Lexikon-Eintrag

Finsterspinne Amaurobius ferox

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Finsterspinne (Amaurobius ferox), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung
Webspinnen (Araneae)
Familie
Amaurobiidae
Gattung
Amaurobius

Überblick

Einleitung

Die Kellerspinne (Amaurobius ferox) ist eine Webspinne aus der Familie der Finsterspinnen (Amaurobiidae) und zählt in Mitteleuropa zu den größeren und häufigeren Vertretern ihrer Familie. Als synanthrope Art besiedelt sie bevorzugt den Siedlungsbereich wie Keller und Mauerspalten, kommt aber auch in Gärten und auf Brachflächen vor. Sie ähnelt anderen Arten der Gattung, insbesondere der Fensterspinne (Amaurobius fenestralis) und der Ähnlichen Fensterspinne (Amaurobius similis).1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die nah verwandte Art Amaurobius jugorum ist deutlich seltener und bislang im deutschsprachigen Raum nur in Ostdeutschland nachgewiesen.
  • Das Sternum der Kellerspinne weist eine gelbe Färbung auf.
  • Auffälliges Merkmal des Männchens ist ein großer, weißer und blasenartiger Fleck am Bulbus.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Kellerspinne (Amaurobius ferox) ist ein größerer Vertreter der Finsterspinnen und weist einen deutlichen Sexualdimorphismus in Größe und Färbung auf. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 11-16 mm, während die schmaleren Männchen 8-10 mm groß werden. Das kräftigere Weibchen besitzt eine wesentlich dunklere bis fast schwarze Färbung. Das Prosoma zeigt ein dunkles Rotbraun als Grundfarbe mit einer fast schwarzen Färbung an der Vorderseite. Im Gegensatz dazu ist das Männchen von hellbrauner Grundfarbe und besitzt eine meist deutlich kontrastreichere Zeichnung. Das Opisthosoma des Weibchens ist nahezu schwarz gefärbt und trägt vorne drei angedeutete helle Längsbinden sowie dahinter drei bis vier kleinere Winkelflecken, die unterbrochen oder verbunden sein können. Diese Zeichnungsmuster können abhängig von der Grundfärbung verschieden ausgeprägt oder verwaschen sein. Die Cheliceren beider Geschlechter sind rotbraun bis schwarz gefärbt, während das Sternum eine gelbe Färbung aufweist. Am männlichen Tier ist ein auffälliger, großer, weißer und blasenartiger Fleck am Bulbus ausgebildet. Aufgrund dieser spezifischen Merkmale lässt sich die Art von anderen Vertretern der Gattung unterscheiden. Eine zuverlässige Abgrenzung zu sehr ähnlichen Arten wie Amaurobius fenestralis und Amaurobius similis ist durch diese Färbungsdetails möglich. Die nah verwandte Art Amaurobius jugorum lässt sich von der Kellerspinne meist nur durch genitalmorphologische Merkmale sicher unterscheiden. Belastbare morphologische Daten zu Larven, Eiern und deren spezifischen Maßen liegen in der Literatur nicht detailliert vor.1

