Lexikon-Eintrag

Plattbauchspinne Gnaphosidae

Plattbauchspinne (Gnaphosidae), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Akzeptierter Name
Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung
Webspinnen (Araneae)
Familie
Gnaphosidae

Überblick

Einleitung

Die Plattbauchspinnen (Gnaphosidae, Syn.: Drassodidae, Prodidomidae, Drassidae), gelegentlich auch als Glattbauchspinnen bezeichnet, bilden eine weltweit verbreitete Familie der Webspinnen mit über 2.500 beschriebenen Arten. Charakteristisch für diese meist bodenbewohnenden und nachtaktiven Tiere ist ihre freilaufende Jagdweise als Hetzjäger ohne den Bau von Fangnetzen. Einzelne Arten der Familie können morphologisch mit Vertretern der nah verwandten Sackspinnen verwechselt werden, unterscheiden sich von diesen jedoch insbesondere durch den Aufbau ihrer Spinnwarzen und die Form der hinteren Augen.

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Viele Arten der Plattbauchspinnen verfügen über eine stark ausgeprägte Fovea (Apodem) auf dem Carapax.
  • Die acht Augen der Familie sind in zwei Reihen aufgeteilt und weisen bis auf die vorderen Mittelaugen einen silbrigen Schimmer auf.
  • Die hinteren medial angelegten Augen sind bei vielen Vertretern nicht rund, sondern oft oval, dreieckig oder auf Schlitze reduziert.
  • Die robust gebauten Cheliceren sind gezähnt, wobei auf der retromarginalen Seite bei einigen Arten eine sklerotisierte Schicht mit Zähnung vorhanden sein kann.
  • Das Sternum der Spinnen ist eiförmig und nach hinten verlängert.
  • Die Beine sind stämmig gebaut, weisen allesamt die gleiche Länge auf und können an der Distal- oder Proximalseite heller als der restliche Körper gefärbt sein.
  • An den Tarsi befinden sich zwei mit Haarbüscheln versehene Klauen sowie eine Scopula.
  • Einige Arten besitzen auf der Distalseite der Metatarsen des vierten Beinpaares kleine Bürsten aus mehr oder weniger steifen Haaren.
  • Die Pedipalpen der Plattbauchspinnen sind mit kleinen Stacheln und einer fein gezahnten Klaue versehen.
  • Die zylindrischen Spinnwarzen sind in Ruhelage entweder parallel zueinander angeordnet und sehr beweglich oder fingerartig und schräg auseinander gespreizt.2

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) sind kleine bis mittelgroße Spinnen mit einer Körperlänge von 2 bis 18 mm und einem kräftigen, abgeflachten Körperbau. Der Körper ist zumeist samtig behaart, wobei die Grundfärbung der meisten Arten einheitlich graubraun bis schwärzlich ohne Zeichnungselemente ist. Einige Vertreter wie die Schillerspinnen (Micaria) zeigen jedoch eine bunte Färbung oder Irisierung, während andere Arten auffällige weiße Flecken oder Linien aufweisen. Das eiförmige und ziemlich glatt konvexe Carapax geht ohne scharfe Abgrenzung in den Kopfbereich über. Die acht Augen sind in zwei Reihen aufgeteilt, wobei die hinteren medialen Augen oft oval, dreieckig oder auf Schlitze reduziert sind und bis auf die dunkleren vorderen Mittelaugen einen silbrigen Schimmer aufweisen. Die robusten Cheliceren sind gezähnt und tragen bei manchen Arten eine sklerotisierte Schicht mit Zähnung auf der retromarginalen Seite. Das eiförmige Sternum ist nach hinten verlängert. Die stämmigen Beine besitzen alle eine ähnliche Länge und sind distal oder proximal gelegentlich heller gefärbt als der restliche Körper. Ein diagnostisches Hauptmerkmal der Familie sind zwei klauenförmige Tarsi mit Haarbüscheln sowie eine ausgeprägte Tarsalbehaarung (Scopula), während manche Arten zusätzlich Bürsten aus unterschiedlich steifen Haaren auf der Distalseite der Metatarsen des vierten Beinpaares aufweisen. Die Pedipalpen sind mit kleinen Stacheln und einer fein gezahnten Klaue versehen. Das Opisthosoma trägt oft eine kurze, glatte Behaarung, die zusammen mit der dorsalen Silhouette an eine Maus erinnert. Auffällig sind die zylindrischen Spinnwarzen, die in Ruhelage parallel und sehr beweglich oder schräg auseinandergespreizt angeordnet sind. Männchen besitzen nahe den Spinnwarzen häufig ein sklerotisiertes Scutum. Der Spinnapparat ist ecribellat, wodurch ein Cribellum und ein Calamistrum an den Hinterbeinen fehlen. Männliche Geschlechtsorgane zeichnen sich durch Bulbi mit einer großen, artverschiedenen Tibiaapophyse aus, während die großen weiblichen Epigynen sklerotisierte Strukturen aufweisen. Larvalstadien, Eier und Puppen sind in der aktuellen Datenlage nicht detailliert metrisch spezifiziert, jedoch bewachen die Weibchen ihren meist papierartigen Eikokon in Wohngespinsten oder unter Steinen und in Baumstämmen. Von den nah verwandten Sackspinnen (Clubionidae) lassen sich die Plattbauchspinnen insbesondere durch den Aufbau der Spinnwarzen unterscheiden, die bei Sackspinnen konisch nach hinten auslaufen und nicht zylindrisch-abgeflacht sind.1

