Lexikon-Eintrag

Tanzfliege Empididae

Tanzfliege (Empididae), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Akzeptierter Name
Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Zweiflügler (Diptera)
Familie
Empididae

Überblick

Einleitung

Die Tanzfliegen (Empididae) bilden eine Familie der Zweiflügler (Diptera) innerhalb der Fliegen und umfassen weltweit etwa 2500 bekannte Arten, von denen rund 260 in Deutschland vorkommen. Namensgebend für die Gruppe ist das auffällige Fortpflanzungsverhalten vieler Arten, bei dem sich die Tiere in oft geschlechtsspezifischen Schwärmen („Tanzgruppen“) in schnellen Zickzack- und Kurvenflügen bewegen. Während sich die Imagines vieler Arten als räuberische Insekten von anderen Gliederfüßern ernähren, haben sich Vertreter der Unterfamilie Empidinae evolutionär zu Blütenbesuchern entwickelt.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Männchen von Empis opaca wurden dabei beobachtet, wie sie das übergebene Beutegeschenk nach der Paarung wieder an sich nahmen und einem weiteren Weibchen überreichten.
  • Bei manchen Hilara-Arten fertigen die Männchen mithilfe von Spinndrüsen im verbreiterten ersten Fußglied Spinnfäden an, um damit das Beutegeschenk zu umhüllen.
  • Männchen von Hilara sartor tragen während des Schwarmflugs einen Fadenschleier mit den Beinen, der als optisches Signal auf Weibchen wirkt.
  • Die Atmung der Larven erfolgt amphipneustisch, womit die Tracheen ausschließlich am vorderen und hinteren Körperende geöffnet sind.
  • Die Verpuppung der Tanzfliegen-Larven findet im Boden statt.2

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Familie der Tanzfliegen (Empididae) umfasst meist sehr kleine und häufig unscheinbar braun gefärbte Vertreter der Zweiflügler. Der Kopf ist rundlich geformt und trägt bei den Männchen sehr häufig stark vergrößerte Komplexaugen. Bei einigen Arten ist der Rüssel auffällig lang ausgeprägt und dient als Saugrüssel zum Anstechen sowie Aussaugen von Beutetieren oder als Blütenbesucher. Die Beine der Fliegen sind relativ lang, wobei ein Beinpaar oft zu einem Fangbein mit bedorntem Oberschenkel und gekrümmtem Unterschenkel ausgebildet ist.1 Belastbare morphologische Detaildaten zu Thoraxskulpturen, Abdominalanhängen wie Legebohrern oder Cerci sowie zu Eiern und Puppen fehlen in der aktuellen Datenlage weitgehend. Die Larven der Empididae besitzen amphipneustische Tracheen, die demnach nur vorne und hinten geöffnet sind. Sie ernähren sich von verschiedenen kleineren Insekten und leben meist im Boden, teilweise jedoch auch im Wasser oder in überrieseltem Boden. Eine präzise Abgrenzung zu verwechselbaren Familien wie den früher ebenfalls eingeordneten Buckeltanzfliegen (Hybotidae) oder den Kleinen Tanzfliegen (Microphorinae) erfolgt über systematische Merkmale der Imagines. Bisher sind weltweit etwa 2500 Arten bekannt, wovon rund 260 Arten in Deutschland nachgewiesen sind.1

