Lexikon-Eintrag

Sackspinne Clubiona

Sackspinne (Clubiona), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung
Webspinnen (Araneae)
Familie
Clubionidae
Gattung
Clubiona

Überblick

Einleitung

Die Eigentlichen Sackspinnen (Clubiona) bilden die artenreichste Gattung innerhalb der Familie der Sackspinnen (Clubionidae) mit weltweit über 500 beschriebenen Arten. Als nachtaktive Jäger streifen die kleinen Spinnen vorwiegend in der Kraut- und Strauchschicht umher und nutzen ihre Spinnenseide ausschließlich zum Bau taschenförmiger Tagesbehausungen sowie Eikokons, da sie keine Fangnetze anlegen. In Mitteleuropa sind mindestens 27 Arten heimisch, die überwiegend in bodennahen Biotopen und Wäldern vorkommen.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Weltweit sind aktuell 501 Arten der Eigentlichen Sackspinnen beschrieben (Stand: Juli 2020).
  • Die stundenlang dauernde Paarung der Sackspinnen erfolgt nahezu ohne vorherige Werbung.
  • Die Weibchen legen ihre rötlichen Eier entweder auf ein Seidenbett ab, das zu einem Kokon versponnen wird, oder fertigen kunstvolle Taschen an.
  • Clubiona phragmitis nutzt Gräser und Schilfblätter, die sie zunächst mit den Cheliceren perforiert, knickt oder rollt und mit Seide zu einem stabilen Gefäß zusammenfügt.
  • Das Wohngespinst von Clubiona phragmitis ist röhrenförmig aus Schilfblättern hergestellt und an beiden Enden offen, während das Eikokon als dreieckige Tasche fest verschlossen wird.
  • Clubiona terrestris kommt in Gärten oder Städten gar nicht vor.
  • Clubiona comta weist eine geringere Habitatbindung auf, wird jedoch am häufigsten in Nadelwäldern nachgewiesen und steigt bis in die Mittelgebirge auf.
  • Clubiona trivialis wurde im Gezeitenbereich der Meere, in Dünen, Salzwiesen sowie stetig und häufig in Hochmooren und Moorwäldern gefunden.3
  • Von Clubiona trivialis stammten 19 % aller Fänge aus der Kronenschicht der Bäume nach Hänggi et al. (1995).
  • Clubiona subsultans besiedelt fast ausschließlich Nadelwälder, während die sehr seltene Clubiona alpicola streng auf das Hochgebirge beschränkt ist.3

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Eigentlichen Sackspinnen (Clubiona) sind kleine, nachtaktive Spinnen mit einer Körperlänge von drei bis zehn Millimetern. Als sogenannte „Zwei-Klauen-Spinnen“ verfügen sie über spezifische Tarsalklauen, die ihnen gemeinsam mit modifizierten Beinhaaren hervorragende Klettereigenschaften verleihen.1 Die Grundfärbung variiert je nach Art, umfasst jedoch oft helle, rötliche oder bräunliche Töne. Bei der Paarung halten die Männchen die Weibchen mit ihren auffällig längeren und nach vorn gerichteten Kieferklauen (Cheliceren) fest. Charakteristisch für viele Arten sind zudem die von den Weibchen gefertigten Eikokons und Wohngespinste, die als taschen- oder röhrenförmige Konstruktionen in der Krautschicht angelegt werden. Belastbare morphologische Daten zu Larven, Puppen oder spezifischen Flügel- und Thoraxstrukturen fehlen, da Spinnen diese Entwicklungsstadien und Körperteile nicht besitzen. Abgrenzend zu anderen Spulenfamilien erfolgt die Bestimmung der Arten meist über die komplexen Kopulationsorgane sowie artspezifische Bauweisen der Wohngespinste.1