Porträt

Beschreibung

Die Familie der Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) umfasst kleine bis mittelgroße Webspinnen mit einer Körperlänge von zwei bis 18 Millimetern, die sich durch einen kräftigen, meist abgeflachten und samtig behaarten Körperbau auszeichnen. Im natürlichen Lebensraum fällt ihr dorsales Erscheinungsbild durch eine oft mausähnliche Silhouette auf, die durch eine kurze, glatte Behaarung sowie mitunter gekrümmte Haare am vorderen Rand des Opisthosomas begünstigt wird. Während im Freiland vor allem die flinke, bodenlebende Fortbewegung und die meist nachtaktive Lebensweise unter Steinen oder in röhrenförmigen Wohngespinsten auffallen, erfordert eine exakte Bestimmung mikroskopische Merkmale. Zu den essenziellen mikroskopischen Erkennungsmerkmalen zählen die Form der hinteren Augenreihe — deren Medialaugen oft oval, dreieckig oder auf Schlitze reduziert sind und einen silbrigen Schimmer aufweisen —, die Zähnung der robusten Cheliceren sowie die genitalmorphologischen Strukturen. Als besondere anatomische Anpassung besitzen die Arten stämmige Beine mit zwei Haarbüschel-bewehrten Klauen an den Tarsi sowie eine Scopula, während distal am Metatarsus des vierten Beinpaares oftmals zusätzliche Haarbürsten ausgebildet sind. Der Spinnapparat ist durch zylindrische, in Ruhelage parallel angeordnete oder schräg gespreizte Spinnwarzen gekennzeichnet, wobei ein Cribellum und ein Calamistrum gänzlich fehlen. Männliche Individuen unterscheiden sich äußerlich durch ein Scutum nahe der Spinnwarzen sowie artspezifische Tibiaapophysen an den Bulbi, während Weibchen große, sklerotisierte Epigynen aufweisen. Über die detaillierte Entwicklung der Larvenstadien liegen in der wissenschaftlichen Literatur kaum flächendeckende, quantifizierte Baudaten vor; bekannt ist jedoch, dass die geschlüpften Jungtiere selbstständig heranwachsen, bei Arten der gemäßigten Klimazonen überwintern und im Folgejahr die Geschlechtsreife erlangen. Belastbare empirische Daten zur genauen Dauer der einzelnen Larvenstadien oder spezifischen Größenzuwächsen je Häutung fehlen in den aktuellen Standardwerken weitgehend. Von den nah verwandten Sackspinnen (Clubionidae) lassen sich die Plattbauchspinnen neben den Augenmerkmalen vor allem durch den eingliedrigen, zylindrischen Aufbau ihrer Spinnwarzen abgrenzen, während Sackspinnen konisch nach hinten auslaufende Spinnwarzen besitzen. Historisch wurde die Familie mehrfach taxonomisch revidiert, wobei frühere Einordnungen wie die der Drassidae durch Sundevall (1833) und spätere Revisionen der Prodidomidae die systematische Einbettung prägten. Die Lebenserwartung der Tiere wird nach gegenwärtigem Kenntnisstand auf zwei Jahre oder länger vermutet, wobei Details zum Lebenszyklus einzelner Arten primär auf wenigen untersuchten Modellarten beruhen.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Familie der Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) wurde im Jahr 1898 von Reginald Innes Pocock erstbeschrieben. Als synonyme oder historische Familienbezeichnungen gelten neben Drassodidae und Drassidae auch die zeitweise ausgegliederten Prodidomidae. Im deutschen Sprachraum sind neben Plattbauchspinnen auch die Trivialnamen Glattbauchspinnen gebräuchlich. Carl Jakob Sundevall beschrieb bereits 1833 eine entsprechende Familie unter dem Namen Drassidae. Die Familie erfuhr im Laufe ihrer Forschungsgeschichte mehrfach taxonomische Umstellungen, bei denen unter anderem Unterfamilien oder Gattungen zu- und ausgegliedert wurden. So wurde die 1884 von Eugène Simon etablierte Gruppe der Prodidomidae 2018 aufgelöst und den Plattbauchspinnen als Unterfamilien unterstellt. Die systematische Zuordnung einzelner Gattungen wie der Schillerspinnen (Micaria) wird in der wissenschaftlichen Diskussion teilweise kontrovers betrachtet. Belastbare etymologische Herleitungen zu den älteren Gattungsnamen oder Synonymen sind in der Primärliteratur nur fragmentarisch belegt.1

