Lexikon-Eintrag

Weberknecht-Ansammlung Leiobunum

Weberknecht-Ansammlung (Leiobunum), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Akzeptierter Name
Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung
Opiliones
Familie
Sclerosomatidae
Gattung
Leiobunum

Wissenschaftlicher Name Leiobunum Koch, 1839

Überblick

Einleitung

Leiobunum ist eine Gattung der Weberknechte aus der Familie Sclerosomatidae, die weltweit in Asien, Europa, Nordafrika sowie Nord- und Mittelamerika verbreitet ist.1 Bestimmte Arten der Gattung sind für auffällige Aggregationen bekannt, die bei einigen Vertretern wie einer eingeschleppten, provisorisch als „Leiobunum sp. A“ bezeichneten Art aus mehreren hundert Individuen an Gebäuden bestehen können.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Gattung umfasst über 100 beschriebene Arten, deren genauer taxonomischer Umfang jedoch unklar ist und vielfach synonymisiert wurde.
  • Auf der Unterseite besitzen die Tarsen männlicher Tiere eine mittig verlängere Reihe kleiner Tuberkel.
  • Jedes Bein von Leiobunum trägt lediglich eine einzelne bezähnelte Tarsalklaue.
  • Das erste Glied der Cheliceren weist auf der Rückenseite eine glatte Oberfläche auf.
  • Am Mittelglied des Palpus fehlen zur Spitze hin sowie im mittigen Bereich jegliche Apophysen, wenngleich gelegentlich leichte Schwellungen auftreten.
  • Zu den bekannten Synonymen der Gattung zählen historische Bezeichnungen wie Forbesium Weed, 1890 und Metaliobunum Suzuki, 1940.
  • In Europa ist die Gattung unter anderem durch Arten wie den Ziegelrückenkanker (Leiobunum limbatum) und Leiobunum blackwalli vertreten.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Gattung Leiobunum umfasst Weberknechte mit einem kompakten, weichen bis auf dem Rücken annähernd ledrigen Körperbau. Der Augenhügel entspricht in Länge und Breite in etwa seiner Höhe und trägt häufig kleine Höcker über den Augen. Am Vorderrand des Panzers fehlt eine mittige Bezahnung, während die Rückenoberfläche weitgehend unbewehrt bleibt. Bei männlichen Individuen sind die ersten fünf Tergite oft zu einem festen Dorsalschild verschmolzen. Auf den Coxen sind gelegentlich Zähnchen ausgebildet, die sich bisweilen auf das erste und letzte Beinpaar beschränken. Das erste Chelicerenglied zeigt auf der Rückenseite eine glatte Oberfläche. Am Palpus fehlen Apophysen am Mittelglied zur Spitze hin sowie im mittleren Bereich, wenngleich leichte Schwellungen auftreten können. Charakteristisch ist zudem, dass Leiobunum an jedem Bein nur eine einzige bezähnelte Tarsalklaue besitzt. Die Beine der meisten Vertreter sind auffallend lang und erreichen Spannweiten von über 15 cm. Dabei übertrifft das Femur des ersten Beinpaares den Körper deutlich, während das zweite Beinpaar stets das längste darstellt und das vierte Beinpaar übertrifft. Männliche Tiere weisen auf der Unterseite der Tarsen eine mittig verlaufende Reihe kleiner Tuberkel auf. Hinsichtlich der Färbung zeigt sich eine erhebliche Variabilität, bei der Männchen oft eine deutlich abweichende Färbung im Vergleich zu Weibchen aufweisen. Belastbare morphologische Daten zu Larven, Eiern oder spezifischen Abgrenzungsmerkmalen zu verwechselbaren Gattungen fehlen in der aktuellen Datenlage weitgehend.1

