- Der Körper des Gewöhnlichen Flohkrebses ist dreigeteilt und besteht aus dem Cephalothorax, dem Peraeon mit sieben Thorakalsegmenten sowie dem Hinterleib (Pleon).
- Die Hüften der ersten vier Peraeopodenpaare sind zu abgeflachten Coxalplatten verbreitert, wodurch das Peraeon in der Seitenansicht zweigeteilt wirkt.
- Am vorderen Abschnitt des Pleons, dem Pleosom, befinden sich die als Pleopoden bezeichneten Schwimmbeine, während die seitlichen Segmentränder als plattenartige Epimeren herabgezogen sind.
- Der hintere Teil des Pleons (Urosom) trägt drei Paar Uropoden als Spaltbeine und schließt mit einem zugespitzten Telson ab.
- Den ersten Antennen sitzt am dreisegmentigen Stiel eine fünfgliedrige Nebengeißel auf.
- Die zweiten Antennen bestehen aus zwei Basisgliedern, einem dreigliedrigen Endteil sowie einer 16-gliedrigen Geißel.
- Hinter den Fühlerpaaren befindet sich jeweils ein nierenförmiges Komplexauge.
- Die Mandibeln besitzen ein als Molar ausgebildetes, zangenförmiges Beißwerkzeug sowie einen aus dem Endopoden gebildeten Palpus.
- Die ersten beiden Peraeopodenpaare (Gnathopoden) fungieren als scherenförmige Greifwerkzeuge aus einem massiven Propodus und einem fingerförmigen Dactylus.3
Bachflohkrebs Gammarus pulex
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Höhere Krebse (Malacostraca)
- Ordnung
- Amphipoda
- Familie
- Gammaridae
- Gattung
- Gammarus
- Art
- Gammarus pulex
Wissenschaftlicher Name Gammarus pulex (Linnaeus, 1758)
Überblick
Einleitung
Der Gewöhnliche Flohkrebs (Gammarus pulex) ist ein in Europa und Zentralasien beheimateter Süßwasserkrebs, der zur Ordnung der Flohkrebse (Amphipoda) gehört. Seine Verbreitungsschwerpunkte liegen in Fließgewässern des Tieflands, wo er als ökologisch wichtiger Zerkleinerer von Falllaub fungiert. Früher meist als Bachflohkrebs bezeichnet, wird dieser Trivialname heute vor allem für die ähnliche Art Gammarus fossarum verwendet.1
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Bachflohkrebs Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Der Körper von Gammarus pulex ist seitlich abgeflacht und in Ruhelage bauchseitig halbkreisförmig eingekrümmt. Adulte Männchen erreichen eine Körperlänge von bis zu 2,1 cm, während Weibchen höchstens 1,4 cm lang werden. Die Grundfärbung variiert von weißlich-gelb über ocker und grau bis hin zu grünlich. Der Kopf trägt zwei Paar Antennen, wobei die ersten Antennen etwa die halbe Körperlänge erreichen und eine 23-gliedrige Geißel besitzen. Die zweiten Antennen sind kürzer, und bei den Männchen ist deren Geißelglied merklich verdickt sowie auf der Unterseite lang zweireihig beborstet. Hinter den Fühlerpaaren befindet sich ein nierenförmiges Komplexauge. Die ersten beiden Peraeopodenpaare sind als subchelate Gnathopoden ausgebildet und dienen als scherenförmige Greifwerkzeuge. An der Basis des zweiten bis sechsten Peraeopoden sitzen innen fünf Paar plattenförmige Kiemen sowie bei Weibchen zusätzlich lange Oostegite, die ein Marsupium bilden. Das Pleon schließt mit drei Paar Spaltbeinen als Uropoden ab, wobei der Innenast des dritten Uropoden mehr als halb so lang ist wie der Außenast. Von der ähnlichen Art Gammarus fossarum unterscheidet sich Gammarus pulex durch den längeren Innenast am dritten Uropoden und die spezifische Beborstung der zweiten Männchen-Antennen. Gegenüber dem Seeflohkrebs Gammarus lacustris trennt ihn ebenfalls die ausgeprägte bürstenartige Beborstung des Männchen-Flagellums.1
Porträt
Beschreibung