Videos

Aus der Community

Beobachtungen und Einreichungen unserer Nature-Community

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Kurze Videos

Aus der silbarkrift.community, aufgenommen mit OpenInsect

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Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Der Lebenszyklus der Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) gliedert sich über mehrere Phasen und wird bei den in gemäßigten Klimazonen vorkommenden Vertretern maßgeblich von den Jahreszeiten bestimmt. Vor der eigentlichen Paarung fertigt ein geschlechtsreifes Männchen zunächst ein Spermanetz an, um darauf Spermatophore abzugeben, die anschließend über die Bulbi aufgenommen werden. Das Paarungsverhalten ist bei den meisten Arten weitestgehend unerforscht; Ausnahmen bilden unter anderem der Gewöhnliche Ameisendieb (Callilepis nocturna) und die Gewöhnliche Steinplattenspinne (Drassodes lapidosus). Die Kopulation erfolgt in der für freilaufend jagende Webspinnen üblichen Position III, bei der das Männchen das Weibchen frontal besteigt und die Spermien über die Epigyne übertragen werden. Nach der Eiablage bewacht das Weibchen seinen meist papierartigen Eikokon bis zum Schlupf der Nachkommen versteckt in dessen Wohngespinst oder unter Steinen und in Baumstämmen. Eine echte Brutpflege findet bei den Plattbauchspinnen jedoch nicht statt. Die geschlüpften Jungtiere wachsen selbstständig heran und überwintern in den gemäßigten Regionen, ehe sie im Spätfrühling oder Sommer des Folgejahrs die Geschlechtsreife erlangen. Die Lebenserwartung von Plattbauchspinnen wird auf zwei Jahre oder länger vermutet. Bezüglich der Ernährung agieren viele Arten als opportunistische Jäger, die sich als freilaufende Hetzjäger von beliebigen Gliederfüßern ernähren. Neben allgemeinen Generalisten existieren jedoch auch nahrungsspezialisierte Arten wie Vertreter der Gattung der Ameisendiebe (Callilepis) und der Gattung Nomisia, die sich auf das Erbeuten von Ameisen spezialisiert haben. Belastbare quantitative Daten zu exakten Entwicklungsstadien, Larvenstadien, spezifischen Temperaturoptima oder detaillierten Mortalitätsfaktoren fehlen in der aktuellen Literaturlage weitgehend.1

