Lexikon-Eintrag

Colakraut Artemisia abrotanum

Colakraut (Artemisia abrotanum), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Akzeptierter Name
Reich
Pflanzen (Plantae)
Stamm
Tracheophyta
Klasse
Magnoliopsida
Ordnung
Asterales
Familie
Asteraceae
Gattung
Artemisia
Art
Artemisia abrotanum

Wissenschaftlicher Name Artemisia abrotanum L.

Überblick

Einleitung

Artemisia abrotanum, auch als Eberraute bekannt, ist ein strauchartiger, ausdauernder Halbstrauch aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae).12 Die ursprünglich in Eurasien beheimatete Pflanze besitzt fein gefiederte, graugrüne Blätter, die beim Zerreiben ein starkes, an Zitrone oder Kampfer erinnerndes Aroma freisetzen. Wegen ihrer Trockenheitstoleranz und der enthaltenen ätherischen Öle wird sie als Zierpflanze, in der Volksmedizin sowie als natürliches Repellent gegen Insekten genutzt.13

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Pflanze ist in den USDA-Klimazonen 4 bis 8 winterhart.
  • Das chemische Profil enthält spezifische Monoterpenoide wie Silphiperfol-5-en-3-on und Germacren D, deren Zusammensetzung je nach geographischer Herkunft variiert.
  • In der aktuellen Forschung werden potenzielle pharmazeutische Anwendungen untersucht, darunter antikanzerogene und antiallergische Wirkungen.
  • Historisch wurde die Art als Antipyretikum (fiebersenkendes Mittel) sowie zur Behandlung von Atemwegserkrankungen eingesetzt.
  • Neben der medizinischen Nutzung dient Artemisia abrotanum als natürliches Färbemittel für Wolle.
  • Im Gartenbau gilt der Halbstrauch als resistent gegen Wildverbiss durch Rehe und Kaninchen.9
  • Zu den taxonomischen Synonymen zählen Artemisia procera Willd. und Artemisia abrotanum var. procera.
  • Im englischen Sprachraum sind volkstümliche Bezeichnungen wie „Lad's love“ oder „Southern wormwood“ verbreitet.9

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Artemisia abrotanum wächst als ausdauernder Halbstrauch mit einem buschigen, aufrecht verzweigten Habitus und erreicht typischerweise Wuchshöhen zwischen 0,5 und 1,5 Metern.31 Die Pflanze bildet einen Horst, der 0,6 bis 0,9 Meter breit werden kann und durch eine verholzte Basis sowie stark verzweigte Stängel gekennzeichnet ist.1 Die grau-grünen Blätter sind fiederschnittig und erinnern in ihrer feinen Struktur an Farne.31 Sie erreichen eine Länge von 3 bis 6 cm und sind in schmale, lineare Segmente unterteilt. In milden Klimazonen zeigt die Art ein halbimmergrünes Verhalten und behält ihr weiches Laub über den Winter, während sie in kälteren Regionen laubabwerfend ist.1 Ein wesentliches Bestimmungsmerkmal ist der intensive Duft der zerriebenen Blätter, der an Kampfer erinnert und deutliche Zitrus- oder Zitronennoten aufweist. Die Blütezeit erstreckt sich im Spätsommer von August bis September oder bis in den frühen Herbst.31 Die kleinen, unscheinbaren Blütenköpfchen stehen in lockeren Rispen zusammen.3 Die einzelnen, becherförmigen Blütenkörbchen sind weniger als 2,5 cm breit und meist nickend angeordnet.1 Die Färbung der Blüten reicht von blassgelb bis gelblich-weiß.31 Die enthaltenen Röhrenblüten sind typischerweise weiblich oder zwittrig.1 Obwohl Samen gebildet werden, sind diese oft nur geringfügig keimfähig, weshalb sich die Pflanze in einigen Regionen vorwiegend vegetativ vermehrt.3 Im Vergleich zu verwandten Arten wie Artemisia absinthium zeichnet sich A. abrotanum durch einen meist geringeren Thujongehalt und das spezifische, süßliche Zitronenaroma aus.54

