- Die Weibchen besitzen an den Hinterbeinen eine ausgeprägte Sammelbürste zum Pollentransport.
- Im Vorderflügel von Lasioglossum-Arten befinden sich stets drei Cubitalzellen.
- Häufig wird der Eingang zum unterirdischen Nest von einem charakteristischen kleinen Erdhügel umgeben.
- Neben den typischen Nahrungsgeneralisten existieren unter den Arten auch spezialisierte oligolektische sowie nächtlich fliegende Formen und Kleptoparasiten.
- Die Gattung wird basierend auf der Stärke der Distaladern des Vorderflügels in die zwei informellen Gruppen Lasioglossum-Serie und Hemihalictus-Serie unterteilt.
- Die Art Lasioglossum marginatum bildet fünf- bis sechsjährige Kolonien mit Hunderten von Arbeiterinnen aus.3
Furchenbiene Lasioglossum
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Insekten (Insecta)
- Ordnung
- Hautflügler (Hymenoptera)
- Familie
- Halictidae
- Gattung
- Lasioglossum
Überblick
Einleitung
Die Gattung Lasioglossum gehört zur Familie der Halictidae innerhalb der Hautflügler und stellt mit weltweit über 1700 Arten die artenreichste Bienengattung dar. Im deutschen Sprachraum werden die Vertreter als Schmalbienen bezeichnet, wobei sie zusammen mit der Gattung Halictus auch den Trivialnamen Furchenbienen tragen. Von der naheverwandten Gattung Halictus unterscheiden sich Lasioglossum-Arten vor allem durch das Fehlen heller Haarbinden an den Enden der Tergite sowie durch ein reduziertes Flügelgeäder.1
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Furchenbiene Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Die Furchenbienen der Gattung Lasioglossum zeigen eine erhebliche Variabilität in Größe, Färbung und Körperbau, wobei die Körperlänge adulter Tiere klein bis mittelgroß zwischen 3,5 und 12 mm liegt. Einheimische Arten besitzen überwiegend einen schwarzen oder schwarzbraunen Grundkörper, während Arten in anderen Regionen vereinzelt auch einen metallisch grünen, blauen oder bronzenen Körper aufweisen. Hinsichtlich des Sexualdimorphismus sind die Männchen deutlich schlanker gebaut als die Weibchen 1 und zeigen bei vielen Arten einen rot gefärbten Hinterleib. Am Kopf besitzen die Weibchen wie die nahe Verwandte Halictus eine charakteristische, kahle und mit Haaren gesäumte Längsfurche am Hinterleibsende. Im Gegensatz zur Gattung Halictus fehlen bei Lasioglossum jedoch helle Haarbinden an den Enden der Tergite, stattdessen treten oft Haarbinden an der Basis der Segmente auf. Das Flügelgeäder der Vorderflügel ist bei Lasioglossum reduziert und weist drei Cubitalzellen auf. An den Hinterbeinen verfügen die Weibchen über eine ausgeprägte Sammelbürste (Scopa) für den Pollentransport. Belastbare morphologische Daten zu Larven, Puppen und Eiern fehlen in der zugrundeliegenden Literatur weitgehend. Zur diagnostischen Abgrenzung von der Gattung Halictus dient neben der Anordnung der Haarbinden vor allem das reduzierte Flügelgeäder. Die Unterscheidung der zahlreichen, oft sehr ähnlichen Arten erfordert häufig den Einsatz eines Stereomikroskops, passender Vergleichssammlungen sowie in schwierigen Fällen eine Genitalpräparation.1
Porträt
Beschreibung
Die Gattung Lasioglossum repräsentiert mit über 1700 Arten weltweit die artenreichste Gruppe innerhalb der Bienen und zeichnet sich durch eine enorme Variabilität in Körperbau und Lebensweise aus. Im natürlichen Lebensraum erscheinen die kleinen bis mittelgroßen Tiere mit einer Körperlänge von 3,5 bis 12 mm meist in einer unauffälligen schwarzen oder schwarzbraunen Färbung. Feldbeobachtungen offenbaren oft nur das allgemeine Habitusbild, während eine präzise Artbestimmung im Feld aufgrund der hohen morphologischen Ähnlichkeit vieler Arten kaum möglich ist. Für die exakte Determination im Labor sind deshalb neben einem