Porträt

Beschreibung

Die Kellerspinne (Amaurobius ferox) ist eine auffällige Webspinne aus der Familie der Finsterspinnen und repräsentiert gemeinsam mit der Fensterspinne (Amaurobius fenestralis) eine der häufigsten Vertreter dieser Familie in Mitteleuropa. Als synanthrope Art bevorzugt sie den menschlichen Siedlungsbereich, weshalb sie vorwiegend in Kellern, Mauerspalten und ungenutzten Gebäudeteilen anzutreffen ist, während sie in natürlichen Habitaten wie den Alpen auch unter Steinen in Wäldern gefunden wird. Mit einer Körperlänge von 11 bis 16 Millimetern bei Weibchen und 8 bis 10 Millimetern bei Männchen zählt sie zu den größeren Arten ihrer Gattung. Beide Geschlechter weisen einen ausgeprägten Sexualdimorphismus bezüglich Größe und Färbung auf. Das kräftigere Weibchen zeigt eine fast schwarze Grundfärbung des Opisthosomas mit drei angedeuteten hellen Längsbinden und darauffolgenden Winkelflecken, während das Prosoma ein dunkles Rotbraun mit fast schwarzer Vorderseite besitzt. Im Gegensatz dazu ist das schmalere Männchen hellbraun gefärbt, besitzt eine kontrastreichere Zeichnung und fällt durch einen großen, weißen, blasenartigen Fleck am Bulbus auf. Die Cheliceren präsentieren sich bei beiden Geschlechtern rotbraun bis schwarz, während das Sternum gelb gefärbt ist. Morphologisch ähnelt Amaurobius ferox anderen Arten der Gattung wie Amaurobius fenestralis und Amaurobius similis, lässt sich jedoch von selteneren Verwandten wie Amaurobius jugorum meist nur durch genitalmorphologische Merkmale sicher unterscheiden. Historisch wurde die Art 1830 von Charles Athanase Walckenaer zunächst als Clubiona ferox beschrieben, ehe sie nach mehreren taxonomischen Änderungen durch Ludwig Carl Christian Koch schließlich unter der Bezeichnung Amaurobius ferox durchgesetzt wurde. Die Entwicklung der Jungtiere nimmt mehrere Jahre in Anspruch, wobei die Dauer auf zwei bis drei Jahre veranschlagt wird. Eine besondere Verhaltensweise nach dem Schlupf besteht darin, dass die Mutterspinne kurz nach dem Schlüpfen der Jungtiere stirbt und diesen als erste Nahrungsquelle dient.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Kellerspinne (Amaurobius ferox) ist eine Webspinne aus der Familie der Finsterspinnen (Amaurobiidae). Ihre Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1830 durch den Entomologen Charles Athanase Walckenaer, der die Art zunächst unter dem Namen Clubiona ferox in die Familie der Sackspinnen einordnete. Im Jahr 1837 transferierte Carl Ludwig Koch die Art zu den Finsterspinnen und vergab die Bezeichnung Amaurobius cryptarum.1 Zwei Jahre später gab selbiger Beschreiber der Kellerspinne erstmals ihre heutige Bezeichnung.1 Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde die Art mehrfach unter anderen Kombinationen geführt, darunter 1859 und 1861 durch John Blackwall als Ciniflo ferox sowie Ciniflo mordax. Schließlich setzte Ludwig Carl Christian Koch die Bezeichnung Amaurobius ferox endgültig durch, obgleich die Kellerspinne mehrere wissenschaftliche Synonyme erhielt. Im deutschsprachigen Raum ist die Art neben dem Hauptnamen Kellerspinne auch als Keller-Finsterspinne bekannt, was auf ihre synanthrope Lebensweise im Siedlungsbereich verweist.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Biologie der Kellerspinne (Amaurobius ferox) ist durch eine überwiegend nachtaktive Lebensweise und spezialisierte Verhaltensweisen im Fortpflanzungszyklus geprägt. Die Paarung dieser Art findet im Frühjahr statt, wobei wandernde Männchen das Netz eines Weibchens aufsuchen und durch spezifische Trommelbewegungen mit den Pedipalpen sowie Zuckungen des Opisthosomas eine Balz einleiten. Nach einer erfolgreichen Annäherung besteigt das Männchen das Weibchen und führt abwechselnd seine Bulbi in die Epigyne ein, wobei während des Übertragungsprozesses eine starke Anschwellung der Tasterblase erfolgt. Im Anschluss an die Kopula ist bei dem Weibchen ein charakteristischer Sekretpfropf sichtbar. Kurz darauf legt das begattete Weibchen seinen Eikokon geschützt im Wohngespinst an. Die Entwicklung der Jungtiere nimmt mehrere Jahre in Anspruch und dauert mindestens zwei bis drei Jahre. Eine Besonderheit der Fortpflanzungsbiologie stellt das mütterliche Fürsorgeverhalten dar, bei dem das Weibchen kurz nach dem Schlupf der Jungtiere stirbt und diesen als erste Nahrungsquelle dient. Als carnivore Art ernähren sich sowohl die Larven als auch die adulten Exemplare polyphag von anderen Gliederfüßern geeigneter Größe. Den Beutefang realisieren die Spinnen über ein charakteristisches Trichternetz aus cribellaten, strahlenförmig angeordneten Fangfäden mit einer bläulich schimmernden Kräuselwolle, wobei Beutetiere über den Vibrationssinn geortet werden. Männliche Exemplare sind überwiegend vom Herbst bis zum Frühjahr auffindbar, während Weibchen ganzjährig anzutreffen sind. Belastbare physiologische Daten zu exakten Temperaturvorgaben der Entwicklung oder spezifischen Diapause-Mechanismen fehlen in der aktuellen Datenlage weitgehend. Natürliche Mortalitätsfaktoren und Feinde der Art sind im Detail bislang nicht systematisch quantifiziert worden.1