Porträt

Beschreibung

Die Familie der Tanzfliegen (Empididae) umfasst weltweit etwa 2500 beschriebene Arten, von denen rund 260 in Deutschland nachgewiesen sind. Die meist sehr kleinen Zweiflügler zeichnen sich im natürlichen Lebensraum durch oft unscheinbare, braune Färbungen aus. Ein markantes anatomisches Merkmal des Kopfes sind die bei Männchen häufig stark vergrößerten Komplexaugen. Der Rüssel ist bei zahlreichen Arten auffällig lang ausgeprägt und dient als Saugrüssel zum Anstechen und Aussaugen von Beutetieren. Hinsache der Extremitäten besitzen viele Arten relativ lange Beine, wobei ein Beinpaar oftmals als spezialisiertes Fangbein mit bedorntem Oberschenkel und gekrümmtem Unterschenkel ausgebildet ist. Im Gegensatz zu den räuberisch lebenden Vertretern haben sich die Arten der Unterfamilie Empidinae evolutionär zu Blütenbesuchern entwickelt, die tierische Nahrung primär im Larvalstadium sowie während der Paarung aufnehmen. Das Fortpflanzungsverhalten ist durch artspezifische Schwärme in Zickzack- und Kurvenflügen geprägt, welche die Namensgebung als „Tanzgruppen“ begründeten. Diese Schwärme bestehen jeweils ausschließlich aus Männchen oder Weibchen, wobei Männchen oft Beutegeschenke als Paarungsstimulanz übergeben. Bei bestimmten Arten der Gattung Hilara werden diese Geschenke oder optische Schleier mithilfe von Spinndrüsen im verbreiterten ersten Fußglied aus Spinnfäden gefertigt. Die Larven der Tanzfliegen ernähren sich räuberisch von kleineren Insekten und besiedeln terrestrische Böden, Gewässer oder überrieselte Bodenbereiche. Ihre Tracheenatmung ist amphipneustisch organisiert, wodurch die Stigmen ausschließlich am vorderen und hinteren Körperende geöffnet sind. Die Verpuppung erfolgt artspezifisch im Boden. Systematisch wurden die früher eingeordneten Buckeltanzfliegen als eigene Familie ausgegliedert, während die Kleinen Tanzfliegen nun als Unterfamilie zu den Langbeinfliegen gehören. Fossil sind die Empididae hauptsächlich aus Bernsteinablagerungen bekannt, wobei die ältesten Belege aus unterkreidezeitlichem Libanon-Bernstein stammen und etwa 130 Millionen Jahre alt sind.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Familie der Empididae ist im deutschen Sprachraum unter dem Trivialnamen Tanzfliegen bekannt. Weltweit sind etwa 2500 Arten dieser Gruppe beschrieben, während in Deutschland rund 260 Vertreter nachgewiesen sind. Historisch wurden auch die Buckeltanzfliegen als Untergruppe in diese Familie eingeordnet, die heute jedoch als eigenständige Familie der Hybotidae geführt werden. Ebenso wurden die Kleinen Tanzfliegen früher zu den Empididae gezählt, bilden mittlerweile jedoch als Unterfamilie Microphorinae einen Teil der Langbeinfliegen. Der Name der Familie leitet sich von dem auffälligen Fortpflanzungsverhalten vieler Arten ab, bei denen sich vor der Paarung schwarmartige „Tanzgruppen“ bilden. Belastbare Daten zur historischen Erstbeschreibung durch einen spezifischen Autor oder zur genauen Etymologie des wissenschaftlichen Namens fehlen in der aktuellen Datenlage. Die innere Systematik der Überfamilie Empidoidea und damit auch der Empididae ist weiterhin Gegenstand laufender Forschung, weshalb die Position einzelner Gattungen als unklar gilt.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Familie der Tanzfliegen (Empididae) umfasst weltweit etwa 2500 Arten, von denen rund 260 in Deutschland nachgewiesen sind. Das Fortpflanzungsverhalten dieser Insekten ist stark ausgeprägt und beinhaltet häufig Schwärme, die als sogenannte „Tanzgruppen“ in schnellen Zickzack- und Kurvenflügen agieren. Diese Schwärme bestehen jeweils vollständig aus Männchen oder Weibchen und dienen der Zusammenführung der Geschlechter. Bei der Annäherung übergibt das Männchen dem Weibchen oftmals ein Beutegeschenk, welches das Weibchen während der Kopulation aussaugt. Dieses Paarungsritual ist selbst bei den primär vegetarischen Vertretern der Unterfamilie Empidinae zu beobachten. Männchen bestimmter Hilara-Arten hüllen das Geschenk zusätzlich mit Spinnfäden ein, die aus Spinndrüsen im verbreiterten ersten Fußglied gebildet werden. Die eigentliche Kopulation der Tiere findet entweder in sitzender oder hängender Position statt. Nach der Paarung erfolgt die Eiablage, wobei detaillierte quantitative Daten zur exakten Fertilität und zur Dauer der Embryonalentwicklung in der vorliegenden Literatur nicht systematisch belegt sind. Die Larven der Empididae besiedeln terrestrische Lebensräume wie den Boden oder feuchte Substrate wie überrieselte Erde, während einige Arten auch aquatisch leben. Ernährungsbiologisch agieren die Larven als Prädatoren, die sich von verschiedenen kleineren Insekten ernähren. Für den Gasaustausch verfügen die Larven über ein amphipneustisches Tracheensystem, das ausschließlich am vorderen und hinteren Körperende geöffnet ist. Die Verpuppung der Tiere findet ebenfalls im Boden statt. Im Gegensatz zu den räuberischen Larven zeigen adulte Tanzfliegen eine variable Ernährungsweise. Während viele Arten als räuberische Insektenfresser andere Insekten im Flug attackieren und mit ihrem Rüssel anstechen, haben sich Vertreter der Empidinae sekundär zu Blütenbesuchern entwickelt. Diese adulten Blütenbesucher nehmen tierische Nahrung meist nur noch während des Paarungsgeschehens auf. Belastbare physiologische Daten zu artspezifischen Diapause-Mechanismen oder genauen Generationsdauern in Abhängigkeit von Umgebungstemperaturen fehlen für die Familie insgesamt weitgehend. Gleiches gilt für spezifische Mortalitätsfaktoren durch natürliche Feinde oder Parasitoide, die in der Literatur für die Gesamtgruppe nicht quantifiziert sind.1

