Lexikon-Eintrag

Wacholder-Baumwanze Acanthosoma haemorrhoidale

Wacholder-Baumwanze (Acanthosoma haemorrhoidale), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Schnabelkerfe (Hemiptera)
Familie
Acanthosomatidae
Gattung
Acanthosoma

Überblick

Einleitung

Die Wipfel-Stachelwanze (Acanthosoma haemorrhoidale) ist eine in ganz Europa häufig vorkommende Art aus der Familie der Stachelwanzen (Acanthosomatidae) innerhalb der Ordnung der Schnabelkerfe. Sie besiedelt bevorzugt Laubwälder, Waldränder und Feldgehölze, in denen Gehölze wie Weißdorn und Ebereschen wachsen. Als herbivore Art saugt sie im adulten Stadium an Pflanzenspielen und bevorzugt dabei Früchte, während sich die Larven auf Blätter spezialisieren. Zum Schutz vor Fressfeinden kann sie ein stark unangenehm riechendes Sekret abgeben.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Füße (Tarsus) von Acanthosoma haemorrhoidale sind zweigliedrig aufgebaut.
  • Die Farbe des Hinterleibs variiert im Jahresverlauf und zeigt sich im Frühjahr apfel- bis smaragdgrün, während er im Herbst gelbgrün bis braunrot gefärbt ist.
  • Die Tarsengliederung zeigt sich mit exakt zwei Gliedern.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Wipfel-Stachelwanze (Acanthosoma haemorrhoidale) erreicht eine Körperlänge von 15 bis 17 mm und besitzt einen charakteristischen, schildförmigen Körper. Ihr schwarz-gelb längs gestreifter Kopf weist ein innerstes Fühlerglied auf, das den ebenfalls schwarz punktierten Kopf in seiner Länge überragt. Der Halsschild und das Schildchen sind ebenfalls schwarz punktiert, wobei sich auf dem Schildchen allein etwa 110 Punkte befinden. Dorsal bilden blutrote bis rotbraune Streifen auf den Hemielytren und dem Rand des Halsschildes ein auffälliges Dreieck. Ventral fällt die Art durch einen spitzen, stachelartigen Fortsatz auf, der als Kiel dient und namensgebend für die Stachelwanzen ist. Die Tarsen der Beine sind zweigliedrig gegliedert. Beim Auffliegen wird der Hinterleib sichtbar, dessen Färbung saisonal von apfel- bis smaragdgrün im Frühjahr zu gelbgrün bis braunrot im Herbst variiert. Larven sind überwiegend grün gefärbt und durchlaufen fünf Häutungen, bis sie das adulte Stadium erreichen.1

