- Der weltweite Gesamtbestand des Silberreihers wird auf 590.000 bis 2.200.000 Individuen geschätzt.
- Die Nominatform Ardea alba alba besitzt dunkel grünlichgraue oder schwarze Beine und eine gelbe Iris.
- Die Schnabel färbt sich bei den Tieren zur Brutzeit schwarz mit einer gelben Basis, während er außerhalb der Brutzeit gelb bis orange-gelb mit häufig dunklerer Schnabelspitze ist.
- Der nackte Zügel sowie der Orbitalring präsentieren sich außerhalb der Brutzeit grünlich-gelb und wandeln sich während der Brutperiode in ein helles Smaragdgrün.
- In Deutschland gelang der erste sichere Brutnachweis im Jahr 2012 im äußersten Nordosten, als sich zwei Paare in einer Graureiherkolonie ansiedelten.
- Im Vereinigten Königreich wurde im Jahr 2012 erstmals ein brütendes Paar des Silberreihers nachgewiesen.
- In Australien nutzt die Art außerhalb der Brutzeit auch weiträumige Flussmündungen als Lebensraum.1
Silberreiher Ardea alba
KI-generierte Illustration (keine Fotografie)
Klassifikation
Taxonomie
- Reich
- Tiere (Animalia)
- Stamm
- Chordatiere (Chordata)
- Klasse
- Vögel (Aves)
- Ordnung
- Pelecaniformes
- Familie
- Ardeidae
- Gattung
- Ardea
Überblick
Einleitung
Der Silberreiher (Ardea alba) ist ein großer, weißer Vogel aus der Familie der Reiher innerhalb der Ordnung der Pelecaniformes und weist mit weltweiten Vorkommen auf allen Kontinenten außer Antarktika die größte geographische Verbreitung aller Reiherarten auf. Die IUCN stuft die Art als nicht gefährdet ein. Im Gegensatz zu anderen Reiherarten der Gattungen Ardea und Egretta besitzt der Silberreiher keine Schmuckfedern am Hinterkopf, bildet stattdessen jedoch zur Brutzeit lange, radförmig spreizbare Schulterfedern aus.1
Auf einen Blick
Fakten (kompakt)
Silberreiher Bilder und Fotos von echten Sichtungen
Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Der Silberreiher ist ein großer, auffällig weiß gefärbter Schreitvogel mit charakteristisch gelbem Schnabel sowie dunklen Beinen und Füßen. Seine Körperlänge beträgt 85 bis 100 cm, während die Flügelspannweite zwischen 145 und 170 cm misst. Das Körpergewicht erwachsener Individuen bewegt sich im Bereich von 1 bis 1,5 kg. Im Gegensatz zu anderen Vertretern der Gattungen Ardea und Egretta fehlen dem Silberreiher jegliche Schmuckfedern am Hinterkopf. Stattdessen bildet die Art zur Brutzeit lange, lockere Schulterfedern mit verlängerten Seitenästen aus, die während der Balz radförmig gespreizt werden. Die Nominatform Ardea alba alba besitzt dunkel grünlichgraue bis schwarze Beine und eine gelbe Iris. Der Schnabel färbt sich zur Brutzeit schwarz mit gelber Basis, während er außerhalb der Fortpflanzungsperiode gelb bis orange-gelb getönt ist und häufig eine dunklere Spitze aufweist. Der unbefiederte Zügel und der Orbitalring zeigen sich außerhalb der Brutzeit grünlich-gelb und nehmen während der Fortpflanzungsphase eine hell smaragdgrüne Färbung an. Jungvögel und Eier werden in den verfügbaren Quelldaten bezüglich ihrer Feinstruktur nicht detailliert beschrieben, jedoch sind die Eier der Art hellblau gefärbt. Zur sicheren Unterscheidung von anderen weißen Reiherarten dienen vor allem die Schnabelfärbung, die Beinfarbe sowie das Fehlen von Haubenfedern am Kopf.1
Porträt
Beschreibung
