- Die Chromosomenzahl des Kanadischen Berufkrauts beträgt 2n = 18.
- Die inneren Hüllblätter der Blütenkörbchen sind etwas länger als die äußeren und stehen in zwei bis drei undeutlichen Reihen.
- Jedes Blütenkörbchen enthält neben den Röhrenblüten 25 bis 45 randliche, weißliche oder grünliche Zungenblüten, die gelegentlich einen Violettstich aufweisen und die Hülle nur um etwa 1 Millimeter überragen.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Art im zerbombten Stuttgart nach dem Weißen Gänsefuß die zweithäufigste Trümmerschuttpflanze vor dem Huflattich.
- Die Einwanderungsgeschichte nach Europa wurde 1932 von Kurt Wein erforscht, wobei die Art 1646 erstmals in einem Katalog des Botanischen Gartens in Altdorf bei Nürnberg erwähnt wurde.3
Kanadisches Berufkraut Erigeron canadensis
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Pflanzen (Plantae)
- Stamm
- Tracheophyta
- Klasse
- Magnoliopsida
- Ordnung
- Asterales
- Familie
- Asteraceae
- Gattung
- Erigeron
Überblick
Einleitung
Das Kanadische Berufkraut (Erigeron canadensis, Syn.: Conyza canadensis) ist eine ein- bis zweijährige krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Art stammt ursprünglich aus Nordamerika und hat sich als weltweit verbreiteter Neophyt etabliert. Sie besiedelt als Pionierpflanze vor allem lückige Ruderalstandorte, Brachflächen und Wegränder.1
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Kanadisches Berufkraut Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Das Kanadische Berufkraut (Erigeron canadensis) ist eine ein- bis zweijährige krautige Pflanze, die schlank aufrecht eine Wuchshöhe von 30 bis 100 Zentimetern erreicht. Sie wurzelt mehr als 1 Meter tief im Boden. Der Stängel ist erst im Bereich des Blütenstandes verzweigt. Die Laubblätter stehen dicht und wechselständig am Stängel. Ihre einfache Blattspreite ist linealisch bis linealisch-lanzettlich geformt und weist eine Breite von maximal 1 Zentimeter auf. Die unteren, rosettig stehenden Laubblätter sind etwas breiter, schmal oval oder schmal spatelförmig ausgebildet und häufig grob gezähnt. Sowohl der Stängel als auch die Laubblätter sind locker zottig behaart. In einem rispigen Gesamtblütenstand stehen die sehr zahlreichen Blütenkörbchen, deren Anzahl von über 100 bis zu einigen Tausend variieren kann. Die einzelnen Blütenkörbchen weisen eine Länge von 3 bis 4 Millimeter auf. Ihre unbehaarten Hüllblätter stehen in zwei bis drei undeutlichen Reihen, wobei die inneren etwas länger sind als die äußeren. Jedes Blütenkörbchen enthält 50 bis 65 Blüten. Die zwittrigen Röhrenblüten sind gelblich bis grünlich gefärbt, während die 25 bis 45 randlichen Zungenblüten weißlich oder grünlich, gelegentlich auch mit einem Violettstich versehen sind. Die Zungenblüten sind nur wenige Millimeter lang, mehr oder weniger aufrecht und überragen die Hülle um etwa 1 Millimeter. Bei Reife bildet sich auf den rund 1 Millimeter langen Achänen ein schmutzigweißer Pappus aus einfachen und gezähnten Haaren aus, der eine Länge von 2 bis 3 Millimeter erreicht. Die Chromosomenzahl der Art beträgt 2n = 18.1
Porträt
Beschreibung