Stereomikroskop häufig Spezialmerkmale wie die Untersuchung des Flügelgeäders oder gar Genitalpräparationen erforderlich. Eine markante anatomische Anpassung der Weibchen stellt die kahle Längs- und Furchenstruktur am Hinterleibsende dar, welche namensgebend für die Furchenbienen ist und seitlich von Haaren gesäumt wird. Zusätzlich besitzen Weibchen an den Hinterbeinen eine spezialisierte Sammelbürste zum Pollentransport, während das Flügelgeäder im Vergleich zu verwandten Gattungen Reduktionen aufweist. Hinsichtlich der Sozialstrukturen zeigt die Gattung ein extrem breites Spektrum von solitär über kommunal bis hin zu eusozialen Koloniebildungen. Die begatteten Weibchen überwintern in unterirdischen Nestern oder Totholz und ziehen im Frühjahr die erste Brut eigenständig auf. Belastbare Details zu den genauen Larvenstadien in freier Wildbahn sind in der Literatur spärlich dokumentiert; bekannt ist jedoch, dass die aus der ersten Brut hervorgehenden Arbeiterinnen die weitere Aufzucht übernehmen. Geschlechtstiere erscheinen meist in späteren Generationen, woraufhin beide Geschlechter temporär gemeinsam fliegen, bevor die Männchen absterben und die begatteten Weibchen ihre Überwinterungsquartiere aufsuchen. Im Gegensatz zur nah verwandten Gattung Halictus fehlen den Lasioglossum-Arten typischerweise helle Haarbinden an den Hinterrändern der Tergite, stattdessen treten wenn dann Haarbinden an der Segmentbasis auf. Historisch begründet sich die Erforschung durch zahlreiche Untergattungen und Artkomplexe, die von Autoren wie Curtis im Jahr 1833 erstmals systematisch beschrieben wurden. Die enorme ökologische Plastizität spiegelt sich auch darin wider, dass neben den überwiegend polylektischen Nahrungsgeneralisten auch spezialisierte oligolektische Arten und Kleptoparasiten existieren.1
Systematik
Name & Einordnung
Die Gattung Lasioglossum wurde im Jahr 1833 durch den Entomologen Curtis wissenschaftlich beschrieben. Als Typusart der Gattung gilt Lasioglossum tricingulum Curtis, 1833, welches ein Synonym von Melitta xanthopus Kirby, 1802 ist. Historisch wurden viele Arten dieser Gruppe ursprünglich der Großgattung Halictus zugeordnet, bevor sie als eigenständige Gattung abgetrennt oder als Untergattungen geführt wurden. Zu den bekannten Synonymen und historischen Untergattungs- oder Gattungszuordnungen zählen unter anderem Dialictus Robertson, 1902, Evylaeus Perez, 1899 sowie Hemihalictus Cockerell, 1897. Im deutschen Sprachraum sind die Vertreter dieser artenreichen Gruppe geläufig als Schmalbienen bekannt, während sie gemeinsam mit der naheverwandten Gattung Halictus den Trivialnamen Furchenbienen tragen. Der Name bezieht sich auf das charakteristische morphologische Merkmal der Weibchen, die am Hinterleibsende eine kahle, behaarte Furche aufweisen.1
Aus der Community
Kurze Videos
Aus der silbarkrift.community, aufgenommen mit OpenInsect
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Die Biologie der Furchenbienen (Lasioglossum) ist durch eine außerordentliche Bandbreite an Sozialstrukturen gekennzeichnet, die von solitär über kommunal bis eusozial reicht. Die Begattung erfolgt nach der Kopulation, woraufhin die begatteten Weibchen den Winter überdauern. Die Überwinterung findet typischerweise in den angelegten Nestern statt, welche überwiegend im Boden oder seltener in verrottendem Totholz errichtet werden. Nach der Diapause im Frühjahr gründen die Weibchen Nester entweder einzeln oder gemeinsam im Rahmen einer Pleometrose, an der oft Schwestern, Mutter und Töchter oder selten auch nicht verwandte Individuen beteiligt sind. Die erste Brut ziehen diese Weibchen eigenständig auf, woraus bei eusozialen Arten zunächst Arbeiterinnen hervorgehen, welche die nachfolgende Brutpflege