Lexikon-Eintrag

Italienischer Skorpion Euscorpius italicus

Italienischer Skorpion (Euscorpius italicus), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung
Scorpiones
Familie
Euscorpiidae
Gattung
Euscorpius

Überblick

Einleitung

Der Italienische Skorpion (Euscorpius italicus) ist eine Skorpionart aus der Familie der Euscorpiidae und mit einer Länge von bis zu 50 mm die größte Vertreterin ihrer Gattung. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Südosten Frankreichs über den Mittelmeerraum bis zur Schwarzmeerküste. Als ausgeprägter Kulturfolger besiedelt die Art bevorzugt menschliche Siedlungsräume und Steinmauern. Die Stiche des Italienischen Skorpions sind für den Menschen weitgehend harmlos und in ihrer Wirkung mit denen von Bienen oder Wespen vergleichbar.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Unterseite der Pedipalpenhand (Chela manus) von Euscorpius italicus weist meist 8 bis 10 (insgesamt 7 bis 12) Trichobothrien auf.
  • An der Unterseite der Pedipalpenpatella besitzt die Art meist 12 bis 13 Trichobothrien, während sich an deren Außenseite 30 bis 41 Trichobothrien befinden.
  • Die Trichobothriengruppe „em“ an der Außenseite der Pedipalpenpatella setzt sich in der Regel aus 5 Trichobothrien zusammen, und die Gruppe „esba“ ist fast immer ausgebildet.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Euscorpius italicus ist mit einer Maximallänge von bis zu 50 mm die größte Art innerhalb der Gattung Euscorpius, bleibt im Mittel jedoch meist kleiner. Schweizer Populationen zeigen eine Gesamtlänge zwischen 29,2 und 49,4 mm, wobei Männchen im Mittel 37,3 mm und Weibchen 38,6 mm erreichen. Die Grundfärbung der Tiere ist insgesamt dunkel rötlich braun bis blauschwarz. Bauchseite und Telson heben sich davon ab und sind etwas heller gefärbt. Morphologisch lässt sich die Art gemeinsam mit Euscorpius naupliensis durch eine erhöhte Anzahl von Trichobothrien an den Pedipalpen von anderen Arten abgrenzen. An der Unterseite der Pedipalpenhand (Chela manus) besitzt Euscorpius italicus 7–12, meist 8–10 Trichobothrien. Die Unterseite der Pedipalpenpatella weist meist 12–13 Trichobothrien auf, while an deren Außenseite 30–41 Trichobothrien vorkommen. Die Trichobothriengruppe „em“ an der Außenseite der Patella besteht meist aus 5 Trichobothrien und die Gruppe „esba“ ist fast immer ausgebildet. Zur genauen Unterscheidung von Euscorpius naupliensis dienen vor allem die feinen Unterschiede in diesen Trichobothrienanzahlen, da beide Arten morphologisch ansonsten sehr ähnlich sind.1 Belastbare morphologische Beschreibungen zu Larvenstadien, Eiern oder dem Sexualdimorphismus außerhalb der genannten Maße liegen aus den Quellen nicht vor.

