Lexikon-Eintrag

Europäische Gottesanbeterin Mantis religiosa

Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Mantodea
Familie
Mantidae
Gattung
Mantis

Überblick

Einleitung

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa), auch als Gemeine Gottesanbeterin bekannt, ist die einzige in Mitteleuropa heimische Vertreterin der Ordnung der Fangschrecken (Mantodea) und gehört innerhalb dieser zur Familie der Mantidae. Als opportunistischer Lauerjäger ernährt sie sich vor überwiegend von anderen Insekten wie Heuschrecken und Grillen. In Deutschland wird die Art in der Roten Liste als gefährdet geführt und steht unter besonderem Schutz.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Eier der Europäischen Gottesanbeterin überstehen in Steppengebieten selbst sehr tieftefge Minustemperaturen, wobei die letale Temperatur bei -43 °C liegt.
  • Die Art wurde im Jahr 2017 zum Insekt des Jahres gewählt.
  • Als ähnliche Art kommt in Teilen Südeuropas die Afrikanische Riesengottesanbeterin (Sphodromantis viridis) vor, die eine Körpergröße von bis zu 10 cm erreicht und sich unter anderem durch eine gelbe Färbung an den Innenseiten der Fangbeine unterscheidet.
  • Als weitere neue ähnliche Fangschreckenart in Europa und Deutschland tritt die Asiatische Riesengottesanbeterin (Hierodula tenuidentata) auf.
  • Aus einem im Februar am mittleren Oberrhein gesammelten Eigelege schlüpften ab Mitte Juni innerhalb einer Zeitspanne von einer Woche etwa 30 Jungtiere.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) zeigt als mittelgroße bis große Fangschrecke einen ausgeprägten Sexualdimorphismus bezüglich der Körpergröße. Weibliche Imagines können eine Länge von bis zu 80 mm erreichen, während die Männchen mit maximal 60 mm deutlich kleiner bleiben. Die Grundfärbung variiert stark von zartgrün über braun bis hin zu fast schwarzen Individuen auf ehemaligen Brandflächen als Folge von Feuermelanismus. Charakteristisch für den Kopf sind der große, dreieckige und sehr bewegliche Aufbau sowie drei Ocellen zwischen den Facettenaugen, die beim Männchen deutlicher ausgebildet sind. Der Thorax zeichnet sich durch einen verlängerten Halsschild aus. Die Vorderbeine sind zu spezialisierten Fangbeinen umgebildet, deren Femora und Tibien mit Dornen zum Festhalten der Beute besetzt sind. An der Basis der Innenseite der Vorderhüften befindet sich zudem ein schwarzer, oft weiß gekernter Fleck, der in der Abwehrhaltung als augenähnliche Zeichnung dient. Obwohl alle adulten Tiere flugfähig sind, nutzen vor allem die Männchen ihre Flügel aktiv zum Fliegen sowie bei Schreckreaktionen. Die etwa 6 mm langen Nymphen schlüpfen im Mai oder Juni und durchlaufen zahlreiche Häutungen bis zur Geschlechtsreife.1 Die Eiablage erfolgt in einer ca. 4 cm langen Oothek, die durch eine schnell erhärtende, schaumige Eiweißmasse geschützt wird. Von ähnlichen Arten wie der Afrikanischen Riesengottesanbeterin (Sphodromantis viridis) unterscheidet sich Mantis religiosa unter anderem durch eine geringere Endgröße und spezifische Abweichungen in der Färbung der Drohgebärde.1