Lebensweise

Verhalten

Die Vertreter der Gnaphosidae sind überwiegend nachtaktive, freilaufend jagende Hetzjäger, die keine Fangnetze anlegen. Tagsüber verbergen sie sich in röhrenförmigen Wohngespinsten unter Steinen oder Blättern. Zur Orientierung und Wahrnehmung ihrer Umgebung nutzen sie primär taktile Reize sowie Trichobothrien auf den Beinen zur Registrierung von Luftbewegungen und Sinnesorgane für Bodenerschütterungen. Der Sehsinn spielt hingegen selbst bei tagaktiven Arten eine untergeordnete Rolle. Kleinere Beutetiere werden direkt mit den Beinen ergriffen und durch einen Giftbiss überwältigt. Größere oder wehrhafte Beute springen die Spinnen an, fixieren sie mit Spinnfäden und umlaufen sie wiederholt, um sie einzuschränken, ehe der Giftbiss folgt. Als opportunistische Jäger ernähren sie sich von diversen Gliederfüßern, wobei einige spezialisierte Gattungen wie Callilepis und Nomisia auf Ameisen spezialisiert sind. Das Paarungsverhalten ist weitestgehend unerforscht, erfolgt bei einigen bekannten Arten jedoch in der für freilaufende Spinnen typischen Position III mit frontalem Aufsteigen des Männchens. Belastbare quantitative Daten zu weiteren Verhaltensaspekten wie territorialem oder aggressivem Verhalten außerhalb des Beutefangs fehlen.1

Lebensweise

Ökologie

Die Familie der Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) ist nahezu weltweit verbreitet und besiedelt vorwiegend bodenbewohnend trockene, warme sowie offene Lebensräume. Als freilaufende Hetzjäger ohne Fangnetze nehmen sie eine Rolle als opportunistische Prädatoren im Nahrungsnetz ein, die eine Vielzahl von Gliederfüßern erbeuten. Viele Arten jagen nachtaktiv und verbringen den Tag in röhrenförmigen Wohngespinsten unter Steinen oder Blättern. Neben unspezialisierten Räubern existieren auch nahrungsspezialistische Gattungen wie Callilepis und Nomisia, die sich auf das Erbeuten von Ameisen spezialisiert haben. Dank ihrer effektiven Fangstrategie können Plattbauchspinnen auch Beutetiere überwältigen, die ihre eigene Körpergröße deutlich übertreffen. Einige Arten zeigen synanthrope Tendenzen und besiedeln als Kulturfolger menschliche Siedlungsbereiche, Gebäude oder Keller. Belastbare quantitative Daten zu mikroklimatischen Graduierungen oder spezifischen Parasitoiden fehlen in der aktuellen Datenlage weitgehend.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Familie der Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) ist nahezu weltweit verbreitet. Lediglich in der Arktis, der Antarktis sowie im Süden Argentiniens und Chiles fehlen Vertreter dieser Spinnenfamilie gänzlich. Die Mehrzahl der Arten bewohnt terrestrische und dabei überwiegend trockene, warme sowie offene Lebensräume. Tagsüber verbergen sich die meist nachtaktiven Tiere in röhrenförmigen Wohngespinsten unter Steinen oder abgefallenen Blättern. Zu den typischen natürlichen Habitaten gehören neben Wäldern auch Dünen, Trockenrasen und Moore. Einige spezialisierte Vertreter wie die Vierpunkt-Mausspinne (Scotophaeus quadripunctatus) besiedeln zudem Höhlen. Aufgrund synanthroper Tendenzen sind zahlreiche Arten regelmäßig in menschlichen Siedlungsbereichen und Gebäuden anzutreffen. So besiedeln Kulturfolger wie die Gewöhnliche Steinplattenspinne (Drassodes lapidosus), die Kleine Mausspinne (Scotophaeus blackwalli), Scotophaeus scutulatus und die Hausplattbauchspinne (Urozelotes rusticus) häufig Häuser, Keller oder Wohnungen. Letztere stammt vermutlich ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und wurde durch den Menschen fast weltweit verschleppt. Im Gegensatz dazu ist die Kleine Mausspinne (Scotophaeus blackwalli) in Europa heimisch und gelangte durch menschlichen Einfluss zusätzlich nach Nord- und Südamerika. Auch die im Osten der Vereinigten Staaten beheimatete Östliche Pfaffenspinne (Herpyllus ecclesiasticus) dringt gelegentlich in Gebäude vor. Belastbare und systematische Daten zur vertikalen Verbreitung in spezifischen Höhenstufen liegen für die Familie bisher nicht flächendeckend vor.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Bayreuth Seulbitz Ortsmitte, 95448 Bayreuth, Deutschland

