Lexikon-Eintrag

Braungelbe Herbsteule Agrochola circellaris

Braungelbe Herbsteule (Agrochola circellaris), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie
Noctuidae
Gattung
Agrochola

Überblick

Einleitung

Die Braungelbe Herbsteule (Agrochola circellaris), zuweilen auch als Rötlichgelbe Herbsteule oder Ulmen-Herbsteule bezeichnet, ist ein Schmetterling aus der Familie der Eulenfalter (Noctuidae). Die Art ist in Mitteleuropa weit verbreitet und bewohnt bevorzugt Waldränder, Auenwälder sowie buschige Heiden. Im Gegensatz zur ähnlichen Rötlichen Herbsteule (Agrochola helvola) besitzt Agrochola circellaris einen kleinen schwarzen Fleck innerhalb der Nierenmakel sowie rot angelegte Wellenlinien.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Raupen besitzen eine graubraune bis rotbraune Grundfärbung, auf deren Rücken sich auffällige, kräftige v-förmige schwarzbraune Flecken abheben.
  • Der Kopf der Raupen ist hellbraun gefärbt und der dunkelbraune Nackenschild wird von drei gelblichen Längslinien durchzogen.
  • Ältere Raupen lassen sich zusammen mit den verblühten Kätzchen zu Boden fallen, um sich fortan von niedrigen Pflanzen zu ernähren.
  • Die Verpuppung der Art findet in einem Kokon in der Erde statt.
  • Die Gattung Sunira, zu der die Art heute gezählt wird, wurde im Jahr 2010 aufgrund deutlicher Unterschiede der Geschlechtsorgane in den Rang einer eigenständigen Gattung erhoben.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Braungelbe Herbsteule (Agrochola circellaris) ist ein Schmetterling aus der Familie der Eulenfalter, dessen Flügelspannweite 34 bis 44 mm beträgt. Die Grundfärbung der Falter zeigt eine erhebliche Variabilität und reicht von gelbbraunen über graubraune bis hin zu rötlich braunen Tönungen. Auf der Vorderflügeloberseite verlaufen stark gezackte, dunkelbraune Querlinien, während die Wellenlinie auf der Innenseite rot angelegt ist. Die Ringmakel ist groß und kreisrund ausgebildet, was sich auch im Artepitheton circellaris widerspiegelt. Beide Makel, Ring- und Nierenmakel, sind braun umrandet. Im Inneren der Nierenmakel hebt sich charakteristisch ein kleiner schwarztöniger Fleck ab. Die Hinterflügeloberseite ist zeichnungslos hellgrau gefärbt und weist am Innenrand eine breite, ockergelbe Zone auf. Ähnliche Arten wie die Rötliche Herbsteule (Agrochola helvola) neigen stärker zu rotbraunen Tönungen und lassen den kleinen schwarzen Fleck in der Nierenmakel sowie die rote Anlage der Wellenlinie vermissen. Die Raupen erreichen eine graubraune bis rotbraune Grundfärbung, auf der sich dünne, helle Rücken- und Nebenrückenlinien abheben. Ein auffälliges Merkmal der Raupen sind kräftige, v-förmige und schwarzbraune Flecken auf dem Rücken. Der Kopf der Raupe ist hellbraun gefärbt, während der dunkelbraune Nackenschild von drei gelblichen Längslinien durchzogen wird, von denen die mittlere am schwächsten ausgeprägt ist.1

