- Wissenschaftlicher Name: Chelifer cancroides (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Pseudoskorpione (Pseudoscorpiones), Familie Cheliferidae
- Körperlänge: etwa 2,5 bis 4,5 mm
- Merkmale: lange Pedipalpen mit Scheren, kein Giftstachel, vier Beinpaare
- Nahrung: Staub- und Bücherläuse, Springschwänze, Milben
- Lebensraum: trockene Spalten, Gebäude, Nester, Rinde
- Entwicklung: drei Nymphenstadien, Seidennester
- Scheren durchdringen die menschliche Haut nicht
Bücherskorpion Chelifer cancroides
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Gliederfüßer (Arthropoda)
- Klasse
- Spinnentiere (Arachnida)
- Ordnung
- Pseudoscorpiones
- Familie
- Cheliferidae
- Gattung
- Chelifer
Überblick
Einleitung
Der Bücherskorpion (Chelifer cancroides) ist ein nur wenige Millimeter großes Spinnentier aus der Ordnung der Pseudoskorpione. Trotz des Namens ist er kein echter Skorpion: Ihm fehlt der Giftstachel am Hinterleib, und er erinnert nur durch seine kräftigen Scheren an die Verwandtschaft im Aussehen 12.
Die Art ist weltweit verbreitet und wird in Gebäuden, Vogelnestern, Bienenstöcken und unter Rinde gefunden. In Häusern lebt sie bevorzugt in trockenen Spalten, hinter Tapeten oder zwischen staubigen Büchern und Akten, wovon sich der deutsche Name herleitet 1.
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Bücherskorpion Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Erwachsene Tiere sind etwa 2,5 bis 4,5 mm lang. Die Färbung reicht von hell- bis dunkelbraun, nach englischsprachigen Angaben auch rötlich-braun. Der Körper ist tropfenförmig, der Hinterleib besteht aus 12 Segmenten, von denen zehn gut sichtbar sind 12. Die Rückenplatten des Hinterleibs sind durch eine feine Mittellinie geteilt 1.
Auffälligstes Merkmal sind die langen Pedipalpen mit Scheren 2. Die Mundwerkzeuge (Cheliceren) sind sehr klein. Das Tier hat vier Paar Laufbeine, kann gleich gut vorwärts und rückwärts laufen und besitzt je Körperseite ein kleines Auge nahe der Pedipalpenbasis. Männchen und Weibchen sind äußerlich schwer zu unterscheiden 12.
Systematik
Namen & Einordnung (kurz)
Der wissenschaftliche Name lautet Chelifer cancroides (Linnaeus, 1758) 3. Carl von Linné beschrieb die Art zunächst als Milbe unter dem Namen Acarus cancroides; Étienne Louis Geoffroy stellte sie 1762 in die Gattung Chelifer 1. Diese Gattung gilt heute als monotypisch, das heißt, alle weiteren früher darin geführten Arten wurden anderen Gattungen zugeordnet oder als Synonyme behandelt 1. Eine früher unterschiedene japanische Unterart (orientalis) wird nicht mehr anerkannt 1.
Im Englischen heißt die Art „house pseudoscorpion“ 2. Der Bücherskorpion ist nur eine von über hundert Pseudoskorpion-Arten und -Unterarten Mitteleuropas; für Deutschland werden 49 Arten aufgelistet 1.
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Der Bücherskorpion ist ein Räuber kleiner Gliederfüßer. Zur Beute zählen Staub- und Bücherläuse, Springschwänze und Milben 12. Er ergreift die Beute mit den Pedipalpenscheren und gibt über eine Giftdrüse an der Scherenspitze ein Gift ab. Anschließend beißt er mit den Cheliceren ein Loch in die Beute, pumpt Verdauungssaft hinein und saugt den verflüssigten Inhalt auf 1. An den Cheliceren münden Spinndrüsen. Mit Seide baut das Tier kleine Nester von etwa 5 bis 7 mm, in denen es ruht und überwintert 1.
Bei der Fortpflanzung führt das Männchen einen Balztanz auf, setzt ein gestieltes Samenpaket ab und zieht das Weibchen mit den Pedipalpen darüber. Das Weibchen trägt die Eier in einem Brutsack am Hinterleib und versorgt die Embryonen mit einer Nährflüssigkeit. Nach englischsprachigen Angaben werden 20 bis 40 Eier gelegt 12. Die Jungtiere häuten sich dreimal und durchlaufen dabei Proto-, Deuto- und Tritonymphe. Die Entwicklungsdauer wird in den Quellen unterschiedlich beschrieben, weshalb hier keine feste Zahl genannt wird. Erwachsene Tiere sollen nach einer Quelle drei bis vier Jahre leben 2.
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Der Bücherskorpion ist in weiten Teilen der Welt verbreitet, unter anderem in Europa, Nordamerika, Afrika, Australien und Neuseeland, wahrscheinlich auch durch den Menschen verschleppt 12. In Mitteleuropa ist er verbreitet, wird aber meist nur gelegentlich gesehen 1.
Natürliche Lebensräume sind Rinde abgestorbener Kiefern, Höhlen, alte Vogelnester und Bienenstöcke. In Siedlungen besiedelt die Art Ställe, Scheunen, Schuppen und Wohnhäuser. Häufiger wird sie in Bibliotheken, Museen und Herbarien beobachtet 12. Sie bevorzugt trockene Orte und enge Spalten 1. Mit anderen Tieren reist sie mitunter mit: Beschrieben ist Phoresie, also das Festhalten an Fledermäusen, Fliegen und Hautflüglern zur Ausbreitung 2.
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Da der Bücherskorpion vor allem in Gebäuden und geschützten Nischen lebt, ist er nicht an eine strenge Jahreszeit gebunden und kann ganzjährig angetroffen werden. Für Überwinterung und Häutung spinnt er Seidenkokons 1. Im Freien sind Tiere in der warmen Jahreszeit leichter zu finden.
In der OpenInsect-Community wurden bisher 8 Scans dieser Art erfasst, der letzte am 28.10.2026.
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Medizinisch ist der Bücherskorpion für Menschen nicht von Bedeutung: Nach der deutschsprachigen Quelle können die Scheren die menschliche Haut nicht durchdringen 1. Er frisst kleine Gliederfüßer, die in Haushalten und Sammlungen als Schädlinge oder Lästlinge gelten, etwa Staub- und Bücherläuse und Milben, und wird deshalb als nützlich beschrieben 1. Eine Eignung als gezielter Gegenspieler der Varroamilbe in Bienenvölkern wird in der deutschsprachigen Literatur kritisch gesehen, da die Art ein Generalist ist 1.
Sein Auftreten in Wohnräumen setzt ein Vorkommen kleiner Beutetiere voraus. Aus dem Gift der Art wurden Peptide mit Wirkung gegen Bakterien und Pilze beschrieben, die Gegenstand der Forschung sind 2.
Nachweise
Quellen & Referenzen
- Wikipedia: Bücherskorpion. de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCcherskorpion (abgerufen 30.10.2026)
- Wikipedia: Chelifer cancroides. en.wikipedia.org/wiki/Chelifer_cancroides (abgerufen 30.10.2026)
- GBIF Backbone Taxonomy: Chelifer cancroides (Linnaeus, 1758). gbif.org/species/5167813