Porträt

Beschreibung

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist die einzige in Mitteleuropa heimische Vertreterin der Fangschrecken (Mantodea) und verkörpert als Lauerjäger eine spezialisierte räuberische Lebensweise. Im natürlichen Lebensraum fällt die Art durch ihren verlängerten Halsschild und den großen, dreieckigen, sehr beweglichen Kopf auf. Die Grundfärbung variiert von zartgrün bis braun, wobei nach einzelnen Häutungen eine Anpassung an die Umgebung erfolgt; auf ehemaligen Brandflächen können zudem fast schwarze Individuen auftreten. Ein diagnostisches Merkmal im Feld ist der schwarze, oft weiß gekernte Fleck an der Basis der Innenseite der Vorderhüften, der in der Abwehrhaltung als Mimikry-Augenfleck gezeigt wird. Unter dem Mikroskop lassen sich die drei Ocellen zwischen den Facettenaugen als geschlechtsdifferenzierendes Merkmal heranziehen, da sie beim Männchen deutlicher ausgebildet sind. Als anatomische Anpassung sind die Vorderbeine zu Fangbeinen umgebildet, deren Femora und Tibien mit Dornen zum Festhalten der ungelösten Beute besetzt sind. Die Larvenentwicklung beginnt im Mai oder Juni mit dem Schlüpfen der etwa 6 mm langen Nymphen aus gut isolierten Ootheken. Die Nymphen durchlaufen mindestens fünf Häutungen, wobei größere Weibchen noch weitere Stadien durchlaufen, bevor im Spätsommer die Imagines entstehen. Über den Lebenszyklus hinweg zeigen sich deutliche Größenunterschiede, da Weibchen eine Länge von bis zu 80 mm erreichen, während die deutlich kleineren Männchen maximal 60 mm lang werden. Im Gegensatz zu den schwereren Weibchen nutzen vor allem die Männchen ihre Flügel aktiv zum Flug und zur Schreckreaktion. Im Vergleich mit nahe verwandten Arten der Unterfamilie Mantinae, wie der Afrikanischen Riesengottesanbeterin (Sphodromantis viridis), unterscheidet sich Mantis religiosa durch eine geringere Endgröße und eine abweichende Färbung der Drohgebärde. Carl von Linné beschrieb die Art bereits im Jahr 1758 in der zehnten Auflage seiner Systema Naturae als Gryllus (Mantis) religiosus. Aufgrund ihrer thermophilen Bindung ist die Art in Mitteleuropa vor allem auf Wärmeinseln beschränkt, wo sie sich langsam und wackelig fortbewegt. Trotz ihrer guten Tarnung und des fehlenden Fluchtreflexes nutzen ausgewachsene Tiere bei Störungen den Flug, um Strecken von teils mehr als 20 m zurückzulegen.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Europäische Gottesanbeterin trägt den wissenschaftlichen Namen Mantis religiosa, welcher erstmals 1758 von Carl von Linné in der zehnten Auflage seiner Systema Naturæ unter der ursprünglichen Kombination Gryllus (Mantis) religiosus beschrieben wurde. Etwa ab 1825 etablierte sich der von Linné zunächst als Untergattung verwendete Name Mantis eigenständig als Gattungsname.1 Im Jahr 1873 beschrieb Carl Eduard Adolph Gerstäcker eine besonders große Form aus Ostafrika als Mantis religiosa var. major, welche später als erste Unterart anerkannt wurde. Bis 1970 folgten weitere Beschreibungen, sodass insgesamt zwölf Unterarten differenziert wurden, während drei zuvor beschriebene Varianten als Synonyme der Nominatform zugeordnet werden konnten.1 Im deutschen Sprachraum ist die Art neben der Hauptbezeichnung Europäische Gottesanbeterin auch als Gemeine Gottesanbeterin oder schlicht Gottesanbeterin geläufig.2 Regional existieren zudem spezifische Dialektbezeichnungen wie das „Leshanl“ in der Thermenregion in Niederösterreich oder „Maringgele“ in Südtirol.1 International wird die Art im englischen Sprachraum als European mantis oder praying mantis sowie im ukrainischen als богомол звичайний bezeichnet.12