Porträt

Beschreibung

Die Braungelbe Herbsteule (Agrochola circellaris), im Sprachgebrauch bisweilen auch als Ulmen-Herbsteule bezeichnet, gehört zur Familie der Eulenfalter (Noctuidae). Der wissenschaftliche Artname leitet sich von dem lateinischen Wort circulus für Kreis ab und beschreibt direkt die charakteristische, kreisrunde Ringmakel auf der Vorderflügeloberseite. Aufgrund der typischen Ziegelstein-Farbtöne und der Haltung in Ruhestellung hat sich im Englischen der Trivialname The Brick etabliert. Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 34 bis 44 Millimetern und zeigen eine hohe farbliche Variabilität mit gelbbraunen, graubraunen sowie rötlich braunen Exemplaren. Auf der Vorderflügeloberseite verlaufen stark gezackte, dunkelbraune Querlinien, während die Wellenlinie innenseitig rot angelegt ist. Ein weiteres Bestimmungsmerkmal der Vorderflügel sind die braun umrandeten Ring- und Nierenmakeln, wobei letztere im Inneren einen kleinen schwarzen Fleck aufweist. Im Gegensatz dazu ist die Hinterflügeloberseite weitgehend zeichnungslos hellgrau gefärbt und zeigt lediglich am Innenrand eine breite ockergelbe Tönung. In Abgrenzung zur ähnlichen Rötlichen Herbsteule (Agrochola helvola) neigt letztere Art stärker zu rein rotbraunen Tönungen und entbehrt sowohl des schwarzen Flecks in der Nierenmakel als auch der roten Anlage an der Wellenlinie. Die Raupen von Agrochola circellaris präsentieren sich in einer graubraunen bis rotbraunen Grundfärbung, die von dünnen, hellen Rücken- und Nebenrückenlinien durchzogen wird. Als auffälliges Erkennungsmerkmal im Larvalstadium dienen kräftige, v-förmige und schwarzbraune Flecke auf dem Rücken. Der helle, braune Kopf der Raupe wird durch einen dunkelbraunen Nackenschild ergänzt, den drei gelbliche Längslinien durchziehen, wobei die mittlere Linie am schwächsten ausgeprägt ist. Die Entwicklung der Raupen verläuft über mehrere Stadien von April bis Juni, wobei junge Larven zunächst spezialisiert an den Kätzchen und Blattknospen von Weiden-, Ulmen- und Pappelarten fressen. Ältere Raupen lassen sich gemeinsam mit den verblühten Kätzchen zu Boden fallen, wo sie ihre Ernährung auf niedrig wachsende Pflanzen umstellen; in Zuchten hat sich hierbei Löwenzahn als sehr erfolgreich erwiesen. Die Verpuppung erfolgt anschließend in einem Kokon im Erdreich. Historisch wurde die Gattung Sunira zunächst als Untergattung von Agrochola aufgefasst, bis deutliche morphologische Unterschiede der Geschlechtsorgane im Jahr 2010 zur Erhebung in den eigenständigen Gattungsstatus führten.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Braungelbe Herbsteule (Agrochola circellaris), zuweilen auch als Rötlichgelbe Herbsteule oder Ulmen-Herbsteule bezeichnet, ist ein Schmetterling aus der Familie der Eulenfalter (Noctuidae). Der wissenschaftliche Artname leitet sich von dem lateinischen Wort circulus für „Kreis“ ab und bezieht sich direkt auf die kreisrunde Ringmakel auf der Vorderflügeloberseite. Im deutschen Sprachraum ist die Art neben der Braungelben beziehungsweise Rötlichgelben Herbsteule zuweilen auch als Ulmen-Herbsteule bekannt. Im englischen Sprachraum hat sich aufgrund der charakteristischen Färbung und der Haltung in der Ruhestellung der Trivialname „The Brick“ (Ziegelstein) etabliert. Die Gattung Sunira wurde in der paläarktischen Region zunächst als Untergattung innerhalb der Gattung Agrochola geführt. Aufgrund morphologischer Unterschiede in den Genitalstrukturen erfolgte im Jahr 2010 die Erhebung von Sunira in den Rang einer eigenständigen Gattung, was in der Fachwelt seither weitgehend Bestätigung fand.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Biologie von Agrochola circellaris ist an einen univoltinen Lebenszyklus angepasst, bei dem die Falter von Anfang August bis Mitte November fliegen. Als nachtaktive Insekten werden sie von künstlichen Lichtquellen und Ködern angezogen und besuchen Nektarquellen wie den Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii). Nach der Paarung überwintert die Art im Eistadium, womit eine physiologische Anpassung an die kalte Jahreszeit vorliegt. Aus den Eiern schlüpfen im April die jungen Raupen, deren Aktivitätsphase bis zum Juni andauert. Die Larven ernähren sich in ihren frühen Stadien zunächst spezialisiert von den Kätzchen und Blattknospen verschiedener Gehölze wie Weiden (Salix), Ulmen (Ulmus) und Pappeln (Populus). Dabei zeigt sich eine regionale Präferenz, wobei gebietsweise die Sal-Weide (Salix caprea) bevorzugt genutzt wird. Ältere Raupen wechseln ihre Nahrungssubstrate und lassen sich zusammen mit den verblühten Kätzchen zu Boden fallen, um sich fortan polyphag von niedrigen Pflanzen zu ernähren. In Zuchten erwies sich die Fütterung mit Löwenzahn als sehr erfolgreich für die Entwicklung. Nach Abschluss der larvalen Entwicklung erfolgt die Verpuppung in einem Kokon in der Erde.1