Porträt

Beschreibung

Artemisia abrotanum ist ein strauchartiger, ausdauernder Halbstrauch aus der Familie der Asteraceae, der Wuchshöhen von 0,5 bis 2 Metern erreicht und durch einen verholzenden, stark verzweigten Habitus gekennzeichnet ist. Im natürlichen Lebensraum Südeuropas und Zentralasiens bildet die Pflanze buschige Hügel, die in milden Klimazonen halbimmergrün bleiben, während sie in kälteren Regionen ihr Laub abwerfen.31 Eine zentrale anatomische Anpassung an die bevorzugten heißen, trockenen Standorte wie felsige Hänge und Steppen ist das fein zerteilte, farnartige Laub, das der Wasserkonservierung dient.1 Die grau-grünen Blätter verströmen beim Zerreiben einen intensiven, kampferartigen Duft mit deutlichen Zitrusnoten, der auf ein komplexes Profil flüchtiger Verbindungen wie Silphiperfol-5-en-3-on und Eucalyptol zurückzuführen ist. Diese ätherischen Öle fungieren ökologisch als chemische Barriere, die nicht nur Fraßfeinde wie Rehe und Kaninchen abwehrt, sondern durch allelopathische Terpenoide auch das Wachstum benachbarter Konkurrenzpflanzen hemmt.15 Im Gegensatz zu vielen anderen Artemisia-Arten sind die im Spätsommer erscheinenden, blassgelben Blütenstände in lockeren Rispen angeordnet und oft unscheinbar, wobei die einzelnen Blütenbecher weniger als 2,5 cm messen.31 Die Blüten sind typischerweise weiblich oder zwittrig, jedoch ist die sexuelle Reproduktion oft eingeschränkt, da die Pflanze nur wenige lebensfähige Samen produziert und sich primär vegetativ vermehrt.1 Ein mikroskopisches Erkennungsmerkmal ist die feine pinnate Zerteilung der 3 bis 6 cm langen Blätter in schmale, lineare Segmente, die die Oberfläche für die Verdunstung minimieren.31 Historisch wurde die Art bereits von Theophrastus beschrieben, wobei sich das Epitheton abrotanum vermutlich auf das griechische Wort für „zart“ oder „schlank“ bezieht, was den feingliedrigen Wuchs der Pflanze unterstreicht.4 Im Vergleich zum verwandten Wermut (Artemisia absinthium) enthält Artemisia abrotanum deutlich geringere Mengen des neurotoxischen Thujons (meist unter 5 % im ätherischen Öl) und unterscheidet sich olfaktorisch durch die charakteristische Zitronennote. Die Entwicklung aus Samen ist anspruchsvoll, da diese lichtkeimend sind und für eine erfolgreiche Keimung Temperaturen um 15 °C bis optimal 38 °C benötigen, wobei die Keimraten stark variieren können. In eingeführten Verbreitungsgebieten wie Nordamerika besiedelt die Art oft gestörte Habitate wie Straßenränder, verhält sich jedoch selten invasiv, da sie empfindlich auf hohe Feuchtigkeit und Staunässe reagiert. Die Pflanze zeigt eine bemerkenswerte Trockentoleranz und gedeiht auf sandigen, lehmigen oder felsigen Substraten, solange diese gut durchlässig sind.1 Biochemisch variiert das Profil der Inhaltsstoffe stark nach geographischer Herkunft, wobei Pflanzen aus Japan andere Hauptkomponenten aufweisen als solche aus Litauen oder Kuba.7 Neben der morphologischen Anpassung besitzt die Art bioaktive Eigenschaften, die in technischen Anwendungen als effektives Repellent gegen Arthropoden wie Mücken und Zecken genutzt werden.3