    04.06.2026

  • Deutschland

    04.06.2026

  • Hannover, Lower Saxony, Deutschland

    03.06.2026

  • Berlin, Berlin, Deutschland

    03.06.2026

  • Lübben

    03.06.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
3
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 16.10.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Der Lebenszyklus und die Aktivität der Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) in gemäßigten Klimazonen werden maßgeblich von den Jahreszeiten bestimmt. Belastbare, artspezifische Daten zur exakten Generationsfolge aller Vertreter fehlen, jedoch ist der Lebenszyklus stark an saisonale Zyklen gekoppelt. In den gemäßigten Regionen überwintern die geschlüpften Jungtiere, ehe sie im Spätfrühling oder Sommer des Folgejahrs die Geschlechtsreife erlangen. Die Lebenserwartung der Tiere wird auf zwei Jahre oder länger geschätzt. Hinsichtlich der täglichen Aktivitätsmuster sind die meisten Arten der Familie überwiegend nachtaktiv. Tagsüber halten sich diese Tiere in röhrenförmigen Wohngespinsten unter Steinen oder Blättern auf. Im Gegensatz dazu agieren einige kontrastreicher gefärbte Arten tagaktiv. Das öffentliche Interesse an diesen Spinnen zeigt im Jahresverlauf deutliche Schwankungen mit erhöhten Werten in den Sommermonaten Juni und August.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Plattbauchspinnen (Gnaphosidae) sind als freilaufend jagende Raubspinnen weder Schädlinge noch Überträger von Krankheiten, werden jedoch aufgrund ihres gelegentlichen Auftretens in menschlichen Siedlungsbereichen als Lästlinge wahrgenommen. Einige Arten wie die Gewöhnliche Steinplattenspinne (Drassodes lapidosus), die Hausplattbauchspinne (Urozelotes rusticus) oder Vertreter der Mausspinnen (Scotophaeus) sind synanthrop und dringen insbesondere in den Abend- und Nachtstunden in Wohnungen, Keller oder Gebäude ein. Ein spezifisches Schadbild im Sinne von Material- oder Pflanzenschäden existiert nicht, da sich die Tiere ausschließlich zoophag von anderen Gliederfüßern ernähren.1 Medizinische Relevanz durch Giftewirkungen oder allergische Reaktionen ist für die in Mitteleuropa auftretenden Arten nicht belegt, zudem fehlen in der wissenschaftlichen Literatur konkrete Falldaten zu medizinischen Notfällen durch Gnaphosidae. Als Früherkennung eines lokalen Vorkommens dienen die röhrenförmigen Wohngespinste, die tagsüber bevorzugt unter Steinen, in Holzstapeln oder in geschützten wandnahen Winkeln angelegt werden. Vorbeugende bauliche Maßnahmen beschränken sich auf das Abdichten von Türen, Fenstern und Spalten im Mauerwerk, um ein Einwandern aus dem Außenbereich zu verhindern. Da es sich um nützliche Prädatoren handelt, sind chemische Bekämpfungsmaßnahmen im Regelfall nicht indiziert und weder spezifische Monitoringsysteme noch Integrierte Schädlingsbekämpfungsprogramme für diese Familie etabliert. Belastbare Daten zu spezifischen Bekämpfungsstrategien oder gesetzlichen Quarantänemaßnahmen für Plattbauchspinnen fehlen in der Fachliteratur vollständig.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Plattbauchspinnen
  2. Literaturzusammenfassung: Gnaphosidae