Der Silberreiher (Ardea alba) gehört zur Familie der Reiher innerhalb der Ordnung Pelecaniformes und zeichnet sich als großflächig verbreiteter Kosmopolit durch seine Anpassungsfähigkeit aus. Seine Erstbeschreibung erfolgte 1758 durch Carl von Linné, wobei sich der Artname vom lateinischen albus für weiß oder sterbensbleich ableitet. Als Reiherart mit der weltweit größten geographischen Verbreitung besiedelt er mit Ausnahme der Antarktis alle Kontinente. Die Art umfasst gegenwärtig vier anerkannte Unterarten, darunter die Nominatform Ardea alba alba, Ardea alba melanorhynchos, Ardea alba modesta und Ardea alba egretta. Charakteristisch für das globale Vorkommen ist eine ausgeprägte Neigung zu Wanderungen, wodurch die Art zunehmend auch in Regionen Mitteleuropas beobachtet wird, in denen sie historisch kein regelmäßiger Brutvogel war. Die IUCN stuft den weltweiten Bestand aufgrund der stabilen und großen Populationen als nicht gefährdet ein.1 Historisch waren die Bestände gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in vielen europäischen Brutgebieten durch Verfolgung und Habitatverlust stark dezimiert, ehe ab Mitte der 1970er Jahre eine schrittweise Erholung und Wiederausbreitung einsetzte. In Deutschland gelang der erste sichere Brutnachweis im Jahr 2012 in einer Graureiherkolonie in Mecklenburg. Systematische Untersuchungen zeigen, dass die Art monogame Saisonehen eingeht und im zweiten Lebensjahr die Geschlechtsreife erreicht. Die Nester werden bevorzugt dicht an dicht in unzugänglichem Röhricht oder tiefem Gesträuch angelegt. Das Gelege besteht meist aus 3 bis 5 hellblauen Eiern, die im April oder Mai gelegt und von beiden Elterntieren bebrütet werden. Nach einer Brutzeit von 25 bis 26 Tagen schlüpfen die Jungvögel, welche nach 40 bis 50 Tagen flügge werden. Belastbare Daten verdeutlichen jedoch eine hohe Mortalitätsrate im ersten Lebensjahr, in dem etwa 75 % der Jungvögel sterben. Belastbare ökologische Daten belegen, dass die Art als opportunistischer Jäger ein breites Beutespektrum nutzt, das neben Fischen und Amphibien auch Insekten und Mäuse umfasst.1
Systematik
Name & Einordnung
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Silberreihers erfolgte im Jahr 1758 durch Carl von Linné unter der Bezeichnung Ardea alba mit der Typusregion Europa. Im selben Werk führte Linné auch die Gattung Ardea ein, deren Name sich vom lateinischen Begriff für „Reiher“ ableitet. Der Artname alba stammt vom lateinischen albus für „weiß“ oder „sterbensbleich“ ab. Zu den historischen Synonymen und früheren Kombinationen der Art zählen unter anderem Casmerodius albus und Egretta alba. Darüber hinaus werden heute Taxa wie Herodias alba maoriana Mathews & Iredale, 1913, Herodias syrmatophorus Gould, 1846 und Ardea timoriensis Lesson, 1831 als Synonyme betrachtet. Neben der Nominatform Ardea alba alba Linnaeus, 1758 werden die Unterarten Ardea alba melanorhynchos Wagler, 1827, Ardea alba modesta Gray, JE, 1831 sowie Ardea alba egretta Gmelin, JF, 1789 unterschieden. Die Etymologie der Unterartnamen spiegelt teils morphologische Merkmale oder Herkunftsorte wider, wie etwa das griechische Wort melanorhynchos für „schwarzschnäbelig“.1
Lebensweise
Biologie & Lebenszyklus
Der Ardea alba erreicht im zweiten Lebensjahr die Geschlechtsreife und führt eine monogame Saisonehe. Die Brutzeit beginnt meist im April oder Mai, wobei die Nester dicht an dicht in unzugänglichem Röhricht oder in tiefem Gesträuch angelegt werden. Das Weibchen legt in einem Abstand von jeweils zwei Tagen ein Gelege aus 3 bis 5 hellblauen Eiern. Beide Elternvögel beteiligen sich ab dem ersten Tag gemeinsam an der Bebrütung der Eier. Nach einer Entwicklungsdauer von 25 bis 26 Tagen schlüpfen die Jungvögel. Die Nestlinge werden nach 40 bis 50 Tagen flügge. Während der Brutzeit bilden die ansonsten unauffälligen Vögel lange, lockere Schulterfedern aus, die