Porträt

Beschreibung

Die Gattung Clubiona umfasst weltweit hunderte Arten kleiner, nachtaktiver Jäger, die zu den artenreichsten Vertretern der Sackspinnen gehören. Im natürlichen Lebensraum streifen die drei bis zehn Millimeter großen Tiere nachts in der Krautschicht umher, um sich geschickt an ihre Beute anzuschleichen. Da diese sogenannten „Zwei-Klauen-Spinnen“ keine Fangnetze bauen, nutzen sie Seide stattdessen für den Bau taschenförmiger Rückzugsbehausungen aus Pflanzenteilen. Tagsüber ziehen sie sich in diese Verstecke, unter lose Rinde, in Bodenstreu oder unter Steine zurück. Als anatomische Besonderheit besitzen viele Weibchen modifizierte, bewegliche Dornen an den Vordereinheiten, die über spezielle Verriegelungsmechanismen verfügen. Die Tarsalklauen ermöglichen ihnen zudem hervorragende Klettereigenschaften, wodurch einige Arten auch in der Kronenschicht von Wäldern jagen. Bei der stundenlangen Paarung, der kaum Werbung vorangeht, fixieren die Männchen das Weibchen mit ihren auffällig vergrößerten und nach vorn gerichteten Cheliceren. Zur Ablage der Eier fertigen die Weibchen entweder flache Seidenbetten auf Blättern an oder konstruieren kunstvolle, hängende Eikokons. So stellt beispielsweise Clubiona phragmitis röhrenförmige Wohngespinste aus Schilfblättern her und spinnt die Eikokons als feste, dreieckige Taschen zusammen. Die Taxonomie der artenreichen Gattung ist aufgrund zahlreicher Synonyme und morphologischer Varianten komplex, weshalb verschiedene Untergattungen und Artengruppen diskutiert werden.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Gattung Clubiona wurde im Jahr 1804 von dem französischen Zoologen Pierre André Latreille wissenschaftlich beschrieben. Als Typusart der Gattung gilt Araneus pallidulus Clerck, 1757 (heute Clubiona pallidula). Im Laufe der Forschungsgeschichte diente Clubiona häufig als Sammelbecken für Arten, die nicht eindeutig anderen Gattungen zugeordnet werden konnten, was zu einer komplexen Taxonomie führte. Bislang wurden mindestens 14 Gattungsnamen als jüngere Synonyme von Clubiona erkannt. Zu diesen Synonymen zählen unter anderem Hirtia Thorell, 1881, Atalia Thorell, 1887, Tolophus Thorell, 1891 sowie mehrere von Lohmander im Jahr 1944 aufgestellte Untergattungen wie Paraclubiona, Microclubiona und Euryclubiona. Aufgrund der diversen Kopulationsstrukturen beider Geschlechter gilt Clubiona sensu lato als paraphyletisch. Im deutschsprachigen Raum sind die Vertreter als Eigentliche Sackspinnen bekannt. Auf internationaler Ebene hat sich im Englischen die Bezeichnung sac spiders etabliert.

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Gattung Clubiona umfasst nachtaktive Jäger, die ohne den Bau von Fangnetzen aktiv in der Kraut- und Strauchschicht nach Beute streifen. Als physiologische Anpassung an ihre nächtliche Lebensweise verbringen die Tiere den Tag in taschenförmigen Wohngespinsten aus Pflanzenteilen oder Seide, die artspezifisch an Blättern, unter loser Rinde oder in Bodenstreu angelegt werden. Einige Arten der Sackspinnen sind das ganze Jahr über aktiv, wobei sich die Aktivitätsphasen je nach Art unterscheiden. Die Geschlechtsreife wird bei den meisten Vertretern im Frühjahr erreicht. Während der stundenlang andauernden Paarung, der kaum Werbung vorangeht, fixiert das Männchen das Weibchen mit seinen vergrößerten Cheliceren. Zur Eiablage fertigen die Weibchen entweder ein Seidenbett auf Blättern an, das zu einem Kokon versponnen wird, oder sie konstruieren kunstvolle, hängende Taschen aus perforierten und gerollten Pflanzenblättern. Die rötlichen Eier werden in diesen stabilen Gefäßen geschützt deponiert.1 Detaillierte quantitative Daten zur Dauer einzelner Entwicklungsstadien wie Ei, Larvenstadien oder zur genauen Fertilität liegen in der Literatur für die Gesamtemission der Gattung nicht flächendeckend vor, weshalb hierzu keine pauschalen Angaben gemacht werden können. Die Lebenserwartung der Adulten erstreckt sich bei manchen Arten über einen Jahreszyklus mit ganzjähriger Aktivität, wobei spezifische Mortalitätsfaktoren oder artspezifische Parasitoide in den vorliegenden Quellen nicht quantifiziert sind. Belastbare quantitative Angaben zu Kältetoleranzen oder physiologischen Diapause-Mechanismen fehlen auf Gattungsebene weitgehend. Die Ernährung basiert auf dem aktiven Erjagen verschiedener kleiner Arthropoden in der Vegetation, wobei keine eng begrenzte Wirtsspezifität für einzelne Beuteorganismen belegt ist.

