Sizilien und Zypern. Im Kaukasus fehlt die Spinne zudem in Armenien. Ihre Verbreitung zeigt in westlichen und nördlichen Teilen des Areals eine höhere Häufigkeit, während sie in Großbritannien vor allem im Südosten Englands anzutreffen und nördlich sowie westlich davon deutlich seltener ist. Die Art ist eng an Holz gebunden, zeigt sich jedoch bezüglich der Substratwahl wenig wählerisch. Zu den bevorzugten natürlichen Habitaten zählen Baumstämme von Kiefern, Fichten, verschiedenen Laubbäumen und alten Obstbäumen. Darüber hinaus besiedelt die anpassungsfähige Spinne regelmäßig Weidezäune und Holzstapel. Aufgrund ihrer ausgeprägten synanthropen Tendenzen kommt die Art gelegentlich auch an hölzernen Bauwerken oder an dem Mauerwerk steinerner Gebäude vor. In städtischen und waldartigen Lebensräumen nutzt sie strukturreiche Habitate, wobei aggregierte Beobachtungsdaten ihr Vorkommen in Wäldern, Heiden und urbanen Arealen bestätigen. Durch ihre rindenfarbene Tarnung ist sie in natürlichen Lebensräumen schwer zu entdecken, während sie an künstlichen vertikalen Flächen wie Hauswänden häufiger auffällt.1
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Die Aktivitätsphase ausgewachsener Individuen beider Geschlechter von Marpissa muscosa erstreckt sich von April bis September. Das Fortpflanzungsgeschehen konzentriert sich vor allem auf den Monat Mai. Als typische Tagaktivität verbringt die Art die Nacht geschützt in einem flachen Wohngespinst unter Baumrinde oder in Holzspalten. Jungtiere legen nach dem Schlupf eigene kleine Gespinstsäcke zur Überwinterung an. Der gesamte Lebenszyklus nimmt zwei Jahre in Anspruch, wobei die Tiere nach einer ersten Überwinterung als Jungtiere im Spätsommer des Folgejahres das Adultstadium erreichen und nach einer weiteren Überwinterung als Adulte fortpflanzungsfähig sind.1 Das öffentliche Interesse an der Art zeigt in Auswertungen saisonale Peaks im Spätsommer, insbesondere im September.2
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Die Rindenspringspinne (Marpissa muscosa) ist weder als Schädling noch als Krankheitsüberträger einzustufen, sondern gilt als nützlicher Bestandteil der Fauna, der gelegentlich als Lästling wahrgenommen werden kann. Ein direktes Schadpotenzial an Pflanzen oder baulichen Anlagen existiert nicht, da die Tiere ausschließlich räuberisch leben und sich von verschiedenen Insekten ernähren. Medizinische oder gesundheitliche Relevanzen im Sinne von ernsthaften Giftwirkungen oder Allergien sind für den Menschen nicht bekannt. Gelegentliche Funde an Hauswänden oder in Holzbauten führen primär durch die Anwesenheit der bis zu 10,5 mm großen Spinnen zu Irritationen. Als optische Befallsanzeichen an Gebäuden oder Zäunen dienen flache Wohngespinste mit einer Größe von etwa 2 cm, die bevorzugt in engen Rindenritzen oder Holzspalten angelegt werden. Präventionsmaßnahmen beschränken sich auf bauliche Holzabdichtungen und das Schließen von Spalten an hölzernen Anbauten, um potenziellen Unterschlupf zu minimieren. Da es sich um eine in Mitteleuropa ungefährdete und nützliche Art handelt, sind chemische Bekämpfungsmaßnahmen oder ein gezieltes Monitoring weder erforderlich noch angezeigt.1
Praxiswissen
Wirtschaftliche Bedeutung
Eine wirtschaftliche Relevanz im Sinne von Schäden an Materialien, Produkten, Forstkulturen oder der Lagerhaltung ist für Marpissa muscosa nach Datenlage nicht belegt. Belastbare Berichte über wirtschaftliche Verluste, Qualitätsminderungen oder Bekämpfungskosten im Zusammenhang mit der Art fehlen vollständig. Als räuberisch lebender Generalist, der sich von verschiedenen Insekten ernährt, könnte die Art theoretisch eine regulatorische Funktion in Habitaten ausüben, spezifische positive wirtschaftliche Effekte wie eine quantifizierte Schädlingsbekämpfung in der Land- oder Forstwirtschaft sind jedoch nicht dokumentiert.1
Nachweise