Porträt

Beschreibung

Euscorpius italicus stellt mit einer maximalen Körperlänge von bis zu 50 mm die größte Art innerhalb der Gattung Euscorpius dar, wobei Individuen im Mittel deutlich kompakter bleiben. Schweizer Populationen zeigten Gesamtlängen zwischen 29,2 mm und 49,4 mm, wobei Männchen im Mittel 37,3 mm und Weibchen 38,6 mm erreichten. Die Grundfärbung der Tiere variiert von dunkel rötlich braun bis blauschwarz, während die Bauchseite und das Telson kontrastierend heller gefärbt sind. Als ausgeprägter Kulturfolger besiedelt die Art vorwiegend menschliche Siedlungsräume wie alte Begrenzungs- und Hausmauern oder terrassierte Weinberge. Natürliche Habitate abseits anthropogener Strukturen beschränken sich auf gebirgsartige Hügelketten in den italienischen Regionen Toskana und Latium. Systematisch wird die Art gemeinsam mit Euscorpius naupliensis in die Untergattung Polytrichobothrius gestellt. Beide Arten unterscheiden sich morphologisch durch spezifische Chaetotaxie-Merkmale an den Pedipalpen. So weist Euscorpius italicus 7–12, meist 8–10 Trichobothrien an der Unterseite der Pedipalpenhand (Chela manus) auf. An der Unterseite der Pedipalpenpatella besitzt die Art meist 12–13 und an deren Außenseite 30–41 Trichobothrien. Die Trichobothriengruppe „em“ an der Außenseite der Patella setzt sich in der Regel aus 5 Trichobothrien zusammen, und die Gruppe „esba“ ist fast immer ausgebildet. Unter dem Mikroskop lassen sich diese feinen Sinneshaare als wesentliche Differenzierungsmerkmale zu nah verwandten Taxa heranziehen. Als vivipare Art bringen die Weibchen voll entwickelte Jungtiere zur Welt, wobei die Tragzeit 11 bis 11,5 Monate beträgt. Paarungen und das Erscheinen von Weibchen mit Jungtieren wurden im Freiland bislang ausschließlich in den Monaten August und September beobachtet. Die Anzahl der Nachkommen pro Weibchen liegt nach Laborbefunden an trächtigen Wildfängen zwischen 9 und 62 Jungtieren. Unmittelbar nach der Geburt reißen die Jungen ihre Embryonalhaut auf und klettern auf den Rücken der Mutter. Nach 6 bis 7 Tagen erfolgt die erste Häutung, mit deren Abschluss die jungen Skorpione den maternalen Rücken verlassen. Männchen durchlaufen in Gefangenschaft 5–6 und Weibchen 6–7 Häutungen bis zum Erreichen der Geschlechtsreife. Daraus resultiert nach Braunwalder im Freiland ein Mindestalter bei Geschlechtsreife von 2–3 Jahren für Männchen beziehungsweise 2,5–4 Jahren für Weibchen. Die normale Lebenserwartung beider Geschlechter liegt zwischen 4 und 8 Jahren, wobei ein Laborweibchen ein Alter von mehr als 10 Jahren erreichte. Belastbare Freilanddaten zu natürlichen Feinden oder Parasiten von Euscorpius italicus fehlen bisher vollständig.1

Systematik

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name des Italienischen Skorpions ist Euscorpius italicus. Die Art gehört zur Familie der Euscorpiidae und wird innerhalb der Gattung Euscorpius gemeinsam mit Euscorpius naupliensis in die Untergattung Polytrichobothrius gestellt. Euscorpius naupliensis wurde erst im Jahr 2002 aufgrund morphologischer und genetischer Unterschiede von Euscorpius italicus abgetrennt. Als deutscher Trivialname ist der Italienische Skorpion etabliert. Belastbare historische Details zur Erstbeschreibung, zur genauen Etymologie des Gattungs- und Artnamens sowie zu Synonymen oder früheren Kombinationen fehlen in der aktuellen Datenlage.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Biologie und der Lebenszyklus von Euscorpius italicus sind stark an anthropogen veränderte Habitate angepasst. Als Nahrung dienen den Tieren Gliederfüßer jeder passenden Größe, wobei im Freiland als Beute unter anderem die Rollassel Armadillidium vulgare, Hundertfüßer der Gattungen Cryptops und Scutigera, der Gemeine Ohrwurm (Forficula auricularia), Feldgrillen (Gryllus campestris), die Waldgrille (Nemobius sylvestris), verschiedene Nachtfalter und Webspinnen nachgewiesen sind. Paarungen finden im Freiland offenbar ausschließlich in den Monaten August und September statt. Euscorpius italicus ist wie alle Skorpione lebendgebärend (vivipar), wobei die Tragzeit 11 bis 11,5 Monate dauert. Demnach bekommen die Weibchen wohl nur einmal im Jahr Junge. Die Anzahl der Jungtiere je Weibchen liegt nach Laborbeobachtungen an trächtigen Wildfängen zwischen 9 und 62. Direkt nach der Geburt reißen die Jungtiere ihre Embryonalhaut auf und klettern auf den Rücken der Mutter. Wie bei Skorpionen üblich, verlassen die jungen Skorpione ihre Mutter nach der ersten Häutung. Diese erste Häutung erfolgt bei Euscorpius italicus nach 6 bis 7 Tagen. Nach Gefangenschaftsbeobachtungen benötigen Männchen 5 bis 6 Häutungen bis zur Geschlechtsreife. Weibchen durchlaufen im selben Zeitraum 6 bis 7 Häutungen.1 Im Freiland erreichen die Tiere nach diesen Häutungen voraussichtlich ein Alter von mindestens 2 bis 3 Jahren bei Männchen bzw. 2,5 bis 4 Jahren bei Weibchen. Beide Geschlechter haben im Normalfall eine Lebenserwartung von 4 bis 8 Jahren. Unter Laborbedingungen wurde für ein Weibchen eine noch längere Überlebensdauer von 10 Jahren dokumentiert. Angaben zu natürlichen Feinden oder Parasiten von Euscorpius italicus liegen aus dem Freiland bisher nicht vor.1