übernehmen. In späteren Generationen oder gegen Ende der Saison entwickeln sich die Geschlechtertiere. Nach einer gemeinsamen Flugphase sterben die Männchen ab, während die begatteten Weibchen neue Überwinterungsquartiere aufsuchen. Hinsichtlich der Ernährung sind die meisten Lasioglossum-Arten polylektische Nahrungsgeneralisten, wenngleich es auch oligolektische Spezialarten sowie ungewöhnliche Formen wie Kleptoparasiten gibt. Belastbare physiologische Messdaten zur genauen Entwicklungsdauer der einzelnen Stadien (Ei, Larve, Puppe) sowie zu spezifischen Mortalitätsfaktoren oder Parasitoiden fehlen in der aktuellen Datenlage für die Mehrzahl der über 1700 Arten weitgehend.1
Lebensweise
Verhalten
Lasioglossum-Arten weisen eine außergewöhnliche Verhaltensvielfalt auf, die von solitären bis hin zu komplexen eusozialen Lebensweisen reicht. Die Mehrheit der Arten nistet im Boden, wobei einige Arten stattdessen in verrottenden Baumstämmen und Totholz angelegt sind. Nester können von einem einzelnen Weibchen oder gemeinschaftlich von mehreren Individuen im Rahmen einer Pleometrose gegründet werden. Begattete Weibchen überwintern in diesen Nestern und ziehen im Frühjahr die erste Brut eigenständig auf. Aus dieser ersten Generation hervorgehende Arbeiterinnen übernehmen anschließend die weitere Brutpflege. Unter den Arten finden sich neben Nahrungsgeneralisten auch spezialisierte oligolektische Formen sowie Kleptoparasiten. Die Koloniegrößen variieren stark, wobei Lasioglossum marginatum durch einen mehrjährigen Lebenszyklus und besonders große Kolonien auffällt.1
Lebensweise
Ökologie
Lasioglossum-Arten nehmen als Bestäuber eine bedeutende Rolle im Ökosystem ein, wobei der überwiegende Teil der Arten als polylektische Nahrungsgeneralisten auftritt.1 Die Gattung zeichnet sich durch eine enorme verhaltensbiologische Diversität aus, die von solitärer und kommunaler Lebensweise bis hin zu eusozialen Kolonien reicht.1 Der Großteil der Arten legt unterirdische Nester im Boden an, während einige wenige Arten in verrottenden Baumstämmen beziehungsweise Totholz nisten.1 Neben den überwiegend freilebenden und sammelnden Formen haben sich innerhalb der Gattung mehrfach auch Kleptoparasiten entwickelt. Bezüglich der Habitate und mikroklimatischen Ansprüche zeigen einzelne Arten spezifische Präferenzen; so verlangt beispielsweise Lasioglossum majus nach wärmeren und feuchteren Plätzen an den Rändern von Flüssen und Auwäldern.1
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Die Gattung Lasioglossum ist weltweit mit mehr als 1700 Arten vertreten und stellt damit die artenreichste Bienengattung dar. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die Paläarktis bis hin zur nördlichen Orientalischen Region.1 In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Gattung mit insgesamt 88 Arten vertreten, wobei allein in Deutschland 64 Arten aus den Untergattungen Evylaeus und Lasioglossum s. str. nachgewiesen sind. Die vertikale und horizontale Verbreitung reicht von Flachländern bis in alpine Regionen, wobei manche spezialisiertere Arten wie Lasioglossum majus in Höhenlagen von rund 1000 m dokumentiert sind. Als typische Habitate dienen den überwiegend bodennistenden Arten offene bis halboffene Landschaften. Bestimmte Arten wie Lasioglossum majus bevorzugen explizit wärmere und feuchtere Plätze an Rändern von Flüssen und Auwäldern, meiden jedoch nassflächige Böden. Neben solitären Lebensweisen in selbstgegrabenen Erdbauten nutzen manche Arten auch verrottende Baumstämme oder Totholz als Niststrukturen. Hinsichtlich der Nahrungsökologie sind die meisten Vertreter der Gattung als Nahrungsgeneralisten beziehungsweise polylektisch einzustufen. Siedlungsbereiche werden von anpassungsfähigen Arten ebenfalls besiedelt, sofern geeignete Nistmöglichkeiten im Boden vorhanden sind. Die Mehrzahl der Arten zeigt eine weite paläarktische Verbreitung, während einige Untergattungen klare regionale Schwerpunkte in Nordamerika oder Ostasien aufweisen. Belastbare historische Daten zur genauen Einschleppungsgeschichte einzelner Neozoen-Arten innerhalb der Gattung sind in der Literatur nur fragmentarisch belegt.1