Porträt

Beschreibung

Die Wipfel-Stachelwanze (Acanthosoma haemorrhoidale) repräsentiert als Vertreter der Familie Acanthosomatidae innerhalb der Schnabelkerfe eine in ganz Europa verbreitete Baumwanzenart. Sie besiedelt bevorzugt Laubwälder, Waldränder sowie Feldgehölze, wobei sie vor allem dort auftritt, wo Gehölze wie Ebereschen und Weißdorn wachsen. Mit einer Körperlänge von 15 bis 17 mm gehört sie zu den größeren mitteleuropäischen Wanzenarten. Charakteristisch für die Art ist ein ventral ausgebildeter, spitzer und stachelartiger Fortsatz, der zu ihrem Trivialnamen beiträgt. Der Körperbau zeigt eine Anpassung an die phytophage Ernährungsweise, bei der Adulte im Gegensatz zu den Larven bevorzugt an Früchten von Beerensträuchern saugen. Im natürlichen Lebensraum bietet die dorsale Färbung mit blutroten bis rotbraunen Streifen auf den Hemielytren und dem Halsschild eine Tarnung im Blattwerk von Weißdornsträuchern. Während des Fluges wird eine auffällige Färbung des Hinterleibs sichtbar, die saisonal variiert und im Frühjahr von apfel- bis smaragdgrün zu einem gelbgrünen bis braunroten Ton im Herbst wechselt. Zum Schutz vor Fressfeinden wie Vögeln nutzen die Tiere ein stark unangenehm riechendes Sekret, das bei Adulten über Wehrdrüsen neben dem Beinansatz abgegeben wird. Im Gegensatz dazu befinden sich die Wehrdrüsen der Larven dorsal auf dem Abdomen. Die Entwicklung umfasst eine Generation pro Jahr, wobei die adulten Tiere nach einem herbstlichen Sonnenbad an Wänden am Boden unter altem Laub überwintern. Im folgenden Frühjahr erfolgt die Eiablage auf Weißdorn. Die im Anschluss von Juni bis August schlüpfenden, überwiegend grünen Larven durchlaufen fünf Häutungen in wenigen Wochen 1, wobei sie im Gegensatz zu den adulten Tieren ausschließlich Blätter anstechen. Belastbare morphologische Daten zur Unterscheidung der Geschlechter über den Lebenszyklus hinaus oder mikroskopische Feinstrukturen jenseits der makroskopischen Punktierung des Schildchens mit etwa 110 Punkten und der schwarz punktierten Kopf- und Halsschildstruktur fehlen in der primären Literatur weitgehend.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Wacholder-Baumwanze oder Wipfel-Stachelwanze ist wissenschaftlich als Acanthosoma haemorrhoidale bekannt. Im deutschsprachigen Raum sind neben der Wipfel-Stachelwanze auch die Trivialnamen Stachelwanze und Wipfelwanze gebräuchlich. Die Zuordnung erfolgt zur Familie der Stachelwanzen innerhalb der Ordnung der Schnabelkerfen. Belastbare historische Daten zur genauen Erstbeschreibung sowie detaillierte Angaben zu Synonymen fehlen in der aktuellen Datenlage. Die gattungsspezifische Bezeichnung verweist auf charakteristische morphologische Merkmale wie den ventralen stachelartigen Fortsatz.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Acanthosoma haemorrhoidale bildet im Jahresverlauf eine einzige Generation aus. Nach der Überwinterung im adulten Stadium erfolgt die Paarung im Frühling. Die befruchteten Eier werden im Anschluss an Weißdorn abgelegt. Aus den Eiern schlüpfen von Juni bis August die überwiegend grünen Larven. Die Larven durchlaufen in wenigen Wochen insgesamt fünf Häutungen, bevor sie ihre vollständige Entwicklung zum adulten Stadium abschließen.1 Die Ernährung der Art unterscheidet sich je nach Entwicklungsstadium deutlich. Während die mobilen Imagines bevorzugt Pflanzensäfte an Beerensträuchern und insbesondere an den Früchten selbst saugen, beschränken sich die Larven auf das Anstechen der Blätter.1 Beide Stadien ernähren sich demnach herbivor von Pflanzensäften.2 Zum Schutz vor Fressfeinden wie Vögeln und bei anderen Störungen nutzen die Tiere ein stark unangenehm riechendes Sekret. Während die Ausgänge der Wehrdrüsen bei den adulten Wanzen neben dem Beinansatz liegen, befinden sich diese bei den Larven gut erkennbar dorsal auf dem Abdomen. Die Überwinterung erfolgt als Imago am Boden unter altem Laub. Vor dem Aufsuchen des Winterquartiers sind die adulten Wanzen im Herbst häufig bei einem Sonnenbad an Wänden zu beobachten. Belastbare quantitative Daten zur genauen Dauer der einzelnen Entwicklungsstadien in Abhängigkeit von spezifischen Temperaturen fehlen bisher. Auch physiologische Besonderheiten wie spezifische Kältetoleranzwerte oder detaillierte Mortalitätsfaktoren außerhalb des beschriebenen Prädatorendrucks sind in der Literatur nicht systematisch quantifiziert.1