Der Gewöhnliche Flohkrebs (Gammarus pulex) ist eine in Europa und Zentralasien beheimatete, euryöke Süßwasserart aus der Ordnung der Amphipoda. Ursprünglich von Carl von Linné als Cancer pulex beschrieben, dient er heute als Typusart der Gattung Gammarus. Im natürlichen Lebensraum zeigt die Art ein typisches, seitlich abgeflachtes Erscheinungsbild, wobei die Färbung von weißlich-gelb über ocker und grau bis grünlich variiert. In Ruhelage ist der Körper fast halbkreisförmig bauchseitig eingekrümmt, während die Fortbewegung kriechend in Seitenlage oder schwimmend in Normallage erfolgt. Anatomisch ist der Körper in Cephalothorax, Peraeon und Pleon gegliedert, wobei die Coxalplatten der ersten vier Beinpaare das Peraeon in der Seitenansicht verbreitert erscheinen lassen. Unter dem Mikroskop lassen sich artspezifische Merkmale wie die borstenartigen, verbreiterten Geißelglieder der zweiten Männchen-Antennen oder der mehr als halb so lange Innenast am dritten Uropoden im Vergleich zu Gammarus fossarum erkennen. Als besondere anatomische Anpassung dienen fünf Paare plattenförmiger Kiemen (Branchiae) an der Basis der Peraeopoden der Sauerstoffaufnahme, welche durch das unaufhörliche Schlagen der Pleopoden mit Atemwasser versorgt werden. Weibliche Individuen besitzen an denselben Segmenten Oostegite, die ein ventrales Marsupium zur Brutpflege abgrenzen. Adulte Männchen erreichen eine maximale Länge von 2,1 cm, während Weibchen höchstens 1,4 cm groß werden. Die Entwicklung verläuft über Eier, aus denen nach 20 bis 23 Tagen etwa 1,6 bis 1,8 mm lange Jungtiere schlüpfen, die vom Weibchen noch rund zwei Tage im Brutraum getragen werden. Die Geschlechtsreife wird je nach Wassertemperatur nach 11 Wochen bei 20 °C bis 52 Wochen bei 5 °C erreicht. Während Männchen durch den ständigen Lebenslang-Häutungsprozess kontinuierlich wachsen, ist die Art auf kalkhaltige Gewässer angewiesen, da die abgestoßene Kutikula Kalkeinlagerungen aufweist. Im Vergleich zur Schwesterart Gammarus fossarum bevorzugt Gammarus pulex wärmere Gewässer mit geringerer Strömung und weist eine höhere Toleranz gegenüber Sauerstoffdefiziten auf. Aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber anthropogener Gewässerversauerung und toxischen Substanzen wird die Art zudem als Bioindikator in der Trinkwassergüteüberwachung eingesetzt.1
Systematik
Name & Einordnung
Der Gewöhnliche Flohkrebs (Gammarus pulex) wurde im Jahr 1758 von Carl von Linné wissenschaftlich beschrieben und ursprünglich als Cancer pulex eingeordnet. Er gilt heute als Typusart der Gattung Gammarus.1 Der gültige wissenschaftliche Name lautet Gammarus pulex (Linnaeus, 1758).2 Als ein historisches, heute ungültiges Junior-Synonym ist Rivulogammarus pulex bekannt.1 Der Gattungsname Gammarus leitet sich vom lateinischen gammarus (bzw. cammarus) ab, welches auf das griechische κάμμαρος (kammaros) für „Meerkrebs“ oder „Hummer“ zurückgeht. Der Artname pulex stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Floh“. Im deutschen Sprachraum wurde die Art historisch oft als Bachflohkrebs bezeichnet, wobei dieser Trivialname heute im deutschen Raum meist für die nah verwandte Art Gammarus fossarum verwendet wird.1 Als englischsprachige Trivialnamen sind unter anderem Bezeichnungen wie freshwater shrimp gebräuchlich. Unterirdisch lebende Populationen wurden zudem als eigene Unterart Gammarus pulex cognominis Karaman & Pinkster, 1977 beschrieben.1