Systematik

Name & Einordnung

Die Art Artemisia abrotanum L. wird taxonomisch der Gattung Artemisia innerhalb der Familie der Asteraceae (Korbblütler) zugeordnet.21 Sie gehört zur Tribus Anthemideae in der Unterfamilie Asteroideae. Der Gattungsname leitet sich von der griechischen Göttin Artemis ab, die in der Mythologie mit der Jagd, Keuschheit und Heilkräutern assoziiert wurde. Das Art-Epitheton abrotanum entstammt dem altgriechischen Begriff abrotanon, einer Bezeichnung für wermutartige Pflanzen, die laut Theophrastus möglicherweise auf das Wort abros (zart) zurückgeht und sich auf die Anwendung bei schwächlicher Konstitution bezog.1 Zu den akzeptierten Synonymen zählen Artemisia procera Willd. sowie Artemisia abrotanum var. procera (Willd.) Besser.2 Im deutschsprachigen Raum sind die Trivialnamen Colakraut und Eberraute gebräuchlich.3 Der englische Name „southernwood“ besitzt altenglische Wurzeln („sutherne wudu“) und verweist auf die südliche Herkunft der verholzenden Pflanze im Vergleich zu nördlichen Wermut-Arten.4 Weitere volkstümliche Bezeichnungen wie „lad's love“ oder „boy's love“ gehen auf die historische Verwendung in Liebeszaubern und Sträußen zurück. Der französische Name „garderobe“ deutet auf den traditionellen Einsatz der Zweige in Kleiderschränken zur Mottenabwehr hin. Historisch wurde die Art bereits in antiken Schriften von Plinius dem Älteren und Dioskurides unter dem Namen abrotanum erwähnt.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Artemisia abrotanum ist ein ausdauernder Halbstrauch, der Wuchshöhen von 0,5 bis 2 Metern erreicht und zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) gehört.32 In milden Klimazonen zeigt die Pflanze ein halbimmergrünes Verhalten, während sie in kälteren Regionen ihr Laub abwirft und physiologisch in eine Ruhephase eintritt.1 Die Blütezeit erstreckt sich im Spätsommer von August bis September, wobei kleine, unscheinbare, blassgelbe Blüten in lockeren Rispen gebildet werden.31 Diese Blüten sind typischerweise weiblich oder zwittrig angelegt.1 Die Pflanze produziert in einigen Regionen nur wenige lebensfähige Samen, die als Lichtkeimer für die Keimung Helligkeit benötigen.35 Die Keimung erfolgt temperaturabhängig, wobei die Basis-Temperatur bei etwa 13 °C liegt und das Optimum für maximale Keimraten (bis zu 93 %) bei rund 38 °C erreicht wird.1 Aufgrund der unzuverlässigen Samenbildung vermehrt sich Artemisia abrotanum in vielen Habitaten primär vegetativ oder wird durch Stecklinge kultiviert.31 Eine physiologische Besonderheit ist die Allelopathie: Die Pflanze gibt Terpenoide ab, die das Wachstum benachbarter Unkräuter hemmen und so ihre Konkurrenzfähigkeit in Busch- und Brachflächen stärken.1 Der Gehalt an ätherischen Ölen, insbesondere Monoterpenoiden wie Silphiperfol-5-en-3-on, variiert je nach geographischer Herkunft und erreicht sein Maximum in den Sommerblättern während der Hauptblüte.51 Artemisia abrotanum ist an nährstoffarme Bedingungen angepasst und gedeiht auf gut durchlässigen, sandigen, lehmigen oder steinigen Substraten mit einem breiten pH-Toleranzbereich von unter 6,0 bis über 8,0.31 Die Art zeichnet sich durch eine hohe Trockentoleranz aus, reagiert jedoch empfindlich auf Staunässe und hohe Luftfeuchtigkeit, welche Pilzinfektionen begünstigen können.1 Während die aromatischen Inhaltsstoffe Herbivoren wie Rehe und Kaninchen abschrecken, können bei Kultivierung Schädlinge wie Blattläuse, Spinnmilben oder Weiße Fliegen auftreten.31 Um ein Absterben der zentralen Pflanzenteile zu verhindern und die Vitalität zu erhalten, ist bei kultivierten Exemplaren eine vegetative Verjüngung durch Wurzelteilung alle drei bis vier Jahre ratsam.1

