Lexikon-Eintrag

Gemeiner Mistkäfer Geotrupes stercorarius

Gemeiner Mistkäfer (Geotrupes stercorarius), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Käfer (Coleoptera)
Familie
Geotrupidae
Gattung
Geotrupes

Überblick

Einleitung

Der Gemeine Mistkäfer oder Rosskäfer (Geotrupes stercorarius) ist ein Käfer aus der Familie der Mistkäfer (Geotrupidae).1 Die Art ist in Europa und Asien weit verbreitet und kommt nördlich bis Lappland sowie über den Polarkreis vor. Sie besiedelt vor allem Wälder und halboffene Landschaften von der Ebene bis in 2.000 Meter Höhe.12 Von ähnlichen Arten wie Geotrupes spiniger lässt sich die Art am sichersten anhand der gleichmäßig fein behaarten Abdominalsegmente auf der Unterseite unterscheiden.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Entwicklung der Larven bis zur Verpuppung nimmt etwa ein Jahr in Anspruch.1
  • Sowohl adulte Käfer als auch die Larven ernähren sich polyophag von detritiven Substraten.
  • Die Überwinterung erfolgt bei dieser Art sowohl im Stadium des Adultkäfers als auch als Larve.
  • Zu den nachgewiesenen Lebensräumen zählen neben Wäldern und Grünland auch Heidelandschaften sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen.2
  • Exemplare wurden unter anderem durch Lichtfallen-Fänge dokumentiert.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der Gemeine Mistkäfer (Geotrupes stercorarius) ist ein robuster Vertreter der Familie der Mistkäfer (Geotrupidae) und erreicht eine Körperlänge von 16 bis 25 Millimetern. Die Grundfärbung der Oberseite variiert von tiefem Schwarz bis Schwarzblau, während die Unterseite auffällig blau, blauviolett oder blaugrün glänzt. Das glatte Halsschild ist an seiner Basis komplett gerandet und weist an den Seiten jeweils eine charakteristische, punktförmige Delle auf. Die Deckflügel besitzen zwischen der Naht und der Schulterbeule jeweils sieben schwach punktierte Längsstreifen. Im Gegensatz dazu zeigt die ähnliche Art Geotrupes mutator neun Längsstreifen auf den Deckflügeln. Für eine sichere Unterscheidung zum Zahnschenkligen Mistkäfer (Geotrupes spiniger) dient die Behaarung der Unterseite: Bei Geotrupes stercorarius sind die Abdominalsegmente in der Breite gleichmäßig fein behaart, während sie bei Geotrupes spiniger in der Mitte kahl sind. Die Imagines sind durch ihre Stridulationsfähigkeit mit den Hinterhüften gekennzeichnet.1

Porträt

Beschreibung

Geotrupes stercorarius repräsentiert als Gemeiner Mistkäfer oder Rosskäfer eine prägende Art der Familie Geotrupidae, deren wissenschaftlicher Name übersetzt als Erdbohrer und Ausmister gedeutet wird.1 Die Art besiedelt Eurasien von Europa bis nach Asien und dringt nach Norden bis nach Lappland sowie weit über den Polarkreis vor.12 Im natürlichen Lebensraum fällt die Art im abendlichen Dämmerlicht durch ihren tiefen, brummenden Flug knapp über dem Boden auf.1 Historische Aufzeichnungen belegen einen früheren Massenbestand, während heute vor allem in den Mittelgebirgen ein kontinuierliches Rückgangsverhalten der Populationen außerhalb geschlossener Waldgebiete beobachtet wird.2 Morphologisch erreichen die Imagines eine Körperlänge von 16 bis 25 Millimeter und zeigen eine schwarz bis schwarzblaue Färbung der Oberseite sowie eine metallisch blaue, blauviolette bis blaugrüne Unterseite. Das Halsschild ist an der Basis komplett gerandet und besitzt an den Seiten je eine punktförmige Delle, während die Deckflügel jeweils sieben schwach punktierte Längsstreifen zwischen Naht und Schulterbeule aufweisen. Anatomisch besitzen die Tiere die Fähigkeit, mit den Hinterhüften zirpende Geräusche zu erzeugen. Eine sichere Unterscheidung zum ähnlichen Geotrupes spiniger gelingt im Feld und unter dem Mikroskop über die Behaarung der Abdominalsegmente, die bei Geotrupes stercorarius in der Breite gleichmäßig fein ausfallen, während sie bei der Verwandtenart in der Mitte unbewimpert sind. Im Vergleich zu Geotrupes mutator fehlt zudem die Aufteilung in neun Längsstreifen auf den Deckflügeln. Nach der im Frühjahr stattfindenden Paarung legen Männchen und Weibchen gemeinsam einen etwa 40 Zentimeter tiefen Hauptgang mit mehreren Nebengängen an, die in speziellen Brutkammern enden. In diese Kammern tragen die Elterntiere eine Kotpille ein, woraufhin am hinteren Ende jeweils ein einzelnes Ei abgelegt wird. Der Seitengang wird daraufhin mit Kot verfüllt und schließlich mit Lehm verschlossen.1 Aus diesen Eiern schlüpfen die Larven, welche sich von detritivoren Substraten ernähren und nach einer etwa einjährigen Entwicklungszeit schließlich verpuppen.12 Die Art überwintert sowohl im Stadium der Larve als auch als Imago. Ökologisch ist die Art in halboffenen Landschaften sowie großen Waldgebieten als silvikol einzustufen und besiedelt Höhenlagen von der Ebene bis zu 2.000 Meter über Meereshöhe. Auf beweidetem Grünland konzentrieren sich Nachweise häufig auf dicke Dunglagen von Pferden, Kühen und Schafen an Viehtränken.12