Erigeron canadensis ist eine ein- bis zweijährige krautige Pflanze, die als schlank aufrecht wachsende Pionierpflanze eine Wuchshöhe von 30 bis 100 Zentimetern erreicht und über 1 Meter tief wurzelt. Im natürlichen Lebensraum tritt die Art optimal im zweiten und dritten Jahr bei der Wiederbesiedlung von Brachflächen auf und besiedelt lückige Unkrautfluren, Pflasterfugen sowie Schuttplätze. Die Art bildet einen rispigen Gesamtblütenstand mit sehr zahlreichen Blütenkörbchen aus, die eine Länge von 3 bis 4 Millimetern aufweisen. Jedes Körbchen enthält 50 bis 65 Blüten, wobei die gelblich bis grünlichen Röhrenblüten von 25 bis 45 weißlichen oder grünlichen Zungenblüten umgeben sind. Bei Reife entsteht auf den etwa 1 Millimeter langen Achänen ein schmutzigweißer Pappus aus 2 bis 3 Millimeter langen Haaren, der als Schirmchenflieger die windgetragene Ausbreitung ermöglicht. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18. Historisch wurde die Art 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht, während das Artepitheton canadensis auf die Herkunft aus Kanada verweist.1 Ursprünglich in Nordamerika vom südlichen Kanada bis in die USA verbreitet, wurde Erigeron canadensis Mitte des 17. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt und war nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise eine der häufigsten Trümmerschuttpflanzen. Chemisch zeichnet sich die Art durch ätherische Öle aus, in denen Limonen mit einem Anteil von fast 66 % als Hauptbestandteil nachgewiesen wurde. Belastbare Daten zu weiteren spezifischen anatomischen Feinunterteilungen unter dem Mikroskop außerhalb der bekannten morphologischen Merkmale fehlen in der aktuellen Literaturlage.1
Systematik
Name & Einordnung
Das Kanadische Berufkraut ist als Erigeron canadensis L. oder alternativ als Conyza canadensis (L.) Cronquist Teil der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 863. Die Neukombination zu Conyza canadensis wurde 1943 durch Arthur John Cronquist im Bulletin of the Torrey Botanical Club, Volume 70, S. 632 veröffentlicht. Das Artepitheton canadensis leitet sich von der Herkunft aus Kanada ab, wobei im Protolog die Schreibweise canadense verwendet wurde. Zu den bekannten deutschen Trivialnamen zählen neben dem Kanadischen Berufkraut auch Katzenschweif und Weiße Dürrwurz. Historisch wurde die Art zuerst 1646 als Gartenpflanze in einem Katalog des Botanischen Gartens in Altdorf bei Nürnberg durch Ludwig Jungermann erwähnt.
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Das Kanadische Berufkraut (Erigeron canadensis) wächst als ein- bis zweijährige krautige Pionierpflanze, die eine Wuchshöhe von 30 bis 100 cm erreicht und tief über 1 m in den Boden wurzelt. In den Blüten findet vermutlich Selbstbestäubung statt. Die Art bildet sehr zahlreiche Früchte aus, wobei an einem Exemplar im Schnitt um 25.000 und bei stattlichen Pflanzen bis zu 250.000 Früchte gezählt wurden. Jede reife Achäne trägt einen 2 bis 3 mm langen, schmutzigweißen Pappus aus einfachen und gezähnten Haaren. Durch diesen Pappus breiten sich die Diasporen effektiv als Schirmchenflieger mit dem Wind aus. Als wärmeliebende Lichtpflanze besiedelt die Art bevorzugt mäßig stickstoffreiche, sandige Standorte wie Brachen, Wege und Schuttplätze. In Mitteleuropa reicht die Blütezeit von Juli bis Oktober. Varietäten der Art zeigten in den USA eine extreme Resistenz gegenüber Glyphosat, wodurch sie als frühe sogenannte Superweeds bekannt wurden.1 Belastbare Daten zu spezifischen Parasitoiden, Prädatoren oder physiologischen Diapaisemechanismen fehlen in der Literatur weitgehend.