Lebensweise

Verhalten

Die Falter von Agrochola circellaris zeigen eine streng nachtaktive Lebensweise und fliegen von Anfang August bis Mitte November. Sie orientieren sich aktiv an künstlichen Lichtquellen und reagieren stark auf chemische Köder. Bei der Nahrungsaufnahme besuchen die Imagines saugend die Blüten des Schmetterlingsflieders (Buddleja davidii). Das Verhalten der Raupen unterliegt einer ontogenetischen Veränderung bezüglich der Strata-Nutzung. Junge Raupen besiedeln zunächst die Kronenbereiche von Gehölzen wie Weiden, Ulmen und Pappeln, wo sie sich von Kätzchen und Blattknospen ernähren. Ältere Larven lassen sich zusammen mit den verblühten Kätzchen zu Boden fallen und wechseln dort zu einer bodennahen Ernährungsweise an niedrigen Pflanzen. Die Verpuppung findet schließlich in einem Kokon statt, der im Erdreich angelegt wird.1

Lebensweise

Ökologie

Die ökologische Nische von Agrochola circellaris umfasst vor allem strukturreiche Waldränder, Auenwälder, buschige Heiden sowie Ufer- und Moorgebiete, wobei die Art in den Alpen bis in Höhen von etwa 1600 m vordringt. Zudem besiedelt sie sekundäre Lebensräume wie Vorhölzer, Gärten, Parklandschaften und städtische Gebiete.1 Als herbivore und polyphage Art durchläuft sie eine Generation pro Jahr (univoltin), wobei die Falter nachtaktiv sind und von Anfang August bis Mitte November fliegen.12 Im Nahrungsnetz des Imago-Stadiums spielen nektarspendende Pflanzen eine Rolle; so wurden die Falter beim Saugen an Blüten des Schmetterlingsflieders (Buddleja davidii) beobachtet.1 Die Larvalentwicklung ist eng an eine zeitlich gestaffelte Phytophagie gekoppelt. Junge Raupen ernähren sich von April bis Juni zunächst spezialisiert von Kätzchen und Blattknospen verschiedener Gehölze wie Weiden-, Ulmen- und Pappelarten, wobei regional die Sal-Weide (Salix caprea) bevorzugt wird. Ältere Raupen wechseln durch ein Herabfallen zu Boden zu einer polyphagen Ernährungsweise von niedrigen Pflanzen. Die Überwinterung erfolgt ausschließlich im Eistadium, während die Verpuppung in einem Kokon im Erdreich stattfindet.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Verbreitung von Agrochola circellaris erstreckt sich geografisch durch die Mitte Europas bis in den Westen Sibiriens. Darüber hinaus umfasst das natürliche Areal Vorkommen auf Island, in Kleinasien, Kasachstan, Turkmenistan sowie in Turkestan. Innerhalb dieses Verbreitungsgebiets ist die Art in Deutschland flächendeckend verbreitet und tritt zuweilen zahlreich auf. Aufgrund stabiler Populationen wird der Status in der Roten Liste als nicht gefährdet geführt. Die Vertikalverbreitung reicht in den Alpen bis in Höhen von etwa 1600 Metern. Als natürliche Habitate besiedelt die Art bevorzugt Waldränder, Auenwälder, buschige Heiden sowie Ufer- und Moorgebiete. Ergänzend dazu werden Vorhölzer als Lebensräume genutzt. Auch in anthropogen geprägten Räumen wie Stadtgebieten, Gärten und Parklandschaften ist Agrochola circellaris anzutreffen. Die larvalen Habitate und Nahrungsgründe sind eng an Gehölze wie Weiden-, Ulmen- und Pappelarten geknüpft, wobei je nach Region die Sal-Weide bevorzugt wird. Nach Datenlage existieren keine spezifischen Nachweise für reine Agrarlandschaften, Dünen oder Salzmarschen.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Hannover, Lower Saxony, Deutschland

