Lexikon-Eintrag

Feldgrille Gryllus campestris

Feldgrille (Gryllus campestris), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Heuschrecken (Orthoptera)
Familie
Gryllidae
Gattung
Gryllus

Überblick

Einleitung

Die Feldgrille (Gryllus campestris) ist eine große, glänzend schwarze Grille aus der Familie der Echten Grillen (Gryllidae) innerhalb der Heuschrecken (Orthoptera) 12. Sie lebt in selbst gegrabenen Erdröhren auf warmen, sonnigen und trockenen Wiesen und Hängen und ist vor allem durch den Gesang der Männchen bekannt 1. Die Feldgrille war 2003 Insekt des Jahres in Deutschland und 2014 Tier des Jahres in der Schweiz 1. In vielen Regionen gehen die Bestände zurück 12.

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Wissenschaftlicher Name: Gryllus campestris Linnaeus, 1758
  • Familie: Echte Grillen (Gryllidae), Ordnung Heuschrecken
  • Körperlänge: Männchen 18–26 mm, Weibchen 19–27 mm (zusätzlich Legeröhre 8–12 mm)
  • Färbung: glänzend schwarz, Hinterschenkel unten rötlich
  • Lebensraum: warme, sonnige, trockene Hänge, Wiesen, Heiden
  • Röhre: etwa 10–20 cm tief
  • Gesang: Männchen, Mai bis Juli
  • Entwicklung: eine Generation pro Jahr, Larven überwintern

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Männchen sind 18 bis 26 Millimeter lang, Weibchen 19 bis 27 Millimeter; die Legeröhre der Weibchen misst zusätzlich 8 bis 12 Millimeter 1. Englischsprachige Quellen nennen etwa 19 bis 23 Millimeter für Männchen und 17 bis 22 Millimeter für Weibchen 2. Der Körper ist glänzend schwarz, gedrungen und zylindrisch, mit kräftigen Beinen. Der Kopf ist kugelig und breiter als der Halsschild, mit etwa 20 Millimeter langen dünnen Fühlern und drei hellen Punktaugen 1. Die Vorderflügel sind bräunlich bis tiefschwarz, an der Basis gelb und schwarz geädert; die Hinterflügel sind verkümmert, sodass die Tiere nicht fliegen können 12. Die Hinterschenkel sind unterseits rötlich 1.

Die Weibchen tragen eine nach hinten ragende Legeröhre; Männchen erzeugen den Gesang durch Aneinanderreiben der Vorderflügel 1. In den Vorderschienen sitzen Trommelfelle, mit denen die Tiere hören 1.

Systematik

Namen & Einordnung (kurz)

Der wissenschaftliche Name Gryllus campestris Linnaeus, 1758 ist in der GBIF-Taxonomie als akzeptiert geführt 3. Die Art ist die Typusart ihrer Gattung und Tribus 2. Englische Namen sind „European field cricket“ und „field cricket“ 2. Im Süden Europas lebt außerdem die Mittelmeer-Feldgrille (Gryllus bimaculatus), die keine Röhren gräbt und meist in Siedlungsnähe vorkommt 1.

Weitere Grillen mit eigenem Profil sind das Heimchen und die Gattung Feldgrille (Gattung). Im Haus oder Keller gefundene Grillen sind häufig Heimchen, nicht Feldgrillen; eine sichere Unterscheidung erfordert gute Fotos oder Fachliteratur.

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Feldgrille ist ein Allesfresser mit überwiegend pflanzlicher Nahrung: Larven und erwachsene Tiere fressen Blätter und Wurzeln verschiedener Pflanzen, daneben kleine Bodentiere und deren Kadaver 1. Nur geschlechtsreife Männchen singen, meist nachmittags und abends vor ihrer Röhre; der Lockgesang besteht aus Einheiten von drei bis sechs, meist vier, rasch aufeinanderfolgenden Silben und ist etwa 50 bis 200 Meter weit zu hören 1. Weibchen wandern auf singende Männchen zu; Männchen verteidigen ihre Röhren gegen Rivalen 12.