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Die Fortpflanzung von Gammarus pulex wird durch Pheromone eingeleitet, wobei Weibchen ausschließlich unmittelbar nach einer Häutung befruchtungsfähig sind. Um diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen, klammern sich Männchen tagelang vor der Häutung an den Rücken des Weibchens. Die eigentliche externe Befruchtung findet im Anschluss statt, wobei das Weibchen 6 bis maximal etwa 30 Eier in sein ventrales Marsupium abgibt. Die Gelegegröße korreliert direkt mit der Körpergröße und damit dem Alter des Weibchens. Pro Jahr können bis zu drei Reproduktionszyklen durchlaufen werden. Die Embryonalentwicklung dauert je nach Wassertemperatur unterschiedlich lang, wobei Jungtiere nach 20 bis 23 Tagen schlüpfen und mit einer Länge von 1,6 bis 1,8 mm das Marsupium nach weiteren zwei Tagen verlassen. Die Geschlechtsreife wird stark temperaturabhängig nach 11 Wochen bei 20 °C beziehungsweise nach 52 Wochen bei 5 °C erreicht. Adulte Individuen können ein maximales Alter von zwei Jahren erreichen und in dieser Zeit fünf bis sechs Bruten erzeugen, wobei die meisten Tiere im Freiland nicht älter als etwa ein Jahr werden. Das Artenspektrum der Nahrung ist omnivor, wobei ins Wasser gefallenes Falllaub als Shredder den Hauptnahrungsbestandteil bildet; bevorzugt werden Blätter von Erle, Pappel und Weide mit geringem Tannin- und Lignin-Gehalt sowie hoher Pilzbesiedlung. Ergänzend fressen die Tiere Algen, Biofilme, Makrophyten, Aas sowie als opportunistische Räuber kleine Insektenlarven und andere Flohkrebse. Für den lebenslangen Häutungsrhythmus benötigt die Art aufgrund der kalkhaltigen Kutikula große Mengen Calcium. Die Mortalität steigt bereits bei mäßig sauren Gewässern ab pH-Werten von 6,0 stark an, weshalb die Art in sauren Moorgewässern gänzlich fehlt.1
Lebensweise
Verhalten
Der Gewöhnliche Flohkrebs (Gammarus pulex) bewegt sich in Ruhelage halbkreisförmig bauchseitig eingekrümmt und kriechend in Seitenlage fort, während beim Schwimmen die normale Lage mit der Rückenseite nach oben eingenommen wird. Das unaufhörliche Schlagen der Pleopoden bewirkt dabei neben der Versorgung der Kiemen mit Atemwasser einen rückwärts gerichteten Wasserstrom, wodurch diese Extremitäten zusätzlich als Schwimmbeine eingesetzt werden. Als omnivore Opportunisten ernähren sie sich primär als Shredder von Falllaub, betätigen sich jedoch auch als Räuber von kleineren Wirbellosen wie Eintagsfliegen- oder Mückenlarven sowie als Aasfresser. Darüber hinaus zeigen die Tiere kannibalisches Verhalten, bei dem neben kleinen Jungtieren vor allem frisch gehäutete Artgenossen überwältigt werden. Die Geschlechterfindung basiert auf Pheromonen, die vom Weibchen abgegeben und vom Männchen mit den Antennen wahrgenommen werden. Um die direkt nach einer Häutung stattfindende Befruchtung zu sichern, klammern sich größere Männchen mit ihren ersten Gnathopoden am Rücken der Weibchen fest und bewachen diese als präkopulatorisches Paar über Wochen hinweg. Für die eigentliche Kopulation lässt das Männchen kurzzeitig los, schwimmt zur Bauchseite des Weibchens und gibt seine Spermien ab, woraufhin die Eier in die Bruttasche abgelegt werden.1
Lebensweise
Ökologie
Gammarus pulex nimmt als euryöker Destruent eine zentrale Rolle im aquatischen Nahrungsnetz mitteleuropäischer Fließgewässer ein. Als dominanter Shredder zerkleinert die Art ins Wasser gefallenes Laub und schließt dessen Gewebe auf, wobei partiell zersetzte Blätter mit hoher Pilzbiomasse bevorzugt werden. Neben dieser pflanzlichen Nahrungsbasis ernährt sich die Art omnivor durch das Abweiden von Biofilmen, den Verzehr höherer Wasserpflanzen sowie als opportunistischer Räuber von Kleintieren wie Eintagsfliegen- und Mückenlarven. Auch Kannibalismus und das Erbeuten von Wasserasseln kommen vor, wodurch andere Arten verdrängt werden können. Das tatsächliche Vorkommen innerhalb des