Lebensweise

Verhalten

Das Verhalten von Artemisia abrotanum ist stark durch phänologische Anpassungen an klimatische Bedingungen geprägt. In milden Klimazonen zeigt die Pflanze ein halbimmergrünes Verhalten und behält ihr Laub über den Winter, während sie in kälteren Regionen laubabwerfend reagiert. Eine wesentliche ökologische Interaktion ist die Allelopathie, bei der der Strauch chemische Verbindungen wie Terpenoide freisetzt. Diese biochemische Aktivität hemmt das Wachstum benachbarter Unkräuter und steigert die eigene Konkurrenzfähigkeit in offenen Habitaten.1 Gegenüber Fressfeinden demonstriert Artemisia abrotanum ein effektives Abwehrverhalten durch die Produktion intensiver Duftstoffe. Diese chemische Signatur macht die Pflanze weitgehend resistent gegen den Verbiss durch Rehe und Kaninchen.3 Die enthaltenen ätherischen Öle wirken zudem als Repellent gegen diverse Arthropoden, was historisch zur Abwehr von Kleidermotten genutzt wurde. Spezifische Untersuchungen belegen larvizide Verhaltensweisen der Extrakte gegen Stechmücken der Gattung Culex.5 Lipophile Auszüge der Pflanze zeigen darüber hinaus eine aktive Abwehrwirkung gegen Zecken und Gnitzen.3 Hinsichtlich der Fortpflanzung verhält sich die Art in vielen eingeführten Gebieten opportunistisch und vermehrt sich primär vegetativ. Die Produktion lebensfähiger Samen ist oft gering, weshalb die generative Ausbreitung eine untergeordnete Rolle spielt. Als Anpassung an Trockenstress reduziert die Pflanze durch ihre feingliedrigen Blätter die Verdunstung und zeigt eine hohe Toleranz gegenüber Wassermangel. Zudem weist sie ein stark photophiles Verhalten auf und benötigt für optimales Gedeihen volle Sonneneinstrahlung.1

Lebensweise

Ökologie

Das Habitat von Artemisia abrotanum umfasst bevorzugt heiße, trockene Klimate mit voller Sonneneinstrahlung auf gut durchlässigen, oft steinigen oder sandigen Substraten. Typische natürliche Lebensräume sind mediterrane Macchia- und Steppenökosysteme sowie gestörte Standorte wie Wegränder.13 Die Pflanze zeigt eine ausgeprägte Trockentoleranz, wobei das feine Laub zur Wasserkonservierung beiträgt. In Konkurrenzsituationen nutzt die Art allelopathische Mechanismen, indem sie Terpenoide freisetzt, die das Wachstum benachbarter Pflanzen hemmen.1 Außerhalb des eurasischen Verbreitungsgebiets hat sich Artemisia abrotanum in Nordamerika und Teilen Afrikas etabliert, verhält sich jedoch selten invasiv.15 Die ökologische Nische wird in nicht-heimischen Zonen oft durch eine Empfindlichkeit gegenüber hoher Luftfeuchtigkeit und Frost begrenzt.1 Aufgrund der enthaltenen ätherischen Öle ist die Art weitgehend resistent gegen den Fraß durch Rehe und Kaninchen.5 Das chemische Profil, einschließlich Cumarin, wirkt zudem abwehrend gegen Arthropoden wie Mücken der Gattung Culex sowie Zecken.13 Dennoch kann die Pflanze von generalistischen Schädlingen wie Blattläusen, Spinnmilben oder Weißen Fliegen befallen werden. Die Vermehrung erfolgt in vielen Regionen primär vegetativ, da die im Spätsommer gebildeten Samen oft nur eine geringe Keimfähigkeit aufweisen.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Artemisia abrotanum liegt in Eurasien, wobei der Schwerpunkt in Südwesteuropa verortet wird, insbesondere in Frankreich, Italien und Spanien.32 Das Areal erstreckt sich ostwärts über Südosteuropa und die Balkanhalbinsel bis nach Westasien, einschließlich der Türkei und der Kaukasusregion.3 Aufgrund der jahrtausendelangen Kultivierung ist die exakte Abgrenzung zwischen indigenen und eingebürgerten Vorkommen oft schwierig, wobei der primäre Ursprung im Mittelmeerraum vermutet wird.31 In nördlicheren Regionen Europas, wie dem Baltikum und dem zentralen europäischen Russland, gelten die Bestände als früh eingebürgert.3 Als Neophyt hat sich die Art zudem in Nordamerika etabliert, wo sie vorwiegend im östlichen Teil der USA und im südlichen Kanada vorkommt.5 Auch in Teilen Afrikas wurden Vorkommen dokumentiert, die auf Einschleppungen zurückzuführen sind. Der bevorzugte Lebensraum umfasst warme, trockene Klimazonen mit voller Sonneneinstrahlung und gut durchlässigen Böden.3 Zu den typischen natürlichen Habitaten zählen felsige Hänge, Buschland sowie mediterrane Maquis- und Steppenökosysteme.31 Artemisia abrotanum zeichnet sich durch eine hohe Toleranz gegenüber Trockenheit aus und ist gut an xerophytische Bedingungen angepasst.3 In anthropogen beeinflussten Gebieten besiedelt der Halbstrauch häufig gestörte Standorte wie Straßenränder, Brachflächen und Schuttplätze.5 In Gebieten außerhalb des natürlichen Areals tritt die Pflanze meist unbeständig auf und gilt nur selten als invasiv, da die Vermehrung dort primär vegetativ erfolgt. Die Ausbreitung wird in kälteren oder sehr feuchten Regionen durch die Empfindlichkeit gegenüber Frost und Staunässe begrenzt. Aufgrund der weiten Verbreitung wird der Gefährdungsstatus in Europa als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft.3