Lebensweise

Verhalten

Die Vertreter der Familie Empididae zeigen ein komplexes Fortpflanzungsverhalten, das durch Schwarmbildung und teils aufwendige Balzrituale geprägt ist. Im Vorfeld der Paarung bilden viele Arten kleinere Schwärme, die sogenannten Tanzgruppen, in denen die Individuen Zickzack- und Kurvenflüge ausführen. Diese Gruppen bestehen jeweils aus Männchen oder Weibchen, wobei der Wind eine große Rolle beim Flugverhalten spielt. Die Annäherung an den Partner erfolgt meist von unten, begleitet von gegenseitigem Reiben der Fußglieder bei einigen Arten. Ein charakteristisches Verhaltensmerkmal ist die Übergabe von Beutegeschenken durch das Männchen, die vom Weibchen während der Kopulation ausgesaugt werden. Bei bestimmten Hilara-Arten werden diese Geschenke zusätzlich mit Spinnfäden umhüllt, die aus den Spinndrüsen des ersten Fußgliedes stammen. Männchen von Empis opaca wurden zudem beobachtet, wie sie ein bereits genutztes Geschenk nach der Paarung zurücknahmen und an ein weiteres Weibchen übergaben. Das Männchen von Hilara sartor nutzt einen von den Beinen gehaltenen Fadenschleier als optisches Signal, um Weibchen anzulocken, wobei die Paarung im Flug stattfindet. Neben dem Fortpflanzungsverhalten ernähren sich die imaginalen Empididae primär räuberisch von anderen Insekten, die im Flug gepackt werden, während sich die Unterfamilie Empidinae sekundär zu Blütenbesuchern entwickelt hat.1

Lebensweise

Ökologie

Die Familie der Tanzfliegen (Empididae) nimmt als räuberischer Insektenjäger und teilweise als Blütenbesucher eine vielschichtige Rolle im Ökosystem ein. Adulte Tiere ernähren sich primär räuberisch von anderen Insekten, die meist im Flug erbeutet und mit dem Rüssel angestochen werden, wobei auch Kannibalismus vorkommt. Vertreter der Unterfamilie Empidinae haben sich evolutionär zu Blütenbesuchern entwickelt und nehmen tierische Nahrung überwiegend als Larve sowie während der Paarung auf. Die Larven der Tanzfliegen leben terrestrisch im Boden, teilweise im Wasser oder in überrieseltem Boden, und ernähren sich dort ebenfalls von verschiedenen kleineren Insekten. Bezüglich der mikroklimatischen Anforderungen und spezifischen Habitatpräferenzen außerhalb dieser Substrate fehlen in den Quellen belastbare quantifizierende Daten. Das räuberische Beutespektrum umfasst häufig Insekten, die deutlich größer sind als die Fliegen selbst. Spezifische natürliche Feinde, Parasitoide oder konkrete Konkurrenzbeziehungen zu anderen Arten werden in der aktuellen Datenlage nicht detailliert beziffert.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Familie der Tanzfliegen (Empididae) ist weltweit verbreitet und umfasst schätzungsweise 2500 bekannte Arten. In Deutschland ist die Gruppe mit etwa 260 Arten vertreten.1 Ursprüngliche und globale Verbreitungsmuster erstrecken sich über verschiedene Kontinente und Klimazonen, wobei die genaue Diversität regional stark variiert. Fossile Belege zeigen, dass die Familie bereits in der Unterkreide existierte, wie Funde aus dem libanesischen Bernstein mit einem Alter von etwa 130 Millionen Jahren belegen. Weitere fossile Nachweise aus kreidezeitlichen und tertiären Sedimenten liegen unter anderem aus Zentralasien, England, Alaska und Japan vor. Eine besondere art- und individuenreiche Überlieferung der Gruppe ist zudem aus dem eozänen Baltischen Bernstein bekannt.1 In Bezug auf die aktuellen Habitate besiedeln die Imagines vor allem terrestrische Lebensräume. Die Larven der Empididae leben überwiegend im Boden, teilweise jedoch auch im Wasser oder in überrieselten Bereichen. Hinsichtlich der Vertikalverbreitung und genauerer Höhenstufen fehlen flächendeckende, belastbare Daten für die Gesamtfamilie.1 Die räumliche Verteilung der Imagines wird stark durch das Vorkommen geeigneter Beuteinsekten sowie artspezifischer Vegetationsstrukturen bestimmt. In Siedlungsbereichen oder Gebäuden werden Empididae primär im Zuge der natürlichen Ausbreitung in angrenzenden Grünanlagen angetroffen, eine spezifische synanthrope Lebensweise ist jedoch nicht dokumentiert. Die globale Präsenz der Familie wird durch aggregierte Beobachtungsdaten in den gemäßigten und tropischen Zonen bestätigt.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    06.06.2026