Verbreitungsgebiets wird maßgeblich durch Konkurrenzbeziehungen mit anderen Flohkrebsarten wie Gammarus fossarum, Gammarus tigrinus oder Dikerogammarus villosus limitiert. Gegenüber Gammarus fossarum erweist sich Gammarus pulex in langsamer durchströmten Mikrohabitaten sowie bei geringeren Sauerstoffdefiziten als konkurrenzüberlegen. Die Art besiedelt bevorzugt die Mittel- und Unterläufe von Bächen und erreicht in optimalen Gewässern Besiedlungsdichten von bis zu 10.000 Individuen pro Quadratmeter. Als strömungsliebender (rheophiler) Organismus ist Gammarus pulex sehr empfindlich gegenüber anthropogener Gewässerversauerung, weshalb sie in moderat sauren Gewässern mit pH-Werten von 6,0 eine ansteigende Mortalität zeigt und in nativ sauren Gewässern wie Mooren gänzlich fehlt.1
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Gammarus pulex ist in weiten Teilen Europas sowie im nördlichen Asien beheimatet und besiedelt dort ein Areal, das sich im Süden bis in die Türkei und im Osten bis nach China erstreckt. Das natürliche Verbreitungsgebiet weist jedoch deutliche Lücken auf, da die Art in Teilen Südwesteuropas wie Spanien durch Echinogammarus berilloni und in Italien südlich der Alpen durch Gammarus italicus ersetzt wird. Außerhalb des natürlichen Areals wurde die Art durch den Menschen unter anderem nach Irland eingeschleppt, wo sie endemische Populationen von Gammarus duebeni verdrängt. In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt von Gammarus pulex im Tiefland, wo die Art flächendeckend in Quellgebieten und Bächen vorkommt. Oberhalb von etwa 400 bis 450 m Meereshöhe wird sie in deutschen Mittelgebirgen und den Alpenländern meist durch ihre Schwesterart Gammarus fossarum abgelöst. In südlicheren Regionen des Verbreitungsgebietes wie dem französischen Zentralmassiv kann die Art hingegen bis in Höhenlagen von über 1000 m vordringen. Im Flachland existieren häufig auch Mischpopulationen, in denen beide Arten denselben Lebensraum besiedeln. Als limnischer Organismus besiedelt Gammarus pulex sowohl stehende Gewässer, zeigt jedoch eine klare Präferenz für Fließgewässer. Innerhalb von Fließgewässern ist die Art in den Mittel- und Unterläufen von Bächen (Meta- und Hyporhithral) am häufigsten anzutreffen. Bei flächendeckenden Untersuchungen von Fließgewässern wird die Art regelmäßig als eines der dominanten Makrozoobenthos-Taxa nachgewiesen. In optimalen Habitaten erreicht Gammarus pulex Besiedlungsdichten von bis zu 10.000 Individuen pro Quadratmeter, während Dichten von einigen Hundert Tieren als typisch gelten. Als präferiertes Mikrohabitat dienen zusammengespülte Laubpackungen, die den Tieren als Nahrungsquelle und Aufenthaltsraum zugleich dienen. Die chemische Beschaffenheit des Wassers limitiert das Vorkommen stark, da die Art äußerst empfindlich auf anthropogene Gewässerversauerung reagiert. Bereits moderate pH-Werte von 6,0 führen zu erhöhter Mortalität und verringertem Wachstum, weshalb Gammarus pulex in kalkreichen Gewässern häufig ist und in saure Moorgewässern vollständig fehlt.1
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Die Aktivität und Fortpflanzung von Gammarus pulex unterliegen einem jahreszeitlichen Rhythmus, der maßgeblich von der Wassertemperatur gesteuert wird. Die Fortpflanzungsperiode ist ausgedehnt, jedoch im Winter zwischen Oktober beziehungsweise November und März weitgehend eingestellt.1 Eiertragende Weibchen treten in dieser keren Jahreszeit nur ausnahmsweise auf, und es werden keine Paarbzw. Amplexus-Stadien gebildet. Im Frühjahr setzt mit steigenden Temperaturen die reproduktive Phase wieder ein. Die