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist eine semelpare Art, die sich im Laufe ihres Lebens nur einmal fortpflanzt und vor dem Winter stirbt. Während der Paarung praktizieren die Tiere sexuellen Kannibalismus, bei dem das Männchen in bis zu 30 Prozent der Fälle vom Weibchen während oder nach der Begattung gefressen wird. Hungrige Weibchen erhöhen dabei ihre Duftstoffproduktion, um vitaler zu wirken, wodurch die energieaufwändige Eiproduktion verschoben wird, bis ausreichend Nahrung zur Verfügung steht. Das durch Kannibalismus gewonnene Körpergewicht des Weibchens trägt dazu bei, dass es deutlich mehr Eier produzieren kann. Einige Tage nach der Begattung legen die Weibchen 200 bis 300 Eier in einer etwa 4 cm langen Oothek ab, die durch eine schnell erhärtende, schaumige Eiweißmasse geschützt wird. Die Eier überwintern in den Ootheken und weisen eine hohe Kältetoleranz auf, wobei die letale Temperatur bei −43 °C liegt. Im Mai beziehungsweise Juni schlüpfen die etwa 6 mm langen Nymphen. Die Nymphen häuten sich mindestens fünf Mal, wobei größere Weibchen noch weitere Häutungen durchlaufen, bevor im Hoch- und Spätsommer die ersten Imagines auftreten. Etwa 14 Tage nach der Imaginalhäutation werden die adulten Tiere geschlechtsreif. Das Beutespektrum der Nymphen und Imagines umfasst hauptsächlich Heuschrecken, Grillen und Waldschaben, wobei auch andere Insekten und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Zauneidechsen erbeutet werden. Im Gegensatz zu anderen räuberischen Insekten werden die Opfer nicht gelähmt, sondern lebend gefressen, was auch Artgenossen einschließt. Zu den natürlichen Feinden und Mortalitätsfaktoren zählen Eiparasitoide wie die Erzwespen Mantibaria seefeldiana und Podagrion pachymerum. Auch Grabwespen der Gattung Stizus erbeuten Fangschrecken als Larvenproviant. Darüber hinaus stellen der Straßenverkehr sowie der sommerliche Rückschnitt von Strauchvegetation entlang von Feldwegen erhebliche Gefahren für die Tiere dar.1 Belastbare physiologische Daten zur exakten temperaturabhängigen Entwicklungsdauer außerhalb des Schlüpfzeitfensters im Frühsommer liegen in den Quellen nicht vor.

Lebensweise

Verhalten

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) verhält sich primär als Lauerjäger, der sich nur sehr langsam und wackelig fortbewegt oder nahezu regungslos verharrt. Obwohl alle ausgewachsenen Tiere flugfähig sind, nutzen vor allem die leichteren Männchen ihre Flügel aktiv für den Flug, während die Imagines bei Störungen Strecken von teils mehr als 20 m zurücklegen. Bei einer Schreckreaktion werden die Flügel weit abgespreizt und die Vorderhüften gezeigt, an deren Innenseite sich ein schwarzer, oft weiß gekernter Fleck als augenähnliche Zeichnung befindet. Ein ausgeprägter Fluchtreflex fehlt den Tieren weitgehend, weshalb sie bei Störungen oft regungslos verharren. In der Dämmerung und nachts gehen die Tiere aktiv auf die Lauer, kletterten dabei an Gebäudefassaden empor und warten auf Beute. Die Beute wird im Gegensatz zu anderen räuberischen Insekten nicht gelähmt, sondern lebend aufgefressen. Wie zahlreiche andere Fangschrecken praktiziert Mantis religiosa sexuellen Kannibalismus, bei dem das Männchen in bis zu 30 Prozent der Fälle während oder nach der Paarung vom Weibchen gefressen wird. Ein von manchen Mantodeen bekannter Balztanz wurde bei dieser Art bisher nicht festgestellt. Hungernde Weibchen produzieren vermehrt Duftstoffe, um vital und fruchtbar auf männliche Tiere zu wirken, da die Duftstoffproduktion energetisch weniger aufwendig ist als die zeitlich verschobene Eiproduktion. Für die mehrstündige Eiablage suchen sich die Weibchen geeignete, klimatisch günstige Stellen im Revier aus, an denen sie die Eier in einer schaumigen Eiweißmasse ablegen.1