Lebensweise

Verhalten

Wie alle Finsterspinnen zeigt Amaurobius ferox eine überwiegend nachtaktive Lebensweise und geht zu dieser Zeit frei umherwandernd auf Beutejagd. Zum Beutefang baut die Art ein charakteristisches Trichternetz mit einer beidseitig offenen Wohnröhre, wobei lediglich die vordere Öffnung direkt mit dem cribellaten, strahlenförmig oder unförmig angeordneten Fangnetz verbunden ist. Das Beutetier wird mittels des Vibrationssinns auf dem Netz geortet, gepackt und anschließend in den Unterschlupf gezogen. Die Paarung findet im Frühjahr statt, wobei geschlechtsreife Männchen aktiv auf die Suche nach dem Netz eines Weibchens gehen. Bei der Balz führt das Männchen Trommelbewegungen mit den Pedipalpen vor der Wohnröhre aus und zuckt deutlich sichtbar mit den Beinen und dem Opisthosoma. Nach erfolgreicher Paarung und dem Schlupf der Jungtiere stirbt die Mutter nach kurzer Zeit und dient der Nachkommenschaft als erste Nahrungsquelle. Gegenüber Menschen verhält sich die Art nicht aggressiv und setzt ihre Cheliceren bei Unfällen oder Einquetschungen nur in größter Not ein.1

Lebensweise

Ökologie

Als polyphager Carnivor ernährt sich Amaurobius ferox überwiegend von anderen Gliederfüßern in passender Größe. Zum Beutefang baut die überwiegend nachtaktive Art ein Trichternetz aus cribellaten, strahlenförmig oder unförmig angeordneten Fangfäden, die mit einer Kräuselwolle überzogen sind. Die Ortung potentieller Beute erfolgt über den Vibrationssinn, sobald diese das Netz betritt, woraufhin die Spinne das Beutetier packt und in ihre beidseitig offene Wohnröhre zieht. Als synanthrope Art besiedelt Amaurobius ferox bevorzugt den Siedlungsbereich wie Keller und Mauerspalten, kommt aber auch in Gärten, Ruderalvegetationen und Brachflächen vor. In den Alpen wurden Vorkommen zudem in Wäldern unter Steinen dokumentiert. Darüber hinaus belegen Funddaten das Vorkommen in Nadel- und Mischwäldern in Höhenlagen von über 1400 m. Eine Besonderheit im Lebenszyklus stellt die mütterliche Fürsorge dar, bei dem das Weibchen kurz nach dem Schlupf der Jungtiere stirbt und diesen als erste Nahrungsquelle dient. Die Entwicklung der Jungspinnen nimmt mindestens zwei bis drei Jahre in Anspruch.1 Belastbare Daten zu spezifischen Parasitoiden oder interspezifischen Konkurrenten fehlen in der aktuellen Datenlage.

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Amaurobius ferox ist in Mittel- und Südeuropa weit verbreitet und gehört dort zu den typischen Vertretern der Finsterspinnen. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst vor allem temperierte Regionen dieses Raumes. Aufgrund ihrer synanthropen Lebensweise hat sich die Art darüber hinaus in verschiedenen urbanen Regionen etabliert. In Deutschland und im gesamten DACH-Raum ist die Art flächendeckend anzutreffen. Als typische Habitate im natürlichen Raum dienen vor allem Nadel- und Mischwälder, in denen sie unter Steinen gefunden werden kann. Ergänzend dazu besiedelt die Art auch alpine Waldgebiete, wie Funde aus Höhenlagen um 1400-1415 m belegen. In diesen montanen Habitaten tritt sie unter anderem in Tannenwäldern sowie in Mischwäldern aus Pappeln und Kiefern auf. Neben diesen natürlichen Standorten prägen anthropogene Lebensräume das Vorkommen der Art. Deshalb hält sich die synanthrope Art vorzugsweise im Siedlungsbereich auf. Dort besiedelt Amaurobius ferox bevorzugt Keller, Mauerspalten und andere weniger genutzte Bereiche von Gebäuden. Darüber hinaus umfasst das Spektrum an anthropogenen und halbnatürlichen Lebensräumen Gärten, Ruderalvegetationen und Brachflächen. Belastbare quantitative Daten zur vertikalen Gesamtausdehnung außerhalb der alpinen Fundpunkte fehlen. Die aktuelle Datenlage zeigt jedoch eine deutliche Präferenz für urbane und waldassoziierte Mikrohabitate.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Konstein, West, 91809 Wellheim, Deutschland