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Die Aktivitätsdynamik der Gattung Lasioglossum ist stark von den klimatischen Bedingungen und dem Überwinterungsverhalten der begatteten Weibchen geprägt. Die begatteten Weibchen überwintern in den unterirdischen Nestern und erscheinen im Frühjahr, um die erste Brut eigenständig aufzuziehen. Aus dieser Frühlingsgeneration gehen Arbeiterinnen hervor, welche die anschließende Brutpflege übernehmen. Im weiteren Verlauf des Jahres erscheinen in einer späteren Phase Geschlechter, die nach einer gemeinsamen Flugphase getrennt werden, ehe die Männchen sterben. Letztlich suchen die überlebenden Weibchen im Spätjahr ihre Überwinterungsquartiere auf. Das öffentliche Suchinteresse in Deutschland zeigt korrespondierende Peaks in den Monaten Mai und Juli, was mit der Hauptaktivitätsphase im Jahresverlauf übereinstimmt. Während in den Wintermonaten Januar und Februar keine Aktivität und kein nennenswertes Suchinteresse verzeichnet wird, beginnt die Flugperiode mit den steigenden Temperaturen im Frühjahr. Belastbare, quantifizierte Daten zu spezifischen tageszeitlichen Aktivitätsmustern oder präzisen Temperaturabhängigkeiten für die gesamte Gattung fehlen aufgrund der hohen Artenvielfalt und Diversität jedoch weitgehend.
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Als Vertreter der artenreichsten Bienengattung weltweit sind Lasioglossum-Arten ökologisch bedeutsame Bestäuber und keinesfalls als Schädlinge oder Lästlinge einzustufen. Ein Schadpotenzial im Sinne von Material-, Vorratsschäden oder der Übertragung von Krankheitserregern existiert nicht, da die Tiere keinen Schaden anrichten. Medizinische Relevanz besteht ausschließlich in Form von Stichen, die jedoch wie bei anderen Wildbienen nur bei direkter Bedrängung oder Abwehr erfolgen. Spezifische Befallsanzeichen an Gebäuden oder Vorräten fehlen gänzlich, da es sich um freilebende Insekten handelt. Nester werden überwiegend im Boden angelegt, wobei der Eingang häufig von einem kleinen Erdhügel umgeben ist, oder alternativ in verrottenden Baumstämmen. Präventions- oder Bekämpfungsmaßnahmen sind aufgrund des Status als nützliche Bestäuber und des fehlenden Schadpotenzials nicht erforderlich. Integrierte Schädlingsbekämpfungs- oder Monitoringmethoden werden für diese Gattung folglich nicht angewendet. Rechtliche Aspekte wie Quarantänebestimmungen oder Meldepflichten existieren für Furchenbienen nicht. Belastbare Daten zu spezifischen Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen fehlen mangels Schadwirkung vollständig.1
Praxiswissen
Wirtschaftliche Bedeutung
Belastbare Daten zu wirtschaftlichen Schäden durch Arten der Gattung Lasioglossum fehlen in der aktuellen Literatur, da es sich bei diesen Wildbienen nicht um Schädlinge handelt. Als polylektische Blütenbesucher und zum Teil wichtige Bestäuber erfüllen sie stattdessen eine ökologische Funktion, die indirekt auch landwirtschaftliche Kulturen unterstützt. Spezifische wirtschaftliche Schäden, betroffene Wirtschaftszweige in der Lagerhaltung, Forstwirtschaft oder im Bauwesen sowie Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen sind für Lasioglossum-Arten nicht dokumentiert.
Nachweise
Quellen & Referenzen
- de.wikipedia.org/wiki/Lasioglossum
- gbif.org/species/1353501
- Literaturzusammenfassung: Lasioglossum