Lebensweise

Ökologie

Als thermophile Art ist Mantis religiosa in Mitteleuropa primär auf stark wärmebegünstigte Standorte und Wärmeinseln beschränkt, während sie im Mittelmeerraum diverse Habitate besiedelt. In Mitteleuropa hält sie sich bevorzugt an sonnigen Waldrändern, auf Steppengebieten sowie an Böschungen auf, wo sie an Pflanzen wie Besenginster, Goldruten, Rainfarn und Johanniskräutern angetroffen werden kann. Ihr Beutespektrum als Lauerjäger umfasst primär Heuschrecken, Grillen und Waldschaben sowie andere Insekten und Gliederfüßer, wobei in Einzelfällen auch Wirbeltiere wie Zauneidechsen erbeutet werden. Die Beute wird im Gegensatz zu anderen räuberischen Insekten nicht gelähmt, sondern lebend verzehrt, was gelegentlich auch Artgenossen im Rahmen von Kannibalismus betrifft. Natürliche Eiparasitoide der Art sind die Erzwespen Mantibaria seefeldiana und Podagrion pachymerum. Zudem nutzen Grabwespen der Gattung Stizus Fangschrecken als Larvenproviant. Durch ihre Einführung in Nordamerika zur biologischen Schädlingsbekämpfung steht sie dort in Konkurrenz zu einheimischen Arten wie Stagmomantis carolina, welche durch die größeren und kräftigeren europäischen Tiere verdrängt werden können.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) besitzt ein natürliches Verbreitungsgebiet, das sich ursprünglich über Afrika, den gesamten Mittelmeerraum und große Teile Asiens bis nach Japan und zu den Großen Sundainseln erstreckt. In nord-südlicher Richtung reicht das Areal vom südlichen Westsibirien bis zum Kap der Guten Hoffnung.1 Die nördlichsten Vorkommen erreichen östlich des Urals den 55. Breitengrad bei Omsk und westlich davon den 53. Breitengrad in Osteuropa. Durch anthropogene Verschleppung ist die Art inzwischen auch in der Neuen Welt vertreten, wo sie weite Teile der östlichen USA sowie das südliche Kanada besiedelt. In Mitteleuropa ist Mantis religiosa stark an ausgesprochene Wärmeinseln gebunden, während sie im mediterranen Raum vielfältige Habitate besiedelt. In Deutschland stellt Südbaden, insbesondere die Region um den Kaiserstuhl und Freiburg, das Hauptverbreitungsgebiet dar. Die Art breitet sich seit Anfang der 1990er-Jahre in Mitteleuropa deutlich aus, was zu zwei stabilen deutschen Populationen im Westen und Osten geführt hat. Die westliche Population stammt primär aus Frankreich, wogegen die östliche Population aus Tschechien und Zentraleuropa eingewandert ist. Zu den typischen Habitaten zählen trockenwarme Waldränder, in denen sich die Tiere an Gehölzen und krautigen Pflanzen wie Besenginster, Goldruten und Rainfarn aufhalten. Gelegentlich dringen einzelne Imagines in Siedlungsbereiche vor, wo sie in Heckenstrukturen oder an Gebäudefassaden auf Beute lauern.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Schönefeld-Kiekebusch, Deutschland