  • Groß Väter, Feriendorf, 17268 Templin, Deutschland

    05.06.2026

  • Germany

    05.06.2026

  • Germany

    05.06.2026

  • Deutschland

    05.06.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
4
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 06.08.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivität adulter Empididae konzentriert sich im Jahresverlauf vor allem auf die späten Frühlingsmonate. Das öffentliche und wissenschaftliche Interesse an diesen Insekten zeigt in Deutschland einen ausgeprägten Peak im Mai, wobei im Juni ein stark abfallendes Suchinteresse verzeichnet wird. Belastbare Daten zur genauen Anzahl der Generationen pro Jahr oder zu spezifischen Temperaturoptima für den Schwarmflug fehlen für die Familie als Ganzes in der wissenschaftlichen Literatur. Die charakteristischen Schwarm- und Paarungsflüge der Imagines finden vor allem tagsüber statt, während exakte Belege zur Nachtaktivität rar sind. Die Larvenentwicklung findet terrestrisch im Boden oder teilweise in feuchten Habitaten statt. Über das exakte Überwinterungsstadium der verschiedenen Empididae-Arten liegen in den primären Quellen keine flächendeckenden Aussagen vor. Bisher sind artspezifische Emergenzzeitpunkte meist nur für lokal begrenzte Populationen genauer untersucht. Daher lässt sich für die Gesamtfamilie kein universelles Schema der saisonalen Phänologie ableiten. Die Aktivitätsphasen sind stark von den jeweiligen lokalen Witterungsbedingungen und dem Nahrungsangebot an Beuteinsekten abhängig.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Familie der Tanzfliegen (Empididae) nimmt im Ökosystem eine wichtige Funktion als Nützling ein, da sowohl die adulten Tiere als auch deren Larven als Prädatoren verschiedener Insekten fungieren. Ein spezifisches Schadpotenzial im landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder hauslichen Bereich geht von den Tieren nicht aus, weshalb sie weder als Schädlinge noch als relevante Lästlinge eingestuft werden. Medizinische oder gesundheitliche Risiken wie Krankheitsübertragungen oder Allergien sind im Zusammenhang mit Empididae nicht bekannt. Da keine wirtschaftlichen Schäden verursacht werden, existieren weder spezifische Schadbilder noch standardisierte Früherkennungs- oder Monitoring-Methoden für diese Insekten. Aus demselben Grund sind weder präventive Baumaßnahmen noch hygienische Bekämpfungsmaßnahmen oder der Einsatz von Insektiziden erforderlich. Auch integrierte Schädlingsbekämpfungsstrategien (IPM) oder rechtliche Regelungen wie Quarantänebestimmungen sind für die Gruppe nicht relevant. Belastbare Daten zu artspezifischen Populationskontrollen fehlen, da solche Maßnahmen aufgrund der ökologischen Harmlosigkeit obsolet sind.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Tanzfliegen
  2. Literaturzusammenfassung: Empididae