Lebensweise

Verhalten

Euscorpius italicus zeigt eine ausgeprägte Bindung an den menschlichen Siedlungsraum und wird als ausgesprochener Kulturfolger eingestuft. Die Art wird fast ausnahmslos an alten Begrenzungs- oder Hausmauern sowie in stark veränderten Lebensräumen wie terrassierten Weinbergen angetroffen. Vorkommen an natürlichen Standorten beschränken sich auf gebirgsartige Hügelketten in der Toskana und in Latium. Als Beute dienen Gliederfüßer jeglicher passender Größe, wobei im Freiland unter anderem Rollasseln, Hundertfüßer, Ohrwürmer, Grillen, Nachtfalter und Webspinnen nachgewiesen sind. Die Fortpflanzung findet offenbar im Zeitraum von August und September statt, in dem auch Weibchen mit Jungtieren im Freiland beobachtet wurden. Die Art ist lebendgebärend, wobei die Jungen direkt nach der Geburt auf den Rücken der Mutter klettern. Eine Wurfgröße umfasst je nach Datenlage aus Laboraufzuchten trächtiger Wildfänge 9 bis 62 Jungtiere. Die Jungtiere verlassen die Mutter nach ihrer ersten Häutung, welche nach 6 bis 7 Tagen stattfindet.1

Lebensweise

Ökologie

Euscorpius italicus besetzt als räuberischer Gliederfüßer eine spezifische ökologische Nische als opportunistischer Beutegreifer. Das Nahrungsspektrum umfasst Gliederfüßer passender Größe im Freiland, darunter die Rollassel Armadillidium vulgare, Hundertfüßer der Gattungen Cryptops und Scutigera, den Gemeinen Ohrwurm (Forficula auricularia), Feldgrillen (Gryllus campestris), die Waldgrille (Nemobius sylvestris) sowie diverse Nachtfalter und Webspinnen. Hinsichtlich der Habitatpräferenzen gilt die Art als ausgesprochener Kulturfolger. Sie wird fast ausnahmslos im menschlichen Siedlungsraum an alten Begrenzungs- oder Hausmauern angetroffen. Darüber hinaus besiedelt Euscorpius italicus stark veränderte Lebensräume wie mit Bruchsteinmauern terrassierte Weinberge und Edelkastanienkulturen. Vorkommen an natürlichen Standorten sind extrem selten und beschränken sich auf gebirgsartige Hügelketten in den italienischen Regionen Toskana und Latium. Belastbare Daten zu natürlichen Feinden oder Parasiten aus dem Freiland liegen bisher nicht vor. Als Gefährdungsfaktoren wirken primär anthropogene Eingriffe wie die Zerstörung bevorzugter Trockenmauern durch Baumaßnahmen sowie die Sukzession und Verbuschung trockener und halbtrockener Standorte.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Euscorpius italicus besitzt ein natürliches Areal, das vom Südosten Frankreichs über das Tessin und das Misox in der Schweiz, Nord- und Mittelitalien sowie den westlichen Teil der Balkanhalbinsel bis nach Südwestgriechenland reicht. Davon geografisch getrennt ist zudem fast die gesamte Küste des Schwarzen Meeres in der Türkei, Georgien und Russland besiedelt. Als eingebürgert gelten darüber hinaus Vorkommen in Nordafrika mit Algerien und Marokko sowie im Nahen Osten im Jemen und im Irak. Möglicherweise existieren zudem etablierte Populationen in Rumänien. Die Art gilt als ausgesprochener Kulturfolger und wird aufgrund ihres häufigen Aufenthalts in menschlichen Gebäuden regelmäßig in andere Regionen verschleppt. Innerhalb des DACH-Raumes beschränken sich regelmäßige natürliche Vorkommen auf die Südschweiz. Belastbare Daten zu permanenten, autochthonen Populationen nördlich der Alpen abseits von Verschleppungen fehlen. Die vertikale Verbreitung erstreckt sich überwiegend in niederen bis mittleren Höhenlagen, wobei genaue metrische Höhengrenzen in der Literatur nicht systematisch beziffert sind. In ihrem natürlichen Habitat wird die Art fast ausnahmslos im menschlichen Siedlungsraum an alten Begrenzungs- oder Hausmauern angetroffen. Darüber hinaus besiedelt sie stark vom Menschen veränderte Lebensräume wie mit Bruchsteinmauern terrassierte Weinberge und Edelkastanienkulturen. Vorkommen an völlig natürlichen Standorten sind extrem selten und demnach nur aus gebirgsartigen Hügelketten in den italienischen Regionen Toskana und Latium bekannt.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Reichersdorf Ortsmitte, Landau a.d. Isar, 94405 Landau an der Isar, Deutschland