Lebensweise

Verhalten

Acanthosoma haemorrhoidale nutzt zur Abwehr von Fressfeinden wie Vögeln ein stark unangenehm riechendes, jedoch ungiftiges Sekret. Die Ausgänge dieser Wehrdrüsen befinden sich bei den adulten Wanzen direkt neben dem Beinansatz, während sie bei den Larven dorsal auf dem Abdomen liegen. Bei Störungen oder Bedrohungen wird dieses Schutzsekret abgegeben. Die Fortbewegung erfolgt unter anderem durch den Flug, bei dem die bunte Färbung des Abdomens sichtbar wird. Von April bis Oktober sind die Tiere aktiv und flugfähig. Im Herbst zeigen die adulten Wanzen ein auffälliges Sonnenbadverhalten an Wänden, bevor sie die kalte Jahreszeit am Boden unter altem Laub verbringen.1 Die Überwinterung erfolgt ausschließlich im adulten Stadium.12

Lebensweise

Ökologie

Acanthosoma haemorrhoidale besiedelt als phytophage Art bevorzugt Laubwälder, Waldränder und Feldgehölze, wobei sie meist einzeln an Standorten von Ebereschen, Weißdorn und Hecken anzutreffen ist. Die ökologische Nische der Art ist eng mit dem Vorkommen von Rosengewächsen verknüpft, an denen sowohl die Reproduktion als auch die Nahrungsaufnahme stattfinden. Adulttiere ernähren sich überwiegend phytophag durch das Saugen an Pflanzensäften von Beerensträuchern, wobei sie eine besondere Präferenz für die Früchte zeigen. Im Gegensatz dazu stechen die Larven primär die Blätter der Wirtspflanzen an. Die Eiablage erfolgt im Frühling spezifisch auf Weißdorn. Zum Schutz vor Fressfeinden wie Vögeln nutzen die Insekten ein stark unangenehm riechendes Sekret, das von den Imagines über Wehrdrüsen neben den Beinansätzen abgegeben wird. Larven besitzen entsprechende Wehrdrüsen dorsal auf dem Abdomen. Die Überwinterung erfolgt als adulte Wanze am Boden unter altem Laub.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Wipfel-Stachelwanze (Acanthosoma haemorrhoidale) ist in ganz Europa beheimatet, zeigt jedoch gegen Norden hin eine abnehmende Häufigkeit. Sie zählt zu den am häufigsten vorkommenden Wanzenarten des Kontinents.1 Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich über verschiedene europäische Regionen, wobei Nachweise aus dem Mittelmeerraum bis hin zu subnivalen Höhenlagen von 4 bis 2000 m vorliegen.2 In Deutschland und im DACH-Raum ist die Art flächendeckend verbreitet. Typische Habitate umfassen Laubwälder, Waldränder sowie Feldgehölze. Dort besiedelt die Art bevorzugt Bereiche mit Vorkommen von Ebereschen (Sorbus aucuparia), Weißdorn (Crataegus) und diversen Heckenstrukturen.1 Agrarlandschaften, Dünen, Grünländer oder Salzmarschen werden hingegen nicht als primäre Lebensräume genutzt.2 Als phytophage Art sind die Tiere eng an ihre Wirtspflanzen gebunden, an denen sie vor allem Beerensträucher als Nahrungsquelle aufsuchen. Zur Überwinterung verlassen die adulten Wanzen die Gehölze und suchen Schutz am Boden unter altem Laub. Im Herbst sind sie zudem häufig bei einem Sonnenbad an Hauswänden in Siedlungsbereichen zu beobachten.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • In der Loh, Uslar, Lower Saxony, Deutschland