Porträt

Beschreibung

Die Weberknecht-Gattung Leiobunum umfasst arachnologische Taxa aus der Familie der Sclerosomatidae, deren weltweite Verbreitung sich über Asien, Europa, Nordafrika sowie Nord- und Mittelamerika erstreckt. Im natürlichen Lebensraum zeichnen sich die Tiere durch einen kompakten Körperbau aus, der von auffallend langen Beinen mit Spannweiten von über 15 cm überragt wird. Das zweite Beinpaar bildet dabei stets das längste Element und übertrifft sogar das vierte Beinpaar deutlich. Typischerweise ist das Femur des ersten Beinpaares merklich länger als der eigentliche Körper. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Gattung erfolgte im Jahr 1839 durch Carl Ludwig Koch in seiner Übersicht des Arachnidensystems. Der Name leitet sich von den griechischen Wörtern für glatt (λεῖος) und Hügel (βουνος) ab, was auf die glatte Naht über dem Augenhügel verweist. Als Typusart fungiert Leiobunum rotundum, welche bereits im Jahr 1798 von Pierre André Latreille als Phalangium rotundum beschrieben worden war. Die Gattung umfasst über 100 beschriebene Arten, deren taxonomischer Umfang jedoch durch zahlreiche Synonymisierungen und partielle Revisionen für Europa, Japan und Nordamerika komplex bleibt. Zu den bekannten europäischen Vertretern zählen unter anderem Leiobunum blackwalli, Leiobunum limbatum und Leiobunum rotundum. Äußere morphologische Unterschiede zeigen sich vor allem in der Färbung, welche bei Männchen oft deutlich von jener der Weibchen abweicht. Anatomisch besitzen die Vertreter einen gänzlich weichen oder lediglich auf dem Rücken annähernd ledrigen Körper. Der Augenhügel zeigt sich annähernd ebenso breit und lang wie hoch und trägt häufig kleine Höcker über jedem Auge. Im Gegensatz dazu bleibt der Vorderrand des Panzers mittig frei von Höckern und die Rückenoberfläche ist weitgehend unbewehrt. Bei männlichen Tieren sind die ersten fünf Tergite oft zu einem festen Dorsalschild verwachsen. An den Coxen sind häufig Zähnchen ausgebildet, die bisweilen jedoch auf das erste und letzte Beinpaar beschränkt bleiben. Das erste Chelicerenglied weist auf der Rückenseite eine glatte Oberfläche auf1, während das Mittelglied des Palpus frei von Apophysen zur Spitze hin und mittig ist, gelegentlich jedoch leichte Schwellungen zeigt. Die Tarsen der Männchen tragen auf der Unterseite mittig eine längs verlaufende Reihe kleiner Tuberkel1, wobei jedes Bein exakt eine bezähnelte Tarsalklaue aufweist.1 Neben den etablierten Arten wurde in den letzten Jahren eine provisorisch als „Leiobunum sp. A“ bezeichnete, wahrscheinlich eingeschleppte Art in Ländern wie den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Deutschland nachgewiesen. Diese Neozoon-Form tritt an Gebäuden regelmäßig in auffälligen Aggregationen auf, die aus teils mehreren hundert Individuen bestehen. Solche großen Ansammlungen von mehreren hundert Tieren sind auch von einigen anderen Arten der Gattung dokumentiert.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Gattung Leiobunum C. L. Koch, 1839 gehört innerhalb der Ordnung der Weberknechte zur Familie der Sclerosomatidae. Der wissenschaftliche Name leitet sich von den griechischen Wörtern leios für glatt und bunos für Hügel ab, womit auf die glatte Naht über dem Augenhügel verwiesen wird. Als Typusart fungiert Leiobunum rotundum, welche ursprünglich 1798 von Pierre André Latreille unter der Kombination Phalangium rotundum beschrieben wurde. Carl Ludwig Koch etablierte die Gattung im Jahr 1839 in seiner Übersicht des Arachnidensystems. Im Laufe der Forschungsgeschichte wurden verschiedene Synonyme für die Gattung publiziert, darunter Forbesium Weed, 1890, Leiobunus Meade, 1855, Liobunum Agassiz, 1846, Metaliobunum Suzuki, 1940 sowie Pseudoliobunum Müller, 1914. Der taxonomische Umfang der Gattung ist komplex und umfasst über 100 beschriebene, vielfach synonymisierte Arten, für die partielle Revisionen in Europa, Japan und Nordamerika vorliegen.1 Repräsentative europäische Vertreter sind unter anderem Leiobunum blackwalli (Meade, 1861), Leiobunum limbatum (L. Koch, 1861) sowie Leiobunum rupestre (Herbst, 1799).1 Zusätzlich wurde in den letzten Jahren eine bislang unbestimmte, vermutlich eingeschleppte Neozoon-Art unter dem provisorischen Namen „Leiobunum sp. A“ in mehreren europäischen Ländern nachgewiesen.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Gattung Leiobunum umfasst Weberknechte mit weltweiter Verbreitung in gemäßigten Zonen, wobei zahlreiche Arten für ihre auffälligen Aggregationen aus mehreren hundert Individuen bekannt sind. Über die konkrete Fortpflanzungsbiologie, Eiablage und Fertilität einzelner Arten liegen in der Standardliteratur kaum quantifizierbare Primärdaten vor. Die Entwicklung durchläuft typischerweise mehrere Stadien vom Ei über Larvalstadien bis zum adulten Weberknecht, wobei Puppenstadien bei Weberknechten generell nicht existieren. Belastbare Messwerte zur temperaturabhängigen Entwicklungsdauer oder exakte Generations- und Lebensdauern der Adulten fehlen für die Gattung weitgehend. Hinsichtlich der Ernährung ernähren sich die Tiere omnivor von kleineren Arthropoden, Aas sowie pflanzlichem Material, während spezifische Wirtsspezifitäten nicht gegeben sind. Das Nahrungsspektrum umfasst diverse Substrate, wobei nähere physiologische Nährwertanforderungen bisher nicht systematisch untersucht wurden. Physiologische Besonderheiten wie spezifische Diapause-Mechanismen oder Kältetoleranzen sind für die europäischen Vertreter der Gattung in der Übersichtsliteratur nicht detailliert belegt. Zu spezifischen Mortalitätsfaktoren, Parasitoiden oder natürlichen Prädatoren existieren keine quantitativen Studien. Auch Symbiosen oder engere artsspezifische Assoziationen sind für Leiobunum-Arten bisher nicht dokumentiert. Die Datenlage zur Biologie und zum Lebenszyklus ist somit stark lückenhaft und beschränkt sich im Wesentlichen auf morphologische Beschreibungen und das bekannte Aggregationsverhalten an Gebäuden.1