Lebensweise

Verhalten

Die Arten der Gattung Clubiona sind überwiegend nachtaktive Jäger, die in der Dunkelheit in der Krautschicht umherstreifen und sich geschickt an ihre Beute anschleichen. Da diese Spinnen keine Fangnetze anlegen, nutzen sie ihre Spinnenseide stattdessen für den Bau taschenförmiger Behausungen aus Pflanzenteilen oder verwenden Erdhohl- sowie Rindenverstecke als tagsüber aufgesuchte Rückzugsorte. Dank ihrer speziellen Tarsalklauen erweisen sich die Tiere als geschickte Kletterer, die teilweise auch in der Kronenschicht von Wäldern auf Jagd gehen. Einige Vertreter zeigen eine ganzjährige Aktivität, wobei die Fortpflanzungsphase meist im Frühjahr beginnt. Während der stundenlangen Paarung, die weitgehend ohne optische Werbung abläuft, fixiert das Männchen das Weibchen mit seinen verlängerten, nach vorn gerichteten Cheliceren. Zur Ablage der Eier fertigen die Weibchen entweder ein Seidenbett auf Blättern an, das zu einem Kokon versponnen wird, oder sie konstruieren kunstvolle Taschen aus Pflanzenmaterial. So präpariert Clubiona phragmitis beispielsweise Schilfblätter, indem sie diese mit den Cheliceren perforiert, knickt oder rollt und mithilfe von Seide zu einem stabilen Gefäß verbindet.1

Lebensweise

Ökologie

Die Eigentlichen Sackspinnen (Clubiona) agieren als nachtaktive Jäger vorwiegend in der Kraut- und Strauchschicht sowie seltener in der Kronenschicht verschiedener Biotope. Mangels Fangnetzen streifen sie nachts aktiv umher und schleichen sich an ihre Beute an. Als tagsüber genutzte Rückzugsorte dienen ihnen selbstgesponnene taschenförmige Behausungen aus Pflanzenteilen, Erdhöhlen, Bodenstreu oder Bereiche unter loser Rinde und Steinen. Hinsichtlich ihrer Habitatpräferenzen zeigen die Arten deutliche Unterschiede, wobei viele Vertreter Wälder besiedeln. So bevorzugt Clubiona terrestris die Krautschicht planarer Laubwälder, während Clubiona subsultans fast ausschließlich in Nadelwäldern zu finden ist. Im Gegensatz dazu besiedeln Arten wie Clubiona trivialis und Clubiona phragmitis feuchte Lebensräume wie Hochmoore, Moorwälder, Salz-, Dünen- oder Schilfbestände in Feuchtgebieten. Ubiquisten wie Clubiona lutescens und Clubiona neglecta halten sich zudem in Kulturbiotopen auf.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Gattung der Eigentlichen Sackspinnen (Clubiona) ist weltweit verbreitet und umfasst in allen tropischen sowie gemäßigten Regionen zahlreiche Arten. Mit aktuell über 500 beschriebenen Arten stellt sie die artenreichste Gattung innerhalb der Familie der Sackspinnen dar. In Mitteleuropa sind mindestens 27 Arten heimisch, die vorwiegend die Kraut- und Strauchschicht verschiedener Biotope besiedeln. Viele Arten zeigen eine enge Bindung an spezifische Habitate wie Wälder, Feuchtgebiete oder Küstenregionen. Clubiona terrestris besiedelt bevorzugt die Krautschicht planarer Laubwälder, während Clubiona comta häufiger in Nadelwäldern anzutreffen ist und bis in die Mittelgebirge aufsteigt. Arten wie Clubiona trivialis und Clubiona phragmitis bevorzugen hingegen feuchte Lebensräume. Clubiona trivialis besiedelt stetig und häufig Hochmoore, Moorwälder sowie Dünen- und Gezeitenbereiche. Clubiona phragmitis ist primär in Schilfbeständen von Feuchtgebieten und Niedermooren im Flachland zu finden. Spezialisierte Habitate wie Hochgebirge werden von seltenen Arten wie Clubiona alpicola besiedelt. Einige ubiquitäre Arten wie Clubiona lutescens und Clubiona neglecta halten sich zudem in Kulturbiotopen auf. Nur vereinzelt dringen wenige Arten wie Clubiona brevipes, Clubiona comta und Clubiona pallidula in die Nähe des Menschen oder in Höhlen vor.1 Belastbare Daten zu detaillierten Ausbreitungshistorien einzelner Arten außerhalb ihres natürlichen Areals fehlen weitgehend.