Systematik

Name & Einordnung

Der Gemeine Mistkäfer, wissenschaftlich als Geotrupes stercorarius (LINNAEUS 1758) bezeichnet, gehört zur Familie der Mistkäfer (Geotrupidae). Der Gattungsname Geotrupes leitet sich von den griechischen Begriffen gē für „Erde“ und einer latinisierten Form von trypetēs für „Bohrer“ ab, was sich auf die grabende Lebensweise der Tiere bezieht. Das Artepithet stercorarius stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „einer, der ausmistet“, womit die Bindung an Dungbiotope beschrieben wird. Im deutschen Sprachraum ist die Art neben dem Hauptnamen Gemeiner Mistkäfer auch unter dem regional gebräuchlichen Trivialnamen Rosskäfer oder Rossmistkäfer bekannt. Die Erstbeschreibung der Art erfolgte im Jahr 1758 durch Carl von Linné. Belastbare historische Angaben zu früheren Gattungs- oder Familienzuordnungen sowie detaillierte Synonymlisten liegen im vorliegenden Quellenkontext nicht vor.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Geotrupes stercorarius ist eng an die Nutzung und Verarbeitung von Dungsubstraten angepasst. Im Frühjahr erfolgt nach der Paarung das gemeinsame Anlegen eines komplexen Bruttunnels durch Männchen und Weibchen. Dieser Gang erreicht eine Länge von etwa 40 cm und mündet in mehrere Nebengänge mit einzelnen Brutkammern. In diese Kammern tragen die Eltern eine Kotpille ein, in deren Höhlung am hinteren Ende jeweils ein einzelnes Ei abgelegt wird. Nach der Eiablage wird der jeweilige Seitengang vollständig mit Kot gefüllt und mit Lehm verschlossen.1 Die Ernährung der Imagines sowie der detritivoren Larven basiert primär auf Dung, wobei die Art als polyphag gilt und Exkremente von Rindern, Pferden und Schafen nutzt.12 Nach etwa einem Jahr sind die Larven vollständig entwickelt und gehen in das Puppenstadium über.1 Die Überwinterung erfolgt bei dieser Art sowohl im Stadium der Larve als auch als Imago.2 Ausgewachsene Käfer sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, fliegen im Abendlicht knapp über dem Boden und erzeugen bei Störung zirpende Geräusche mit ihren Hinterhüften. Bezüglich der vertikalen Verbreitung besiedelt Geotrupes stercorarius Habitate von der Ebene bis in Höhenlagen von 2.000 m.1

Lebensweise

Verhalten

Der Gemeine Mistkäfer (Geotrupes stercorarius) zeigt eine überwiegend nachtaktive Lebensweise und fliegt am Abend mit einem charakteristischen, lauten Brummton knapp über dem Boden. Zur Fortbewegung nutzen die Tiere neben dem Flug auch ein aktives Laufverhalten, um geeignete Nahrungsressourcen wie Pferde-, Kuh- und Schafskot zu finden. Bei Störungen oder Bedrohungen sind die Käfer in der Lage, mit ihren Hinterhüften zirpende Geräusche (Stridulation) zu erzeugen. Nach der Paarung im Frühjahr graben Männchen und Weibchen gemeinsam einen etwa 40 Zentimeter langen Gang im Erdreich, der in mehreren Nebengängen mit Brutkammern mündet. In diese Kammern wird Kot eingebracht, der als Nahrungsgrundlage für die Nachkommenschaft dient. Am hinteren Ende jeder Bruthöhle wird jeweils ein Ei abgelegt1, wonach der jeweilige Seitengang zunächst mit Kot und abschließend mit Lehm verschlossen wird. Die Larvenentwicklung verläuft im Erdreich und nimmt etwa ein Jahr in Anspruch.1