    24.03.2026

  • Berlin, Berlin, Deutschland

    24.03.2026

  • Wiesbaden, Deutschland

    23.03.2026

  • Deutschland

    23.03.2026

  • Deutschland

    23.03.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
7
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Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 27.10.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Kellerspinne Amaurobius ferox zeigt eine deutliche, jahreszeitlich differenzierte Aktivitätsdynamik zwischen den Geschlechtern. Während weibliche Adulttiere das ganze Jahr über zu finden sind, ist das Auftreten der Männchen zeitlich auf den Zeitraum vom Herbst bis zum Frühjahr beschränkt. Entsprechend findet die Paarung der Art im Frühjahr statt, wobei die Männchen aktiv das Netz eines Weibchens aufsuchen und dabei oft frei umherlaufend angetroffen werden. Nach der Eiablage im Wohngespinst schlüpfen die Jungtiere, deren Entwicklung sich über mehrere Jahre hinweg erstreckt und schätzungsweise zwei bis drei Jahre dauert. Die artspezifische Aktivität ist überwiegend nocturn ausgeprägt, weshalb die Tiere vor allem nachts frei umherwandernd bei der Jagd angetroffen werden können.1 Ergänzende Analysen des öffentlichen Informationsinteresses verzeichnen wiederkehrende Peaks im Spätsommer (Monat August) sowie im Spätherbst (Monat November).3 Belastbare physiologische Messdaten zur genauen Temperaturabhängigkeit der Aktivität fehlen in der wissenschaftlichen Literatur bisher.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Keller-Finsterspinne (Amaurobius ferox) ist als synanthrope Art im Siedlungsbereich primär als Lästling einzustufen, da sie durch ihre Präsenz in Wohn- und Kellerräumen zu Unbehagen führen kann. Das Schadpotenzial der Art ist gering, da sie keine materiellen Schäden an Gebäuden oder Vorräten verursacht. Als typisches Schadbild gelten die unregelmäßigen Trichternetze mit ihrer charakteristischen bläulichen Kräuselwolle, die in Kellern und Mauerspalten angelegt werden. Die medizinische Relevanz ist aufgrund der kräftigen Cheliceren gegeben, da die Art prinzipiell in der Lage ist, die menschliche Haut zu durchdringen. Dies geschieht jedoch ausschließlich in äußerster Notwehr, etwa bei direkten Einquetschungen. Ein solcher Biss ist zwar schmerzhaft, verläuft im Regelfall jedoch ungefährlich. Als typische Symptome treten lokale Schmerzen, Rötungen und Schwellungen auf, die in der Regel nach 12 Stunden nachlassen. Belastbare Daten zu spezifischen Präventions- oder Bekämpfungsmaßnahmen, chemischen Agenzien oder systematischen Monitoring-Methoden für Amaurobius ferox fehlen in der wissenschaftlichen Literatur. Die Art ist nicht aggressiv und tritt als nützlicher Räuber von Gliederfüßern auf, weshalb gezielte Bekämpfungsmaßnahmen im Regelfall nicht erforderlich sind.

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Belastbare Daten zur wirtschaftlichen Bedeutung von Amaurobius ferox als Schädling oder Nützling fehlen in der wissenschaftlichen Literatur weitgehend. Die synanthrope Art tritt im menschlichen Siedlungsbereich auf, verursacht dort jedoch keine nennenswerten wirtschaftlichen Schäden an Materialien oder Vorräten. Auch in der Forst- oder Landwirtschaft ist keine ökonomische Relevanz belegt. Etwaige Interaktionen beschränken sich auf gelegentliche, medizinisch unbedeutende Begegnungen mit dem Menschen in Kellern oder Wohnräumen, die keine wirtschaftlichen Nachwirkungen nach sich ziehen.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Kellerspinne_%28Finsterspinnen%29
  2. gbif.org/species/2141593
  3. Aggregierte Suchanfragen-Zeitreihe für Deutschland (Zeitraum 2024-2026)
  4. Literaturzusammenfassung: Amaurobius ferox