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Speckenbüttel, 27580 Bremerhaven-Lehe, Deutschland

    29.05.2026

  • Speckenbüttel, 27580 Bremerhaven-Lehe, Deutschland

    29.05.2026

  • Röttgen, 53 Bonn, Germany

    28.05.2026

  • Deutschland

    25.05.2026

  • Deutschland

    25.05.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

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2
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Zuletzt am 08.06.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Gattung Clubiona zeigt eine ganzjährige Aktivität, wobei die Tiere im Frühjahr ihre Geschlechtsreife erlangen. Während einige Arten über die kalten Monate hinweg aktiv bleiben, suchen andere geschützte Unterschlüpfe auf. Die Fortpflanzung und Eiablage erfolgt überwiegend im Frühjahr, wenn die Weibchen ihre markanten Eikokons in der Krautschicht anfertigen. Als nachtaktive Jäger streifen die Spinnen während der Dunkelheit in der Vegetation umher, um sich unbemerkt an Beute anzuschleichen. Tagsüber ziehen sie sich in selbstgesponnene, taschenförmige Wohngespinste aus Pflanzenteilen oder unter Rinde und Steine zurück.1 Das öffentliche Interesse an diesen Spinnen verzeichnet in den Frühlingsmonaten März und April wiederkehrende Peaks, was mit dem Beginn ihrer verstärkten oberirdischen Aktivität korreliert. Belastbare Daten zu spezifischen Generationenfolgen oder detaillierten Temperaturabhängigkeiten einzelner Arten fehlen weitgehend, da die Gattung über 500 Arten mit teils unterschiedlichen Ökologien umfasst.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Eigentlichen Sackspinnen (Clubiona) gelten weder als Schädlinge noch als klassische Lästlinge, sondern sind als nützliche Jäger in der Kraut- und Strauchschicht sowie in verschiedenen Biotopen einzuordnen. Ein nennenswertes Schadpotenzial geht von diesen freilebenden Spinnen nicht aus, da sie weder Vorräte beschädigen noch als Materialschädlinge in Erscheinung treten. Auch eine medizinische oder gesundheitliche Relevanz durch Allergien oder als Vektoren ist für die mitteleuropäischen Arten nicht belegt. Belastbare Daten zu artspezifischen Krankheitsübertragungen durch Clubiona-Arten fehlen gänzlich. Gelegentlich verirren sich einzelne Tiere wie Clubiona brevipes, Clubiona comta oder Clubiona pallidula in Höhlen oder in die Nähe menschlicher Behausungen, was jedoch keinen regelmäßigen Hausbefall darstellt. Da es sich um opportunistische Jäger ohne Schadwirkung handelt, sind spezifische Früherkennungs- oder Monitoring-Methoden für den Innenbereich nicht erforderlich. Präventions- oder Bekämpfungsmaßnahmen im Sinne einer professionellen Schädlingsbekämpfung sind gegen Clubiona-Arten weder notwendig noch etabliert. Integrierte Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen (IPM) oder chemische Applikationen entfallen mangels ökonomischer oder gesundheitlicher Schadwirkung ebenfalls. Rechtliche Aspekte wie Quarantänebestimmungen oder Meldepflichten existieren für die Gattung Clubiona nicht. Daher beschränkt sich der Umgang mit den Tieren im Wohnbereich gegebenenfalls auf das simple Umsetzen nach draußen, sofern sie als optischer Störfaktor wahrgenommen werden.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Eigentliche_Sackspinnen
  2. gbif.org/species/2143856
  3. Literaturzusammenfassung: Clubiona