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Saarland, Deutschland

    19.08.2025

  • Waldfeucht, North Rhine-Westphalia, Deutschland

    07.07.2025

  • Neustadt, Gymnasium, 23730 Neustadt in Holstein, Deutschland

    22.09.2024

  • Ostholstein, DE-SH, Deutschland

    22.09.2024

  • Deutschland

    23.07.2023

Daten: iNaturalist

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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Artemisia abrotanum wächst als ausdauernder Halbstrauch, der in milden Klimazonen halbimmergrün bleibt und sein aromatisches Laub oft über den Winter behält. In kälteren Regionen verhält sich die Pflanze laubabwerfend und verliert ihre Blätter in der kalten Jahreszeit vollständig.1 Die reproduktive Phase beginnt im Spätsommer, wobei die unscheinbaren, blassgelben Blütenstände in lockeren Rispen typischerweise von August bis September erscheinen.31 Die physiologische Aktivität der Pflanze zeigt deutliche saisonale Schwankungen, da der Gehalt an ätherischen Ölen in den Blättern während der massiven Blüte im Sommer seinen Höhepunkt erreicht. Auch die Keimung der Samen ist stark temperaturabhängig, mit einem Optimum bei etwa 38 °C und einer erforderlichen Basistemperatur von circa 13 °C. Bezüglich der Winterhärte toleriert die Art Bedingungen der USDA-Zonen 4 bis 8, reagiert jedoch in nicht-heimischen Gebieten empfindlich auf Frost und hohe Feuchtigkeit.1 Für die vegetative Vermehrung ist die Saisonalität entscheidend: Weiche Stecklinge werden idealerweise im Mai geschnitten, während halbreife Triebe im Juli oder August entnommen werden sollten.5 Das öffentliche Interesse an der Pflanze korreliert stark mit der Vegetationsperiode und erreicht in den Monaten Mai und Juni signifikante Spitzenwerte.6