Etwa drei bis vier Tage nach der Paarung beginnt das Weibchen mit der Eiablage; die Eier werden einzeln in die Erde gelegt, insgesamt einige Hundert im Lauf des Lebens 1. Zwei bis drei Wochen später schlüpfen die Larven, häuten sich mehrfach und graben sich im Herbst einzeln ein; sie überwintern halbwüchsig und häuten sich im April des Folgejahres zum letzten Mal zur erwachsenen Grille (zehntes oder elftes Stadium) 12. Die Art hat eine Generation pro Jahr 2.

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Feldgrille mag warme, sonnige und trockene Hänge, Wiesen, Kiesgruben und Heiden sowie lichte Kiefernwälder 1; nach englischsprachigen Angaben bevorzugt sie trockene, sonnige Standorte mit kurzer Vegetation und ist am Nordrand ihres Areals auf Heiden und nährstoffarme Grasländer beschränkt 2. Sie gräbt etwa 10 bis 20 Zentimeter tiefe und rund 2 Zentimeter breite Röhren in die Erde (auch 30 bis 40 Zentimeter tiefe Röhren werden genannt) 1.

Die Art kommt von Nordafrika über Mittel- und Südeuropa bis zum Kaukasus vor. In Süddeutschland ist sie häufiger als in Norddeutschland 1. Da die Tiere nicht fliegen können, erholen sich lokale Bestände nach einem Aussterben nur selten von selbst 2.

In der OpenInsect-Community wurden bisher 358 Scans erfasst, der letzte am 29.10.2026.

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    08.05.2026

  • Starzach, Baden-Württemberg, Deutschland

    06.05.2026

  • XMCX+6W, 07751 Löberschütz, Deutschland

    06.05.2026

  • Bodenseekreis, DE-BW, Deutschland

    06.05.2026

  • Deutschland

    04.05.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
359
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 31.10.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Männchen sind von Mai bis Ende Juni oder bis in den Juli akustisch aktiv 1; englischsprachige Quellen nennen die Fortpflanzungszeit von Mai bis Juli 2. Gesungen wird tagsüber und in den ersten Nachtstunden, nur bei Temperaturen deutlich über 13 Grad Celsius 2; an sonnigen, warmen Tagen ist der Gesang vom späten Vormittag bis in die Nacht zu hören, besonders kurz vor einem Hitzegewitter 1. Die Larven überwintern in der Erde 12. Die letzte Häutung findet Ende April oder Anfang Mai statt 2.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Feldgrille ist keine Schädlingsart; schädliche Wirkungen auf Pflanzen oder Vorräte sind nicht beschrieben. Sie gilt als schutzbedürftig: Der Verlust von Lebensräumen, meist durch intensive Landwirtschaft, hat in vielen Regionen zum Rückgang geführt, regional ist sie bereits ausgestorben 1. In Norddeutschland steht sie in einigen Bundesländern in einer Gefährdungskategorie der Roten Liste (Jahr in der Quelle nicht genannt) 1; in Teilen Mittel- und Nordeuropas ist sie ebenfalls rückläufig und rotgelistet 2. Wiederansiedlungen wurden in einigen Regionen erfolgreich durchgeführt, und in den letzten Jahren kam es durch günstiges Klima auch zu natürlicher Ausbreitung 12.

Der Erhalt trockener, sonniger Magerrasen, Heiden und extensiv genutzter Wiesen kommt der Art zugute. Bedeutung als Gesundheitsrisiko haben die Tiere nicht; Quellen nennen weder Stich noch Biss mit Folgen für Menschen.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. Wikipedia: Feldgrille. de.wikipedia.org/wiki/Feldgrille (abgerufen 30.10.2026)
  2. Wikipedia: Gryllus campestris. en.wikipedia.org/wiki/Gryllus_campestris (abgerufen 30.10.2026)
  3. GBIF Backbone Taxonomy: Gryllus campestris Linnaeus, 1758. gbif.org/species/1716462