bei der Balz radförmig gespreizt werden. Das Nahrungsspektrum adulter Tiere umfasst im Wesentlichen Insekten, Amphibien, Fische, Reptilien und kleine Säugetiere wie Mäuse. Die Nahrungssuche erfolgt typischerweise durch langsames Waten im Seichtwasser bei horizontal gehaltenem Körper oder durch eine starre Lauerstellung. Häufig ist dabei die Vergesellschaftung mit überwinternden Wildgänsen zu beobachten, die durch ihren Grasbiss den Zugang zu Nagetieren erleichtern. Der Bestand unterliegt natürlichen Mortalitätsfaktoren, weshalb rund 75 Prozent der Jungvögel das erste Lebensjahr nicht überleben. Zu den bestandsgefährdenden Faktoren zählen zudem der Verlust ungestörter Altschilfbestände durch Verbauung oder Brand sowie direkte menschliche Verfolgung. Bislang fehlen in der Datenlage systematische Untersuchungen zu spezifischen Parasitoiden oder physiologischen Besonderheiten wie einer ausgeprägten Kältetoleranz.1
Lebensweise
Verhalten
Der Silberreiher (Ardea alba) zeigt ein vielschichtiges Verhaltensrepertoire, das stark von seiner Lebensweise als aquatischer Schreitvogel geprägt ist. Bei der Nahrungssuche bewegt sich die Art gewöhnlich durch ein langsames Waten im Seichtwasser, wobei der Körper mehr oder weniger horizontal gehalten wird. Alternativ wartet der Silberreiher in starrer Haltung darauf, dass Nahrungstiere in seine Reichweite gelangen. Auf großflächigen Grünlandflächen sucht er häufig die Nähe zu überwinternden arktischen Wildgänsen, um von deren kurzgefressenem Gras zu profitieren und dort besonders gut nach Mäusen zu jagen. Während der Balz spreizt die Art ihre langen, lockeren Schulterfedern radförmig ab. Silberreiher leben in monogamer Saisonehe und brüten in Kolonien oder einzeln, wobei die Nester dicht an dicht meist in unzugänglichem Röhricht oder in tiefem Gesträuch erbaut werden. Die Brut wird vom ersten Tag an von beiden Partnern gemeinsam durchgeführt. Als Teilzieher zeigen die Vögel ein ausgeprägtes Wanderungsverhalten, bei dem es ab Juli zu einer ungerichteten Zerstreuungswanderung der Jungvögel kommt, während adulte Tiere von September bis November aus den Brutarealen abziehen. In milden Wintern verbleiben viele Individuen in der Nähe der Brutgebiete oder zeigen spätere Winterfluchtbewegungen.1
Lebensweise
Ökologie
Der Ardea alba besetzt als opportunistischer Beutegreifer eine zentrale Rolle in Feuchtgebieten und ernährt sich primär piscivor sowie von Insekten, Amphibien und kleinen Säugetieren wie Mäusen. Seine Nahrung findet er überwiegend durch langsames Waten im Seichtwasser oder durch eine starre Ansitzwarteposition. Für die Jagd nutzt die Art in bestimmten Regionen wie am Niederrhein gezielt die Vergesellschaftung mit überwinternden arktischen Wildgänsen, die durch ihren Grasbiss den Bewuchs kurz halten und dem Ardea alba so den Jagderfolg auf Kleinsäuger erleichtern. Der Lebensraum umfasst primär Schilfgürtel an Seen, Flüssen und Altarmen sowie baum- und buschbestandene Sümpfe, während außerhalb der Brutzeit auch großflächige Grünlandgebiete und Flussmündungen besiedelt werden. Die Brut erfolgt in monogamer Saisonehe einzeln oder in Kolonien, wobei die Nester bevorzugt dicht an dicht auf der Erde im unzugänglichen Röhricht oder in tiefem Gesträuch angelegt werden. Bestandseinbußen resultieren historisch und aktuell vor allem aus dem Verlust ungestörter Altschilfbestände durch Verbauung, Brandrodung oder direkte menschliche Verfolgung. Belastbare quantitative Daten zu spezifischen Parasiten oder natürlichen Feinden abseits des Menschen fehlen in den Quellen weitgehend.