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Artemisia abrotanum wird primär als Nützling und Zierpflanze eingestuft, da sie in eingeführten Gebieten wie Nordamerika nur selten invasiv auftritt und als nicht aggressiv gilt.53 Ökologisch wirkt die Art durch die Abgabe von Terpenoiden allelopathisch und hemmt dadurch das Wachstum benachbarter Unkräuter.5 Ein gesundheitliches Risiko für Menschen und Tiere besteht durch den Inhaltsstoff Thujon, der in hohen Dosen neurotoxisch wirkt und Krämpfe auslösen kann.18 Der direkte Kontakt mit den Blättern kann aufgrund enthaltener Phenylpropanoide und Sesquiterpenlactone allergische Kontaktdermatitis oder Hautreizungen verursachen.5 Medizinisch ist die Anwendung während der Schwangerschaft und bei Epilepsie kontraindiziert, da die Inhaltsstoffe uterustonisierend wirken und die Krampfneigung erhöhen können.8 Im Bereich des biologischen Pflanzenschutzes dient das getrocknete Kraut traditionell zur Abwehr von Kleidermotten in Schränken.5 Lipophile Extrakte der Pflanze zeigen zudem eine repellierende Wirkung gegen Mücken und Zecken, was auch patentrechtlich als biologisches Abwehrmittel gegen Arthropoden genutzt wird.3 Ätherische Öle von Artemisia abrotanum weisen larvizide Effekte gegen Culex-Mücken sowie antibakterielle Eigenschaften gegen Staphylococcus-Arten auf.5 Trotz der eigenen Schädlingsresistenz durch ätherische Öle können an der Pflanze selbst gelegentlich Blattläuse, Spinnmilben oder Weiße Fliegen auftreten. Präventive Maßnahmen im Gartenbau umfassen den jährlichen Rückschnitt im Frühjahr, um ein Verkahlen zu verhindern und die Pflanzengesundheit zu fördern.3 Ein Monitoring auf Selbstaussaat wird in Nicht-Ursprungsgebieten empfohlen, um eine unerwünschte Ausbreitung zu vermeiden, wenngleich die Samenviabilität oft gering ist.5

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Artemisia abrotanum tritt nicht als wirtschaftlich relevanter Schädling in der Land- oder Forstwirtschaft auf, da die Art in eingeführten Gebieten meist nicht invasiv ist und nur selten verwildert.3 Die ökonomische Bedeutung liegt primär in der historischen und modernen Nutzung zur biologischen Abwehr von Schädlingen. Traditionell wurden Pflanzenteile in Kleiderschränken platziert, um Wolltextilien vor Kleidermotten zu schützen.5 Dieser spezifische Verwendungszweck spiegelt sich im französischen Trivialnamen „Garderobe“ wider, der auf die Funktion als Mottenschutzmittel verweist. Neuere Untersuchungen bestätigen das wirtschaftliche Potenzial von Extrakten als biologische Insektizide, wobei spezifische larvizide Effekte gegen Culex-Stechmücken nachgewiesen wurden.1 Patentierte Anwendungen beschreiben zudem den Einsatz lipophiler Auszüge zur Abwehr von Zecken und Gnitzen, wobei Cumarin als eine aktive Komponente identifiziert wurde. Im Gartenbau reduziert die Pflanze durch ihre Resistenz gegen Wildverbiss durch Rehe und Kaninchen potenzielle Fraßschäden an Zierpflanzungen.3 Darüber hinaus besitzt A. abrotanum allelopathische Eigenschaften, die durch die Abgabe von Terpenoiden das Wachstum benachbarter Unkräuter hemmen und somit den Pflegeaufwand verringern können.1 In der Tiermedizin und traditionellen Anwendung spielte die Art zudem eine Rolle als Vermifugum zur Austreibung von Darmparasiten wie Hymenolepis nana.5

Wissenschaft

Wissenschaftliche Forschung & Patente

1 Patent
  • BiologischUnbekanntSE-520364-C2

    Insektenabwehrmittel gegen Mücken, Gnitzen und Zecken

    Thorsell Walborg · 1996

    Relevanz 9/10

    Zusammenfassung

    Dieses Patent beschreibt ein Repellent (Abwehrmittel) gegen Arthropoden, spezifisch Mücken und Zecken. Die Kernidee ist die Nutzung eines lipophilen Extrakts aus Artemisia abrotanum (Eberraute), vorzugsweise mittels Ethanol oder Toluol gewonnen. Cumarin wird als eine aktive Komponente identifiziert. Dies ist eine direkte Anwendung der Pflanze zur Schädlingsabwehr.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. gbif.org/species/8042568
  2. powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:306365-2
  3. plants.ces.ncsu.edu/plants/artemisia-abrotanum/
  4. oldenglish-plantnames.org/lemma/full_lemma/1056-s-erne-wudu
  5. propagate.one/how-to-propagate-artemisia-abrotanum/
  6. Zeitreihen-Analyse: Suchinteresse (aggregiert)
  7. tandfonline.com/doi/abs/10.1080/10412905.2011.9700438
  8. wildrosecollege.com/blog/herbs-not-safe-for-pregnancy/
  9. Literaturzusammenfassung: Artemisia abrotanum