    28.09.2025

  • Нойдорф-Норд, 47 Дуйсбург, Германия

    20.05.2024

Daten: iNaturalist

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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Weibchen mit Jungtieren sowie Paarungen wurden im Freiland ausschließlich im August und September beobachtet. Daraus resultiert eine jährliche Reproduktionsphase, bei der die Tragzeit 11 bis 11,5 Monate andauert. Die Lebendgeburt der Jungtiere findet demnach im Spätsommer des Folgejahres statt. Nach der Geburt klettern die Jungtiere auf den Rücken der Mutter und verlassen diesen nach der ersten Häutung, welche nach 6 bis 7 Tagen erfolgt. Belastbare Freilanddaten zur exakten Temperaturabhängigkeit der Aktivität oder zu nächtlichen Aktivitätsmustern fehlen jedoch weitgehend. Männchen durchlaufen 5 bis 6 und Weibchen 6 bis 7 Häutungen bis zur Geschlechtsreife. Im Freiland erreichen die Tiere dadurch ein Alter von schätzungsweise mindestens 2 bis 3 Jahren bei Männchen beziehungsweise 2,5 bis 4 Jahren bei Weibchen. Die Lebenserwartung im Normalfall liegt bei 4 bis 8 Jahren.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Euscorpius italicus ist als ausgesprochener Kulturfolger einzustufen, der primär im menschlichen Siedlungsraum und an alten Bauwerken auftritt. Das Schadpotenzial der Art ist gering, da sie weder als Material- oder Vorratsschädling noch als Krankheitsüberträger agiert. Bei unbeabsichtigtem Kontakt kann es zu Stichen kommen, deren medizinische Relevanz jedoch als weitgehend harmlos eingestuft wird. Die lokal auftretende Wirkung eines Stiches ist direkt mit der von Bienen- oder Wespenstichen vergleichbar. Aufgrund ihrer habituellen Bindung an Häuser werden die Tiere regelmäßig passiv in andere, nicht autochthone Regionen verschleppt. Da spezifische Bekämpfungsmaßnahmen, Fallen oder chemische Agenzien in der Fachliteratur für diese Art nicht systematisch belegt sind, beschränkt sich der Umgang auf präventive bauliche Maßnahmen. Um ein Einwandern in Gebäude zu verhindern, sollten Spalten, Durchbrüche und Öffnungen an Außenmauern abgedichtet werden. Belastbare Daten zu spezifischen Monitoring-Methoden oder integrierten Schädlingsbekämpfungskonzepten für Euscorpius italicus fehlen.1

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Zu der wirtschaftlichen Bedeutung von Euscorpius italicus liegen in den vorliegenden Daten keine Belege für nennenswerte Schäden oder positive wirtschaftliche Effekte vor. Die Art wird zwar als ausgesprochener Kulturfolger regelmäßig in Häusern angetroffen und in andere Regionen verschleppt1, verursacht dort jedoch keine materiellen Schäden oder wirtschaftlichen Verluste. Belastbare Daten zu Bekämpfungskosten, Qualitätsminderungen oder Auswirkungen auf spezifische Wirtschaftszweige wie Forstwirtschaft, Lagerhaltung oder Bauwesen fehlen vollständig. Auch eine Rolle als relevanter Nützling in der Landwirtschaft ist bisher nicht systematisch untersucht oder belegt.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Euscorpius_italicus