Verbreitung
Vorkommen & Lebensraum
Der Ardea alba besitzt als Kosmopolit das größte geographische Verbreitungsgebiet aller Reiherarten und ist auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis anzutreffen. Das natürliche Areal umfasst weite Teile Süd- und Osteuropas, Asiens, Afrikas sowie Nord-, Mittel- und Südamerikas. Die vier anerkannten Unterarten zeigen spezifische regionale Verbreitungsschwerpunkte, wobei die Nominatform Ardea alba alba von Zentraleuropa über das nordöstliche Asien bis nach Nord- und Zentralafrika vorkommt. In Mitteleuropa brütet die Art traditionell am Neusiedler See sowie lokal in den Niederlanden. Für Deutschland wurde der erste sichere Brutnachweis im Jahr 2012 im äußersten Nordosten in einer Graureiherkolonie erbracht, nachdem zuvor jahrelang lediglich Brutverdacht bestand. Als Lebensraum bevorzugt der Silberreiher natürliche Feuchtgebiete wie Schilfgürtel an Seen, Flüssen und Altarmen sowie mit Bäumen und Büschen bestandene Sümpfe. Außerhalb der Brutperiode nutzt er zudem großflächige Grünlandgebiete und Flussmündungen als Nahrungsareale. In Mitteleuropa zeigt die Art ein ausgeprägtes Zugverhalten als Teilzieher, wobei Bestände seit den 1980er Jahren kontinuierlich steigen. Insbesondere in den Wintermonaten treten in Nord- und Westdeutschland regelmäßig überwinternde Individuen auf, wobei der Niederrhein mit rund 150 überwinternden Exemplaren einen regionalen Schwerpunkt bildet. In anderen Regionen wie Brandenburg, Sachsen und Bayern werden im Herbst und Winter regelmäßig Gruppen von bis zu mehreren Hundert Vögeln in Feuchtgebieten beobachtet.1 Über die genaue Vertikalverbreitung in Europa liegen flächendeckend kaum systematische Maximalhöhen vor, während für südamerikanische Populationen eine Höhenverbreitung von 0 bis 2600 msnm belegt ist.2
Verbreitung
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Sichtungen
Community-Analyse
Jahresverlauf
Saisonalität & Aktivität
Der Ardea alba zeigt im Jahresverlauf ein stark an die saisonale Abreise und Ankunft gekoppeltes Aktivitätsmuster als Teilzieher. Ab Juli beginnt eine ungerichtete Zerstreuungswanderung der Jungvögel, während adulte Vögel im Zeitraum von September bis November aus den Brutarealen abziehen. In milden Wintern verbleiben Individuen häufig in der Nähe der Brutgebiete oder zeigen spätere Winterfluchtbewegungen. Die Rückkehr in die Brutkolonien erfolgt im Jahresverlauf von Ende Februar bis Anfang April. Ergänzend dazu zeigt das öffentliche Suchinteresse in den Monaten Januar und Februar deutliche Peaks, was mit der winterlichen Beobachtbarkeit zusammenhängt, während in den Sommermonaten Mai und Juni minimale Suchvolumina registriert werden. Die Eiablage findet überwiegend im April oder Mai statt, wobei die Jungvögel nach 25–26 Tagen schlüpfen und mit 40–50 Tagen flügge werden. Nachgelege werden im Fortpflanzungsverlauf ebenfalls beobachtet. Die Art ist tagaktiv und verbringt die nahrungssuchende Aktivität vorzugsweise im Seichtwasser oder auf Grünlandflächen. Belastbare Daten zu exakten temperaturabhängigen Aktivitätsschwellen jenseits der saisonalen Frost- und Winterfluchtphasen fehlen bisher.1
Jahresverlauf
Saisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Praxiswissen
Bedeutung, Schäden & Prävention
Der Ardea alba ist eine wildlebende Vogelart und wird weder als Schädling noch als Lästling klassifiziert, sondern erfüllt eine natürliche Funktion in Feuchtgebieten.1 Spezifische Schadbilder oder wirtschaftliche Schäden durch die Art sind nicht dokumentiert. Eine medizinische oder gesundheitliche Relevanz im Sinne von Vektoren oder durch die Art ausgelösten Allergien ist nicht bekannt. Belastbare Daten zu spezifischen Befallsanzeichen oder Früherkennungsmethoden fehlen, da es sich um keinen Gebäudeschädling handelt. Präventionsmaßnahmen im Sinne des baulichen oder hygienischen Schutzes sind für Ardea alba nicht erforderlich. Monitoring-Methoden oder Fallen zur Bekämpfung existieren nicht, da die Art strengen naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen unterliegt. Biologische, physikalische oder chemische Bekämpfungsmaßnahmen werden nicht angewandt. Ansätze der integrierten Schädlingsbekämpfung sind für diesen Wildvogel nicht relevant. Zu den wesentlichen Gefährdungsursachen für die Art zählen stattdessen Habitatverluste durch Verbauung und das Abbrennen von Schilfflächen. Bestandsrückgänge in der Vergangenheit wurden zudem durch direkte Verfolgung und Störungen im Freizeitbetrieb verursacht. Rechtliche Schutzaspekte greifen durch den Status als wildlebende Vogelart, wobei die IUCN den Bestand weltweit als nicht gefährdet einstuft. In einigen regionalen Roten Listen, wie in Österreich, wird die Art aufgrund lokaler Bestandssituationen geführt.1
Nachweise