    19.10.2026

  • Bezirk Treptow-Köpenick, Berlin, Deutschland

    18.10.2026

  • Leuna, Saxony-Anhalt, Deutschland

    18.10.2026

  • Saalekreis, DE-ST, Deutschland

    18.10.2026

  • Saalekreis, DE-ST, Deutschland

    18.10.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

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Zuletzt am 19.10.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Falter von Agrochola circellaris fliegen in einer Generation pro Jahr von Anfang August bis Mitte November. Sie zeigen eine strikt nachtaktive Aktivität und erscheinen sowohl an künstlichen Lichtquellen als auch an Ködern. Zudem wurden die Falter beim Saugen an Blüten des Schmetterlingsflieders (Buddleja davidii) beobachtet.1 Die Art überwintert im Eistadium.12 Aus den Eiern schlüpfen die Raupen, welche von April bis Juni aktiv sind. Die jungen Raupen ernähren sich zunächst von Kätzchen und Blattknospen verschiedener Gehölze wie Weiden-, Ulmen- und Pappelarten. Ältere Larven lassen sich zu Boden fallen und fressen an niedrigen Pflanzen. Die anschließende Verpuppung erfolgt in einem Kokon in der Erde.1 Ergänzende Auswertungen zum öffentlichen Informationsinteresse zeigen jährliche Peaks im August, was mit dem Beginn der Flugphase der Falter korreliert.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Braungelbe Herbsteule (Agrochola circellaris) wird in Mitteleuropa als nicht schädlich eingestuft und gilt weder als nennenswerter Forst- noch als Agrarschädling. Ein wirtschaftliches Schadpotenzial oder typische Schadbilder an Kulturpflanzen sind aus der Literatur nicht bekannt, da die Art in der Roten Liste als nicht gefährdet und ökologisch unauffällig geführt wird.1 Medizinische oder gesundheitliche Relevanzen wie Allergien oder Vektoreigenschaften existieren für den Menschen nicht. Befallsanzeichen an Gehölzen oder Nutzpflanzen treten folglich nicht auf, weshalb spezifische Früherkennungsmethoden fehlen. Präventionsmaßnahmen oder bauliche beziehungsweise hygienische Schutzvorkehrungen sind aufgrund der Harmlosigkeit der Art nicht erforderlich.1 Auch ein systematisches Monitoring mittels Fallen oder spezifischer Indikatoren wird für Agrochola circellaris im Praxisalltag nicht durchgeführt. Da keine massenhaften Schäden oder Gradationen dokumentiert sind, existieren keine etablierten biologischen, physikalischen oder chemischen Bekämpfungsmaßnahmen. Integrierte Schädlingsbekämpfungs- oder Managementkonzepte sind für diese Art daher obsolet. Rechtliche Aspekte wie Quarantänebestimmungen oder Meldepflichten greifen ebenfalls nicht.1

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Belastbare Daten zur wirtschaftlichen Bedeutung oder Schädlingsrelevanz der Braungelben Herbsteule (Agrochola circellaris) liegen nicht vor. Obwohl sich die jungen Raupen im Frühjahr von den Kätzchen und Blattknospen verschiedener Gehölze wie Weiden, Ulmen und Pappeln ernähren, sind keine wirtschaftlichen Schäden in der Forstwirtschaft oder im Obstbau dokumentiert. Die Art gilt in Mitteleuropa als weitgehend unauffällig und wird in der Roten Liste als nicht gefährdet eingestuft, ohne dass pflanzenschutzliche Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich wären.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6tlichgelbe_Herbsteule
  2. gbif.org/species/1790160