Lebensweise

Verhalten

Von einigen Arten der Gattung Leiobunum sind auffällige Aggregationen bekannt. Dabei versammeln sich oft mehrere hundert Tiere an gemeinsamen Standorten. Insbesondere eine bisher unbestimmte, eingeschleppte Art tritt an Gebäuden regelmäßig in derartigen Großgruppen auf.1

Lebensweise

Ökologie

Arten der Gattung Leiobunum besiedeln Habitate in Asien, Europa, Nordafrika sowie Nord- und Mittelamerika. Von einigen Vertretern dieser Gattung ist bekannt, dass sie Aggregationen bilden, die aus mehreren hundert Individuen bestehen können.1 Eine bislang unbestimmte, wahrscheinlich eingeschleppte Art (provisorischer Name „Leiobunum sp. A“) tritt in Europa, darunter in den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Deutschland, besonders häufig an Gebäuden auf und bildet dort ebenfalls dichte Ansammlungen mit teils mehreren hundert Tieren. Weitergehende ökologische Daten zu Nahrungsnetzbeziehungen, spezifischen Habitatpräferenzen, natürlichen Feinden oder der exakten Rolle im Ökosystem liegen für die Gattung in der aktuellen Datenlage nicht detailliert vor.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Weberknecht-Gattung Leiobunum weist eine weltweite Verbreitung auf, die sich über Asien, Europa, Nordafrika sowie Nord- und Mittelamerika erstreckt. Bisher beschriebene Arten stammen aus diesen Regionen, wobei Europa eine Vielzahl etablierter Arten wie Leiobunum rotundum und Leiobunum blackwalli beheimatet. In den Ostalpen ist zudem der Subalpine Schwarzrückenkanker (Leiobunum subalpinum) anzutreffen. Neben den natürlichen Habitaten besiedeln Vertreter der Gattung auch anthropogene Bereiche.1 Insbesondere eine bisher unbestimmte, wahrscheinlich eingeschleppte Art der Gattung, die provisorisch als „Leiobunum sp. A“ bezeichnet wird, ist in den letzten Jahren vermehrt aufgetreten. Diese Neozoon-Funde wurden in den Niederlanden als vermutlich erstem europäischen Land sowie in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland verzeichnet. Typisch für diese eingeschleppte Form ist das Auftreten an Gebäuden, wo sie häufig in dichten Aggregationen von teils mehreren hundert Individuen beobachtet wird.1

Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivitätsdynamik der Gattung Leiobunum ist stark an saisonale Zyklen gebunden. Adulte Tiere und auffällige Ansammlungen treten überwiegend in den warmeren Jahrmonaten auf. Das öffentliche Suchinteresse zeigt hierzu passend deutliche Peaks im April sowie in den Spätsommermonaten wie August. In den Wintermonaten von Januar bis Februar sinkt die Aktivität beziehungsweise das Aufkommen der Tiere gegen Null. Belastbare primärwissenschaftliche Daten zur exakten Generationenfolge oder spezifischen Temperaturabhängigkeiten für die gesamte Gattung fehlen in der aktuellen Literatur weitgehend. Bisherige Beobachtungen beschränken sich oft auf das synanthrope Auftreten bestimmter Neozoen der Gattung an Gebäuden.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Weberknechte der Gattung Leiobunum sind als Lästlinge einzustufen, da von ihnen keine Schäden an Vorräten, Pflanzen oder Gebäuden ausgehen.1 Bestimmte Arten, insbesondere eine als Neozoon eingeschleppte und provisorisch als „Leiobunum sp. A“ bezeichnete Form, bilden an Gebäuden häufig dichte Aggregationen aus, die aus teils mehreren hundert Individuen bestehen. Diese massiven Ansammlungen an Außenwänden oder in Eingangsbereichen werden von Betroffenen primär als optischer Störfaktor wahrgenommen. Ein Schadpotenzial im Sinne von Material- oder Fraßschäden ist für Leiobunum nicht bekannt. Medizinisch oder bezüglich allergischer Reaktionen oder Vektoreigenschaften geht von den Ansammlungen keine Gefährdung aus. Befallsanzeichen beschränken sich auf das massenhafte Auftreten der Tiere an Hauswänden und Fassaden. Präventionsmaßnahmen, Monitoring, biologische, physikalische oder chemische Bekämpfungsmaßnahmen sowie spezifische Integrierte Schädlingsbekämpfungskonzepte sind in der wissenschaftlichen Literatur für diese Gattung nicht systematisch belegt. Belastbare Daten zu chemischen oder physikalischen Regulierungsverfahren fehlen. Rechtliche Aspekte wie Quarantänebestimmungen oder Meldepflichten existieren für Leiobunum-Ansammlungen nicht.1

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Belastbare Daten zur wirtschaftlichen Bedeutung von Leiobunum-Arten fehlen in der wissenschaftlichen Literatur weitgehend, da diese Weberknechte weder als Schädlinge in der Land- oder Forstwirtschaft noch als bedeutende Nützlinge in Erscheinung treten. Zwar bilden einige Arten der Gattung an Gebäuden oft Aggregationen von teils mehreren hundert Individuen, wirtschaftliche Schäden an Materialien, Gebäuden oder gelagerten Gütern sind durch diese Ansammlungen jedoch nicht dokumentiert. Auch Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen oder historische Schadensberichte existieren für Leiobunum nicht. Positive wirtschaftliche Aspekte wie eine Nutzung als Bestäuber oder gezielter Nützling sind ebenfalls nicht belegt. Daher lässt sich zusammenfassen, dass Leiobunum-Ansammlungen primär ein phänomenologisches und ökologisches Vorkommen darstellen, das keine messbare ökonomische Relevanz aufweist.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Leiobunum