Entwicklung der Eier im Marsupium dauert etwa 20 bis 23 Tage. Nach dem Schlupf verbleiben die Jungtiere noch etwa zwei Tage bei dem Weibchen, bevor sie ins freie Wasser entlassen werden. Die Dauer bis zum Erreichen der Geschlechtsreife ist stark temperaturabhängig und variiert zwischen 11 Wochen bei 20 °C und 52 Wochen bei 5 °C. Pro Jahr sind unter optimalen Bedingungen bis zu drei Reproduktionszyklen möglich, wobei die Art in südlicheren Populationen teilweise auf eine Hauptperiode im Frühjahr beschränkt ist. Adulte Individuen können ein Lebensalter von bis zu zwei Jahren erreichen und in dieser Zeit fünf bis sechs Bruten erzeugen, während die Mehrheit der Population eine Lebensdauer von etwa einem Jahr aufweist. Die Tiere häuten sich lebenslang in Abständen von Tagen bis wenigen Wochen.1 Begleitend zu diesen biologischen Aktivitätsmustern zeigt das öffentliche Interesse in Mitteleuropa jährliche Peaks im Frühjahr und Frühsommer, insbesondere in den Monaten April und Juni.2
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Gammarus pulex ist als heimischer Süßwasserkrebs weder ein klassischer Schädling noch ein Lästling, sondern erfüllt als ökologisch wichtiger Zersetzer (Shredder) eine zentrale Funktion in Fließgewässern. Ein spezifisches Schadpotenzial im Sinne eines Material- oder Vorratsschädst besteht nicht, jedoch kann die Art in künstlichen Wassersystemen als technischer Indikator relevant werden. Medizinische oder gesundheitliche Relevanzen wie Allergien oder Vektoreigenschaften sind für Gammarus pulex nicht bekannt. Befallsanzeichen an Gebäuden oder im Wohnbereich treten nicht auf, da die Art strikt an aquatische Habitate gebunden ist. Präventionsmaßnahmen im Sinne einer klassischen Schädlingsbekämpfung sind daher weder erforderlich noch vorgesehen. Als Monitoring-Methode wird die Art aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber Gewässerveränderungen und toxischen Stoffen als biologischer Indikator in der Trinkwasserüberwachung eingesetzt. Dabei werden lebende Individuen in Durchflusskammern von Wasserwerken gehalten, um toxische Belastungen im Rohwasser durch registrierte Verhaltensänderungen frühzeitig zu erkennen.1 Spezifische Bekämpfungsmaßnahmen, chemische Mittel oder integrierte Bekonzepte (IPM) existieren für Gammarus pulex nicht, da die Tiere im natürlichen Ökosystem als Makrozoobenthos geschützt bzw. integraler Bestandteil sind. Rechtliche Aspekte wie Quarantänevorschriften oder Meldepflichten greifen bei dieser heimischen Art nicht. Belastbare Daten zu direkten Schadwirkungen in anthropogenen Systemen fehlen.1
Praxiswissen
Wirtschaftliche Bedeutung
Belastbare Daten zu wirtschaftlichen Schäden durch Gammarus pulex fehlen. Die Art tritt weder als Forst- noch als Agrarschädling oder Materialschädling in Erscheinung. Positive wirtschaftliche Aspekte zeigen sich im Bereich der technischen Gewässerüberwachung, wo Gammarus pulex als Bioindikator zur kontinuierlichen Kontrolle der Trinkwassergüte eingesetzt wird. Im Zwischenpumpwerk Kleistpark der Berliner Wasserbetriebe werden die Tiere in Testkammern gehalten, um durch sensorgestützte Verhaltensüberwachung frühzeitig Alarm bei Belastungen auszulösen. Damit erfüllen sie eine wirtschaftlich relevante Funktion als lebende Sensoren, die traditionelle Testorganismen wie das Moderlieschen ersetzt haben. Weitere kommerzielle Nutzungen oder quantifizierte wirtschaftliche Effekte sind für die Art nicht dokumentiert.1
Nachweise
Quellen & Referenzen
- de.wikipedia.org/wiki/Gew%C3%B6hnlicher_Flohkrebs
- gbif.org/species/2219853
- Literaturzusammenfassung: Gammarus pulex