    15.04.2026

  • Germany

    15.04.2026

  • Germany

    11.04.2026

  • Deutschland

    11.04.2026

  • Lindenhof, Windeckstraße, 68163 Mannheim, Deutschland

    09.04.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
80
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 30.10.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) durchläuft einen jahreszeitlich streng gebundenen Lebenszyklus, der stark von den regionalen Temperaturverhältnissen abhängt. Den Winter überlebt die Art ausschließlich im Stadium der Eier, die geschützt in einer etwa 4 cm langen Oothek überdauern.1 Aus diesen Eigelegen schlüpfen die ca. 6 mm langen Nymphen im Mai beziehungsweise Juni. Nach mehreren Häutungen im Laufe des Frühsommers treten im Hoch- und Spätsommer die ersten erwachsenen Tiere auf. Etwa 14 Tage nach ihrer Imaginalhäutung erreichen die Imagines die Geschlechtsreife. Im Herbst pflanzen sich die Tiere fort, wobei die erwachsenen Exemplare vor Eintritt des Winters verenden. Aufgrund dieser semelparen Lebensweise ist die Art univoltin und bildet genau eine Generation pro Jahr aus. Aktiv sind die Tiere überwiegend in der Dämmerung und nachts auf der Lauer, gelegentlich jedoch auch tagsüber. Die wärmeliebende Art zeigt dabei eine deutliche Bindung an ausgeprägte Wärmeinseln, da die Nymphen im Frühjahr auf ein ausreichendes Beuteangebot angewiesen sind.1 Das öffentliche Suchinteresse spiegelt diesen Jahresverlauf wider und verzeichnet deutliche Peaks in den Spätsommermonaten August und September, während in den Wintermonaten Januar und Februar keine Suchanfragen registriert werden.2

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist als räuberisch lebendes Insekt weder ein Schädling noch ein Lästling, sondern übernimmt als generalistischer Lauerjäger eine Funktion als Nützglied in Ökosystemen. Ein Schadpotenzial oder nennenswerte Schadbilder im Forst-, Land- oder Gartenbau existieren nicht, da die Art ausschließlich lebende Beute wie Heuschrecken, Grillen und andere Insekten erjagt. Medizinische oder gesundheitliche Risiken für den Menschen, wie etwa durch Giftwirkungen oder als Krankheitsüberträger, gehen von der Art nicht aus; sie ist für den Menschen völlig harmlos. Befallsanzeichen im Sinne eines klassischen Schädlingsbefalls gibt es folglich nicht, jedoch lassen sich die Tiere durch ihre Anwesenheit an Hausfassaden bei künstlicher Beleuchtung oder durch im Winter an Gehölzen abgelegte Ootheken nachweisen. Präventions- oder Bekämpfungsmaßnahmen sind weder erforderlich noch zulässig, da die Art in Deutschland in der Roten Liste als gefährdet geführt wird und nach dem Bundesnaturschutzgesetz in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung besonderen Schutz genießt. Aufgrund dieses strengen Schutzstatus darf Mantis religiosa weder gefangen noch getötet oder gehalten werden, weshalb jegliche Bekämpfungsmaßnahmen gesetzlich untersagt sind. Als direkte Gefährdungsursachen für die Tiere wirken stattdessen anthropogene Einflüsse wie der sommerliche Rückschnitt von Strauchvegetation entlang von Feldwegen sowie der Straßenverkehr, in dem Tiere als Verkehrsopfer enden. Zum Schutz der Art und zur Erfassung ihrer schleichenden Arealerweiterung infolge klimatischer Veränderungen werden stattdessen flächendeckend Citizen-Science-Projekte und Online-Meldeportale zur Dokumentation von Vorkommen eingesetzt.1

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung von Mantis religiosa beschränkt sich im Wesentlichen auf ihren historischen und gegenwärtigen Einsatz in der biologischen Schädlingsbekämpfung. In Nordamerika wurde die Art zu diesem Zweck absichtlich eingeführt, wobei ihr tatsächlicher Nutzen für die Bekämpfung von Schädlingen in der Praxis jedoch angezweifelt wird. Zudem ist die künstliche Einbringung umstritten, da die vergleichsweise großen und kräftigen Tiere heimischen Fangschreckenarten oft überlegen sind und diese verdrängen können.1 Nennenswerte wirtschaftliche Schäden durch Mantis religiosa in der Land-, Forst- oder Lagerwirtschaft sind in den Quellen nicht belegt. Belastbare quantitative Daten zu Bekämpfungskosten, Ertragsminderungen oder Materialschäden fehlen vollständig.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Gottesanbeterin
  2. gbif.org/species/6258028