Lebensweise

Ökologie

Der Gemeine Mistkäfer (Geotrupes stercorarius) nimmt als detritivorer Destruent eine zentrale Rolle im Ökosystem ein, indem er Dung von Säugetieren verwertet. Die polyphagen Imagines und Larven ernähren sich von organischem Substrat, wobei adulte Käfer bevorzugt an Pferde-, Kuh- und Schafskot nachgewiesen werden. Als Habitat bevorzugt die Art halboffene Landschaften, große Waldgebiete sowie beweidetes Grünland und kommt von der Ebene bis in Höhen von 2000 Metern vor. Ökologisch ist die Art zudem an Waldränder und strukturreiche Agrarlandschaften gebunden. Für die Fortpflanzung legen die Elterntiere bis zu 40 Zentimeter lange Gänge im Boden an, in die Kotpillen als Nahrungsgrundlage für die Larven eingebracht werden. Die Entwicklung der Larven bis zur Verpuppung nimmt etwa ein Jahr in Anspruch. Durch diese Grabtätigkeit und den Eintrag von organischem Material in den Boden trägt die Art aktiv zur Bioturbation und zum Nährstoffkreislauf bei. Bestimmte Populationsrückgänge außerhalb von Mittelgebirgen werden mit landschaftlichen Veränderungen in Verbindung gebracht.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Der Gemeine Mistkäfer (Geotrupes stercorarius) besiedelt ein natürliches Verbreitungsgebiet, das sich über Europa und Asien erstreckt.1 Nach aktueller Datenlage reicht das Areal im Norden bis nach Lappland und weit über den Polarkreis hinaus.12 Darüber hinaus wurde die Art in Kanada eingeschleppt.1 In Europa ist das Taxon weit verbreitet, zeigt jedoch in jüngerer Zeit regional unterschiedliche Bestandstrends. So gilt der Rosskäfer in Deutschland und Hessen historisch als häufig, verzeichnet in jüngster Zeit außerhalb der Mittelgebirge jedoch ein kontinuierliches Schwinden der Populationen. Als silvikole Art besiedelt Geotrupes stercorarius bevorzugt halboffene Landschaften und große Waldgebiete. Neben geschlossenen Wäldern umfasst das Habitat auch beweidetes Grünland, wo die Tiere an Pferde-, Kuh- und Schafdung nachgewiesen werden.2 Aggregierte Beobachtungsdaten bestätigen das Vorkommen in den Habitattypen Wald, Grasland, Heidegebiete sowie in der Agrikultur. Dagegen fehlen Nachweise in Dünen, Feuchtgebieten oder urbanen Räumen. Die Vertikalverbreitung reicht von der Ebene bis in eine Höhenstufe von 2.000 m über dem Meeresspiegel.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Oberallgäu, DE-BY, Deutschland

    25.05.2026

  • Glockenbuckel von Viernheim, 68519 Viernheim, Deutschland

    23.05.2026

  • Naturpark Hohes Venn – Eifel, Schleiden, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

    20.05.2026

  • Arnsberg, Zum Gerichtsberg, 59821 Arnsberg, Deutschland

    16.04.2026

  • Wahner Heide, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

    15.03.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

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Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 28.09.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Der Gemeine Mistkäfer (Geotrupes stercorarius) zeigt eine ausgeprägte saisonale Aktivität, die stark mit den Klimabedingungen und der Fortpflanzungsperiode verknüpft ist. Die adulten Käfer sind vor allem in den wärmeren Monaten aktiv und fliegen am Abend mit einem deutlichen Brummton knapp über dem Boden. Nach Datenlage erstreckt sich die Aktivitäts- und Beobachtungsphase über das Frühjahr und den Sommer, wobei Imagines beispielsweise im Mai und bis in den Juli hinein nachgewiesen wurden. Im Jahresverlauf zeigt sich ein erhöhtes öffentliches und dokumentiertes Interesse an der Art vor allem in den Monaten August und Oktober. Bezüglich der Fortpflanzung graben Männchen und Weibchen im Frühjahr nach der Paarung einen etwa 40 Zentimeter langen Gang. In den angelegten Brutkammern verläuft die Entwicklung der Nachkommen über einen längeren Zeitraum; so sind die Larven erst nach etwa einem Jahr ausgewachsen und verpuppen sich anschließend.1 Hinsichtlich der Überwinterung überstehen sowohl die Imagines als auch die Larven die kalte Jahreszeit, was durch entsprechende Einträge belegt ist. Die Art weist zudem eine nachtaktive Lebensweise auf (Diurnality: nocturnal).2

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Der Gemeine Mistkäfer (Geotrupes stercorarius) ist ein ökologisch wertvoller Nützling. Durch seine Ernährungsweise als Detritivore trägt die Art maßgeblich zum Abbau von Dung auf beweidetem Grünland und in Waldgebieten bei. Die Tiere werden gelegentlich in Lichtfallen registriert oder direkt an Exkrementen von Pferden, Kühen und Schafen nachgewiesen. Populationen der Art sind in jüngster Zeit außerhalb der Mittelgebirge kontinuierlich rückläufig.

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Positive wirtschaftliche Aspekte ergeben sich indirekt durch seine Lebensweise als Detritivore, indem die Art Dung von Nutztieren abbaut und in den Boden einbringt. Auf beweidetem Grünland und in halboffenen Landschaften trägt der Käfer somit zur natürlichen Bodenbelüftung und zum Nährstoffkreislauf bei.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Gemeiner_Mistk%C3%A4fer
  2. gbif.org/species/4994132