    29.05.2026

  • Greifswald, 17489 Greifswald, Deutschland

    29.05.2026

  • Leer, DE-NI, Deutschland

    29.05.2026

  • Deutschland

    28.05.2026

  • Coesfeld, DE-NW, Deutschland

    28.05.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivitätsperiode von Acanthosoma haemorrhoidale erstreckt sich im Jahresverlauf von April bis Oktober. In dieser Zeit verlassen die Tiere ihre Winterquartiere und sind in Laubwäldern sowie an Waldrändern anzutreffen. Die Fortpflanzungsphase schließt sich im Frühling an, wenn die Weibchen ihre befruchteten Eier auf Weißdorn ablegen. Daraus hervorgehend schlüpfen die Larven im Zeitraum von Juni bis August. Diese durchlaufen in wenigen Wochen fünf Häutungen, bis sie schließlich im Spätsommer die Adultphase erreichen. Pro Jahr wird bei Acanthosoma haemorrhoidale exakt eine Generation ausgebildet. Im Herbst zeigen die adulten Wanzen ein auffälliges Sonnenbadverhalten an sonnigen Wänden, bevor sie die kalte Jahreszeit einläuten.1 Die Überwinterung erfolgt ausschließlich im adulten Stadium geschützt am Boden unter altem Laub.12 Ergänzend zeigt das öffentliche Suchinteresse in den Frühlingsmonaten, insbesondere im Mai, einen deutlichen Peak, was mit dem erwachenden Auftreten der Tiere korreliert.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Wipfel-Stachelwanze (Acanthosoma haemorrhoidale) gilt in Mitteleuropa primär als phytophager Waldbewohner und gelegentlicher Lästling an Gebäuden, besitzt jedoch keine wirtschaftliche Relevanz als Agrarschädling.12 Adulte Tiere saugen bevorzugt an Pflanzensäften von Beerensträuchern und Früchten, während sich die Larven auf das Anstechen von Blättern spezialisieren. Bei starkem Auftreten oder Störungen geben die Insekten ein stark unangenehm riechendes Wehrsekret ab, das bei massenhafter Annäherung an menschliche Siedlungen im Herbst als störend empfunden wird.1 Medizinische oder allergische Relevanzen durch Bisse oder das Sekret sind beim Menschen nicht dokumentiert. Erste Befallsanzeichen im Siedlungsbereich zeigen sich im Herbst, wenn adulter Tiere Sonnenseiten von Wänden zur Suche nach Winterquartieren nutzen. Präventive Maßnahmen beschränken sich auf den bauphysikalischen Schutz durch dichte Fliegengitter und verschlossene Fugen, um ein Einwandern in Wohnräume zu verhindern.1 Da es sich um keine ernsthafte Schadart handelt, sind chemische Bekämpfungsmaßnahmen oder ein systematisches Monitoring im Regelfall nicht erforderlich.12 Die Überwinterung erfolgt als adultes Tier am Boden unter altem Laub, weshalb das Entfernen von Laubhaufen in direkter Hausnähe als natürliche Barriere wirken kann.1 Belastbare Daten zu spezifischen Fallen oder biologischen Bekämpfungsmitteln für diese Art fehlen in der wissenschaftlichen Literatur. Rechtliche Aspekte wie Quarantänebestimmungen oder Meldepflichten existieren für die Art nicht.12

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Belastbare Daten zur wirtschaftlichen Bedeutung von Acanthosoma haemorrhoidale als Schädling in der Land- oder Forstwirtschaft fehlen, da die Art primär in Laubwäldern und an Waldrändern vorkommt. Da Acanthosoma haemorrhoidale sich von Pflanzensäften an Beerensträuchern ernährt, ist ein gelegentliches Auftreten an Kulturpflanzen möglich, wirtschaftliche Schäden sind jedoch nicht dokumentiert. Positive wirtschaftliche Aspekte wie eine Funktion als Bestäuber oder Nützling sind für Acanthosoma haemorrhoidale ebenfalls nicht bekannt.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Wipfel-Stachelwanze
  2. gbif.org/species/5866246