Lebensweise
Ökologie
Das Kanadische Berufkraut (Erigeron canadensis) nimmt als Pionierpflanze eine spezifische ökologische Nische ein und tritt vor allem im zweiten und dritten Jahr bei der Wiederbesiedlung von Brachflächen optimal auf. In den Blüten findet vermutlich Selbstbestäubung statt. Die Art bildet reichlich Früchte aus, wobei bei stattlichen Exemplaren bis zu 250.000 Früchte gezählt wurden, die sich als Schirmchenflieger mit dem Wind ausbreiten. Als wärmeliebende Lichtpflanze gedeiht sie vorzugsweise auf sandigen Böden und mäßig stickstoffreichen Standorten. Sie besiedelt in Mitteleuropa lückige Unkrautfluren, Pflasterfugen, Schuttplätze, Wege, Dämme, Äcker sowie Brachen und tritt zudem auf Schlägen oder Brandflächen des Waldes auf. Nach Ellenberg gilt die Art als Ordnungs-Charakterart der Rauken-Gesellschaften oder annueller Ruderalgesellschaften (Sisymbrietalia), während sie nach Oberdorfer als schwache Charakterart des Conyzo-Lactucetum serriolae aus dem Verband Sisymbrion eingestuft wird.1 Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. (2010) definieren die Art für die Schweiz als frische (Feuchtezahl F = 2+), helle (Lichtzahl L = 4) und auf neutralen bis basischen Böden (Reaktionszahl R = 4) vorkommende Pflanze in kollinen Lagen (Temperaturzahl T = 4). Bezüglich der Nährstoffversorgung zeigt sie eine Präferenz für mäßig nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Verhältnisse (Nährstoffzahl N = 3) bei einer subozeanischen bis subkontinentalen Kontinentalitätszahl (K = 3). Darüber hinaus erlangte die Art Bekanntheit durch Varietäten, die als erste durch extremen Selektionsdruck von Glyphosat in den USA als sogenannte Superweeds im Zusammenhang mit glyphosat-resistenten Sojabohnen entstanden.1
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Erigeron canadensis erstreckt sich von Nordamerika über das südliche Kanada bis in die USA. Inzwischen wurde die Art weltweit verschleppt und ist heute auf zahlreichen Kontinenten als Neophyt etabliert, wobei sie in den Tropen, Subtropen und in der Arktis seltener auftritt.1 Die Einführung nach Europa erfolgte Mitte des 17. Jahrhunderts, als Exemplare zunächst als Gartenpflanzen nach Frankreich und Deutschland gelangten.1 Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich die Art über ganz Mitteleuropa ausgebreitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Erigeron canadensis beispielsweise im zerbombten Stuttgart als zweithäufigste Trümmerschuttpflanze auf.1 Die vertikale Verbreitung reicht global von 76 bis 3250 Metern über dem Meeresspiegel.2 Als wärmeliebende Lichtpflanze besiedelt die Art in Mitteleuropa bevorzugt lückige Unkrautfluren, Pflasterfugen, Schuttplätze, Wege, Dämme, Äcker und Brachen. Sie gedeiht vorzugsweise auf mäßig stickstoffreichen, sandigen Böden sowie in Schlägen oder Brandflächen des Waldes. In Regionen mit rauem Klima fehlt das Kanadische Berufkraut demgemäß. Pflanzensoziologisch tritt die Art in Mitteleuropa als Charakterart der Rauken-Gesellschaften und annueller Ruderalgesellschaften auf.1
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Das Kanadische Berufkraut (Erigeron canadensis) zeigt eine ausgeprägte Saisonalität in seiner Entwicklung und phänologischen Aktivität im Jahresverlauf. Als ein- bis zweijährige krautige Pflanze durchläuft die Art einen klar definierten Lebenszyklus, der von klimatischen Faktoren und insbesondere der Temperatur beeinflusst wird. Die vegetative Phase der Blattentwicklung beginnt im Frühjahr, wobei junge Blätter bereits ab April gesammelt werden können.1 Im weiteren Jahresverlauf entfaltet die Art ihre Hauptaktivität in der generativen Phase. Die Blütezeit des Kanadischen Berufkrauts reicht in Europa von Juli bis Oktober. Während dieser Monate bilden sich die zahlreichen Blütenkörbchen aus, die reichlich Früchte produzieren.1 Begleitet wird diese Hauptvegetations- und Blüteperiode im Sommer von einem deutlich erhöhten öffentlichen Suchinteresse, welches in den Monaten Juni und Juli seine Peaks verzeichnet.2 Nach Abschluss der Samenreife und Fruchtbildung im Spätherbst geht die oberirdische Biomasse zurück. Das Überwinterungsstadium erfolgt als junge Rosette oder einjähriges Pflänzchen, das frostangepasst in den Wintermonaten persistiert.1 In dieser vegetativen Ruhephase sinkt das öffentliche Interesse in den Wintermonaten Januar und Februar auf ein Minimum ab.2 Belastbare quantitative Daten zu spezifischen tageszeitlichen Aktivitätsmustern oder detaillierten generationsspezifischen Zyklen über die univoltine Entwicklung hinaus liegen in der wissenschaftlichen Literatur derzeit nicht vor.1
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Das Kanadische Berufkraut (Erigeron canadensis) tritt in anthropogenen Lebensräumen und im Ackerbau als invasiver Neophyt sowie als konkurrenzstarkes Unkraut auf. Das Schadpotenzial begründet sich vor allem in der massiven Samenproduktion von 25.000 bis zu 250.000 Früchten pro Pflanze, die sich durch den Wind als Schirmchenflieger weiträumig ausbreiten. Auf Brachflächen, in Pflasterfugen, an Wegen sowie in lückigen Kulturen kann die Art beständigen Bestand bilden und die Folgebepflanzung verdrängen. Besondere Bekämpfungsrelevanz erlangten Varietäten der Art als weltweit erste durch extremen Selektionsdruck von Glyphosat entstandene und nachgewiesene Resistenzen in Kulturen wie Sojabohnen. Als Früherkennungsmerkmal dienen die dicht, wechselständig am schlank aufrechten Stängel stehenden, linealisch bis linealisch-lanzettlichen Laubblätter sowie die charakteristische, bis über 1 Meter tiefe Pfahlwurzel.1 Präventive Maßnahmen beruhen primär auf hygienischen und mechanischen Eingriffen zur Verhinderung der Samenreife auf offenen Standorten. Für das Monitoring von Beständen wird die Kontrolle von lückigen Unkrautfluren, Schuttplätzen und Wegrändern empfohlen. Physikalische und mechanische Methoden umfassen das rechtzeitige Jäten oder Mulchen vor der Blütezeit, die in Europa von Juli bis Oktober reicht. Chemische Bekämpfungsmaßnahmen können durch Resistenzen erschwert sein, weshalb integrierte Ansätze zur Vermeidung von Selektionsdruck essenziell sind.1 Belastbare Daten zu spezifischen biologischen Bekämpfungsverfahren oder gesetzlichen Quarantäneregelungen für Erigeron canadensis fehlen in den vorliegenden Quellen.
Praxiswissen
Wirtschaftliche Bedeutung
Das Kanadische Berufkraut besitzt wirtschaftliche Relevanz primär durch seine Rolle als Ackerunkraut und die Ausbildung von Resistenzen. Varietäten von Erigeron canadensis waren die weltweit ersten durch extremen Selektionsdruck durch Glyphosat entstandenen und nachgewiesenen sogenannten Superweeds. Sie tauchten im Zusammenhang mit der Kultur glyphosat-resistenter Sojabohnen in den USA auf. Belastbare monetäre Schadenssummen oder spezifische Bekämpfungskosten für betroffene Wirtschaftszweige fehlen in den vorliegenden Daten jedoch weitgehend. Darüber hinaus wird die Art in geringem Maße als essbare Wildpflanze genutzt, deren würzig-bittere Blätter von April bis Juli in Kräutermischungen, Kräuterbutter oder Kräutersalz Verwendung finden können.1
Nachweise
Quellen & Referenzen
- de.wikipedia.org/wiki/Kanadisches_Berufkraut
- gbif.org/species/3146791
- Literaturzusammenfassung: Erigeron canadensis